Thüringen – Artikel: „Auch künftig kein Babykörbchen in Nordhausen“

Posted on März 25, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Kinderschutz, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , |

NORDHAUSEN. Ein Babykörbchen am Südharz-Krankenhaus wird es auch weiterhin nicht geben. Man favorisiert vielmehr den Weg der anonymen Geburt. Noch besser sei, heißt es, wenn eine Mutter, die nicht mehr weiter weiß, das Kind zur Adoption freigibt.

Die Nachricht, dass eine Mutter ihren Säugling in einem Wohnblock neben dem Südharz-Krankenhaus aussetzte – wenn auch nicht im strafrechtlichen Sinn -, weil sie vermutlich kein Babykörbchen fand, schreckte auf. Dem Kleinen geht es gut, im Südharz-Krankenhaus wird er umsorgt, bis eine Pflegefamilie gefunden ist. Doch kommt die Frage nach einem Babykörbchen auf.

„Wünschenswert wäre es, solch eine Möglichkeit anzubieten“, sagte gestern Sozialministerin Christine Lieberknecht (CDU). Dem Pressesprecher ihres Hauses zufolge haben die Krankenhäuser in Erfurt, Eisenach und Saalfeld Babykörbchen – insgesamt würden dort pro Jahr im Schnitt fünf Säuglinge abgegeben.

Eine Lösung auch für Nordhausen? Während Jugendamtsleiterin Christine Wagner (CDU) dies gestern bejahte, „damit eine Mutter sich nicht in Bedrängnis fühlt“, zeigte sich Krankenhaus-Geschäftsführer Antonius Pille skeptisch: „Wir haben keine Möglichkeit, eine Babyklappe so anzubringen, dass sie unsererseits ständig unter Beobachtung steht, um den Säugling sofort versorgen zu können, und die andererseits nicht einsehbar ist“, wies er auf Probleme mit Architektur und Lage des Gebäudes.

Noch schwerer aber wiegt anderes: „Wir favorisieren den Weg der anonymen Geburt, da so dem Kind sofort geholfen werden kann“, sagte der ärztliche Direktor Uwe Klein. Während diese Möglichkeit in Nordhausen seit Jahren keine einzige Mutter nutzte, zählt die landesweite Statistik jährlich fünf bis acht anonyme Geburten – solche also, bei der die Mutter ihren Namen nicht angeben muss. Die Kosten von jeweils etwa 7500 Euro trägt das Land.

Der hiesige Krankenhaus-Chef hat aber auch hier „moralische Bedenken“: „Angenommen, das Kind hat Diabetes oder einen Gendefekt – wir dürften nicht sagen, wer die Eltern sind.“ Der beste Weg sei, stimmt der ärztliche Direktor zu, das Kind normal zu entbinden und dann zur Adoption freizugeben. „Es hätte dann ab dem 16. Lebensjahr die Möglichkeit, gemeinsam mit dem Jugendamt seine Eltern in Erfahrung zu bringen.“ Allein das Wissen darum, von seinen Wurzeln zu erfahren, gebe Selbstvertrauen, so Prof. Klein.

Auch vor diesem Hintergrund ist eine Babyklappe für Antonius Pille der falsche Weg: „Bei der gibt es kein Zurück mehr. Ist das Baby erstmal drin, ist die Mutter draußen.“

Quelle: Artikel von Kristin Kaiser aus Thüringer Allgemeine vom 23.03.09

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