Bericht von der Adoption-Jahrestagung der Zentralen Adoptionsstellen am 21.-23.09. in Bad Honnef

Posted on November 13, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Fachkräfte, International, Jugendhilfe, Publikationen | Schlagwörter: |

Einmal jährlich treffen sich die Vertreterinnen und Vertreter der Zentralen Adoptionsstellen auf Bundesebene, um sich über die Entwicklungen im Adoptionswesen in Bezug auf einzelne Länder in Fragen der Auslandsadoption abzustimmen. Dabei wechselt der Gastgeber jährlich. Nachdem die Gemeinsame Zentrale Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen im letzten Jahr gemeinsam mit dem Saarland die Veranstaltung ausrichtete, lud diesmal die Zentrale Adoptionsstelle des Landschaftsverbandes Rheinland mit Sitz in Köln ein.

Im Bereich der Auslandsadoption wurde festgestellt, dass sich eine Schwerpunktverlagerung über die Kontinente hinweg beobachten lässt: Während zunächst die lateinamerikanischen Länder die meisten Kinder ins Ausland vermittelten, folgten danach die asiatischen Länder einschließlich der Russischen Förderation. Derzeit liegt der Fokus auf den Zentralafrikanischen Staaten, die sich teilweise selbst öffnen, um Kinder ins Ausland vermitteln zu können, teilweise aus dem Ausland angefragt werden, ob Bedarf für die Adoptionsvermittlung von Kindern ins Ausland besteht. Diese Wellenbewegung ist darauf zurückzuführen, dass die Länder, die sich intensiv mit der Adoption beschäftigt und teilweise auch dem Haager Übereinkommen über den Schutz von Kindern und die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der internationalen Adoption (HAÜ) beigetreten sind, bessere Strukturen im eigenen Land schaffen. Dazu werden zentrale Vermittlungsbehörden ins Leben gerufen, ein Pflegekinderwesen aufgebaut und die Situation in den Heimen verbessert. Unterstützt wird dies durch eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den Schwellenländern. Ein Erstarken des Mittelstands in diesen Ländern führt dazu, dass mehr Kinder in den jeweiligen Ländern selbst vermittelt werden können und so das im HAÜ und in der UN-Kinderrechtskonvention verankerte Subsidiaritätsprinzip beachtet wird. In die Auslandsvermittlung werden dann meist nur noch ältere und kranke Kinder gegeben, da die gesunden und kleinen im eigenen Land vermittelt werden. Die Wünsche im Ausland sind jedoch ebenfalls vorrangig auf die jungen und gesunden Kinder gerichtet, so dass neue Länder anfragt werden.

Mittlerweile ist die Welle in Zentralafrika angekommen. Die Versorgung von Kindern war ursprünglich durch große Familienverbände gewährleistet, auch wenn die leiblichen Eltern ausfielen. Durch die sich in vielen Staaten oft über Jahre hinziehenden kriegerischen Auseinandersetzungen, aber auch durch 1,4 Millionen Aids-Tote (WHO-Statistik bis 2008 in den afrikanischen Staaten südlich der Sahara) haben sich diese familiären Strukturen verändert und oft aufgelöst. Die Länder müssen daher neue Wege beschreiten, um für ihre Waisen und verlassenen Kinder zu sorgen und versuchen in unterschiedlicher Weise mit den Anfragen des Auslands umzugehen. Während Burkina Faso das HAÜ bereits 1996 ratifiziert hat, sind nunmehr auch Mali, Togo und Südafrika dem HAÜ beigetreten, müssen aber im Land selbst noch die entsprechenden Gesetze und zentrale Vermittlungsbehörden schaffen. Die Elfenbeinküste ist ebenfalls auf dem Weg, sich den Anforderungen des HAÜ zu stellen, um diesem beitreten zu können. Andere Länder wie Äthiopien vermitteln bereits ins Ausland, ohne dem HAÜ anzugehören.

Problematisch in fast allen diesen Ländern ist es, verlässliche Auskünfte über die Herkunft der Kinder zu erhalten. Es gibt immer wieder Kinder, die für adoptierbar erklärt werden, obwohl keine Zustimmung der leiblichen Eltern vorliegt. Es gibt Kinder, die auf dem Papier zu Waisen erklärt werden, damit sie ins Ausland vermittelt werden können, obwohl beide Eltern leben. Hier gilt es, Kindervorschläge genau anzuschauen und die vorgelegten Dokumente sorgfältig zu prüfen. Hierüber bestand Einigkeit bei allen Beteiligten.

Berichtet wurde auch über die Erfahrungen in Bezug auf Auslandsadoption aus den USA. Dort ist das HAÜ am 01.04.2008 in Kraft getreten. In den USA gibt es ein zweigeteiltes System. Im Rahmen der Kinder- und Jugendhilfe werden in den Vereinigten Staaten für 123 000 Kinder, die ohne elterliche Fürsorge aufwachsen, Adoptiveltern gesucht. Die Adoption, die aus dem öffentlichen Hilfesystem heraus stattfindet, ist im Wesentlichen kostenlos. Aufgrund der oft schweren Beeinträchtigungen, die diese Kinder mitbringen können aufnehmende Eltern nach der Adoption mit finanziellen Hilfen rechnen. Der wesentlich geschäftsträchtigere Teil des Adoptionswesens läuft über hochprofessionelle private Vermittlungsagenturen, welche die Vermittlung von Kindern aus dem Mutterleib heraus betreiben. Schwangere werden offensiv umworben, um Kinder für die Adoption zu erhalten. So wird ihnen neben der Übernahme aller Kosten, die im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Entbindung entstehen, auch z.B. die Übernahme von Krediten, Finanzierung einer Ausbildung oder die Aufnahme in den Haushalt der Adoptiveltern angeboten. All dies zahlen die Adoptiveltern – neben den hohen Kosten für die Agenturen. Auf entsprechenden Internet-Seiten werden die ungeborenen Kinder mit allen Daten und den finanziellen Vorstellungen der Agenturen und der Mütter angeboten. Da die USA dem HAÜ beigetreten sind, sind sie verpflichtet, zunächst innerhalb des eigenen Landes nach aufnehmenden Eltern zu suchen, bevor ein Kind ins Ausland vermittelt wird. Für die Kinder aus dem Kinder- und Jugendhilfesystem ist der Nachweis hierüber unschwer zu führen. Allein die hohe Zahl der zur Adoption freigegebenen Kinder zeigt, wie schwierig es ist, für diese Kinder Eltern zu finden. Anders ist es bei den über eine Agentur vermittelten Kindern. Hier werden in der Regel keine Aussagen darüber getroffen, warum das Kind nicht innerhalb der USA vermittelt wurde. Wenn auch auf Nachfrage keine zufriedenstellende Antwort zu erhalten ist, kann die Adoption eines über eine Agentur vermittelten Kinders aus den USA scheitern.

Ein besonderer Schwerpunkt der dreitägigen Veranstaltung lag auf rechtspolitischen und ethischen Fragestellungen zur Leihmutterschaft. Obwohl diese in Deutschland verboten ist, haben die Zentralen Adoptionsstellen zunehmend mit Leihmutterschaft zu tun, wenn Kinder, die im Ausland von einer Leihmutter ausgetragen wurden, nach Deutschland einreisen sollen oder ein Antrag auf Adoption eines solchen Kindes gestellt wird.
In der nächsten Ausgabe des Landesjugendamt-info wird dieses vielschichtige Thema ausführlich darstellt.

Quelle: Newsletter des Landesjugendamts Rheinland-Pfalz „Landesjugendamt info“ Ausgabe 5/2010

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