Artikel „Eltern ihr Kind wegnehmen“

Posted on Juni 5, 2010. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, Publikationen | Schlagwörter: , , |

In ZEIT-ONLINE berichtet eine junge Sozialarbeiterin, wie sie – neu im Sozialen Dienst des Jugendamtes – Entscheidungen treffen muss, die das Leben ganzer Familien verändern.

zum Artikel „Eltern ihr Kind wegnehmen“ von Stefanie Bause in Zeit-online vom 31.05.2010

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Nürnberg: Artikel „Pflegeeltern klagen über das Jugendamt“

Posted on März 23, 2010. Filed under: Bayern, Jugendhilfe, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , |

Ende 2008 strukturierte das Jugendamt Nürnberg seinen Pflegekinderdienst um und lagerte Teile an drei freie Träger aus.

Aus Unzufriedenheit mit der Betreuung schon länger bestehender Pflegeverhältnisse gründete sich mittlerweile das Aktionsbündnis „Pflegeeltern in Not“. Initiatorin des Bündnisses ist Frau Hess, selbst Pflegemutter und Mitglied bei PFAD für Kinder – Nürnberg/Fürth e.V.

Dazu berichteten die Nürnberger Nachrichten am 20.03.2010 in ihrem Artikel „Pflegeeltern klagen über das Jugendamt“ von Ute Möller.

Mit freundlicher Genehmigung von: Verfasser / Nürnberger Nachrichten

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TV-Tipp „Leibliche Mutter kämpft um ihre Kinder“ am 18.+19.02.

Posted on Februar 16, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Jugendhilfe, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Podcast / Online, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

Am 18.02. von 22.30 – 23.15 Uhr sendet das WDR-Fernsehen in der Reihe Menschen hautnah die Dokumentation „Mutter gegen Jugendamt – Nadine kämpft um ihre Kinder“. Am 19.02. wird die Sendung von 14.15 – 15.00 Uhr wiederholt.

Der Film begleitet den Sorgerechtsstreit zwischen der 19-jährigen Mutter und dem Jugendamt über sechs Monate: in der Zeit vor dem Prozess, am Tag der Urteilsverkündung und zwei Monate später. Die Autorin Katrin Wegner zeigt darin den verzweifelten Versuch einer Mutter, Erklärungen für das Geschehene zu finden, ihre Hoffnung auf eine zweite Chance und die Position des Jugendamtes, zum Wohle des Kindes zu handeln. Auf der einen Seite steht Nadine S., die ihre Kinder liebt und sie selbst erziehen will. Auf der anderen Seite das Jugendamt, dass die Kinder vor dem gewalttätigen Vater und der scheinbar überforderten Mutter schützen will.

nähere Informationen zur Sendung

Nach Ausstrahlung kann die Sendung als Podcast online angesehen werden: http://www.wdr.de/tv/menschenhautnah/vodcast/index.jsp

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Justizministerin: Vormund darf Kind nicht nur aus Akten kennen

Posted on Januar 14, 2010. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Politik, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , |

Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger zu verbessertem Kinderschutz durch beabsichtigte Änderungen im Vormundschaftsrecht:

Kinder sind die schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft. Nicht jedes Kind hat das Glück, in der eigenen Familie Schutz und Fürsorge zu erfahren. Schreckliche Fälle von Kindesvernachlässigung sind unvergessen. Änderungen im Vormundschaftsrecht können dazu beitragen, Missbrauch und Vernachlässigung zu verhindern.

Wird Eltern das Sorgerecht entzogen, übernimmt ein Vormund die volle Verantwortung für das Kind. In drei von vier Fällen liegt die Vormundschaft beim Jugendamt als „Amtsvormund“. Wer Verantwortung für Kinder trägt, darf seine Schützlinge nicht nur aus Akten kennen. Ein direkter Draht zum Kind und Einblicke in das persönliche Umfeld sind unverzichtbar, um Gefahren frühzeitig zu erkennen und abzuwenden. In der Praxis muss ein Amtsvormund in vielen Fällen bis zu 120 Kinder gleichzeitig im Blick haben, bei Kevins Vormund in Bremen waren es mehr als 200. Der persönliche Kontakt ist oft nicht mehr möglich.

Wir wollen den persönlichen Kontakt ausdrücklich im Gesetz verankern. Der Vormund soll seine Mündel regelmäßig treffen, möglichst jeden Monat. Mindestens ein Mal im Jahr soll er dem Familiengericht nicht nur über persönliche Verhältnisse des Kindes, sondern auch über den Umfang des persönlichen Kontakts berichten. Die Familiengerichte sollen die Erfüllung der Kontaktpflicht überwachen. Damit gerade Amtsvormünder genug Zeit für den persönlichen Kontakt haben, sollen sie sich maximal um 50 Kinder kümmern.

Den jetzt geplanten Regelungen zum persönlichen Kontakt soll eine umfassende Modernisierung des Vormundschaftsrechts folgen. Die Grundkonzeption stammt aus dem vorletzten Jahrhundert. Viele Vorschriften müssen aktuellen Verhältnissen angepasst werden.

Zum Hintergrund:
Ein Vormund wird nicht nur für Waisen, sondern auch bestellt, wenn das Familiengericht den Eltern ihr Sorgerecht z.B. wegen akuter Kindeswohlgefährdung entzieht. Der Vormund ist dann an Stelle der Eltern zur umfassenden Sorge für Person und Vermögen des Kindes verpflichtet. In der Vergangenheit kam es auch bei bestehender Vormundschaft wiederholt zu Kindesmisshandlungen und Vernachlässigungen durch Pflegepersonen.

Eine mögliche Ursache ist der oftmals fehlende persönliche Kontakt zwischen Vormund und Mündel. In der Praxis übernehmen zumeist Mitarbeiter des Jugendamtes die Vormundschaft als Amtsvormund. Da ein einziger Amtsvormund häufig bis zu 120 Kinder betreut, kennt er seine Mündel oft kaum persönlich und kann daher seiner Verantwortung nicht gerecht werden. Hätte beispielsweise der Amtsvormund im Fall Kevin regelmäßigen persönlichen Kontakt und Einblicke in das persönliche Umfeld gehabt, hätte er seine Kontrollfunktion besser wahrnehmen und das Unglück möglicherweise vermeiden können.

Ein vom Bundesjustizministerium erarbeiteter Referentenentwurf sieht deshalb vor:

  • Ein ausreichender persönlicher Kontakt des Vormunds mit dem Mündel wird ausdrücklich im Gesetz verankert.
  • Die Pflicht des Vormunds, Pflege und Erziehung des Mündels zu beaufsichtigen, wird im Gesetz stärker hervorgehoben.
  • Die Frage des persönlichen Kontakts wird in die jährliche Berichtspflicht des Vormunds gegenüber dem Familiengericht aufgenommen.
  • Die Aufsicht des Familiengerichts über die Amtsführung des Vormunds wird ausdrücklich auf die Erfüllung der Kontaktpflichten erstreckt.
  • Die Fallzahlen in der Amtsvormundschaft werden auf 50 Vormundschaften für jeden Vollzeitmitarbeiter begrenzt.

Bei der Kabinettsklausur in Schloss Meseberg hat die Bundesregierung dem Vorschlag der Bundesjustizministerin zugestimmt, den persönlichen Kontakt zwischen Vormund und Mündel zu stärken und dazu einen Gesetzesentwurf zu erarbeiten. Mittlerweile liegt der Referentenentwurf vor. Momentan haben Länder und Verbände die Gelegenheit zur Stellungnahme.

Zusätzlich zu dem aktuellen Gesetzgebungsvorhaben ist im zweiten Schritt eine Gesamtreform des Vormundschaftsrechts beabsichtigt. Die Grundkonzeption des Vormundschaftsrechts stammt aus dem 19. Jahrhundert und bedarf daher in vielen Bereichen der Anpassung an die aktuellen Rechts- und Lebensverhältnisse. Ein Gesetzesentwurf soll im Laufe der Legislaturperiode erarbeitet werden.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesjustizministeriums vom 08.01.10

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Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter plant Imagekampagne für Jugendämter

Posted on November 27, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Politik, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Zu ihrer 107. Arbeitstagung traf sich die Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter vom 04. bis 06. November 2009 in Hamburg.

Dr. Angelika Kempfert, Staatsrätin der Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz begrüßte die Leiterinnen und Leiter der bundesdeutschen Landesjugendämter und erläuterte die jugend- und familienpolitischen Aufgabenschwerpunkte der Hansestadt.

