Im Jahr 2015 leiteten Brandenburger Jugendämter 7 248 Verfahren zur Kindeswohlgefährdung ein

Posted on Juli 12, 2016. Filed under: Brandenburg, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen | Schlagwörter: , |

Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg informiert, wurde im Jahr 2015 im Land Brandenburg für 7 248 Kinder und Jugendliche ein Verfahren zur Gefährdungseinschätzung nach § 8a Abs. 1 SGB VIII vorgenommen. Gegenüber 2014 ist das eine Steigerung von 15,8 Prozent (2014: 6 258).

Eine akute Gefährdungseinschätzung wurde bei 1 177 Kindern und Jugendlichen (16,2 Prozent) festgestellt. In diesen Fällen ist eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen bereits eingetreten oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten.
In 1 377 Fällen (19 Prozent) lag eine latente Kindeswohlgefährdung vor. Dabei konnte die Frage nach der gegenwärtig tatsächlich bestehenden Gefahr nicht eindeutig beantwortet werden, aber es besteht weiterhin der Verdacht auf eine Kindeswohlgefährdung bzw. eine Kindeswohlgefährdung kann nicht ausgeschlossen werden.
Bei 2 270 Fällen (31,3 Prozent) wurde zwar keine Gefährdung ermittelt, es bestand jedoch Hilfebedarf und in 2 424 Fällen (33,4 Prozent) wurde keine Kindeswohlgefährdung festgestellt.

73,0 Prozent der akuten bzw. latenten Kindeswohlgefährdungen betrafen Vernachlässigung, 20,2 Prozent körperliche und 20,4 Prozent psychische Misshandlungen. In 3,8 Prozent der Fälle mussten Verfahren wegen sexueller Gewalt eingeleitet werden. Hierbei sind für ein Kind mehrere Arten der Gefährdungsmeldung möglich.

Häufig erfolgte das Bekanntwerden von Kindeswohlgefährdungen durch Verwandte, Bekannte und Nachbarn (14,5 Prozent) oder auch anonym (16,4 Prozent). Über Polizei, Gericht und Staatsanwaltschaft wurden 14,3 Prozent der Verfahren initiiert. In 10,0 Prozent der Fälle waren die Kita bzw. Tagespflegeperson oder die Schule die auslösende Einrichtung. 10,3 Prozent der Verfahren wurden von den Minderjährigen bzw. Eltern oder Erziehungsberechtigten selbst angestoßen. Von Seiten des medizinischen Personals, der Gesundheitsämter oder Hebammen erfolgten in 5,1 Prozent der Fälle Informationen an die Jugendämter.

Als Folge der Gefährdungseinschätzung wurden für 1 335 Kinder und Jugendliche ambulante oder teilstationäre Hilfen zur Erziehung neu eingeleitet bzw. geplant. Unterstützung nach §§ 16-18 SGB VIII wurde für 562 Fälle gewährt. Hierbei handelt es sich um Leistungen zur allgemeinen Förderung der Erziehung in der Familie und Beratung in Fragen der Partnerschaft, Trennung oder Scheidung. 507 Kinder oder Jugendliche wurden im Rahmen der vorläufigen Schutzmaßnahmen in Obhut genommen. In 682 Fällen musste das Familiengericht angerufen werden.

Quelle: Pressemitteilung des Amts für Statistik Berlin-Brandenburg vom 12.07.2016

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