Mecklenburg-Vorpommern: Wieder mehr Kinder 2011 in Obhut der Jugendämter genommen

Posted on Juli 17, 2012. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Meckl.-Vorpommern, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , |

Im vergangenen Jahr wurden in Mecklenburg-Vorpommern insgesamt 1 045 Kinder und Jugendliche, die in einer akuten Krisen- und Gefährdungssituation Hilfe benötigten, zu ihrem Schutz von den Jugendämtern in Obhut genommen. Nach Angaben des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern waren das 43 Fälle oder 4 Prozent mehr als im Vorjahr. Rein rechnerisch wurden täglich drei Minderjährige von den Behörden aufgenommen und vorübergehend an einem sicheren Ort untergebracht.

Jede zweite Schutzmaßnahme (571 Fälle) wurde wegen dringender Gefahr von Kindern und Jugendlichen durch soziale Dienste, Jugendämter oder Polizei und Ordnungsbehörden ausgelöst. 234 Minderjährigen (22 Prozent) wurde auf eigenen Wunsch Obhut gewährt. Hinweise von Eltern oder Nachbarn und Verwandten waren in 179 Fällen (17 Prozent) Anlass für die Einleitung vorläufiger Schutzmaßnahmen.

Die betroffenen Kinder und Jugendlichen waren überwiegend jünger als 14 Jahre (57 Prozent). Besonders deutlich nahm im Vergleich zum Vorjahr die Zahl der Inobhutnahmen bei den 9- bis unter 12‑Jährigen (+ 16 Prozent) zu. In der Altersgruppe der 14- bis unter 18-Jährigen war der Anstieg der eingeleiteten Schutzmaßnahmen insbesondere bei den Jugendlichen zwischen 14 bis unter 16 Jahren (+ 14 Prozent) auffallend hoch.

Eine Hauptursache für das Auslösen von akuten Krisen- und Gefährdungssituationen, die zur Inobhutnahme von Minderjährigen führte, war die Überforderung der Eltern oder eines Elternteils. Das betraf Kinder oder Jugendliche aller Altersgruppen, besonders aber Kleinkinder unter 3 Jahre und 14- bis unter 16-jährige Teenager. An zweiter Stelle rangierten Beziehungsprobleme der Minderjährigen mit den Eltern oder dem sozialen Umfeld bzw. der Eltern untereinander. Diese Schwierigkeiten traten bei Mädchen, insbesondere in der Pubertät, deutlich häufiger auf als bei Jungen. Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen war ein weiterer Hauptgrund für die Einleitung von vorübergehenden Schutzmaßnahmen. Vor allem jüngere Kinder bis 9 Jahre wurden aufgrund von Vernachlässigung in Obhut genommen.

Jeder dritte Minderjährige (33 Prozent) lebte vor der Inobhutnahme bei einem alleinerziehenden Elternteil. Jeweils 24 Prozent wohnten bei den Eltern bzw. bei einem Elternteil mit neuem Partner.

Die Hälfte der Inobhutnahmen (53 Prozent) endete mit der Rückkehr des Kindes oder Jugendlichen zu den Eltern/Erziehungsberechtigten. In 37 Prozent der Fälle wurden im Ergebnis der Schutzmaßnahme erzieherische Hilfen außerhalb des Elternhauses (257 Fälle) oder eine stationäre Hilfe (126 Fälle) eingeleitet.

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Amtes Mecklenburg-Vorpommern vom 12.07.2012

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