Baden-Württemberg: Mehr als 16 000 Hilfen zur Erziehung außerhalb von Familien – Stationäre Angebote der Kinder- und Jugendhilfe als Familienersatz

Posted on Oktober 4, 2010. Filed under: Baden-Württemberg, Forschung, Jugendhilfe, Pflegefamilie | Schlagwörter: , , , |

Wie das Statistische Landesamt Baden-Württemberg feststellt, haben im Jahr 2009 mehr als 16 000 junge Menschen unter 27 Jahren Unterbringungsformen außerhalb des Elternhauses in Anspruch genommen, wenn durch familiäre Konflikte die räumliche Trennung von überlasteten Eltern und Kindern in schwierigen Entwicklungsphasen notwendig wurde. Lassen sich Entwicklungs- oder Beziehungsprobleme nicht durch ambulante oder teilstationäre Hilfeformen wie Erziehungsberatungen, sozialpädagogische Familienhilfen oder Tagesgruppenbetreuungen bewältigen, bietet die Kinder- und Jugendhilfe stationäre, familienersetzende Hilfen an.

7 490 Kinder und Jugendliche befanden sich im Jahr 2009 in einer Vollzeitpflegestelle, wobei 9 von 10 unter 18 Jahre alt waren. 78 Prozent wurden von einer fremden Familie betreut, 22 Prozent von Großeltern oder sonstigen Verwandten. 58 Prozent lebten zuvor bei einem allein erziehenden Elternteil. 70 Prozent aller Herkunftsfamilien erhielten Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II, bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung oder Sozialhilfe (SGB XII).

In Heimerziehung oder in einer anderen betreuten Wohnform lebten 7 548 junge Menschen, 56 Prozent Jungen und junge Männer. 61 Prozent waren 12 bis 17 Jahre alt, 22 Prozent 18 Jahre und älter. Unter 12 Jahren waren 17 Prozent der jungen Menschen. 67 Prozent wohnten in einer Mehrgruppen-, 26 Prozent in einer Eingruppeneinrichtung, nur 7 Prozent in einer eigenen Wohnung. 790 jungen Menschen ab 10 Jahren in besonderen Problemlagen, die durch vorgenannte Hilfeangebote nicht erreicht werden konnten, wurde durch eine intensive sozialpädagogische Einzelbetreuung geholfen. Drei Viertel waren unter 18 Jahre alt, fast 60 Prozent Jungen und junge Männer.In vorrangig stationärer Form wurden 565 flexible Hilfen (z.B. in Form von Kurzzeitpflege) durchgeführt. 87 Prozent der jungen Menschen waren unter 18 Jahre alt, 70 Prozent männlichen Geschlechts. Die Gründe für den Bedarf an stationären Hilfen sind vielschichtig: Belastungen des jungen Menschen durch familiäre Konflikte, Auffälligkeiten im sozialen Verhalten des jungen Menschen und eingeschränkte Erziehungskompetenz der Eltern oder des Sorgeberechtigten waren die Hauptgründe.

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vom 21.09.2010

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