Österreich: Rekord an Kindern in Tiroler Heimen

Posted on April 6, 2009. Filed under: International, Jugendhilfe, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

So viele Tiroler Kinder wie noch nie leben in Heimen, Pflegefamilien und betreuten Einrichtungen.

INNSBRUCK – Trauriger Rekord der Jugendwohlfahrt. Die stark steigende Anzahl der Fälle von Gewalt, Missbrauch, Sucht oder Überforderung der Eltern wird immer mehr Tiroler Kindern zum Verhängnis – die TT berichtete.

500 Heimkinder
Rund 780 Kinder konnten im Vorjahr nicht mehr in ihrer eigenen Familie bleiben. Sie landeten im Kinderheim, in einer Pflegefamilie oder anderen Betreuungseinrichtungen. Fast 500 Kinder davon waren in so genannter Fremdunterbringung, dazu kommen noch mehr als 280 Kinder in den 207 Tiroler Pflegefamilien. Und die Zahl derer, die von ihren leiblichen Eltern getrennt werden müssen, nimmt laufend zu. „Die eigene Familie ist leider nicht immer das Beste für das Kind”, zieht die Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt des Landes, Monika Rass-Schell Bilanz.

„Wir bemühen uns für die Kinder um die bestmögliche Lösung. Solange es irgendwie geht – und keine akute Gefahr besteht – versuchen wir, sie bei den Eltern zu belassen.” Krisenfamilien werden in diesem Fall ambulant betreut. Sozialarbeiter gehen dafür stundenweise zu den Familien und helfen ihnen, die Krise zu bewältigen. Die Fremdunterbringung ist die letzte Konsequenz, an der allerdings immer häufiger – zumindest vorübergehend – kein Weg vorbeiführt. Psychische Erkrankungen alleinerziehender Mütter, Alkohol, harte Drogen, Gewalt, sexueller Missbrauch oder auch Scheidungsszenarien, die dem Kind nicht mehr zuzumuten sind, sind nur einige Gründe dafür, warum Kinder nicht bei den leiblichen Eltern bleiben können.

Heim an Grenze
So ist das Landeskinderheim in Axams voll ausgelastet. „Wir sind eigentlich immer pumpvoll”, sagt der Leiter Dietmar Mutschlechner. Derzeit sind 33 Kinder von Null bis 18 Jahren in seiner Einrichtung. „Vor allem in unserer Jugendwohngemeinschaft könnten wir immer mehr Plätze brauchen”, schildert er. Denn für Jugendliche gibt es kaum Alternativen zum Heim. Kleinkinder werden dagegen so rasch wie möglich an Pflegefamilien vermittelt. Sie bleiben durchschnittlich wenige Tagen bis vier Monate im Heim. Aber in manchen Fällen kann es bis zu eineinhalb Jahre dauern. „Für die meisten Kleinkinder ist die Pflegefamilie die beste Lösung”, erklärt Mutschlechner. Weil sie dort in einem relativ normalen familiären Umfeld aufwachsen. Pflegeeltern werden nach strengen Kriterien ausgewählt und müssen einen speziellen Kurs besuchen. „Wir schauen uns die Motive der Pflegebewerber sehr genau an”, erklärt Romana Hinteregger, die den Pflegeelternkurs begleitet.

Keine versteckte Adoption
Denn ein Pflegekind ist kein Adoptivkind. Die leiblichen Eltern haben die Möglichkeit, ihr Kind zurückzubekommen. Das Jugendamt versucht außerdem von Anfang an, den Kontakt zwischen den leiblichen Eltern, den Pflegeeltern und den Kindern zu fördern. „Wir bemühen uns, dass die Eltern freiwillig ihr Kind den Pflegeeltern überlassen.” Nur in seltenen Fällen kehrt das Pflegekind zu seinen leiblichen Eltern zurück. Von den Heimkindern kommt immerhin rund die Hälfte irgendwann wieder in die eigene Familie. „Manchmal ist das mit großer Sorge unserer Sozialarbeiter verbunden, aber die leiblichen Eltern haben Rechte, die zu respektieren sind”, erklärt Mutschlechner. „Auch wenn es im Sinne des Kindeswohles manchmal besser wäre, das Kind bliebe im Heim.” Etwa zwei Drittel der Rückführungen sind nicht erfolgreich.

Kosten

  • Pflegeeltern bekommen je nach Alter des Pflegekindes zwischen 347,30 und 571,50 Euro monatlich 14 Mal im Jahr.
  • Ein Heimplatz kostet zwischen 90 und 130 Euro pro Tag.
  • 2008 verzeichnete die Jugendwohlfahrt 1448 Fälle von ambulanter Familienbetreuung.

Quelle: Artikel in tt.com von Maria Reisigl vom 04.04.09

Make a Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Liked it here?
Why not try sites on the blogroll...

%d Bloggern gefällt das: