Baden-Württemberg: Kinder- und Jugendpsychiatrie der Krankenhäuser weiterhin voll ausgelastet

Posted on Februar 3, 2011. Filed under: Baden-Württemberg, Forschung, Gesundheit, Jugendhilfe | Schlagwörter: , |

Die Krankenhäuser des Landes mit einem Fachbereich Kinder- und Jugendpsychiatrie- und –psychotherapie verzeichneten im Jahr 2009 erneut einen Anstieg der vollstationären Behandlungsfälle. Wie das Statistische Landesamt feststellt, stieg die Zahl der in diesem Bereich untergebrachten Kinder oder Jugendlichen binnen Jahresfrist um 370 auf 4 805, das ist das höchste bislang beobachtete Ergebnis. Dieser Zunahme um gut 8 Prozent standen mit 538 mehr Betten zur Verfügung als im Vorjahr (+ 6 Prozent). Obwohl die Aufenthaltsdauer der Kinder und Jugendlichen in diesen Einrichtungen mit durchschnittlich 38,5 Tagen wie in den vorangegangenen Jahren rückläufig blieb, reichte die Reduzierung der Krankenhaustage nicht aus, die nun vorhandene Bettenkapazität spürbar zu entlasten. Mit einer Belegung von 94,3 Prozent der vorhandenen Betten setzte sich der seit 2002 zu beobachtende hohe Auslastungsgrad fort. Lediglich das bisherige Spitzenergebnis von 97,2 Prozent, das im Jahr 2007 erreicht wurde, konnte etwas abgeschwächt werden.

Während alle vollstationären Krankenhausbehandlungen zusammengenommen im Durchschnitt nur noch 8,1 Krankenhaustage beanspruchen, machen psychiatrische Diagnosen ungleich längere Krankenhausaufenthalte erforderlich. Dennoch ist es gelungen, die Dauer der vollstationären Versorgung seit 1990 zu halbieren. Seinerzeit lag die sogenannte Verweildauer in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bei 78,3 Tagen. Damals standen den 1 356 Patienten 356 Betten zur Verfügung, was einem Auslastungsgrad von 81,7 Prozent entspricht. Ab Mitte der 90er Jahre nimmt die Zahl der Krankenhausbehandlungen um jährlich bis zu 440 Fälle zu. Ab 1998 wurde damit begonnen, die vorhandene Bettenkapazität auszubauen.

Rund 43 Prozent der unter 15-Jährigen Patienten wurden im Jahr 2009 wegen Verhaltens- und Emotionsstörungen behandelt. Bei gut 18 Prozent waren neurotische Störungen, Belastungsstörungen oder körperliche Beschwerden ohne organische Ursachen Grund für eine Krankenhausbehandlung. 12 Prozent der Fälle wiesen Entwicklungsstörungen auf und bei ebenfalls 12 Prozent spielte der Umgang mit psychotropen Substanzen (Alkohol und andere Rausch- und Betäubungsmittel) eine Rolle. Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren waren in knapp 7 Prozent der Fälle Grund für den Krankenhausaufenthalt, und 4 Prozent litten an affektiven Störungen, wozu vor allem Depressionen gehören. Bei knapp 2 Prozent der Behandlungsfälle wurde eine Intelligenzminderung diagnostiziert. Schizophrenie und wahnhafte Störungen, Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen sowie organisch bedingte psychische Störungen spielten mit einem Anteil von 1 Prozent und darunter in diesem Alter noch keine Rolle.

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg vom 01.02.2011

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