BARGEA fordert Abschaffung von Babyklappen und anonymer Geburt

Posted on März 22, 2012. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Jugendhilfe, Netzwerke, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

Die Delegierten der Bundesarbeitsgemeinschaft Adoptierter (BARGEA) nahmen bei ihrer Jahrestagung am 18.03.2012 in Kassel Stellung zur aktuellen Studie des DJI (wir berichteten) und forderten die Abschaffung von Babyklappen und anonymer Geburt:

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Adoptierter (BARGEA) hat sich seit ihrer Gründung vor zehn Jahren gemeinsam mit Wissenschaftler/innen und Fachleuten mehrfach intensiv mit den Konzepten von Babyklappen und anonymer Geburt auseinandergesetzt.

Babyklappen produzieren mehr Probleme, als sie zu lösen versprechen. Sie wurden 1999 ohne gesetzliche Grundlage in Deutschland eingeführt und sollten, gemeinsam mit dem Angebot von anonymer Geburt, die Zahl der Kindstötungen verringern. Es gelang nicht, dieses Ziel zu erreichen. Die Zahl der Kindestötungen ist seitdem nicht zurückgegangen. Stattdessen hat sich die Zahl der anonymen Kinder drastisch erhöht: Hunderten Kindern wurde das Grundrecht auf Kenntnis der eigenen Abstammung entzogen. Das hat vor gut zwei Jahren der deutsche Ethikrat bestätigt und die aktuelle Studie des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) unterstreicht es nochmals.

Adoptionsforscher Peter Kühn sagt: „Die Studie des DJI belegt, dass die ursprüngliche Intention, Leben zu retten, gescheitert ist. Frauen in höchster Not, die ihre Kinder töten würden, können auch durch das Angebot der Babyklappen nicht erreicht werden. Die Babyklappen erzeugen stattdessen einen Bedarf, den es ohne sie nicht gäbe. Sie suggerieren eine einfache Lösung komplexer Problemlagen und werden dabei weder den Kindern noch den abgebenden Eltern gerecht.“

Die Studie zeigt außerdem, dass die Betreiber von Babyklappen und Anbieter anonymer Geburt bei rund 20% der Kinder keine Angaben zu deren Verbleib machen können. Was passierte mit diesen Kindern? Die Gefahr von Missbrauch, illegalen Adoptionen und Kinderhandel besteht.

Die BARGEA unterstützt die Schlussfolgerungen des DJI und fordert den Gesetzgeber auf, dafür zu sorgen, dass ein dichtes Netz niedrigschwelliger Hilfen und sozialpädagogischer Konzepte für Schwangere in Not geschaffen wird. Dazu gehören umfassende Information, Erreichbarkeit, Professionalität, Empathie und Vertraulichkeit. So wird ein fachlicher Unterstützungskontext geschaffen und ein menschenwürdiger Umgang mit Eltern und Kind möglich.

Die vertrauliche Geburt, bei der die Anonymität der Mutter gegenüber Institutionen und Familie gewahrt bleibt, jedoch gegenüber dem Kind nach einer gewissen Zeit aufgehoben wird, könnte ein praktikabler Kompromiss sein, wenn im gleichen Zug eine schrittweise Schließung der Babyklappen eingeleitet und ein Ersatz für die vollständig anonymen Geburten geschaffen würde.

Quelle: BARGEA Stellungnahme „Babyklappen und Anonyme Geburt“ vom 18.03.2012

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Reblogged this on Projekt Familie und kommentierte:
Seit einiger Zeit lese ich interessiert ein bisschen über das Thema Babyklappen. Anfangs noch total unentschieden, entwickle ich mich immer mehr zum Gegner der Babyklappen. Dieser Artikel hier zeigt meine Gründe. Die Befürchtungen, die ich immer schon hatte, werden von den hier beschriebenen Ergebnissen einer Untersuchung beträtigt. Ich befürworte ebenfalls das hier geforderte Projekt „vertrauliche Geburt“, das die „anonyme Geburt“ ersetzen soll. Ein enormer Handlungsbedarf ist jedenfalls gegeben. Und leicht zu lösen ist die Problematik natürlich nicht. Mal sehen, was die Zukunft bringen mag.


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