Erstmals statistische Aussagen zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls in Berlin

Posted on Juli 16, 2013. Filed under: Berlin, Forschung, Jugendhilfe, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Seit dem 1. Januar 2012 sind die Jugendämter per Gesetz verpflichtet, den Statistischen Ämtern Daten der Gefährdungseinschätzung von Kindern und Jugendlichen zu übermitteln. Es geht vor allem um solche Gefährdungen wie Vernachlässigung, körperliche und psychische Misshandlung und sexuelle Gewalt.

2012 wurden in Berlin 8 791 Verfahren von den Jugendämtern eingeleitet, bei denen in 50,1 Prozent von einer akuten oder latenten Kindeswohlgefährdung ausgegangen werden musste. Bei 22,9 Prozent der Verfahrensfälle wurde keine Kindeswohlgefährdung festgestellt. In 27 Prozent der Verfahren wurde zwar keine Gefährdung festgestellt, es bestand jedoch Hilfebedarf.
Bei allen Verfahren waren nur unwesentlich mehr Jungen als Mädchen betroffen (50,5 Prozent).

Eine akute Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes/Jugendlichen bereits eingetreten ist oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist. Bei einer nicht eindeutig feststellbaren Gefahr, wenn aber der Verdacht auf Kindeswohlgefährdung besteht bzw. nicht ausgeschlossen werden kann, wird von einer latenten Kindeswohlgefährdung gesprochen.

51,9 Prozent der eingeschätzten Kindeswohlgefährdungen betrafen Vernachlässigungen, körperliche und psychische Misshandlungen wurden in 44,6 der Fälle ermittelt. In 2,2 Prozent der Fälle mussten Verfahren wegen sexueller Gewalt eingeleitet werden.

Ambulante/teilstationäre Hilfe erhielten 1 554 Kinder und Jugendliche zugesprochen, in 2 040 Fällen kam amtliche Unterstützung zum Tragen. In 518 Fällen der neu eingerichteten Hilfe kam es zu vorläufigen Schutzmaßnahmen für die Kinder/Jugendlichen. Das Familiengericht musste 725 mal angerufen werden.

Von Polizei und Staatsanwaltschaften wurden 26 Prozent der Verfahren eingeleitet. Häufig erfolgte das Bekanntwerden von Kindeswohlgefährdungen durch Bekannte/Nachbarn oder anonym (18,8 Prozent). In 13 Prozent der Fälle waren die Kita bzw. Tagespflegeperson oder Schule der Kinder/Jugendlichen die auslösende Einrichtung. 10,6 Prozent der Verfahren wurden von Minderjährigen, Eltern oder Erziehungsberechtigten selbst ausgelöst. Durch medizinisches Personal, Gesundheitsämter oder Hebammen erfolgten in 9,7 Prozent der Fälle Informationen an die Jugendämter.

Quelle: Pressemitteilung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg vom 16.07.2013

Make a Comment

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Liked it here?
Why not try sites on the blogroll...

%d Bloggern gefällt das: