Modellprojekte des Aktionsprogramms „Frühe Hilfen“ liefern erste Erkenntnisse

Posted on November 17, 2008. Filed under: Forschung, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik | Schlagwörter: |

Ursula von der Leyen: „Wir müssen die typischen Risiken genau kennen, um tragische Fehler zu vermeiden“

Modellprojekte des Aktionsprogramms „Frühe Hilfen“ liefern erste Erkenntnisse /
Erste bundesweite Fehleranalyse benennt häufige Schwachstellen im Kinderschutz

Zwei Jahre nach dem Start des Aktionsprogramms „Frühe Hilfen“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sind in allen Bundesländern Modellprojekte für den frühzeitigen Kinderschutz aktiv. Erste Erfahrungen bestätigen, dass Strukturen des Gesundheitswesens früher und leichter Kontakte zu hochgefährdeten Familien aufbauen können als andere staatliche Stellen. Eine in Deutschland in dieser Form einmalige Expertise, die heute in Berlin vorgestellt wurde, wertet bekannt gewordene Fälle von schweren Kindesmisshandlungen und -vernachlässigungen systematisch aus, vergleicht diese mit Erfahrungen im Ausland und zeigt so, wo die häufigsten Schwachstellen in den vorhandenen Kinderschutz-Systemen zu finden sind.

Die vom Bundesfamilienministerium beauftragte und von Prof. Jörg Fegert, Ärztlicher Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Ulm, und seinem Team erarbeitete Expertise „Aus problematischen Kinderschutzverläufen lernen“ hat auf Basis einer umfangreichen Auswertung öffentlich zugänglicher Quellen folgende typischen Hauptfehlerquellen identifiziert:

  • Das „Mehr-Augen-Prinzip“ wird außer Acht gelassen: Keine Chance zur Korrektur von Fehleinschätzungen.
  • Bearbeiter verlassen sich auf Akten und verschaffen sich keinen persönlichen Eindruck von Kind und Familiensituation: Das volle Ausmaß der Gefahr wird nicht erfasst.
  • Ämter verlassen sich auf Berichte aus zweiter Hand: Eigene Recherchen bleiben aus.
  • Zuständige horten „Geheimwissen“: Fallübergaben scheitern an mangelnder Dokumentation.
  • Ärzte fühlen sich zum Teil zu unrecht zum Schweigen verpflichtet: Niemand handelt, weil wichtige Informationen nicht mitgeteilt werden.
  • Verantwortlichkeiten sind nicht klar geregelt: Einer verlässt sich auf den anderen.
  • Vorgeschichte der Eltern wird nicht abgefragt (z.B. Vorstrafen, Alkohol, Depressionen, Traumata): Wesentliche Risiken bleiben unberücksichtigt.

Vollständige Pressemitteilung des BMFSFJ vom 17.11.08

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