In einem ersten Beschlussteil verständigten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Vorbereitung einer Kampagne zur Verbesserung des Images der Jugendämter in der Öffentlichkeit. Im Rahmen eines einheitlichen Konzepts sollen zentrale Botschaften über die hilfreiche Funktion der Jugendämter als öffentliche Träger der Kinder- und Jugendhilfe in einer konzertierten Aktion unter Beteiligung möglichst vieler örtlicher Jugendämter in die Öffentlichkeit vermittelt werden. Als Zeitpunkt der Kampagne wurde das Frühjahr 2011 in Aussicht genommen.

Unter dem Titel „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Betriebserlaubniserteilung für Einrichtungen der Erziehungshilfe“ wurde eine Arbeitshilfe für die Aufsicht nach §§ 45 ff. SGB VIII beschlossen, mit der differenziert Eckpunkte für die stärkere Berücksichtigung des Partizipationsgedankens in der Heimerziehung beschrieben werden. Die Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung, anerkannter Standard des Vollzugs des Adoptionsvermittlungsrechts, wurde in einer 6. Fassung neu beschlossen; sie nimmt die zwischenzeitlich erfolgten Rechtsänderungen (insbesondere das FamFG) auf.

Der Ausbau der Kindertagesbetreuung für die unter Dreijährigen erfordert neben den rein quantitativen Gesichtspunkten die Sicherstellung einer möglichst hohen Qualität der Bildung, Erziehung und Betreuung in dieser Altersstufe. Hierzu wurde auf der Arbeitstagung fachliche Empfehlungen beschlossen, die sich sowohl an die Kindertageseinrichtungen als auch an die Kindertagespflege richten (siehe beiliegende Datei).

Der fachliche Erfahrungsaustausch spielt bei den Arbeitstagungen der Leitungen der Landesjugendämter eine wichtige Rolle; er ermöglicht, rechtzeitig weiterführende oder notwendige Entwicklungen der Kinder- und Jugendhilfe aufzugreifen und verschiedene Sichtweisen und thematische Zugänge zu vertiefen. Zu den Themen auf dieser Arbeitstagung zählten die fachliche Diskussion über die künftige Organisation der Eingliederungshilfen (im Rahmen der Jugendhilfe § 35a SGB VIII) und hierbei insbesondere die sogenannte „Große Lösung“, also die Zusammenführung aller Eingliederungshilfen unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe; das Verhältnis zwischen Jugendhilfe und Ganztagsschule (insbesondere in den verschiedenen „gebundenen“ Formen); die Bedeutung der EU-Jugendstrategie für die öffentliche Jugendhilfe sowie die Weiterentwicklung des Kosten- und Zuständigkeitsrechts des SGB VIII.

Die nächste, 108. Arbeitstagung der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter findet vom 24. bis 26. März 2010 in Stuttgart statt. Die angekündigten „Empfehlungen zur Adoptionsvermittlung“ sowie die Arbeitshilfe zur „Beteiligung von Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Betriebserlaubniserteilung für Einrichtungen der Erziehungshilfe“ werden in Kürze veröffentlicht.

Alle weiteren Stellungnahmen und Empfehlungen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Landesjugendämter sind auf der Homepage der BAGLJÄ (www.bagljae.de) dokumentiert.

Quelle: Pressemitteilung der BAGLJÄ vom 18.11.09

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Abschlussbericht 2009 der Arbeitsgruppe „Familiengerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls – § 1666 BGB“

Posted on Oktober 12, 2009. Filed under: Erziehungsstellen, Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , , |

Im September 2009 hat die Arbeitsgruppe „Familiengerichtliche Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls – § 1666 BGB“ (AG) ihren Abschlussbericht veröffentlicht.

Die im Jahre 2006 Arbeitsgruppe hatte bereits Vorschläge, welche den Gerichten ein frühzeitiges Tätigwerden im Fall der Kindeswohlgefährdung ermöglichen und Eltern zur Wahrnehmung elterlicher Verantwortung anhalten sollte, erarbeitet. Diese finden sich in dem Mitte 2008 in Kraft getretenen Gesetz zur Erleichterung familiengerichtlicher Maßnahmen bei Gefährdung des Kindeswohls wieder.

Insgesamt würdigt und begrüßt die Arbeitsgruppe im nun vorgelegten Abschlussbericht die eingetretenen Verbesserungen im Bereich des Kinderschutzes. Sie sieht aber gleichwohl weiteren Handlungsbedarf in den genannten Bereichen, um eine fortschreitende Stärkung und Verbesserung des Kinderschutzes zu verwirklichen.

Im Rahmen der Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Familiengerichten und den Jugendämtern sollte nach ihrer Auffassung der Fokus bei der Erweiterung des interdisziplinären Wissens auf beiden Seiten sowie einer engeren Zusammenarbeit  liegen. Eine Verbesserung der Zusammenarbeit könne beispielsweise durch die Erhöhung der Teilnehmerzahlen bei Fortbildungen und interdisziplinären Arbeitkreisen erreicht werden.

Weiterer Gegenstand der Beratungen der Arbeitsgruppe war der Schutz des Wohls des ungeborenen Kindes. Die hier bestehende Gefährdungslage sei von § 1666 BGB nicht erfasst. Im Abschlussbericht wird eine Erweiterung der Hilfsangebote im Rahmen der bestehenden gesetzlichen Regelungen vorgeschlagen. Es solle ein Hilfsangebot ins SGB VIII aufgenommen werden, welches sich explizit an schwangere Frauen und werdende Eltern richtet.

Im Rahmen der Qualitätssicherung in Vormundschafts- und Pflegschaftssachen wird insbesondere auf die Überlastung der Fachkräfte hingewiesen, die häufig zwischen 60 und 120 Kinder und Jugendliche vertreten würden. Die AG  empfiehlt eine Obergrenze von 50 Kindern und Jugendlichen, um eine konzentrierte Ausführung der Aufgaben zu ermöglichen. Zudem bedürfe es der Konkretisierung der Personensorgepflicht, der gesetzlichen Verpflichtung zu regelmäßigem persönlichen Kontakt, einer verstärkten Beteiligung des Kindes und der Stärkung des Einzelvormunds.

Um bei Pflegekindern das Auftreten von Kindeswohlgefährdungen zu verringern, hält die AG die Stärkung der Stabilität des Pflegeverhältnisses für erforderlich.

Der komplette Abschlussbericht der AG ist auf der Webseite des Bundesjustizministeriums unter http://www.bmj.de/ag-kindeswohl abrufbar.

Quelle: LVR Newsletter „Rechtsfragen der Jugendhilfe“ vom 29.09.09

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Neuveröffentlichung: „Die Jugend(hilfe) von heute – Helfen mit Risiko“

Posted on September 16, 2009. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen, Stellungnahmen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Das neue Fachbuch „Die Jugend(hilfe) von heute – Helfen mit Risiko“ von Die Kinderschutz-Zentren leistet einen Beitrag zur Handlungsfähigkeit von Helferinnen und Helfer im Hinblick auf die jugendliche Zielgruppe. Es zeigt Hilfezugänge und Handlungsmöglichkeiten auf, die Kinder schützen und Familien unterstützen. In diesem Kontext werden auch Kenntnisse und Erfahrungen für eine professionelle, institutionelle Kooperation vermittelt.

Namhafte Expert(inn)en analysieren die aktuelle Situation des Kinderschutzes und der Jugendhilfe und wagen einen Ausblick auf die Entwicklung der Jugendhilfe.

