Landesjugendamt RLP: Fachtagung der Pflegekinderdienste 2014

Posted on Mai 29, 2014. Filed under: Fachkräfte, Fortbildung, Hessen, Jugendhilfe, Netzwerke, Rheinland-Pfalz, Saarland, Veranstaltungen |

Am 07. und 08. Mai 2014 hatten 88 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Pflegekinderdienste aus Rheinland-Pfalz, dem Saarland und Hessen in öffentlicher und freier Trägerschaft die Gelegenheit, sich mit dem Thema „Eigene Kinder – Fremde Kinder- Geschwisterkinder, Passungen suchen und finden“ auseinander zu setzen.

Nach der Begrüßung durch Birgit Zeller, Abteilungsleitung des Landesjugendamtes, und Iris Egger-Otholt, Leitung des Referates 33, eröffnete Prof. Dr. Christine Köckeritz den fachlichen Diskurs mit einem Vortrag zur Frage: „Welche Eltern braucht das Pflegekind?“ Anhand von grundlegenden Betrachtungen bei der Auswahl von Pflegeeltern zeigte die Referentin, wie notwendig es ist, die besonderen Bedürfnisse des Pflegekindes im Einzelfall zu betrachten. Anschaulich wurde das mögliche Bindungsverhalten des Kindes im Zusammenhang mit den dadurch an die Pflegeeltern gerichteten Anforderungen thematisiert. Ein wichtiger Faktor ist hier, nach Einschätzung von Prof. Köckeritz, die professionelle Betreuung und Begleitung durch die Fachkräfte. Der Vortrag hinterließ bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern viele für die Praxis nützliche Überlegungsansätze.

Im Rahmen einer offenen Runde stellten Birgit Zeller, Iris Egger-Otholt und zwei Mitarbeiterinnen des Referates 33 Themen des Pflegekinderwesens aus dem Landesjugendamt vor. Iris Egger-Otholt berichtete vom aktuellen Stand der Empfehlungen für die Pflegekinderdienste und bat die Fachkräfte um deren Einschätzungen. Die Fachkräfte nutzten dieses Angebot zu einem regen Austausch. Beate Fischer-Glembek erläuterte die Arbeit der bundesweiten Arbeitsgruppe des DIJuF (Deutsches Institut für Jugend und Familie). Diese Gruppe von Experten des Pflegekinderwesens aller Bundesländer erarbeitet zurzeit ein Grundsatzthesenpapier zu den wünschenswerten Standards des Pflegekinderwesens bundesweit. Zuletzt wurde das aktuelle Thema der migrationssensiblen Pflegeverhältnisse angesprochen. Es wurden auf Einladung des DITIB (Türkisch islamische Union der Anstalt für Religion e.V.) von Julia Mückusch-Radwer Vorträge vor Mitgliedern von muslimischen Gemeinden gehalten.

Den Nachmittag gestaltete Michaela Herbertz-Floßdorf, die einen Einblick in den Alltag von Regenbogenfamilien gab. Unter der Überschrift „Familie ist da, wo Kinder sind“ zeigte die Referentin anhand von Studien die möglichen Entwicklungs-tendenzen von Kindern und Pflegekindern bei Eltern in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften auf. In einer lebhaften Diskussion tauschten sich die Fachkräfte über mögliche Ressourcen bzw. Fallstricke eines solchen Pflegeverhältnisses aus.

Am zweiten Tag erläuterte Dr. Heinz Kindler vom Deutschen Jugendinstitut in München die Bedeutung von Geschwistern aller Art für das Aufwachsen von Pflegekindern. Aus langjähriger Berufspraxis heraus präsentierte Dr. Kindler verschiedene Ansätze der Geschwisterunterbringung. Wieder wurde deutlich, dass es keine allgemeingültige Lösung bei einer Unterbringung gibt. Auch bei der Platzierung von Geschwisterkindern muss die Bedürfnislage der betroffenen Kinder im Einzelfall betrachtet werden. Mit viel Humor und aus reichhaltiger Erfahrung beantwortete Dr. Kindler noch weit über seinen Vortrag hinaus die Fragen der Fachkräfte.

Corinna Petri, Dipl. Sozialpädagogin an der Universität Siegen, rundete den zweiten Tag mit Einblicken aus der Forschung über die Erlebnisperspektive der Kinder ab. Anhand von Interviewsequenzen zeigte die Referentin sehr anschaulich, wie weit das Erleben der Kinder und die Intention der beteiligten Erwachsenen auseinander gehen können.
Zum Abschluss diskutierten die Fachkräfte grundsätzliche Haltungen zur Unterbringung von Geschwistern und sammelten konkrete Handlungsansätze für die tägliche berufliche Praxis.

Zusammenfassend wurde durch die vier Referenten ein großer Bogen über verschiedene Lebenswelten und Lebenskonstellationen von Kindern und Geschwisterkindern in der Pflegekinderhilfe geschlagen. Die Tagung gab viele Anregungen und die Fachkräfte zeigten durch ihre engagierte Mitarbeit und intensive Nachfragen, wie aktuell und facettenreich das Thema der Geschwisterbeziehung in die tägliche Arbeit einfließt.

Quelle: Landesjugendamt Rheinland-Pfalz vom 27.05.2014

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