Forschungsprojekt konstatiert Defizite in der Hilfe für Pflegekinder

Posted on Februar 24, 2009. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Pflegekinderhilfe“, das das Deutsche Jugendinstitut (DJI) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) durchgeführt hat, wurden rund 630 Pflegekinderverhältnisse in vier Kommunen untersucht und Pflegeeltern von mehr als 400 Kindern befragt. Damit liegt die bislang größte empirische Forschungsarbeit zu diesem Thema in Deutschland vor.

Etwa 50.000 Kinder in Deutschland leben bei Pflegeeltern, Kinder, die befristet oder auf Dauer aus ihrer Herkunftsfamilie herausgenommen werden, weil sie dort Misshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch erfahren haben. Die Expertinnen und Experten des DJI und des DIJuF schätzen, dass knapp ein Drittel dieser Pflegeverhältnisse scheitert.

Als zentrale Ursache wird zum einen das Fehlen einheitlicher kommunaler Standards für die Arbeit mit Pflegekindern genannt. Demnach variieren die Bezahlung von Ort zu Ort sehr stark und auch die Vorbereitung der Pflegeeltern auf ihre Aufgaben gestaltet sich sehr unterschiedlich. Zum anderen werde die ohnehin schon schwierige Kommunikation zwischen Pflegekindern, leiblichen Eltern und Pflegeeltern häufig kaum von Fachkräften vorbereitet oder begleitet. Ein Grund dafür liege auch in den teilweise miserablen Betreuungsschlüsseln in den Jugendämtern und Pflegekinderdiensten.

Elisabeth Helming vom Deutschen Jugendinstitut nennt drei Faktoren, die die Beziehung zwischen Pflegeeltern und Kind stabilisieren: eine persönliche Bindung aufzubauen und dem Kind bei Schulproblemen und im Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie zu helfen. Aber auch die sozialpädagogische Fachkraft, der Sozialarbeiter vom Jugendamt müsse sich mehr Zeit nehmen.

Im Gespräch mit epd sozial fordert Thomas Meysen, Fachlicher Leiter vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht  ein neues Verständnis in der Pflegekinderhilfe. Es müsse mehr in den Anfang von Pflegekinderverhältnissen und in die Beziehung zwischen den Herkunftseltern und den Pflegeeltern investiert werden. Derzeit macht sich das DIJuF auch für eine Stärkung der Dauerpflegeverhältnisse stark.

Mitte des Jahres 2009 wird das DJI ein neues Handbuch zur Pflegekinderhilfe vorlegen. Einzelne Exposés der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen im Internet zur Verfügung auf der Projektseite des DJI.

Quelle: epd sozial vom 30. Januar 2009

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