Es enthält u.a. folgende Beiträge:

  • Klaus Wolf
    Kritische Lebensereignisse in der Entwicklung von Pflegekindern
  • Wolfgang Hammer
    Wirksamer Kinderschutz braucht selbstbewusste Jugendämter
  • Holger Gläss
    (Neue?) Angst vor dem Jugendamt?
  • Thomas Buchholz
    Kooperation zwischen der Kinder- und Jugendhilfe und Schule in Fällen von Hilfen zur Erziehung – Empirische Ergebnisse zur Verbesserung der Kooperationslandschaft
  • Juliane Kuhn, Ines Lägel
    Kinder psychisch kranker Eltern – Belastungen, Bewältigungen und präventive Maßnahmen
  • Astrid von Törne, Jennifer Penders
    Traumatisierte Flüchtlingsfamilien – Eine besondere Herausforderung für die Jugendhilfe
  • Ulrich Bürger
    Die Kinder- und Jugendhilfe im demografischen Wandel – Grundlegende Anmerkungen und Betrachtungen am Beispiel der Hilfen zur Erziehung

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„Leuchtturmprojekt PflegeKinderDienst“ will einheitliche Standards für die Betreuung von Pflegekindern schaffen

Posted on Juli 17, 2009. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Netzwerke, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Politik | Schlagwörter: , , , , |

Landschaftsverband Rheinland (LVR), Uni Siegen und Jugendamt Düsseldorf möchten die Arbeit von Pflegekinderdiensten verbessern / Modellprojekt in Bornheim, Duisburg, Düsseldorf und Kamp-Lintfort gestartet / Einsatz für einheitliche Rahmenbedingungen im Pflegekinderwesen

Köln. 7. Juli 2009. Immer mehr Kinder haben nicht das Glück, von ihren biologischen Eltern umsorgt und erzogen zu werden. Gründe dafür können Krankheiten, Todesfälle oder ungünstige soziale Umstände im Elternhaus sein. Viele dieser Kinder werden in Pflegefamilien vermittelt. Eine Pflegefamilie ermöglicht es Kindern, Vertrauen zu fassen, Geborgenheit und die Zuneigung von Eltern zu erfahren. So lernen sie, was es heißt, verlässliche Bindungen einzugehen. Doch bei den Kriterien, nach denen Pflegefamilien vorbereitet, begleitet und unterstützt werden, bestehen je nach Kommune wesentliche Unterschiede. Dies führt mitunter sowohl für die Kinder und Pflegefamilien als auch für die Vermittlungsdienste zu schwierigen Situationen.

Deshalb haben der LVR (Landschaftsverband Rheinland), die Universität Siegen und das Jugendamt der Stadt Düsseldorf das „Leuchtturmprojekt PflegeKinderDienst“ aufgelegt. Ziel ist es, im ganzen Rheinland verbindliche Standards bei der Betreuung von Pflegefamilien einzuführen und die Professionalität im Pflegekinderwesen zu steigern.

„Nur durch verbindliche Standards und Rahmenbedingungen bei der Vermittlung von Pflegeverhältnissen sind überall im Rheinland gleichwertige Voraussetzungen für die Versorgung für Pflegekinder sicher zu stellen“, sagt Michael Mertens, LVR-Schul- und Jugenddezernent, zur Intention des Projektes. „Deshalb unterstützt der LVR als Träger des Landesjugendamtes dieses Projekt aktiv“, so Mertens weiter.

Prof. Klaus Wolf von der Universität Siegen leitet die Forschungsgruppe: „Im Mittelpunkt steht das Anliegen, den Kindern, die einen schwierigen Start ins Leben hatten, eine gute Entwicklung zu ermöglichen und dazu auch die Pflege- und Herkunftsfamilien wirksam zu unterstützen. Umso wichtiger ist die Entwicklung von gut begründeten Qualitätskriterien, die als Orientierungshilfe für die Fachkräfte dienen können.“

Das zweijährige Projekt untersucht exemplarisch die Pflegekinderdienste der Städte Bornheim, Duisburg, Düsseldorf und Kamp-Lintfort. Zunächst werden biografische Interviews mit über 50 (ehemaligen) Pflegekindern aus diesen Regionen geführt. Dabei werden auch geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigt. Aus der Analyse und Aufbereitung der Interviews leitet die Forschungsgruppe gemeinsam mit den Mitarbeitern der Pflegekinderdienste der vier Städte fachliche Standards ab, um die Arbeit der Vermittlungsdienste zu professionalisieren. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Pflegekindern, der Universität Siegen und den Fachkräften in den Pflegekinderdiensten ist unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen des Projektes.

Erste konzeptionelle Leitlinien für die Arbeit der Pflegekinderdienste hat der LVR in einer Rahmenkonzeption zur Verfügung gestellt. (wir berichteten)

Quelle: Meldung auf INFO SOZIAL vom 09.07.09

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Auch 2008 weiterhin Anstieg bei der Zahl der Inobhutnahmen – 2 686 junge Menschen in Baden-Württemberg betroffen

Posted on Juli 16, 2009. Filed under: Baden-Württemberg, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Politik | Schlagwörter: , , , , , |

Nach Feststellung des Statistischen Landesamtes wurden im Jahr 2008 in Baden-Württemberg 2 686 Kinder und Jugendliche von den Jugendämtern in Obhut genommen. Das bedeutet gegenüber 2007 eine erneute Zunahme um 28,2 Prozent (+591 Kinder und Jugendliche). Damit erreicht die Zahl der Inobhutnahmen den höchsten Stand seit Einführung dieser Statistik im Jahr 1995 (Schaubild). Damals wurden noch 1 054 Maßnahmen von den öffentlichen und freien Trägern der Jugendhilfe gemeldet.

In akuten Krisensituationen nehmen Jugendämter Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren zu ihrem Schutz – auf deren eigenen Wunsch oder auf Initiative Anderer wie z.B. Polizei oder Erzieher – vorübergehend in Obhut und bringen sie vorläufig in einer Einrichtung oder bei einer geeigneten Person unter. Neben Unterkunft und Verpflegung stehen sozialpädagogische Beratung und Unterstützung im Vordergrund der Schutzmaßnahme.

Für 1 551 Mädchen und junge Frauen (+25,6 Prozent gegenüber 2007) und 1 135 Jungen und junge Männer (+32 Prozent) war 2008 ein behördliches Eingreifen aufgrund einer akuten Gefährdung nötig. Über die Hälfte der Jugendlichen (1 542) war zwischen 14 und 18 Jahre alt. Drei Viertel (2 037) der jungen Menschen hatten die deutsche Staatsangehörigkeit. Ein Viertel (648) war aus der eigenen Familie, Heim oder Pflegefamilie ausgerissen.

Von den insgesamt 2 686 betroffenen jungen Menschen wurde ein Viertel (678) auf eigenen Wunsch unter den Schutz des Jugendamts gestellt. Knapp ein Drittel der Maßnahmen (855) war durch soziale Dienste oder das Jugendamt, ein Fünftel (565) durch die Polizei veranlasst. 53,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen lebten vor der Inobhutnahme bei den Eltern bzw. bei einem Elternteil mit Partner, und 29,3 Prozent wuchsen bei einem allein erziehenden Elternteil auf.

Die Hauptursache lag bei der Hälfte aller Maßnahmen in einer Überforderung der Eltern oder des Elternteils, und bei einem Fünftel traten Beziehungsprobleme auf. Anzeichen von Misshandlung lagen bei 12 Prozent und Vernachlässigung bei 10 Prozent aller Fälle vor. Drei Viertel der Kinder und Jugendlichen wurden vorübergehend in einer Einrichtung untergebracht, ein Viertel fand Schutz bei einer geeigneten Person.

In Zusammenarbeit mit den Betroffenen und gegebenenfalls auch mit ihren Angehörigen werden Zukunftsperspektiven entwickelt, zu denen auch eine anschließende Hilfeleistung in Form eines weiteren Aufenthalts in einer Einrichtung oder ambulante erzieherische Hilfen gehören können. Nur 8,3 Prozent der jungen Menschen erhielten im Anschluss keine Hilfe mehr.

Quelle: Pressemitteilung des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg vom 14.07.09

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Artikel „Wenn Eltern Täter sind“

Posted on Juli 15, 2009. Filed under: Fachkräfte, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , |

Ein Gedankenspiel: Sie werden überfallen und zusammengeschlagen. Würde Sie jemand zwingen, danach mit dem Täter in Kontakt zu treten? Solche Fragen stellt der Kinderpsychiater Karl-Heinz Brisch, der die Abteilung Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie an der Kinderklinik der Ludwig-Maximilians-Universität in München leitet, manchem Richter. Denn: Was Erwachsenen niemand zumutet, wird von Kindern oft verlangt. Sie werden misshandelt, vernachlässigt, dauerhaft geschädigt und müssen sich ihren Tätern trotzdem immer wieder aussetzen – wenn die Täter ihre Eltern sind.

