Ethikrat: Aktueller Stand der Diskussion zum Thema Anonyme Geburt/„Babyklappe“

Posted on August 12, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Kinderschutz, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , |

Der Deutsche Ethikrat unterrichtet den Deutschen Bundestag und die Bundesregierung jährlich schriftlich über seine Aktivitäten und den Stand der gesellschaftlichen Debatte. Im Berichtszeitraum April 2008 bis Juni 2009 hat er sich auch mit dem Thema Anonyme Geburt/„Babyklappe“ beschäftigt, zu dem eine ausführliche Stellungnahme noch für das Jahr 2009 angekündigt wird:

Nach einer Einführung in das Thema Anonyme Geburt/„Babyklappe“ durch ein Impulsreferat von Ulrike Riedel im Juni 2008 lud der Deutsche Ethikrat im Oktober 2008 Sachverständige zu einer öffentlichen Anhörung ein. Neben Betreibern von sog. Babyklappen nahmen verschiedene Referenten aus Sicht der Geburtshilfe und der öffentlichen Verwaltung sowie aus rechtlicher, medizinischer und psychologischer Sicht Stellung zu dem Themenkreis.   ….

Mit den Angeboten zur anonymen Kindsabgabe wird das Ziel verfolgt, Müttern, die sich in einer extremen Konfliktsituation befinden, ein Hilfsangebot zu unterbreiten, um eine Aussetzung oder gegebenenfalls Tötung von Neugeborenen zu verhindern und damit das Leben der Kinder zu schützen. Im Jahr 2005 hat es bundesweit ca. 80 „Babyklappen“ und 130 Kliniken mit dem Angebot der anonymen Geburt gegeben. Jährlich werden ca. 50 bis 60 Kinder ausgesetzt, von denen die Hälfte nicht überlebt. Seit dem Jahr 2004 hat der Sozialdienst katholischer Frauen e.V. keine neuen „Babyklappen“ mehr eröffnet.

Ob mit den bestehenden Angeboten ein besserer Lebensschutz erreicht werden kann, ist strittig. Verfassungsrechtlich ist das Persönlichkeitsrecht der Mutter mit ihrem Wunsch nach Anonymität gegenüber dem Grundrecht des Kindes auf Kenntnis seiner biologischen Abstammung abzuwägen. Strafrechtlich kommen gegebenenfalls Straftatbestände wie Körperverletzung, Verletzung der Unterhaltspflicht oder Personenstandsfälschung in Betracht.

Auf Grund der bestehenden rechtlichen Situation wünschen sich die Vertreter aus dem Bereich der Ärzteschaft bzw. der Geburtshilfe mehr Rechtssicherheit. Demgegenüber ist es primäres Ziel der Betreiber von „Babyklappen“, schwangere Frauen, die ein Kind geboren haben und sich in einer subjektiv ausweglosen Situation befinden, zu erreichen und ihnen Auswege aus ihrer Notlage aufzuzeigen. Für die abgebenden Mütter bestehen aus psychologischer Sicht in der Regel schwerwiegende Belastungen. Diese äußern sich in Schuldgefühlen, Selbstzweifeln und in dem Gefühl, versagt zu haben. Von den adoptierten Kindern ist bekannt, dass sie ein Leben lang auf der Suche nach sich selbst sind.

Darüber hinaus ist zweifelhaft, ob diejenigen Frauen, bei denen die Gefahr besteht, dass sie ihr neugeborenes Kind töten könnten, überhaupt durch die Angebote der anonymen Kindsabgabe erreicht werden. Zwar sind diesen Frauen die Beratungsangebote in vielen Fällen bekannt, jedoch liegen oftmals grundlegende Handlungsdefizite vor, die ihnen das Aufsuchen einer „Babyklappe“ oder die Einleitung von Schritten zu einer anonymen Entbindung unmöglich machen.

Die Befassung des Deutschen Ethikrates mit diesem Themenkomplex wurde seitens der Mitglieder des Ethikbeirats begrüßt.

Quelle: Bericht über die Arbeit des Ethikbeirats vom 01.07.09

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