Fall des Pflegekindes Fatma in Regensburg

Posted on März 18, 2010. Filed under: Bayern, Jugendhilfe, Kinderschutz, PFAD Verband, Pflegefamilie, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

(pfad/schulz) In Regensburg wurde ein 2-jähriges Pflegekind nach 2 Jahren Aufenthalt in einer Pflegefamilie während eines Besuchskontakts von der leiblichen Mutter ins Ausland entführt. Danach brachte der leibliche Vater es in seinem eigenen Heimatland bei Verwandten unter.

Die Mittelbayerische Zeitung berichtete am 19.02.2010 erstmals zu dem Fall:

Viele Pflegeeltern reagierten darauf mit Unverständnis. Sie sind der Auffassung, dass die Katholische Jugendfürsorge der Diözese Regensburg, die das Aufenthaltsbestimmungsrecht für das Kind inne hatte, dieses nicht ausreichend geschützt habe und verwahrten sich gegen die Aussagen des Leiters der Katholischen Jugendfürsorge, der laut Zeitungsbericht Pflegeeltern als reine „Dienstleister“ bezeichnete.

Am 10.03. erschien daraufhin eine Stellungnahme der KJF Regensburg zu den Vorwürfen:

Am 11.03. veröffentlichte die Mittelbayerische Zeitung zahlreiche Leserbriefe zum Thema:

Nicht nachvollziehbar
In der Sicherheit und Geborgenheit einer Pflegefamilie sollte die kleine Fatma aufwachsen, mit regelmäßigen geordneten Kontakten zum leiblichen Vater und einem für ihr Wohl sorgenden Vormund. Doch alles konnte Fatma nicht schützen vor der plötzlichen Entführung durch die psychisch kranke Mutter und einer Odyssee durch Osteuropa, um letztlich vom Vater in seiner türkischen Heimat bei Verwandten zurück gelassen zu werden.
Einen so unvorbereiteten Bindungsabbruch zuzulassen und in der Folge dem nicht entschieden entgegenzutreten und die Rückführung des Kindes in seinen geschützten und vertrauten Lebensraum zu betreiben, sind für uns nicht nachvollziehbar.
Besonders betroffen sind wir von der Aussage von Herrn Eibl, dass jedes Kind, das in einer Pflegefamilie liebevoll betreut und gefördert wird, stets für eine Rückführung in die Herkunftsfamilie bereit sein muss. Ungeachtet von neu gewachsenen Bindungen und sozialer Elternschaft soll ein Kind oder Jugendlicher bis zu 18 Jahren auf Abruf leben. Dies widerspricht allen wissenschaftlichen Erkenntnissen.
Pflegekinder brauchen Beziehungskontinuität als verlässliche Orientierung und eine Klärung ihrer Perspektiven. Pflegeeltern sind keine Dienstleister, die lediglich für die Ernährung sorgen und ein Dach über dem Kopf bieten. Pflegeeltern nehmen Kinder und Jugendliche in schwierigsten Situationen in ihre Familie auf und begleiten sie eine Zeit lang oder bieten als Dauerpflegeeltern einen neuen verlässlichen Lebensraum. Sehr richtig stellt die KJF Regensburg in ihrem eigenen Leitbild fest: „Erziehung ist keine Dienstleistung.“
Wir fordern auch für Fatma eine sorgfältige Prüfung mit der Beachtung von Bindungen und Zukunftsperspektiven und ein entschiedenes Handeln.

  • Von Gabriele Lingl, Vorsitzende des PFAD Ortsvereins Regensburg, stammt der Kommentar „Traumatische Erlebnisse“.
  • Katharina Weber, Vorsitzende des PFAD Ortsvereins Kelheim, äußerte sich im Leserbrief „Jede Trennung schmerzt“.

Am 12.03. rechtfertigte sich der Leiter der KJF in einer, auch an den PFAD FÜR KINDER Landesverband Bayern gerichteten Stellungnahme zu den Leserbriefen in der Mittelbayerischen Zeitung:

Am 14.03. meldeten sich der Regensburger Bürgermeister und der Leiter des Regensburger Jugendamtes sowie der im Jugendamt für den Pflegekinderbereich zuständige Mitarbeiter zu Wort:

Der PFAD FÜR KINDER Landesverband Bayern wird über die weitere Entwicklung informieren.

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Eine Antwort to “Fall des Pflegekindes Fatma in Regensburg”

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Ich will nicht selber in Fatmas Haut stecken.Wer mit Pflegekinder sein Leben teilt weiss genau was diese Kinder ertragen müssen.Ich bin selber 4-fache Pflegemama und weiss was das für eine seelisch grausame Zeit für sie sein muß.Ich kann nicht nachvollziehen warum die verantwortlichen nicht anders und schneller gehandelt haben.Gott beschutze Fatmas kleine Herz.


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