Eigentlich hatte Matthias noch Glück im Unglück. Als er mit dreieinhalb nicht mehr regelmäßig in den Kindergarten kam, schritt das Jugendamt ein. Da war die Alkoholerkrankung seiner Mutter längst bekannt. Ein Jahr später ist Matthias viereinhalb und hat ein neues Zuhause bei Pflegeeltern gefunden. Ist jetzt alles in Ordnung? Es gibt Momente, in denen es der Pflegemutter die Sprache verschlägt. Zum Beispiel, als sie Matthias und seinen Geschwistern Süßigkeiten bringt und ausdrücklich sagt: „Für euch alle.“ Und alle greifen zu. Nur Matthias schaut misstrauisch: „Mama, ist das auch für mich?“ Seine Pflegemutter fühlt sich verletzt: Denken die anderen jetzt, Matthias werde benachteiligt?

In solchen Situationen ist es schwierig, richtig zu reagieren, sagt die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Annette Schaal-Beyermann aus Lörrach. Da hilft nur, sich immer wieder neu klar zu machen: Ein Kind hat, bis es endlich aus seiner Ursprungsfamilie herausgenommen wird, vieles hinter sich, was es niemals hätte erleben dürfen. Es hatte keine Chance, Urvertrauen aufzubauen. Statt sich gekränkt zu fühlen, sollten Pflegeeltern stellvertretend für das Kind denken, „dolmetschen“, was hinter den Reaktionen steckt. Und zum Beispiel Matthias’ Ängste ernstnehmen und ihm sagen: „Das wäre ja gemein, wenn du nichts bekommen würdest, natürlich ist das auch für dich.“ Solche Herausforderungen müssen Pflegeeltern nicht einmal bestehen, sondern immer wieder neu. Nur dann kann langsam Heilung einsetzen.

Doch was ist, wenn Kinder immer wieder mit denen konfrontiert werden, die an ihren tiefen seelischen Verletzungen schuld sind? Es gibt extreme Beispiele. Wie das zweijährige Mädchen, dessen Eltern zum fünften Mal „eine Chance“ bekommen. Ihr Kind wird ihnen zurückgegeben – obwohl es viermal nicht geklappt hat und das Mädchen in der Zwischenzeit bei drei Pflegefamilien war. Kinderpsychologen beklagen seit einiger Zeit, was die Psychoanalytikerin und Jura-Professorin Gisela Zenz einen „Rückfall in den Biologismus“ nennt: Der alte Glaube, dass Kinder am besten bei ihren leiblichen Eltern aufgehoben seien, hat wieder Hochkonjunktur.

Das passt zum Sparwillen allerorten. Ab und zu eine sozialpädagogische Familienhilfe vorbeizuschicken ist deutlich billiger als die Probleme an der Wurzel anzugehen. Gisela Zenz vermutet zudem, dass Verantwortliche mit der Macht von Gesetzen Beziehungen gestalten wollen – unbewusst identifiziert mit den leiblichen Eltern. Die aber seien in der Regel schwer belastete, unglückliche Menschen, die vor Gericht alles bereuen und beteuern.

Grund genug, ihnen ein hilfloses Kind anzuvertrauen? Auf keinen Fall, warnen Gisela Zenz und Karl-Heinz Brisch. Abgesehen von wenigen Fällen, in denen sich Mütter und Väter in einer langen, gründlichen Psychotherapie mit sich auseinandergesetzt und wirklich verändert hätten. Ansonsten, sagt Gisela Zenz, „tut man dem Kind Unrecht und auch den Eltern keinen Gefallen“ – weil sie nicht anders können, als ihr eigenes Scheitern immer wieder zu wiederholen.

Es gibt auch Fälle, in denen sich psychologisch ungeschulte Richter vollends täuschen lassen. Wenn sie sehen, wie ein Kind auf den Vater zuläuft und der es liebevoll in die Arme nimmt. Dieser Vater soll ein Täter sein? Unmöglich. Da beginnt für Kinderpsychologen die mühsame Arbeit, zu erklären, dass ein Kind natürlich eine Bindung zu den Eltern hat. Sie kann aber pathogen sein, also krankmachend. Und dann muss sie schleunigst enden. Pathologische Eltern-Kind-Beziehungen sind in der Regel nicht auf den ersten Blick erkennbar, betont Karl-Heinz Brisch: Diese Kinder wünschen sich genauso Kontakt zu ihren Eltern wie alle anderen Kinder, sie lieben sie ja. Doch bei ihnen muss dieser Wunsch ganz anders bewertet werden: Denn nur wenn der Kontakt in dieser Form unterbrochen wird, kann das Kind neue, heilsame Bindungen eingehen – sonst bleibt es in seiner es schädigenden Fixierung gefangen. Das kann auch dann passieren, wenn ein Kind trotz Pflegefamilie immer wieder mit den leiblichen Eltern zu tun hat, was unter anderem Angst und Alpträume auslöst.

Mühsam ist es, jedes Mal von Neuem gegen verbreitete Mythen anzukämpfen. Gegen die Behauptung, Kinder würden einiges aushalten und es sei für sie weniger schlimm, körperliche oder emotionale Gewalt nur ansehen zu müssen, statt selbst geschlagen oder seelisch misshandelt zu werden. Denn das stimmt nicht, sagt Karl-Heinz Brisch: Ein Kind, das erlebt, wie der Vater die Mutter schlägt, hat genauso viel Angst und Schmerz, als wenn es selbst geschlagen würde. Auch die – dauerhaften – Folgen sind dieselben: psychische Traumatisierung, die sich zum Beispiel in Erstarrung, Ohnmacht oder der Abspaltung von Gefühlen zeigt.

Und es sind längst nicht nur die öffentlichkeitswirksamen Skandalfälle, die Kinder massiv schädigen: Auch Vernachlässigung hat dramatische Auswirkungen auf die Entwicklung des Gehirns. Das alles sei bei den Gerichten nicht wirklich angekommen, bilanziert Karl-Heinz Brisch: „Die warten viel zu lang.“

Das war einmal anders und kann sich auch wieder ändern, hofft Gisela Zenz: In den 1970ern und 1980ern hatten Kinderpsychologen großen Einfluss auf Gerichte und Behörden. Den könnten sie wieder zurückerobern, wenn sie sich deutlicher zu Wort melden würden.

Quelle: Artikel in Badische Zeitung vom 14.07.09

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Die Linke: Verheerende Kinderrechte-Bilanz der Regierung

Posted on Juli 14, 2009. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

Anlässlich der „Europäischen Konferenz zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt« am 30. Juni 2009 erklärte Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) noch großspurig: »Kinderrechte müssen überall gelten – auch im Internet«. Doch einen Tag später war das seitens der Koalitionsfraktionen schon wieder vergessen. Im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend lehnten sie abermals ab, sich mit der Verankerung von Kinderrechten im Grundgesetz und der Verwirklichung der UN-Kinderrechtskonvention zu befassen. »Nach Ansicht der Bundesregierung sollen Kinderrechte offenbar überall gelten – nur nicht in Deutschland“, erklärt deshalb Jörn Wunderlich. Für den familienpolitischen Sprecher der Fraktion DIE LINKE steht fest: »Die Kinderrechte-Bilanz der großen Koalition ist beschämend. Die Union will keine Kinderrechte, die SPD hat ihr Gewissen verkauft und lässt die Kinder im Stich.«

»Für wohlfeile Versprechen lässt sich die Bundesfamilienministerin immer gern feiern. Wenn es aber um die koordinierte Umsetzung durch Bund, Länder und Kommunen geht, sitzt Ursula von der Leyen bereits in der nächsten Talkshow«, ergänzt Diana Golze, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der Fraktion. Auch sie verweist auf die miserable Bilanz der Regierung: »Kinderarmut und Sozialabbau haben das Recht auf Bildung und Gesundheit eklatant verletzt. Der Entwurf eines Kinderschutzgesetzes musste wegen massiver fachlicher Mängel von der Koalition zurückgezogen werden. Er enthielt nur Kontrollverschärfungen, aber keine Verbesserungen im alltäglichen Kinderschutz der Jugendämter. Mit ihren Internet-Sperren gegen Kinderpornografie bekämpft die Regierung nicht die Kindesmisshandlung, sondern nur den Rechtsstaat. Seit Hartz IV und Agenda 2010 steigt die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die ins Heim kommen, weil das Kindeswohl nicht mehr gewährleistet werden kann. Der Kita-Ausbau verläuft schleppend, der Qualitätsaspekt der Kinderbetreuung wird dabei völlig vernachlässigt. Die berechtigten Streiks der Erzieherinnen und Erziehern sind die logische Folge.« Derweil meint von der Leyen mit den Ursachen dafür nichts zu tun zu haben.

