Jugendämter nehmen 2011 in Hessen 3000 Kinder in Obhut

Posted on Juni 12, 2012. Filed under: Forschung, Hessen, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , |

Die hessischen Jugendämter meldeten 2011 insgesamt knapp 3000 vorläufige Schutzmaßnahmen für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre, etwa so viel wie 2010. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, handelt es sich hierbei um die Inobhutnahme oder Herausnahme aus einem Heim, der eigenen Familie bzw. einer Pflegefamilie oder einer anderen Unterbringungsart aufgrund einer akuten Gefahr für das Wohl des Kindes oder Jugendlichen. Die Hälfte (51 Prozent) der in Obhut genommenen sind Mädchen. 2011 betrafen die Schutzmaßnahmen – wie im Vorjahr – vor allem Jugendliche, d. h. über die Hälfte (gut 55 Prozent) waren älter als 14 Jahre und 45 Prozent waren Kinder unter 14 Jahren.

Die am häufigsten genannten Anlässe für Schutzmaßnahmen waren Überforderung der Eltern oder eines Elternteils (44 Prozent) sowie Beziehungsprobleme bzw. unbegleitete Einreisen aus dem Ausland mit jeweils rund 15 Prozent. Vernachlässigung bzw. Misshandlungen waren in dreizehn bzw. elf Prozent der Fälle Anlass für Interventionen. Alle anderen Gründe spielten mit jeweils weniger als fünf Prozent eine eher untergeordnete Rolle. Es konnten Mehrfachantworten gegeben werden.

Die Schutzmaßnahmen betrafen 64 Prozent deutsche und 36 Prozent ausländische Kinder und Jugendliche. Ein relativ hoher Anteil der Nichtdeutschen entfiel auf „unbegleitete Einreisen aus dem Ausland“. Das waren mit 441 Fällen 52 Fälle mehr als 2010.

Eine große Rolle bei den Schutzmaßnahmen spielt die Familienkonstellation. So lebten rund 44 Prozent der in Obhut genommenen Kinder bei einem alleinerziehenden Elternteil oder in einer „Patchworkfamilie“. Im Jahr 2003 lag dieser Anteil noch bei rund 40 Prozent.

Die Inobhutnahmen erfolgten zu 32 Prozent auf eigenen Wunsch des Kindes bzw. Jugendlichen und bei 68 Prozent lag eine Gefährdung vor. Vor allem Mädchen im Alter zwischen 14 bis 18 Jahren werden in gut der Hälfte der Fälle auf eigenen Wunsch in Obhut genommen.

Die Unterbringung erfolgte meist in einer Einrichtung (65 Prozent), zu 24 Prozent wurden die jungen Menschen in einer geeigneten Familie untergebracht und zu elf Prozent in einer sonstigen betreuten Wohnform.

In 40 Prozent der Fälle kehrte der junge Mensch nach der Maßnahme zurück zu dem Sorgeberechtigen, zur Pflegefamilie oder ins Heim. Rund ein Drittel wurde danach außerhalb des Elternhauses, also im Heim, durch betreutes Wohnen oder in einer Pflegefamilie untergebracht; knapp 13 Prozent erhielten eine sonstige stationäre Hilfe. Bei zwölf Prozent erfolgte keine anschließende Hilfe und drei Prozent wurden von einem anderen Jugendamt übernommen. Es konnten Mehrfachantworten gegeben werden.

Quelle: Pressemeldung des Hessischen Statistischen Landesamtes vom 12.06.2012

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