Baden-Württemberg: Zahl der vorläufigen Schutzmaßnahmen nahm 2010 um 10 Prozent zu – 3 027 junge Menschen betroffen

Posted on Juli 20, 2011. Filed under: Baden-Württemberg, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz | Schlagwörter: , |

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes wurden im Jahr 2010 in Baden-Württemberg für 3 027 Kinder und Jugendliche vorläufige Schutzmaßnahmen ergriffen. Das bedeutet gegenüber dem Vorjahr eine erneute Zunahme um 10 Prozent. Seit dem Jahr 2005 hat sich die Zahl der vorläufigen Schutzmaßnahmen damit um mehr als 80 Prozent erhöht.

In akuten Krisensituationen werden Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu ihrem Schutz vorübergehend aus der eigenen Familie, einer Pflegefamilie, einem Heim oder einer anderen Unterbringungsart heraus- und von Jugendämtern in Obhut genommen und vorläufig in einer Einrichtung oder bei einer geeigneten Person untergebracht. Neben Unterkunft und Verpflegung stehen sozialpädagogische Beratung und Unterstützung im Vordergrund der Schutzmaßnahme.

Für 1 686 Mädchen und junge Frauen und 1 341 Jungen und junge Männer war 2010 ein behördliches Eingreifen aufgrund einer akuten Gefährdung nötig. Über die Hälfte (57 Prozent) der Kinder und Jugendlichen (1 722) war zwischen 14 und 18 Jahre alt, 17 Prozent (513) hatten das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet. Drei Viertel der jungen Menschen (2 271) hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Knapp ein Viertel (724) war aus der eigenen Familie, Heim oder Pflegefamilie ausgerissen.

Von den insgesamt 3 027 betroffenen jungen Menschen wurde gut ein Viertel (810) auf eigenen Wunsch unter den Schutz des Jugendamts gestellt. Vor allem Mädchen im Alter von 14 bis 18 Jahren werden häufig (43 Prozent) auf eigenen Wunsch in Obhut genommen. 31 Prozent der Maßnahmen (930) waren durch soziale Dienste oder das Jugendamt, 18 Prozent (542) durch die Polizei veranlasst. Die Hälfte der Kinder und Jugendlichen (1 531) lebte vor der Schutzmaßnahme bei den Eltern bzw. bei einem Elternteil mit Partner und knapp ein Drittel (890) wuchs bei einem allein erziehenden Elternteil auf.

Die Hauptursache lag bei fast der Hälfte aller Maßnahmen in einer Überforderung der Eltern oder des Elternteils, bei einem Fünftel traten Beziehungsprobleme auf. Anzeichen von Misshandlung und von Vernachlässigung lagen bei jeweils 12 Prozent aller Fälle vor. Knapp drei Viertel der Kinder und Jugendlichen (2 185) wurden vorübergehend in einer Einrichtung untergebracht, rund ein Viertel (778) fand Schutz bei einer geeigneten Person.

In Zusammenarbeit mit den Betroffenen und gegebenenfalls auch mit ihren Angehörigen werden Zukunftsperspektiven entwickelt, zu denen auch eine anschließende Hilfeleistung in Form eines weiteren Aufenthalts in einer Einrichtung oder ambulante erzieherische Hilfen gehören können. Nur 8 Prozent der jungen Menschen benötigten im Anschluss keine Hilfe mehr.

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vom 13.07.2011

Make a Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Liked it here?
Why not try sites on the blogroll...

%d Bloggern gefällt das: