Kampagne in Hannover: „Auch so sehen Pflegeeltern aus“

Posted on Juni 1, 2015. Filed under: Bewerber, Jugendhilfe, Niedersachsen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Anke Broßat-Warschun inmitten von Studierenden, die die Kampagne entwickelt haben, Foto: LHH Neue Medien

Spießer, schwul oder hetero, mit oder ohne Migrationshintergrund – egal. Alle Menschen können Pflegeeltern sein, fürsorglich und verantwortungsbewusst.

Das transportieren die Plakate, die ab Dienstag, 19. Mai eine Woche lang im Stadtgebiet auf City-Light-Postern und im Fahrgastfernsehen zu sehen sind. Entwickelt haben die Kampagne „Auch so sehen Pflegeeltern aus“ 15 Studentinnen und Studenten der Hochschule Hannover (HsH), Fakultät III – Medien, Information und Design unter der Leitung von Professor Dorothee Weinlich.

⇒ zur Galerie der 6 Plakatmotive

„Kinder brauchen eine Familie. Oft kann das nicht die eigene sein, weil die Eltern überfordert sind, die Kinder vernachlässigen oder verwahrlosen lassen. Pflegefamilien sollen dann ein fürsorgliches und verantwortungsvolles Zuhause bieten“, erläuterte Anke Broßat-Warschun, Leiterin des Fachbereichs Jugend- und Familie, am 18. Mai bei der Vorstellung der Kampagne.

„Wir suchen eigentlich permanent Personen, die sich als Pflegeeltern für Kinder engagieren möchten. Und haben uns dafür einen frischen Blick, eine neue Ansprache auch ganz anderer Personenkreise gewünscht. Wir sind sehr glücklich, dass sich Studentinnen und Studenten von Frau Professor Weinlich im Wintersemester 2013/2014 mit unserem Wunsch beschäftigt haben – und freuen uns sehr über das Ergebnis“, unterstreicht Broßat-Warschun. „Bei allem Witz in der Darstellung und Qualität der Umsetzung zeigt es nämlich sehr schön, dass wir Familie heute als ‚Familie der Vielfalt‘ verstehen – und sich das auch bei unseren Pflegefamilien widerspiegeln soll.“
Kampagne zum „Pflegekinderdienst“

Der Pflegekinderdienst – und Kriterien der Auswahl von Pflegepersonen
Der Pflegekinderdienst der Stadt Hannover betreut durchschnittlich 250 Pflegefamilien. 30 bis 35 Anfragen auf Vermittlung eines Pflegekindes gehen jährlich beim Pflegekinderdienst ein, davon werden etwa 14 Kinder erfolgreich in eine Pflegefamilie vermittelt. Etwa neun Kinder werden in Erziehungsstellen untergebracht. Lediglich ein Kind pro Jahr kann aufgrund seiner Beeinträchtigungen nicht in eine Pflegefamilie vermittelt werden.

Der Bedarf an Pflegeeltern ist in den letzten Jahren in etwa gleich geblieben. Die Anzahl der zur Verfügung stehenden Pflegeeltern ist aber nicht ausreichend, zum Beispiel aufgrund von Fluktuation bei den Pflegepersonen oder einer generell etwas zurückgehenden Bereitschaft, Pflegekinder aufzunehmen.

Die Pflegeeltern müssen in geeigneten Lebensverhältnissen leben und den eigenen Lebensunterhalt ausreichend sicherstellen können. Auch das Alter der Pflegeeltern spielt bei der Prüfung der Eignung eine Rolle. Es muss die Bereitschaft vorhanden sein, verbindlich an einer Vorbereitungsgruppe mit fünf Terminen und anschließenden Einzelgesprächen und Hausbesuchen teilzunehmen. Es darf kein Eintrag im Führungszeugnis vorhanden sein. Durch eine ärztliche Bescheinigung ist nachzuweisen, dass keine lebensbedrohlichen Erkrankungen oder Suchterkrankungen vorliegen. Die Pflegeeltern müssen bereit sein zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Pflegekinderdienst. Dazu zählen jährliche Hausbesuche, Hilfeplanverfahren, sowie ggf. begleitete Umgangskontakte des Kindes mit seinen Angehörigen.

Die Gestaltung der Kampagne
„Wir freuen uns sehr über eine enge Vernetzung und Kooperationen zwischen der Landeshauptstadt Hannover und der Hochschule Hannover“, hebt Professor Wilfried Köpke, Dekan der Fakultät III – Medien, Information und Design, hervor. „Design-Studentinnen und -Studenten können nicht nur schön, sondern auch sozial. Auch und gerade gesellschaftsrelevante, widerständige und engagierte Themen wollen unsere Studierenden in professionellem Design umsetzen. Und zwar im eigenen Quartier – wo man gemeinsam sehr viel bewegen kann.“

„Unsere Studierenden sehen sich häufig als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren gesellschaftlicher oder sozialer Themen, die sie mit ihrer Arbeit befördern können“, erläutert Professor Dorothee Weinlich das Engagement für die Kampagne.

„Als solche, aber auch als potenzielle Zielgruppe, haben sie die Ansprache der Kampagne bewusst auch an sich selbst gerichtet – und gefragt: Wie sehen denn die Pflegeeltern aus? Sind sie reich? Ein bisschen spießig? Verheiratet? Ja, aber nicht nur! Egal, ob konservativ oder unkonventionell, gut situiert oder aus den einfacheren Verhältnissen – vor allem sind die Pflegeeltern liebevoll. Und mutig. Weil sie bereit sind, sich auf ein Abenteuer einzulassen, aber mit der Zuversicht, positive und bereichernde Erfahrungen zu sammeln – und weiterzugeben,“ beschreibt Weinlich den Ansatz der Gestalterinnen und Gestalter.

Die Kampagne beschreibt Weinlich als emotionale Ansprache der Öffentlichkeit zum Thema Pflegeeltern und der Vermittlung von Pflegekindern – fern jeglicher Klischees, Tabus und Vorurteile. Studierende der Studiengänge Fotojournalismus und Dokumentarfotografie, Szenografie-Kostüm, Mediendesign und Visuelle Kommunikation hätten sich dafür zum Ziel gesetzt, die Pflegeeltern aus den Schubladen zu befreien und deren Bild in der Gesellschaft zu verändern. Mit Hilfe wertvoller Tipps einer renommierten Werbeagentur und in einem kreativen Austausch, den nur ein so fächerübergreifendes Projekt bieten könne, entstand diese Plakatkampagne. Sie sei humorvoll und provozierend zugleich und animiere die Betrachterinnen und Betrachter zum Nachdenken.

Für das Fotoshooting wurden zwei Schauspielstudierende der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover (HMTMH) engagiert und für jedes Plakatmotiv komplett umgestylt und neu in Szene gesetzt. Entstanden sind Bilder von sechs potenziellen Pflegeelternpaaren – so unterschiedlich, wie sie nur sein können.

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Hannover vom 18.05.2015

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