Quelle: Pressemitteilung der Linken vom 01.07.09

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Artikel „Verwahrloste Kinder: Warum die Jugendämter so hart durchgreifen“

Posted on Juli 6, 2009. Filed under: Jugendhilfe, Politik, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , , , |

Warum nehmen Jugendämter immer häufiger Kinder in ihre Obhut? Die Familienministerin warnt die Behörden vor Leichtfertigkeit. Doch die Mitarbeiter stehen oft vor dem Dilemma, dass sie nie zu spät, aber auch nicht zu früh handeln dürfen. Zudem stehen sie bei der dauerhaften Betreuung von Kindern vor großen Problemen.

Als im Oktober 2006 die Leiche eines zweijährigen Kindes in der Kühltruhe seines drogensüchtigen Vaters in Bremen gefunden wurde, stand das Land unter Schock. Seither steht der Name Kevin nicht nur für das Versagen sozialer Schutzmechanismen, sondern auch für das Versagen staatlicher Stellen. Denn Kevin starb gewissermaßen unter staatlicher Aufsicht – Behörden wussten um den Misshandlungsverdacht und die Rauschgiftsucht und Alkoholexzesse der Mutter und des Ziehvaters. Geholfen hat das Kevin nicht. Die Anklagen gegen zwei Mitarbeiter des Jugendamts laufen, über die Eröffnung der Hauptverhandlung soll bald entschieden werden.

Die nun vorgestellten Zahlen zur sogenannten Inobhutnahme von Kindern werden erst vor dem Hintergrund des Falls Kevin verständlich. Die Jugendämter nehmen demnach immer mehr Kinder und Jugendliche kurzfristig zum Schutz aus ihren Familien. Die Zahl der Inobhutnahmen stieg 2008 um 14,4 Prozent auf 32.300, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Vergleich zum Jahr 2005 war dies eine Steigerung um 26 Prozent.

„Die Behörden sind in einem großen Dilemma“, sagte der ärztliche Direktor der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universität Tübingen, Gunther Klosinski, WELT ONLINE. „Handeln sie zu spät, werden sie öffentlich an den Pranger gestellt, handeln sie zu früh, schaden sie womöglich dem Wohl des Kindes durch die Herausnahme.“ Klosinski, der auch als Gutachter für Familiengerichte tätig ist, hat den Eindruck, dass Behörden bei fraglichen grenzwertigen Gefährdungen des Kindeswohls schneller mit Herausnahme reagieren als früher.

Familienministerin Ursula von der Leyen wertet die gestiegenen Zahlen denn auch nicht als Erfolg. „Ein Kind aus der Familie zu holen ist ein schwerwiegender Eingriff für die Eltern wie für die Kinder und darf deswegen immer nur am Ende einer Kette von Prozessen stehen“, sagte die Ministerin WELT ONLINE. Sie mahnt die Jugendämter, sich stärker an drei Grundregeln zu orientieren. „Keine einsamen Entscheidungen, sondern immer das Mehraugenprinzip. Immer das Kind anschauen und nicht darauf vertrauen, was die Akte sagt. Hausbesuche, wo solche fachlich geboten sind.“

„Kinder viel zu lange in Inobhutnahme“
Auffallend ist – und auch hier wirft der Fall Kevin seine Schatten – eine starke Zunahme von Inobhutnahmen bei Kindern unter drei Jahren. Gerade diese Fälle machen in der Praxis aber große Probleme. Denn eine Inobhutnahme ist eigentlich als kurzfristige Maßnahme gedacht; die Kinder kommen meist in eine Familie, etwa die eines Sozialarbeiters, oder in ein Heim. Was auf Stunden oder Tage ausgelegt ist, dauert jedoch häufig Wochen oder gar Monate. Der Direktor des Evangelischen Erziehungsverbands, Wilfried Knorr, kritisiert, dass sich der Blick von Politik und Öffentlichkeit nur auf den Moment des Skandals richtet und die Nachsorge vernachlässigt. „Die Weitervermittlung funktioniert nicht. Die Kinder sind viel zu lange in der Inobhutnahme“, sagt Knorr.

In den 90er-Jahren sind viele Heime geschlossen worden, weil sich der Fokus der Familienpolitik hin zur Betreuung der Kinder in ihren Familien verschob. Angesichts dramatischer Fälle hat die Politik bereits 2005 das Kinder- und Jugendhilfegesetz verschärft, mehr Fälle werden seither angezeigt, doch nun gibt es zu wenige Heime und Betreuungseinrichtungen für die Kinder. Knorr fordert von der Politik deshalb, die Jugendhilfe nicht länger nur als Haushaltsbelastung zu sehen. „Die Familienpolitik muss den Kommunen mehr Mittel an die Hand geben, damit die, nachdem ein Kind aus einer Familie genommen wurde, auch Anschlussmaßnahmen anbieten können.“

Daneben müsse die Betreuung von Kindern in den Problemfamilien intensiviert werden. Von ihnen gibt es immer mehr, auch dafür können die Zahlen des statistischen Bundesamtes stehen. „Immer mehr Eltern versagen und sind überfordert“, bilanziert Gunther Klosinski, was er in der Praxis erlebt. In 42 Prozent der Fälle ist Überforderung der Eltern der Grund für die Jugendämter, Kinder aus den Familien zu nehmen.

Experten halten es für dringend geboten, den Blick stärker den Eltern zuzuwenden und nicht nur die Kinder zu sehen. Doch der Gesetzgeber plant anderes. „Mit dem neuen Kinderschutzgesetz soll den Jugendämtern weiter Beine gemacht werden, was angesichts der aktuellen Zahlen unnötig ist“, sagt Thomas Meysen, Leiter des Deutschen Instituts für Jugend- und Familienhilfe in Heidelberg. Das Familienministerium plant eine Verschärfung der Meldevorschriften; noch mehr Inobhutnahmen könnten die Folge sein, so Meysen. Deshalb brauche man unbedingt mehr Prävention und Anschlussmaßnahmen, die Kindern und Eltern helfen.

Quelle: Artikel von Thomas Vitzthum in Welt online vom 25.06.09

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Stellungnahmen der Parteien zum Scheitern des Kinderschutzgesetzes

Posted on Juni 29, 2009. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

Pressemitteilungen der Bundestagsfraktionen vom 29.06.09:

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Pflegefamilie statt Heim: Stadt Wuppertal soll 5 Millionen sparen

Posted on Juni 15, 2009. Filed under: Bewerber, Fachkräfte, Jugendhilfe, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Acht neue Mitarbeiter für die Jugendhilfe – dafür Einsparungen an anderer Stelle.

Wuppertal. Der Spardruck erreicht das Jugendamt. Laut einem Gutachten der con-sens Unternehmensberatung kann die Stadt im Ressort Kinder, Jugend und Familie jährlich etwa 7,5 Millionen Euro einsparen. Diese Untersuchung hatte die Stadt bereits 2007 beschlossen. Die Gründe: Die extrem hohe Arbeitsbelastung der Mitarbeiter und die hohen Fallzahlen. Durch den Bericht der Gemeindeprüfungsanstalt 2008 – bei der Jugendhilfe wurde ein jährliches Sparpotential von 16,5 Millionen Euro ermittelt – und auch durch den Tod des Pflegekindes Talea  erhielt das Gutachten eine viel höhere Brisanz.

Das Ergebnis der Prüfung: In den nächsten zwei bis fünf Jahren sollen mehr Kinder in Pflegefamilien, statt in teuren Heimen und stationären Einrichtungen untergebracht werden. Bisher gibt es in Wuppertal 350 Pflegestellen, mittelfristig sollen 100 zusätzliche eingerichtet werden. Derzeit leben 37 Prozent der Kinder in Pflegefamilien. Das ehrgeizige Ziel, wie es etwa in Dortmund bereits umgesetzt ist: Jedes zweite Kind, das nicht bei seiner Herkunftsfamilie aufwächst, soll in einer Pflegestelle leben. Damit könnte die Stadt langfristig jährlich etwa 5,5 Millionen Euro sparen. Die Änderung soll allerdings nur für neue Fälle gelten.

Wegen des Falls Talea stand das Jugendamt in der Kritik. Das Pflegekind starb am 18. März 2008. Die Ex-Pflegemutter der Fünfjährigen wurde wegen gefährlicher Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung von Schutzbefohlenen zu acht Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig, die Frau befindet sich weiter in U-Haft. Staatsanwaltschaft und Gericht haben jedwede strafrechtliche Verantwortung des Jugendamtes ausgeschlossen.

