Happy End für ein vergessenes Kind – Nach neun Jahren Klinikaufenthalt findet ein Mädchen endlich eine Pflegefamilie

Posted on Dezember 5, 2013. Filed under: Bewerber, Gesundheit, Jugendhilfe, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Foto: BbP/Heike Nordmann

Julia wurde im Jahr 2004 mit dem seltenen Undine-Syndrom geboren und hat dadurch keinen natürlichen Atemreflex. Die leiblichen Eltern konnten ihre kleine Tochter nicht selbst versorgen und wünschten sich für Julia sehr früh eine Adoptiv- oder Pflegefamilie. Mehrere Vermittlungsversuche scheiterten. Das nur wenige Monate alte Mädchen wurde vorläufig in einer Klinik untergebracht, um die Eltern zu entlasten. Von hier aus sollten sich zeitnah Pflegeeltern für Julia finden.

Doch durch unterschiedliche Kostenträger (Krankenkasse und Sozialamt) wurde die Akte Julia von Ort zu Ort gereicht und von Zuständigkeit zu Zuständigkeit gegeben. Das Jugendamt vor Ort war zu keinem Zeitpunkt involviert, da die Eltern selbst Inhaber der elterlichen Sorge waren. So geriet das Vermittlungsvorhaben in den Hintergrund, und der Klinikalltag wurde für Julia immer selbstverständlicher.

Mit ihrer Einschulung griff ein Sozialarbeiter des Sozialamts den Vermittlungsauftrag erneut auf. Zunächst wurde die Hoffnung getragen, dass jemand von Klinikpersonal das Kind bei sich aufnimmt. Anschluss und Beständigkeit waren hier die letzte Hoffnung für Julia, um sie nicht in eine ganz fremde Welt entlassen zu müssen. Julias Zuhause war nach so vielen Jahren eine Klinik, und alle Menschen, die sich um sie kümmerten, trugen weiß. Die Bemühung, das Mädchen an eine ihr vertraute Person zu vermitteln, scheiterte jedoch.

Im Frühjahr 2013 wurde dann der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. um Vermittlungshilfe gebeten. Der Verband erstellte ein Profil, was Julias Familie so alles mitbringen muss, um ein Kind mit Kanüle in der Luftröhre und Beatmungspflicht versorgen zu können. Unter seinen registrierten Bewerbern suchte der Bundesverband nach einer Pflegefamilie, die sich vorstellen konnte, Julia ein liebevolles Zuhause zu geben.
Nach weiteren sechs Monaten des Wartens wurde Julias Traum wahr: „Ich wünsche mir, dass einmal eine Mama da ist, wenn ich aus der Schule komme.“ Seit November 2013 steht Julias Beatmungsgerät jetzt auf einem kleinen Tisch neben dem Sofa ihrer Pflegefamilie, und sie kann mit dem Hund auf dem Schoß ihren Lieblingsfilm sehen.
Als die erste Nacht in Julias neuem Zuhause anbrach und die Nachtschwester des ambulanten Pflegedienstes der Gutenachtgeschichte der Pflegemutter zuhörte, fragte Julia: „Du, Schwester, wann ziehst du dich um?“ Da antwortete die Nachtschwester: „Julia, du bist jetzt in einem Zuhause, da läuft das anders. Da tragen nicht alle weiß.“

Der Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. (BbP) ist eine Selbsthilfevereinigung von Pflegeeltern, die sich für Pflegekinder mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen engagieren. Er wurde 1983 gegründet und vertritt bundesweit fast 800 Mitglieder mit über 600 Pflegekindern. Zentrales Anliegen ist die Vermittlungshilfe von Kindern mit besonderen Bedürfnissen in Pflegefamilien. Nach der UN-Kinderrechtskonvention hat jedes Kind das Recht, in einer Familie aufzuwachsen. Der BbP ist als freier Träger der Jugendhilfe anerkannt und vertritt die Interessen behinderter Pflegekinder und ihrer Pflegeeltern auch im politischen, sozialrechtlichen und gesellschaftlichen Bereich.
* Zum Schutz des Kindes und aller Beteiligten haben wir den Namen geändert und auf Ortsangaben verzichtet. Der Bundesverband behinderter Pflegekinder versichert, dass sich diese Geschichte im genannten Zeitraum in Deutschland abgespielt hat.

Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V.
Kirchstraße 29, 26871 Papenburg

Heike Nordmann / Rita Leser

Telefon: 04961 665241
Telefax: 04961 666621

Internet: http://bbpflegekinder.de
E-Mail: info@bbpflegekinder.de

Quelle: Pressemittilung des Bundesverband behinderter Pflegekinder e.V. vom 25.11.2013

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