Geschwisterkinder gemeinsam oder getrennt unterbringen? – Studien zur Rechtsgrundlage und zur Praxis der Jugendämter veröffentlicht

Posted on Februar 11, 2010. Filed under: Erziehungsstellen, Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Eine vom Sozialpädagogischen Institut (SPI) des SOS-Kinderdorf e.V. in Auftrag gegebene Untersuchung zur Rechtsgrundlage der außerfamilialen Unterbringung von Geschwistern und die Ergebnisse einer Umfrage in Jugendämtern wurden nun veröffentlicht.

Professor Dr. Johannes Münder, Professor für Sozialrecht an der TU Berlin, geht im Band 10 der SPI-Materialien auf die Rechtsgrundlagen gemeinsamer beziehungsweise getrennter Unterbringung von Geschwisterkindern ein. Er kommt zu dem Ergebnis, dass es diesbezüglich in Deutschland keine gesetzlichen Vorgaben gibt, allenfalls rechtsdogmatische Aussagen zum gemeinsamen Aufwachsen von Geschwistern bei Trennung oder Scheidung der Eltern. Die Expertise ist die erste rechtswissenschaftliche Studie zum Thema und wird ergänzt durch eine bundesweite quantitative Befragung von 190 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern von Jugendämtern, die Dr. Gabriele Bindel-Kögel durchgeführt hat.

Erste Ergebnisse ihrer Befragung zur Praxis getrennter und gemeinsamer Fremdunterbringung von Geschwisterkindern werden im Band 11.1 der SPI-Materialien präsentiert. Es wird deutlich, dass in den Jugendämtern eine gemeinsame Unterbringung grundsätzlich gewünscht und nach Möglichkeit realisiert wird und dass die Entscheidung im Wesentlichen von dem individuellen Hilfebedarf und der Qualität der Geschwisterbeziehungen abhängt. Deutlich wird jedoch auch ein Mangel an geeigneten Unterbringungsmöglichkeiten, insbesondere in Pflegefamilien.

Beide Studien entstanden im Rahmen des europäischen Forschungsprojektes „Geschwister in der stationären Erziehungshilfe“, das sich derzeit mit Fragen der Unterbringungspraxis beschäftigt. Nach welchen Kriterien wird über eine gemeinsame oder getrennte Unterbringung von Geschwistern entschieden? Gibt es hierfür spezielle diagnostische Einschätzungen? Welche Rolle spielt die Geschwisterkonstellation im pädagogischen Handeln und bei der Hilfeplanung? Welche Möglichkeiten bietet in diesem Zusammenhang ein familienähnliches Betreuungssetting wie das Leben in einem SOS-Kinderdorf?

Innerhalb der Reihe SPI-Materialien werden die aus dem Forschungsprojekt gewonnenen Erkenntnisse sukzessive veröffentlicht. Beide Materialienbände sind über das SPI zu beziehen.

Quelle: Pressemitteilung des Sozialpädagogischen Instituts des SOS-Kinderdorf e.V. vom 08.02.10

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