Aus dem Fall Talea zog das Jugendamt Konsequenzen für das Anerkennungsverfahren potenzieller Pflegeeltern. Zukünftig müssen nicht nur die Pflegeeltern, sondern auch deren Kinder ihre gesundheitliche Eignung per amtsärztlicher Untersuchung unter Beweis stellen. Und: Künftig sollen die Pflegeeltern gebeten werden, den Kinderarzt bei Anfragen des Jugendamtes von der Schweigepflicht zu entbinden.

Pflegefamilien sollen enger betreut werden

Fraglich ist allerdings, ob sich der Vorschlag so leicht umsetzen lässt: Schon immer sei es schwierig gewesen, passende Pflegefamilien zu bekommen – so die Stadt. „Wir wollen gezielt geeignete Familien ansprechen“, sagt Sozialdezernent Stefan Kühn.

Wie die Einsparung umgesetzt werden soll, ohne dass die betroffenen Kinder darunter leiden? Für die Betreuung der Pflegefamilien sollen zwei zusätzliche Stellen eingerichtet werden, die Mitarbeiter sollen die Familien so enger betreuen können. Außerdem soll es für die Pflegefamilien zusätzliche Schulungen, regelmäßige Treffen und eine bessere Ansprechbarkeit auf Seiten des Jugendamtes geben. Zudem soll die Betreuung von Herkunfts- und Pflegefamilien zukünftig in einer Hand liegen.

Weitere Spar-Vorschläge: Nach Inobhutnahmen sollen die Kinder kürzer in stationären Einrichtungen untergebracht werden. So will die Stadt jährlich 200 000 Euro sparen. Außerdem will man teure Maßnahmewechsel, wie beispielsweise den Austausch eines Förderprogrammes durch ein anderes, verhindern. Sparfaktor: 1,8 Millionen Euro jährlich.

Um die Arbeit in der Jugendhilfe zu verbessern, schlägt con-sens klarere Entscheidungssstrukturen vor. Außerdem müssten die Sprechzeiten der Jugendamts-Mitarbeiter erweitert werden. Nach dem Bericht sind in den Bezirkssozialdiensten bis zu acht Stellen zusätzlich notwendig. Da die Stadt dafür kein Geld hat, muss an anderer Stelle innerhalb des Ressorts und in der Verwaltung gespart werden. In welchem Bereich steht noch nicht fest, die Entscheidung fällt in den nächsten Monaten.

Übrigens: Auf Überlastungsanzeigen der Mitarbeiter geht der Bericht nicht ein. Allerdings wird angemerkt, dass die Fluktuation bei den Bezirkssozialdiensten aus unterschiedlichen Gründen hoch ist.

Quelle: Artikel von Nikola Dünow in Wuppertaler Zeitung vom 09.06.09

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Nürnberg: Pflegeeltern lassen auf dem Hauptmarkt Frust raus – „Unsoziale Sparpolitik“: Demo für eine bessere Betreuung

Posted on Februar 19, 2009. Filed under: Bayern, Fachkräfte, Jugendhilfe, PFAD Verband, Pflegefamilie, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

NÜRNBERG – (roe) Sie sind zwar nur ein kleiner Haufen, doch mit Trillerpfeifen und Protestrufen machen sie ihrem Unmut lautstark Luft. Seitdem die Betreuung der Pflegefamilien vom Jugendamt auf den Allgemeinen Sozialdienst übertragen wurde, fühlen sich die Eltern, die Kindern aus problematischen Familien ein neues Zuhause geben, mit ihren Problemen allein gelassen.

Die ASD-Mitarbeiter seien überlastet und hätten zu wenig Zeit, klagt Andrea Menz, die nicht nur vier eigene Kinder groß zieht, sondern vor dreieinhalb Jahren auch noch ein Pflegekind aufgenommen hat. «Wir wollten ihm einfach eine Chance auf ein normales Leben geben», sagt Menz. «Doch dabei brauchen wir Unterstützung.» Pflegekinder brächten eine ganz andere und meistens schwerere Geschichte mit, hätten mit viel größeren Problemen zu kämpfen als der eigene Nachwuchs. «Da ist ein Ansprechpartner erforderlich, der viel Zeit hat.»

Eben diese Zeit hätten die ASD-Mitarbeiter aber nicht, klagt auch Jutta Rützel. «Unsere Situation hat sich brutal verschlechtert. Vorher war ein einzelner Mitarbeiter für uns zuständig, jetzt ist es ein riesengroßer Apparat.»

Im ASD fehle auch das spezielle Fachwissen, das erforderlich sei. «Wir werden eigentlich überhaupt nicht mehr betreut.» Ursprünglich hatte die Stadt die Reform damit begründet, dass Pflegefamilien und biologische Eltern von nur einem Mitarbeiter betreut werden sollten. Doch ging das Konzept offenbar nicht auf, denn im Oktober wurde die Betreuung der Pflegefamilien drei freien Trägern übertragen. Diese sind jedoch nur für neue Vermittlungen zuständig, nicht für die 150 Altfälle.

Dass diese Familien wenigstens von den restlichen Mitarbeitern des ursprünglich im Jugendamt angesiedelten Fachdienstes betreut werden, ist eine Forderung der Demonstranten. Außerdem hoffen sie, dass wenigstens im Haus «Rädda Barnen», dem Ort, wo sich Herkunftsfamilien und Pflegeeltern treffen, die Betreuung erhalten bleibt. Denn dort geht der einzige Mitarbeiter in Rente.

Quelle: Artikel aus Nürnberger Nachrichten vom 18.02.09

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Stern TV: „Pflegefamilien in Not“

Posted on Februar 3, 2009. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Am Mittwoch den 04.02.2009 um 22.15 Uhr sendet Stern TV den Beitrag „Pflegefamilien in Not – Jugendämter missachten Kindeswohl“.

Wenn Kinder in ihren Familien in Not geraten, werden sie nicht selten den Eltern weggenommen und kommen in eine Pflegefamilie. Oft entsteht zwischen der neuen Familie und dem Pflegekind eine intensive Beziehung. Eine Beziehung auf Zeit, denn sie steht rechtlich auf tönernen Füßen.

Wenn Jugendämter geltendes Recht durchsetzen, sprechen Fachleute von einem „desolaten Jugendhilfesystem“. stern TV schildert, was passiert, wenn das Jugendamt Kinder aus funktionierenden Pflegefamilien rausholt und zurück in ein zweifelhaftes Schicksal schickt.

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Stadt Hamburg verstärkt Vollzeitpflege

Posted on Januar 29, 2009. Filed under: Fachkräfte, Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Politik | Schlagwörter: , , |

Die Stadt Hamburg teilt in einer Pressemitteilung vom 13.01.09 mit, dass in den Jugendämtern der Bezirke personelle Aufstockungen im ASD geplant sind. Außerdem sollen die Hilfen zur Erziehung effizienter und passgenauer gestaltet und der Anteil der Unterbringungen in Vollzeitpflege erhöht werden.

Ziel dieser Maßnahmen ist, die seit Jahren steigenden Aufwendungen auf das Niveau von 2007 zurückzuführen.

Anlage zur Pressemitteilung:

Qualitätsoffensive im Allgemeinen Sozialen Dienst (PDF, 988.37 KB)

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Projektstart „Personalbemessung der Jugendämter in Bayern – PeB“

Posted on Januar 24, 2009. Filed under: Bayern, Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik | Schlagwörter: |

Der Bayerische Landkreistag bringt in Kooperation mit der Stadt Nürnberg, dem Bayerischen Landesjugendamt im ZBFS und INSO ein Projekt auf den Weg, in dessen Rahmen für die wichtigsten fallbezogenen Leistungsbereiche der Jugendämter Arbeitsprozesse und Arbeitszeitbedarf ermittelt und in ein Verfahren zur Personalbedarfsbemessung zusammengeführt werden.

Pressemitteilung des Zentrum Bayern Familie und Soziales – Bayerisches Landesjugendamt vom 22.01.09

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Schmerzensgeld für Eltern wegen falschen Verdachts auf Kindesmisshandlung

Posted on Januar 10, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Bayern, Fachkräfte, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , |

Von Herrn Ekkehard Müller-Jentsch stammt der interessante Artikel „Gutachter ist „entsetzt über so viele Fehler“ Haunersche Kinderklinik diagnostizierte fälschlich Misshandlung eines Mädchens: Eltern klagen mit Erfolg“ im München-Teil der Süddeutschen Zeitung vom 08. Jan. 2009 (S. 49).

