Borderline: Schwarz-Weiß-Denken durch intensive Gespräche überwinden

Posted on Juli 24, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Forschung, Gesundheit, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Eines der größten Probleme bei Patienten mit einer Borderline-Störung sind deren plötzliche Stimmungseinbrüche sowie deren Neigung zu Schwarz-Weiß-Denken. „Die Betroffenen können ihre Meinung über einen Menschen sehr schnell ändern. Wer eben noch angehimmelt wurde, kann kurze Zeit später verabscheut werden. Diese für Außenstehende meist nicht nachvollziehbaren extremen und unberechenbaren Gefühlsschwankungen der Borderline-Patienten lassen Angehörige, Partner oder Freunde oft verzweifeln“, erläutert Prof. Sabine Herpertz, Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde (DGPPN) in Berlin. „Es ist aber wichtig, dass die Patienten gerade aus ihrem persönlichen Umfeld unterstützt werden. Hören Sie zunächst aufmerksam und vorurteilsfrei zu und versuchen Sie dann, mit dem Patienten ins Gespräch zu kommen“, empfiehlt die Psychiaterin. „Hilfreich ist dabei, die Äußerungen des Patienten in eigene Wort zu fassen und ihn zu fragen, ob man ihn richtig verstanden hat. Dies signalisiert ihm Verständnis und Interesse an seiner Krankheit, unter der die Betroffenen in der Regel sehr leiden. Häufig dauert es eine gewisse Zeit, bis eine gut funktionierende Verständigung erzielt wird. Geduld und Einfühlungsvermögen sind dabei unerlässlich.“ Selbst wenn die bei Borderline-Patienten häufig vorkommenden Selbstverletzungen oder anderes selbst schädigendes Verhalten zur Sprache kommen, sind Unverständnis und aufbrausendes Verhalten fehl am Platze.

Gerade denjenigen Personen gegenüber, die ihnen besonders nah sind, entwickeln Borderline-Patienten oft zwiespältige Gefühle. So kann etwa die Sehnsucht nach Nähe zu einer Person gepaart mit der Angst, sie zu verlieren, mit starken Schuld- und Schamgefühlen einhergehen. Auch sind Borderline-Patienten kaum in der Lage, Menschen in Abstufungen mit ihren stärken und Schwächen, ihren guten und schlechten Seiten wahrzunehmen. Auch die eigene Wahrnehmung der seelischen Grenzgänger ist häufig beeinträchtigt. Oft unterstellen sie anderen, sie nicht zu mögen. Die meisten Menschen reagieren darauf mit Unverständnis und verstärken so die Fehleinschätzung der Borderline-Patienten. Durch die emotionalen Achterbahnfahrten der Betroffenen sind stabile Zweierbeziehungen selten.

Auf die heilsame Wirkung von Gesprächen setzt auch ein neues Therapieprogramm aus den USA. Mit dem STEPPS-Programm soll der Patient lernen, seine Gefühle zu kontrollieren und Probleme zu lösen. Im ersten Schritt geht es zunächst darum, die eigene Krankheit als solche zu akzeptieren. Anschließend werden der Umgang mit den eigenen Gefühlen trainiert und Verhaltensänderungen entwickelt. Entscheidend ist, dass die Patienten dabei ihren Therapieverlauf beschreiben und so im ständigen Austausch mit ihrer engsten Umgebung bleiben.

An einer Borderline-Störung leiden über 1,5% der Bevölkerung. Die ersten Anzeichen der Erkrankung treten meist schon im Jugendalter auf. Weibliche Betroffene fallen vor allem durch selbstverletzendes Verhalten auf, während Männer häufig eher zu aggressivem Verhalten gegen andere neigen.

Quelle: Neurologen & Psychiater im Netz vom 22.07.09

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2 Antworten to “Borderline: Schwarz-Weiß-Denken durch intensive Gespräche überwinden”

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Borderline ist sicher ein weites Feld, aber zwei Bücher scheinen mir wichtig zu sein, um diese Thematik besser zu verstehen:

das eine ist ein Grundlagenwerk über Emotionen, sicher das Beste was es momentan gibt:

Emotionsbezogene Psychotherapie: Grundlagen, Strategien und Techniken
http://books.google.de/books?id=s-UFqVqPzegC&dq=Emotionsbezogene+Psychotherapie:&printsec=frontcover&source=bn&hl=de&ei=fLGISs3xAYaNjAePsriiCw&sa=X&oi=book_result&ct=result&resnum=4#v=onepage&q=&f=false

das zweite ist ein Standardwerk über strukturelle Störungen der Persönlichkeit und deren Therapie:

Strukturbezogene Psychotherapie: Leitfaden zur psychodynamischen Therapie struktureller Störungen
http://books.google.de/books?id=2kLA8rOrBi0C&pg=PA103&dq=strukturelle+psychotherapie&lr=lang_de&num=30#v=onepage&q=strukturelle%20psychotherapie&f=false

Beide Bücher erweitern das Verständnis für den Menschen und seiner Psyche ungemein!

Viel Spaß beim Reinlesen
und beste Grüße

Leider zeigen viele Menschen kein Mitgefühl in Bezug auf einen Borderline-Patienten! Es wird eher verachtend angesehen als verständnissvoll! Die meisten Menschen sind schockiert und können es nicht nachvollziehen und aus diesem Grund verachten sie das Verhalten anstatt einem Betroffenen etwas verständnissvoller entgegen zu treten, das wäre auch genau das was ein Betroffener bräuchte!


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