Baden-Württemberg: 9 861 Verfahren zur Einschätzung von Kindeswohlgefährdungen im Jahr 2013

Posted on Juli 17, 2014. Filed under: Baden-Württemberg, Forschung, Jugendhilfe, Publikationen | Schlagwörter: , |

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg wurde im Jahr 2013 in Baden-Württemberg für 9 861 Kinder und Jugendliche ein Verfahren zur Gefährdungseinschätzung nach § 8a Abs. 1 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII vorgenommen, das sind 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Dabei werden dem Jugendamt gewichtige Anhaltspunkte für die Gefährdung eines Kindes bekannt. Es verschafft sich daraufhin einen unmittelbaren Eindruck vom betroffenen Kind oder Jugendlichen und seiner persönlichen Umgebung. Dies kann z. B. durch einen Hausbesuch, den Besuch der Kindertageseinrichtung oder Schule oder die Einbestellung der Eltern ins Jugendamt geschehen. Die Einschätzung des Gefährdungsrisikos erfolgt anschließend im Zusammenwirken mehrerer Fachkräfte.

Bei 1 361 Gefährdungseinschätzungen, das sind 14 Prozent aller Verfahren, wurde in 2013 eine akute Gefährdungssituation festgestellt. In diesen Fällen ist eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten. Dabei wurden bei 807 jungen Menschen Anzeichen für Vernachlässigung festgestellt. Bei weiteren 427 Kindern und Jugendlichen gab es Anzeichen für körperliche und bei 406 für psychische Misshandlung. Hinweise auf sexuelle Gewalt wurden bei 94 Kindern und Jugendlichen festgestellt.

In 1 782 Fällen (18 Prozent) lag eine sogenannte latente Kindeswohlgefährdung vor. Dabei konnte die Frage nach der tatsächlich bestehenden Gefahr nicht eindeutig beantwortet werden, es bestand jedoch weiterhin der Verdacht einer Kindeswohlgefährdung bzw. eine solche konnte nicht ausgeschlossen werden.

Bei 3 485 Gefährdungseinschätzungen (35 Prozent) ergab sich zwar keine Kindeswohlgefährdung, wohl aber ein anderweitiger Unterstützungsbedarf. Bei 33 Prozent der Gefährdungseinschätzungen (3 233 Verfahren) wurden keine Gefährdung und kein weiterer Hilfebedarf ermittelt.

Insgesamt betrafen die Gefährdungseinschätzungen 4 941 Jungen und 4 920 Mädchen. Während in den Altersgruppen mit Kindern unter 10 Jahren stets für etwas mehr Jungen wie Mädchen Gefährdungseinschätzungen vorgenommen werden mussten, ist dies bei den Jugendlichen im Alter von 10 bis unter 18 Jahren umgekehrt: Hier waren mit 1 804 Fällen deutlich mehr Mädchen betroffen als Jungen (1 511 Fälle).

Hinweise auf mögliche Gefährdungen kommen von verschiedensten Personen und Institutionen. So wurde z.B. in 1 860 aller Fälle (19 Prozent) das Jugendamt durch die Polizei, Gerichte oder die Staatsanwaltschaft über die mögliche Gefährdung informiert, in weiteren 1 561 Fällen (16 Prozent) von Nachbarn oder Bekannten des betroffenen Kindes oder Jugendlichen. In 9 Prozent der Fälle kam der Hinweis von anonymen Meldern (880). Jeweils 8 Prozent der Fälle gehen auf Meldungen der Schulen (818), der Sozialen Dienste bzw. der Jugendämter selbst (770) oder von Eltern bzw. Personensorgeberechtigten (765) zurück. Und in 526 Fällen (5 Prozent) wurde eine mögliche Gefährdung durch den medizinischen Bereich, also beispielsweise Hebammen, Ärzte, Kliniken oder Gesundheitsämter mitgeteilt.

Als Ergebnis der Gefährdungseinschätzungen wurden zahlreiche Hilfen neu eingerichtet. Dabei können für ein Kind auch mehrere Hilfen in Frage kommen. In 1 756 Fällen wurden ambulante oder teilstationäre Hilfen zur Erziehung neu eingerichtet. Unterstützung nach §§ 16 bis 18 SGB VIII, wie z. B. Leistungen zur allgemeine Förderung der Erziehung in der Familie, Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung oder Scheidung wurde als Folge von 1 234 Gefährdungseinschätzungen gewährt. 517 Kinder oder Jugendliche wurden im Rahmen vorläufiger Schutzmaßnahmen in Obhut genommen. In 374 Fällen wurden familienersetzende Hilfen zur Erziehung (§§ 27, 33 – 35 SGB VIII) eingeleitet, in weiteren 374 Fällen Erziehungsberatung nach § 28 SGB VIII.

 

 

Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg vom 15.07.2014

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