Aus Copyright-Gründen können wir den Volltext des Berichtes nicht veröffentlichen. Beim Süddeutsche Zeitung Archiv können Interessierte den Artikel für 1,50 Euro online bestellen und im Original-Zeitungs-Layout als PDF-Datei herunterladen.

PFAD hält eine kurze Zusammenfassung des Inhalts bereit:

Das Landgericht München verurteilte am 08.01.2009 die Haunersche Kinderklinik dazu, einer Münchner Familie türkischer Herkunft Schmerzensgeld und Schadenersatz zu bezahlen.

Grund der Verurteilung: Die Kinderschutzgruppe (Ärzte, Sozialpädagogen und Psychologen) der Uni-Klinik hatte 2006 im Glauben an eine vorliegende Kindesmisshandlung das Jugendamt dazu veranlasst, den Eltern kurzfristig das Sorgerecht zu entziehen und das Kind in ein Heim einzuweisen. Dadurch wurde eine intakte Familie (insgesamt drei Kinder) sehr schwer belastet.

Nachdem die Rechtsmedizinerin etwa einen Monat später ihren Irrtum eingestand, wurden die Strafermittlungen eingestellt und das Kind der Familie zurückgegeben. Aufgrund der durch die Eltern eingereichten Schmerzensgeldklage wurde von den Richtern der 9. Zivilkammer ein Gutachter bestellt, der zu der Einschätzung kam, dass trotz zweifellos guten Willens und in der Meinung das Richtige zu tun durch das Klinik-Team erschreckend viele Fehler gemacht worden seien, die zu dem fatalen Ergebnis geführt hätten.

Der Verfasser des Berichts, Ekkehard Müller-Jentsch, warnt in seinem Kommentar (ebenfalls S. 49) u. a. vor einer falschen Signalwirkung, die von diesem Urteil möglicherweise ausgehen könnte: Es wäre ebenso fatal, wenn Bürger und Beamte in der Befürchtung, es könnte zu derart unangenehmen Prozessen kommen, im Fall des Falles nun lieber erst einmal wegschauten.

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Berlin: Neue Empfehlungen zur Kooperation von Schule und Jugendamt.

Posted on Dezember 20, 2008. Filed under: Adoptivfamilie, Berlin, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Jugendhilfe, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen, Schule | Schlagwörter: , |

Unterstützung von Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung in gemeinsamen Hilfekonferenzen – Neue Empfehlungen zur Kooperation von Schule und Jugendamt –

Um Schülerinnen und Schüler mit Schwierigkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung besser zu unterstützen, empfiehlt die Bildungs- und Jugendverwaltung den Schulen und Jugendämtern, frühzeitig gemeinsame Hilfekonferenzen mit Lehrkräften, Erziehern, Sozialarbeitern, Psychologen und den Eltern einzuberufen. Diese und andere Handlungsempfehlungen enthält die neue Broschüre zur Kooperation von Schule und Jugendhilfe. Sie informiert über die jeweiligen Rahmenbedingungen der Fördermöglichkeiten und Hilfen und weist auf die gemeinsame Verantwortung von Bildung und Erziehung hin.

Hinweise auf individuellen Förderbedarf oder auf einen Bedarf auf Jugendhilfe zeigen sich meist früh indem die betroffenen Kinder im Schulalltag Schwierigkeiten machen. Das macht auch das folgende Fallbeispiel deutlich:

Patrick ist 8 Jahre alt. Seit Schulbeginn ist er ein schwieriges Kind. Er fällt durch Unruhe und Unkonzentriertheit im Unterricht auf. Häufig klagt er über starke Bauchschmerzen und fehlt immer wieder einige Tage unentschuldigt. In der letzten Zeit nehmen die Fehlzeiten zu und es häufen sich die Auffälligkeiten: Er stiehlt Geld und Süßigkeiten von seinen Klassenkameraden. Mit einem Messer zersticht er den Fußball, mit dem die Kinder der Klasse auf dem Schulhof spielen.

Im schulischen Alltag werden Lehrerinnen und Lehrer immer wieder mit den beschriebenen Verhaltensschwierigkeiten im Kindes- und Jugendalter konfrontiert, die zu Lernschwierigkeiten bis hin zur Schuldistanz und zu schulischem Scheitern führen können. Um problematischen Entwicklungsverläufen rechtzeitig entgegenzuwirken, ist es notwendig rechtzeitig geeignete Hilfen zu organisieren.

In Fällen wie Patrick empfiehlt die Broschüre, dass Schule und Jugendhilfe in gemeinsamen Hilfekonferenzen Hand in Hand die für eine positive Entwicklung des Kindes notwendigen Maßnahmen vereinbaren. Denn eine abgestimmte Hilfeplanung ist oberstes Prinzip für gemeinsames Handeln. Ziel ist eine effiziente, erfolgreiche Förderung und Unterstützung der betroffenen Kinder und ihrer Eltern. Nicht nur bei Schuldistanz, die in mehreren Stufen und Schwierigkeitsgraden auftreten kann, müssen Jugendhilfe und Schule noch enger zusammenwirken.

Bildungs- und Jugendsenator Prof. Dr. E. Jürgen Zöllner: „Hier darf es keinen falschen Stolz und keine Scheu geben: Die Förderung von Schülerinnen und Schülern mit Schwierigkeiten in der emotionalen und sozialen Entwicklung kann nur gelingen, wenn Schule und Jugendhilfe von Beginn an vertrauensvoll zusammenarbeiten. Es gilt, gemeinsam dafür Sorge zu tragen, dass jedes Kind und jeder Jugendliche erfolgreich lernen kann und damit eine möglichst positive Berufs- und Lebensperspektive erhält.

Broschüre zum Download

Quelle: Pressemeldung der Berliner Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung vom 19.12.2008

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Artikel: Sorgerecht – Kinder werden Eltern schneller entzogen

Posted on Dezember 14, 2008. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Die Frankfurter Rundschau berichtete, dass spektakuläre Fälle von Kindeswohlgefährdung einen Meinungswandel in Jugendämtern ausgelöst hätten, der bei manchen zu schnellerem Einschreiten für Kinder in Gefährdungslagen geführt hätte.

Artikel vom 27.11.08

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Herausforderungen für Jugendämter

Posted on November 1, 2008. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

Zwei interessante Fachbeiträge veröffentlichen die Kinderschutz-Zentren im Zuge der Auswertung der Ergebnisse des Kinderschutzforums 2008, das unter dem Titel „Die Jugend(hilfe) von heute − Helfen mit Risiko“ vom 17.-19. September 2008 in Köln stattfand:

Holger Gläss, Kreisjugendamt Rems-Murr:
(Neue?) Angst vor dem Jugendamt? (pdf)

Dr. Wolfgang Hammer, Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, Hamburg:
Wirksamer Kinderschutz braucht selbstbewusste Jugendämter (pdf)

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Artikel: Eltern in vier Stunden

Posted on Oktober 27, 2008. Filed under: Erziehungsstellen, Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , |

Anlässlich des in Wuppertal beginnenden Prozesses um den tragischen Tod des Mädchens Talea in einer Pflegefamilie berichtet der Spiegel kritisch über die unterschiedliche Vermittlungs- und Betreuungspraxis der Jugendämter.

Artikel von Andrea Brandt vom 27.10.08

Zur Fragestellung Pflegeeltern – muss der Staat sorgfältiger auswählen? wurde ein Forum eingerichtet.

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Soziale Dienste des Kreises Herzogtum Lauenburg vor der Kapitulation

Posted on September 4, 2008. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Schleswig-Holstein, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Die Lübecker Zeitung berichtet in ihrer online-Ausgabe vom 03.09.08 von den Nöten der Mitarbeiter der Sozialen Dienste im Jugendamt Ratzeburg (Kreis Herzogtum Lauenburg).

