Stadt Osnabrück: Kinder suchen neue Familien

Posted on Juli 13, 2009. Filed under: Bewerber, Jugendhilfe, Niedersachsen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Osnabrück. Geborgenheit und Sicherheit in der Familie bilden die nötige Basis für eine gesunde Entwicklung. Manche Kinder erleben jedoch tagtäglich Bedrohung, Vernachlässigung, Misshandlung. Die Anzahl traumatisierter Kinder steigt. Und damit die Nachfrage nach Pflegeeltern.

Mit neuen Plakaten, Flyern, Kugelschreibern und Luftballons wirbt der Fachdienst Familie in Arztpraxen und öffentlichen Gebäuden für die Aufnahme von Pflegekindern. Damit sie wohl behütet in einer Familie Zuwendung und Halt finden.

„Die Situation ist für Eltern schwieriger geworden.“ Sie geraten schneller in eine Notlage, geprägt von Überforderung, oft auch von psychischen Problemen oder Suchtverhalten, erläutert Heribert Konermann vom Adoptions- und Pflegekinderdienst der Stadt Osnabrück. Medienberichte über Verwahrlosung und Missbrauch haben zudem die Wahrnehmung sensibilisiert. Auch die gesetzliche Erweiterung des „Wächteramts“ der Jugendhilfe führe zu vermehrten Anfragen des sozialen Dienstes nach Fremdplatzierungen.

„Die Zahl unserer Vermittlungen bleibt aber mit 35 bis 40 Kindern pro Jahr konstant. Wir brauchen dennoch mehr Pflegeeltern“, sagt Konermann. „Dann könnten wir die Zuordnung noch besser an die individuellen Bedürfnisse der Kinder anpassen“, fügt Kollegin Carola Weber hinzu. Eine Heimeinweisung solle möglichst vermieden werden, erläutert Sozialdezernentin Rita Maria Rzyski das Konzept: „So gut ein Heim auch sein mag, es kann nicht das Gleiche bieten wie eine Familie, die vielleicht auch noch eigene Kinder hat.“ Aber: „Die Chemie muss stimmen.“

In einer Krisensituation wird ein gefährdetes Kind zunächst für einige Monate der Bereitschaftspflege übergegeben. Dort werden Gesundheitszustand und Therapiebedarf der oft stark traumatisierten und beeinträchtigten Kinder abgeklärt. Danach beginnt der Anbahnungsprozess mit einer vom Profil her passenden Vollzeitpflege-Familie. Die Verbindung zur Herkunftsfamilie soll möglichst erhalten bleiben, beschreibt Konermann den Ablauf: „75 Prozent der Kinder haben regelmäßig Kontakt zu ihren leiblichen Eltern.“

Mit Respekt äußern sich die Experten über die Leistungen der Pflegefamilien: „Sie müssen viel aushalten. Auffangen, aber auch loslassen können.“ Besondere Flexibilität erfordere die Bereitschaftspflege: Sie muss auf Abruf bereitstehen, hat wenig Informationen über das Kind, dazu häufige Besuchskontakte in der eigenen Wohnung. Alle Pflegeeltern werden intensiv auf die Aufgabe vorbereitet und fortlaufend betreut, versichern Konermann und Weber. Bei positivem Verlauf stimmten die leiblichen Eltern manchmal später sogar einer Adoption zu. Insgesamt habe sich aber die Bereitschaft, ein Kind abzugeben, stark verringert. Auch für die Pflege gehe dadurch wertvolle Entwicklungszeit verloren.

Als Pflegeeltern sind alle Altersgruppen gefragt: Für die Vollzeitpflege jüngere, für Kurzzeit- und Bereitschaftspflege auch 50- bis 65-Jährige mit Erziehungserfahrung und abgeschlossenem eigenen Kinderwunsch, wodurch die Trennungen besser verkraftet werden. Die sozialpädagogische Pflege besonderer Problemfälle bleibt vorrangig Bewerbern mit pädagogischer Ausbildung vorbehalten.

Quelle: Artikel von gil in Neue Osnabrücker Zeitung vom 08.07.2009

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