Desorganisation und Vergesslichkeit können auf ADHS bei Erwachsenen hinweisen

Posted on Juli 10, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Forschung, Gesundheit, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Wenn Erwachsene auffällig desorganisiert, fahrig und schnell reizbar sind, kann die Ursache eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sein. „Von ADHS betroffene Erwachsene sind leicht ablenkbar, vergesslich und können oftmals ihre Zeit schlecht einteilen“, beschreibt Dr. Frank Bergmann, Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nervenärzte (BVDN) in Krefeld, die Anzeichen von ADHS. „Von Außenstehenden wird dies fälschlicherweise als Mangel an Disziplin oder als Faulheit angesehen. Auch Wutausbrüche oder sozial unangemessenes Verhalten sind typische Symptome, die die Betroffenen dann häufig in missliche Situationen bringen.“ Darüber hinaus können sich eine ganze Reihe von Begleiterkrankungen zeigen. Häufig sind etwa Angst- und Zwangsstörungen, aber auch Persönlichkeitsstörungen, Depressionen und viele Suchterkrankungen – von Ess-, Kauf- und Spielsucht bis hin zu Substanzmissbrauch. „Solche Störungen sollten auch auf einen möglichen Zusammenhang mit ADHS hin überprüft und gegebenenfalls gezielt therapiert werden“, betont Dr. Bergmann, niedergelassener Psychiater in Aachen.

ADHS gilt als typische psychiatrische Störung des Kindes- und Jugendalters. Dass die Erkrankung auch bei Erwachsenen auftritt, ist in der Öffentlichkeit nur wenig bekannt. Es leiden aber immerhin geschätzte 3 bis 4% aller Erwachsenen an der Störung. Und bis zu 70% aller Kinder und Jugendliche, bei denen ADHS diagnostiziert wurde, leiden auch als Erwachsene noch unter der Störung. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen bestehen die auch für Kinder typische Aufmerksamkeitsstörung, Defizite der Impulskontrolle sowie eine motorische Überaktivität. Häufig findet aber nach der Pubertät ein Symptomwandel statt, und es können die beschriebenen Begleiterkrankungen auftreten. „ADHS bei Erwachsenen darf nicht auf die leichte Schulter genommen werden, denn die Betroffenen leiden nicht nur selbst unter der Störung, sie können auch zu einer großen Belastung für Angehörige und Kollegen werden“, warnt Dr. Bergmann. „Bei Erwachsenen wird ADHS oft gar nicht oder nur verspätet diagnostiziert, obwohl zahlreiche Hinweise darauf bei den Betroffenen erkannt werden könnten.“

ADHS kann auf vielerlei Weise behandelt werden, am besten mit der Hilfe eines Experten, der alle Aspekte des Krankheitsbildes kennt. „Um eine Benachteiligung im Beruf und im Privatleben zu vermeiden, ist es wichtig, dass Betroffene sich nicht scheuen, einen Psychiater oder Psychotherapeuten aufzusuchen“, empfiehlt Dr. Bergmann. „Mit einer spezifischen, individuell ausgerichteten Psychotherapie lassen sich beispielsweise das Arbeitsverhalten und die Organisation erheblich verbessern.“ Es ist wichtig, dass ADHS-Patienten selbst herausfinden, unter welchen Umständen sie sich am besten konzentrieren können. „Viele Betroffene bekommen ihr Leben besser in den Griff, wenn sie strukturierte Tagesabläufe einhalten, Arbeiten der Reihe nach erledigen und Termine selbst setzen können. Einige Menschen mit ADHS sind aber gerade dann am leistungsfähigsten, wenn sie bei der Arbeit Musik hören oder mehrere Dinge gleichzeitig tun“, erläutert Dr. Bergmann. Da bei ADHS ein Ungleichgewicht des Botenstoffs Dopamin in bestimmten Gehirnbereichen eine entscheidende Rolle spielt, kann auch eine medikamentöse Therapie helfen, die in die entsprechenden biochemischen Prozesse eingreift.

Quelle: Meldung auf Neurologen & Psychiater im Netz – 14/2009 vom 08.07.09

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Als Arzt in einer Fachklinik für ADHS im Erwachsenenalter merke ich täglich, dass gerade Pflege- und Adoptivkinder davon betroffen sind. Allerdings sollte man sich auch keiner Illusion hergeben. Die Behandlung der adulten ADHS ist ein Tropfen auf den heissen Stein, häufig stehen vielmehr lebenslange emotionale Verletzungen bzw. Traumata mit im Vordergrund.


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