Kreis Dithmarschen: Pflegeeltern gesucht – Knochenarbeit mit Samthandschuhen

Posted on Januar 23, 2012. Filed under: Bewerber, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen, Schleswig-Holstein |

HEIDE/MELDORF (pid). Es geht nicht darum, dass eine Familie mal ein oder zwei Betten für die Dauer eines Ferienaufenthaltes übrig hat. Malte Spitzer: „Wir suchen überzeugte Pflegeeltern im Kreis Dithmarschen.“ Der Leitende Kreisverwaltungsdirektor weiter: „Hier geht es darum, Kindern Halt und Unterstützung zu geben, sieben Tage die Woche, 24 Stunden am Tag. Pflegeeltern leisten echte Knochenarbeit mit Samthandschuhen.“

Oft sind die leiblichen Eltern der Kinder in einer schwierigen Lebensphase, so dass sie aus den unterschiedlichsten Gründen nicht selbst für ihre Kinder sorgen können. Erziehungsschwäche, psychische Erkrankungen oder manchmal auch Alkohol, Drogen und/oder Gewalterfahrungen spielen hierbei eine Rolle.

Derzeit kümmern sich im Kreis Dithmarschen 278 qualifizierte Pflegeeltern um 311 Jungen und Mädchen vom Säuglingsalter bis zur Volljährigkeit. Malte Spitzer: „Oft liegen zwischen dem ersten Anruf der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes und dem Klingeln des neuen Familienmitgliedes an der Haustür keine zwei Stunden. Pflegeeltern müssen flexibel sein.“

Wir brauchen Eltern mit langem Atem, betont der Jugendamtsleiter. Spitzer: „Sie müssen bereit sein, sich den ’Rucksack’ anzuschauen, den das Kind in die neue Familie mitbringt.“ Ihre Aufgabe ist es, dem Kind oder dem Jugendlichen zu helfen, wieder Selbstvertrauen zu entwickeln. Malte Spitzer: „Das Kind muss lernen, wieder Kind sein zu dürfen.“

Im Gegenzug – und diese Erfahrungen machen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Kreises regelmäßig – sind Pflegeeltern, die das erlebt haben, glücklich und stolz. Im 54. Jahr hat sich das Dithmarscher Pflegekinderwesen bewährt. Hier zeigt sich, dass die Stärke der ländlichen Kreise wie Dithmarschen vor allem darin liegt, dass hier bodenständige Familien leben, die es verstehen, den ihn anvertrauten Kindern Halt und gleichermaßen Freiraum zu geben, als Kind groß werden zu dürfen. Malte Spitzer: „Solche Männer und Frauen braucht Dithmarschen auch weiterhin kreisweit, damit alle Kinder eine Chance haben, in ihrem Gemeinwesen zu bleiben. Wir freuen uns über weitere Menschen, die ihr Interesse zur Übernahme dieser wertvollen Tätigkeit beim Kreis Dithmarschen anmelden.“

Der Kreis hat in speziellen Seminaren, in denen Bewerberinnen und Bewerber vorbereitet werden, gute Erfahrungen gemacht: Die Bestätigung durch das soziale Umfeld, die gute Vernetzung mit anderen Pflegeeltern und – nach der Ausbildung – der enge Kontakt zum Kreis sind selbstverständlich. Daher ist die Motivation hoch. Auch wenn man in die Rolle einer Pflegemutter oder eines Pflegevaters langsam herein wächst, sind Pflegeeltern stolz, etwas geschaffen zu haben, wenn sich neben den biologischen Kindern der anvertraute Nachwuchs gut entwickelt. Doch auch, wenn es mal Tiefen gibt, so Spitzer, steht das Jugendamt jederzeit für Pflegeeltern mit Rat und Tat beiseite. „Wir lassen niemanden allein. Jede Pflegefamilie hat einen verlässlichen Ansprechpartner an ihrer Seite.“

Die persönlichen Kontakte zwischen Pflegeeltern und langjährigen Pflegekindern enden nicht mit der Volljährigkeit der Jugendlichen. Dennoch sind sich alle Beteiligten, abgebende Eltern, Pflegeeltern, Sozialpädagoginnen und -pädagogen sowie die Heranwachsenden bewusst, dass es sich um ein Pflegeverhältnis auf Zeit handelt. Die Auswahl treffen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Amtes aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung und ihren Kontakten mit leiblichen und pflegenden Eltern. Malte Spitzer: „Wir entscheiden uns schnell und liegen in der Regel richtig.“

Am Ende eines Lebensabschnitts als Pflegekind steht entweder die Rückkehr in die Ursprungsfamilie oder das Erreichen der Volljährigkeit. Der Weg zurück hat, wenn es sich mit dem Kindeswohl vereinbaren lässt, absolute Priorität. Pflegeeltern müssen zupacken können und in der Lage sein, ’ihr’ Kind wieder loszulassen, morgen schon oder in zehn Jahren vielleicht.

Infos: Kreis Dithmarschen, Regionaler Sozialer Dienst Mitte, Renate Schay, Telefon: 04832/9519919,
Email: renate.schay@dithmarschen.de

Quelle: Kreis Dithmarschen vom 18.01.2012

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