Baden-Württemberg: Hilfen für 6 308 junge Menschen wegen seelischer Behinderung

Posted on November 10, 2010. Filed under: Baden-Württemberg, Forschung, Gesundheit, Jugendhilfe | Schlagwörter: , |

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes erhielten in Baden-Württemberg 6 308 junge Menschen mit (drohender) seelischer Behinderung im Jahr 2009 eine Eingliederungshilfe nach § 35a SGB (Sozialgesetzbuch) VIII. Das waren 12 Prozent (674) mehr wie noch 2008 und 26 Prozent (1 311) mehr als 2007, dem Jahr, in dem diese Hilfeart zum ersten Mal erhoben wurde. Drei Viertel dieser jungen Menschen waren Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter von 6 bis 15 Jahren, fast 10 Prozent 18 Jahre und älter; 70 Prozent waren Jungen und junge Männer.

Junge Menschen, die seelisch behindert oder von einer solchen Behinderung bedroht sind, haben einen eigenständigen Anspruch auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII. Seelisch behindert bedeutet, dass die seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für ihr Lebensalter typischen Zustand abweicht. Hierzu muss eine ärztliche bzw. psychotherapeutische Stellungnahme eingeholt werden. Eingliederungshilfen setzen neben einer (drohenden) seelischen Behinderung zusätzlich voraus, dass ein soziales Integrationsrisiko prognostiziert wird, das die Entwicklung des jungen Menschen, seine Eingliederung in die Gesellschaft und sein Heranwachsen zu einer eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit nicht unerheblich beeinträchtigen wird.

Bei 58 Prozent der 6 308 betroffenen jungen Menschen lebten die Eltern zusammen, bei fast 30 Prozent lebte ein Elternteil allein. Ein Fünftel der betroffenen Familien erhielt finanzielle staatliche Unterstützung, sogenannte Transferleistungen wie Arbeitslosengeld II, bedarfsorientierte Grundsicherung im Alter oder bei Erwerbsminderung bzw. Sozialhilfe (SGB XII). 23 Prozent der Hilfeempfänger hatten mindestens einen Elternteil mit ausländischer Herkunft. Die Eingliederungshilfe wird – je nach Bedarf im Einzelfall – in ambulanter Form, in Einrichtungen der Kindertagesbetreuung, durch geeignete Pflegepersonen sowie in Einrichtungen über Tag und Nacht geleistet. Dabei ist eine gemeinsame Betreuung seelisch behinderter und nichtbehinderter Kinder nach Möglichkeit vorzuziehen. Knapp drei Viertel der Hilfen wurden ambulant, z.B. in Praxen von Ärzten, Psychologen oder Therapeuten bzw. teilstationär, z.B. in Kindertageseinrichtungen, durchgeführt. 9 von 10 Hilfen wurden im Jahr 2009 von freien Trägern der Jugendhilfe erbracht. Nach einer Dauer von durchschnittlich 22 Monaten wurden 1 760 Eingliederungshilfen nach § 35a SGB VIII im Jahr 2009 beendet.

Quelle: Mitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vom 14.10.2010

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