Der Allgemeine Soziale Dienst, die Pflegekinder- und Adoptionsvermittlung, die Amtsvormundschaften und Amtspflegschaften sowie die Jugendgerichtshilfe und das Betreuungsamt erarbeiteten bereits zu Beginn des Jahres umfangreiche Arbeitsanalysen, die wie ein schriller Alarmton klingen. Was den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu schaffen macht, sind wachsende Aufgabenvielfalt, steigende Fallzahlen und immer häufigere problematische Familienverhältnisse. Die Folge ist ein Arbeitsanfall, der zu Lasten der Betroffenen nicht mehr zu schaffen ist und der das überforderte Personal leiden lässt.

Nun beschäftigt sich der Jugendhilfeausschuss mit dem Thema. Die Politiker erkennen „eine notwendige Personalverstärkung dem Grunde nach“ an.

Vollständiger Artikel „Soziale Dienste des Kreises vor der Kapitulation“

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Jugendhilfebarometer: Überlastung im ASD wächst

Posted on August 23, 2008. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. (DBSH) weist in seinem Newsletter vom 21.08.08 auf Ergebnisse einer Befragung von Jugendämtern zur Arbeitssituation und Personalbemessung in den Allgemeinen Sozialen Diensten der Jugendämter (ASD) hin.

Im Rahmen des Projekts „Jugendhilfe und sozialer Wandel“ wurde das Konzept einer Online-Erhebung bei Jugendämtern entwickelt. Im November 2007 startete eine Vollerhebung bei allen Jugendämtern mit dem Thema der „Arbeitsorganisation im ASD“. Erste Ergebnisse liegen nunmehr vor, die belegen, dass die Überlastung der Mitarbeiter im ASD wächst.

Meldung des DBSH

DJI-Projekt: Jugendhilfe und sozialer Wandel: Informationen und Ergebnisse

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TV-Tipp: Notfall „Kindeswohl“ – Ein Jugendamt gewährt Einblick

Posted on August 18, 2008. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen, Rheinland-Pfalz | Schlagwörter: , |

Jahrzehntelang haben sich die Jugendämter in Deutschland gegenüber den Medien abgeschottet und sich der öffentlichen Kontrolle weitgehend entzogen. Das Kreisjugendamt des Rhein-Lahn-Kreises in Bad Ems hat jetzt mit dieser unseligen Tradition gebrochen. Ein Filmteam des SWR konnte drei Monate lang die aufreibende Arbeit der Mitarbeiter begleiten.

Sendetermine – WDR:
Mittwoch, 20. August 2008, 22.30 – 23.15 Uhr
Freitag, 22. August 2008, 14.15 – 15.00 Uhr (Wdh.)

weitere Informationen zur Sendung

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DBSH fordert Berufsgesetz für Sozialarbeiter

Posted on August 5, 2008. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Meckl.-Vorpommern, Politik, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

In einer Pressemitteilung unter dem Titel „Helfen, wo Hilfebedarf sichtbar wird“ vom 14.7.2008 äußert sich Gabriele Stark-Angermeier, 2. Vorsitzende des Deutschen Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) in einer ersten Reaktion auf das Urteil des Schweriner Landgerichts gegen die Eltern der nur fünf Jahre alt gewordenen Lea-Sophie.
Der DBSH erneuerte vor diesem Hintergrund seine Forderung nach einem Berufsgesetz, dass klare fachliche Standards für alle Fachkräfte setze. Der DBSH vertritt als Berufsverband die Fachlichkeit und die Interessen der Sozialarbeiter und Sozialpädagogen in Deutschland.

Pressemitteilung des DBSH vom 14.07.2008

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Neue Veröffentlichungen des Arbeitsbereichs „Pflegekinderforschung“ der Uni Siegen

Posted on Juli 17, 2008. Filed under: Erziehungsstellen, Fachkräfte, Forschung, Fortbildung, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

Zwei neue Veröffentlichungen aus dem Arbeitsbereich „Pflegekinderforschung“ der Uni Siegen:

  • Daniela Reimer: Pflegekinder in verschiedenen Familienkulturen. Belastungen und Entwicklungschancen im Übergang. ZPE-Schriftenreihe Nr. 19, 177 Seiten, ISBN: 978-3-934963-16-0

Das Buch thematisiert, dass der Übergang in die Pflegefamilie für Pflegekinder ein zentrales Erlebnis in ihrer Biografie ist. Sie sind mit Fremdem konfrontiert und müssen eine neue Familie und deren Kultur kennen lernen. Wie Kinder den Übergang bewerkstelligen, welchen Belastungen sie währenddessen ausgesetzt sind, aber auch welche Chancen der Übergang für die Entwicklung bietet, wie die aufnehmenden Familien ihren Beitrag zur Bewältigung des Übergangs leisten und welche Prozesse in Wechselwirkung miteinander treten, wird anhand von drei Fallgeschichten geschildert.

  • Die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift SI:SO Siegen:Sozial Analysen-Berichte-Kontroversen hat das Pflegekinderwesen zum Schwerpunkt. Sie wird zweimal jährlich von der Universität Siegen herausgegeben.

Über 70 000 Kinder leben in Deutschland in Pflegefamilien. Wie geht es ihnen dort? Wie entwickeln sie sich nach ihrem schwierigen Start ins Leben? Welche Themen beschäftigen die Pflegeeltern, wie gestalten sich die Beziehungen zwischen Erwachsenen und Kindern und was leisten die professionellen Dienste? Am Beispiel des Aufwachsens in Pflegefamilien lassen sich viele sozialpädagogische Grundsatzfragen diskutieren.

In den Beiträgen zum Themenschwerpunkt dieses Heftes werden Facetten des Aufwachsens in Pflegefamilien aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet.

Beide Publikation können über die Homepage des ZPE – Zentrum für Planung und Evaluation Sozialer Dienste online bestellt werden.


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Radio-Tipp: Der weite Weg zum Wunschkind

Posted on Juli 13, 2008. Filed under: Adoptivfamilie, Podcast / Online, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Über Adoptionen im In- und Ausland diskutiert Moderator Moritz Behrendt mit Fachleuten am Donnerstag, den 17.Juli um 10.10 Uhr in der Radiosendung „Marktplatz“ des Deutschlandfunks.

Hörer können per Telefon, Fax oder E-Mail mit ihren Fragen und Erfahrungen zur Diskussion beitragen.

Nähere Informationen

Die Sendung kann live im Internet verfolgt werden und steht auch noch nachträglich als Podcast zum Download zur Verfügung.

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Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. – Service für Fachkräfte

Posted on Juli 3, 2008. Filed under: Berlin, Bremen, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Fortbildung, Hamburg, Jugendhilfe, Netzwerke, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik | Schlagwörter: , , |

Das 2007 gegründete Kompetenz-Zentrum Pflegekinder e.V. – Service für Fachkräfte ist nun online.

Es entstand aus einer jahrelangen, engen Zusammenarbeit von Praktikern und Wissenschaftlern im Bereich der Pflegekinderarbeit und besteht aus einem Zusammenschluss der gemeinnützigen Organisationen

Wissenschaftlich beraten wird der Verein von Prof. Dr. Jürgen Blandow und Dr. Christian Erzberger.

Wichtigstes Anliegen des Kompetenz-Zentrums Pflegekinder ist die qualitative Weiterentwicklung des Pflegekinderbereichs in organisatorischer, konzeptioneller und fachlicher Hinsicht. Die Organisationen und Einzelmitglieder wollen ihre langjährigen Erfahrungen dazu nutzen, andere Fachdienste für Pflegekinder und ihre beiden Familien bei der Weiterentwicklung ihrer Arbeit zu unterstützen.

Flyer des Kompetenz-Zentrums Pflegekinder e.V.

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DJI-Bulletin 82: Interviews mit Pflegekindern

Posted on Juli 1, 2008. Filed under: Erziehungsstellen, Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Kinder-/Jugendinfos, PFAD Verband, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Das neue Bulletin des Deutschen Jugendinstituts (DJI) trägt den Titel „Kinderwelten – Familienwelten,
Qualitative Sozialforschung am DJI“

Der Artikel „Pflegekinder kommen zu Wort“ von Gunda Sandmeir (Seite 15) basiert auf Interviews mit Pflegekindern. Diese äußern sich erfahrungsgemäß selten über Entscheidungsprozesse, die sie selbst betreffen. Hier berichten sie vor allem über die Situation des Übergangs von der Herkunftsfamilie in die Pflegefamilie. Die Antworten der Kinder eröffnen erstaunliche Einblicke in ihre Gefühle und Reaktionen sowie in ihre Strategien, um mit den neuen Gegebenheiten zurechtzukommen.

Downloadmöglichkeit des DJI Bulletin 82

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