Thüringen: 3.298 Verfahren zur Einschätzungen des Kindeswohls 2012 – Täglich durchschnittlich 9 Gefährdungseinschätzungen*) durch die Jugendämter

Posted on Juli 18, 2013. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen, Thüringen | Schlagwörter: , |

Im Jahr 2012 wurden den Thüringer Jugendämtern in 3 298 Fällen gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung des Wohls eines Kindes bekannt. Im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte und teils mehrfacher Kontakte zu den Kindern, deren Familien bzw. Personensorgeberechtigten aber auch zu anderen Stellen im sozialen Umfeld erfolgten jeweils die Einschätzungen der Gefährdungsrisiken.

Als Ergebnis der Gefährdungseinschätzungen wurden durch die Fachkräfte 449 akute Kindeswohlgefährdungen (13,6 Prozent) und 555 latente Kindeswohlgefährdungen (16,8 Prozent) festgestellt. In 2 294 Fällen (69,6 Prozent) kamen die Experten zu dem Ergebnis, dass keine Kindeswohlgefährdung vorlag, jedoch bestand in zwei Drittel dieser Fälle (1 470 Verfahren bzw. 64,1 Prozent) ein Hilfe – bzw. Unterstützungsbedarf.

Die häufigste Form der Kindeswohlgefährdung sind Anzeichen für Vernachlässigung, die in 723 Fällen im Rahmen der Gefährdungseinschätzung festgestellt wurden. Anzeichen für psychische Misshandlungen gab es in 202 Fällen, Anzeichen für körperliche Misshandlungen in 169 Fällen und in 48 Fällen wurden durch die Fachkräfte Anzeichen für sexuelle Gewalt festgestellt. Mehrfachnennungen waren möglich.

Mädchen und Jungen sind gleichermaßen betroffen. Der Anteil der Mädchen innerhalb der Verfahren betrug 49,3 Prozent.

In 1 021 Fällen, bei denen Anhaltspunkte einer Kindeswohlgefährdung vorlagen, war fast ein Drittel der Kinder (31,0 Prozent) noch keine drei Jahre alt, 387 von ihnen hatte das erste Lebensjahr noch nicht vollendet. Bei den unter Drei-Jährigen lag in 751 Fällen (73,6 Prozent) eine Kindeswohlgefährdung vor oder es bestand Unterstützungsbedarf. Bei den unter Ein-Jährigen betraf es 285 Jungen und Mädchen (73,6 Prozent).
In 760 Fällen waren die Kinder zwischen 3 und 6 Jahren. Bei 569 von ihnen wurde eine Kindeswohlgefährdung oder Hilfebedarf festgestellt. Weitere 733 betroffene Kinder waren im Alter zwischen 6 und 10 Jahren, 497 Kinder zwischen 10 und 14 Jahren und 287 Jugendliche 14
bis unter 18 Jahre alt.

Hinweise für eine Kindeswohlgefährdung erhielten die Jugendämter in 586 Fällen (17,8 Prozent) von anonymen Meldern, in 416 Fällen (12,6 Prozent) waren es Bekannte oder Nachbarn. Weitere 380 Initiativen (11,5 Prozent) gingen von der Polizei, dem Gericht bzw. der Staatsanwaltschaft aus und in 259 Fällen (7,9 Prozent) waren es Personen aus dem Gesundheitsbereich, wie z.B. Hebammen, Ärzte und Gesundheitsämter.

*) Verfahren zur Einschätzung des Kindeswohls gemäß § 8a Abs. 1 SGB VIII

Bitte beachten:
Angaben über die Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls wurden beginnend mit dem Berichtsjahr 2012 erstmals erhoben.
Somit sind Vergleiche zum Vorjahr noch nicht möglich.

Quelle: Thüringer Landesamt für Statistik vom 17.07.2013

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