9 959 Verfahren zur Kindeswohlgefährdung im Land Berlin 2013 eingeleitet

Posted on Juli 7, 2014. Filed under: Berlin, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen | Schlagwörter: , |

Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg informiert, wurde im Jahr 2013 in Berlin für 9 959 Kinder und Jugendliche ein Verfahren zur Gefährdungseinschätzung nach § 8a Abs. 1 SGB VIII vorgenommen. Gegenüber 2012 ist das eine Steigerung von 13,3 Prozent (2012: 8 791).

Eine akute Gefährdungseinschätzung wurde bei 1 984 (19,9 Prozent) Kinder und Jugendlichen festgestellt. In diesen Fällen ist eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten. Bei 3 254 (32,7 Prozent) Fällen lag eine latente Kindeswohlgefährdung vor. Dabei konnte die Frage nach der gegenwärtig tatsächlich bestehenden Gefahr nicht eindeutig beantwortet werden, aber es besteht weiterhin der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung bzw. eine Kindeswohlgefährdung kann nicht ausgeschlossen werden. Bei 2 678 (26,9 Prozent) Fällen wurde zwar keine Gefährdung ermittelt, es bestand jedoch Hilfebedarf und in 2 043 (20,5 Prozent) der Fälle wurde keine Kindeswohlgefährdung festgestellt.

66,7 Prozent der akuten bzw. latenten Kindeswohlgefährdungen betrafen Vernachlässigung, 21,7 Prozent körperliche und 26,9 Prozent psychische Misshandlungen. In 3,9 Prozent der Fälle mussten Verfahren wegen sexueller Gewalt eingeleitet werden.

Häufig erfolgte die Meldung von Kindeswohlgefährdungen von Verwandten, Bekannten und Nachbarn (13,0 Prozent) oder auch anonym (7,5 Prozent). Über Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft wurden 27,0 Prozent der Verfahren initiiert.

In 13,1 Prozent der Fälle waren die Kita bzw. Tagespflegeperson oder die Schule die auslösende Einrichtung. 10,9 Prozent der Verfahren wurden von den Minderjährigen bzw. Eltern oder Erziehungsberechtigten selbst angestoßen. Von medizinischem Personal, Gesundheitsämtern oder Hebammen erfolgte in 6,0 Prozent der Fälle die Information der Jugendämter.

Als Ergebnis der Gefährdungseinschätzung wurden für 1 587 Kinder und Jugendliche ambulante oder teilstationäre Hilfen zur Erziehung neu eingerichtet. Unterstützung nach §§ 16-18 SGB VIII wurde für 2 379 Fälle gewährt. Hierbei handelt es sich um Leistungen zur allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie und Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung oder Scheidung. 651 Kinder oder Jugendliche wurden im Rahmen der vorläufigen Schutzmaßnahmen in Obhut genommen. In 734 Fällen musste das Familiengericht angerufen werden.

Quelle: Pressemitteilung des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg vom 07.07.2014

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