Fachtag im Landratsamt Waldshut „Mädchen in der Jugendhilfe“

Posted on Juli 5, 2011. Filed under: Baden-Württemberg, Fachkräfte, Jugendhilfe, Publikationen, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

Am 28.06.2011 hat die Abt. Jugend, Bildung und Prävention des Landkreis Waldshut einen Fachtag zum Thema „Mädchen in der Jugendhilfe“ veranstaltet.

Die Resonanz war mit rund 50 Anmeldungen sehr groß. Es waren Vertreterinnen und Vertreter aus Einrichtungen der Jugendhilfe, der öffentlichen und freien Träger, der Kinder- und Jugendpsychiatrien und Therapeutinnen und Therapeuten anwesend. Besonders erfreulich war der überregionale Charakter der Veranstaltung, der ein großes Interesse an dem Thema widergespiegelt hat.

Mädchen sind in Baden-Württemberg bei der Inanspruchnahme von Jugendhilfe insgesamt deutlich unterrepräsentiert. Ihr Anteil liegt bei den ambulanten und teilstationären Hilfen gerade einmal bei ca. 25 Prozent. Betrachtet man jedoch ihren Anteil im stationären Bereich, also bei der Unterbringung in einem Heim oder in einer Pflegefamilie, dann fällt auf, dass Mädchen hier mit den Jungen gleichziehen beziehungsweise in der Altersgruppe der 15 bis 18 Jährigen sogar mit 51 Prozent die Mehrheit bilden. Die Gründe sind deutlich:

Jungen kommen frühzeitiger in erzieherische Hilfe. Sie erhalten Hilfen im Vorfeld stationärer Maßnahmen. Ihnen gilt eine Aufmerksamkeit im Hinblick auf die „Verminderung ihrer Störpotentiale“ sowie im Hinblick auf die Erreichung von angepasstem Verhalten. Ist bei Jungen deutlich häufiger deren individuelles Verhalten Anlass für eine Hilfe, gilt die Aufmerksamkeit hingegen bei Mädchen stärker familiären Problemen.

Die Bewältigungsstrategien von Mädchen unterscheiden sich deutlich von denen der Jungs. Sie erscheinen in schwierigen Lebenslagen angepasster und grundsätzlich kompetenter. Die Betonung liegt hierbei auf dem Wort „erscheinen“.

Bei genauerer Betrachtung wird deutlich, dass sie spätestens bei Eintritt in die Pubertät stärker und häufiger mit psychischen Erkrankungen, Essstörungen, selbstverletzendem Verhalten und Sucht reagieren

Der Fachtag hatte zum Ziel, sich mit drei großen Schwerpunkten der Arbeit mit Mädchen in der Jugendhilfe auseinander zu setzen. Im ersten Bereich standen Drogenkonsum und Aggression von Mädchen als Herausforderung für die pädagogische Praxis im Mittelpunkt. Der zweite Bereich befasste sich mit Ansatzpunkten für eine gelingende Kooperation zwischen Erziehungshilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie, bzw. therapeutischen Ansätzen. Der dritte Bereich setzte sich mit der Frage auseinander, wie Jugendhilfeprozesse geschlechterdifferenziert gestaltet werden können.

Die Notwendigkeit, den Aspekt des Geschlechts in den Jugendhilfeprozess zu berücksichtigen, konnten die Veranstalter durch den Fachtag eindeutig belegen und ebenso erste Ansätze für ihre alltägliche Praxis liefern. Die Rückmeldungen haben bestätigt, dass genügend Anregungen für die Praxis gegeben wurden. In Zeiten, in denen über Qualitätsmerkmale und –standards der Hilfen zur Erziehung diskutiert wird, in denen Erfolge kostenintensiver Jugendhilfemaßnahmen messbar gemacht werden sollen, kommen wir nicht umhin, genderreflektierte Pädagogik als ein Selbstverständnis fachlich qualifizierter Arbeit anzuerkennen.

Quelle: Pressemeldung des Landkreis Waldshut vom 01.07.2011

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