Artikel: Babyklappen-Erfinderin warnt: „Kinder passen nicht in die Krise“ – Es gibt einen Boom bei anonymen Geburten

Posted on März 12, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Berlin, Bewerber, Politik, Publikationen, Stellungnahmen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

(SN) Berlin – Kinder und Wirtschaftskrise – das passt leider nicht zusammen, lautet die ernüchternde Bilanz in der Geburtsklinik Waldfriede (Zehlendorf). Seit Dezember nimmt dort die Zahl anonymer Geburten sprunghaft zu.

Gabriele Stangl, Seelsorgerin der Klinik und Initiatorin der ersten Berliner Babyklappe: „Seit 2000 wurde hier in rund 100 Fällen Frauen geholfen, die schwanger in eine Notlage gerieten. Dabei haben wir anonyme Geburten und abgelegte Kinder zusammengezählt.“ Doch seit Dezember gibt es bei den anonymen Geburten einen Boom: „Pro Woche mindestens ein Fall, letzte Woche fast täglich. Die Zahl ist vier Mal so hoch wie üblich.“

Für Gabriele Stangl ein Warnsignal: „Mit der Wirtschaftskrise wird das Gefühl von Sicherheit kleiner, die Angst vor Arbeitslosigkeit immer größer. Mit dem Mangel an Perspektive wachsen dann die familiären Probleme.“

Immerhin: 95 Prozent der Mütter, die sich für eine anonyme Geburt (und die Adoption) entscheiden, geben ihren Kindern die Möglichkeit, später Kontakt zu ihnen zu suchen.

Andererseits weiß Gabriele Stangl auch, dass noch zu wenig Frauen so handeln. „Mir sind einige Fälle bekannt, bei denen ich weiß, dass etwas Schreckliches passiert ist.“ Einmal war es eine alte Frau, die ihr kurz vor dem Tod gestand, sie habe ihr Neugeborenes, Folge einer Vergewaltigung, im Wald ausgesetzt.

Kurz vor der Eröffnung der Babyklappe lernte sie eine Frau kennen, die illegal in Berlin lebte. „Die wollte hier entbinden. Später erfuhr ich, sie habe das Kind an die Baby-Mafia verkauft.“ Oder die Frau, die bereits in den Wehen lag, aber das Kind unbedingt abtreiben wollte: „Sie war zur Entbindung angekündigt, kam aber nicht. Ich bin sicher, sie hat das Kind noch an diesem Tag allein entbunden und nicht behalten. So etwas ist kein Einzelfall, das höre ich leider immer wieder.“

Für die Seelsorgerin gibt es nur einen Ausweg: „Wir müssen hellhöriger werden, im Kleinen anfangen, nicht die Verantwortung auf Ämter und Krankenhäuser abschieben. Leider geht die Gesellschaft gerade in die andere Richtung.“

Quelle: Artikel aus Berliner Kurier vom 11.03.2009

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