Kinderarmut: Paritätische Studie belegt wachsende soziale Ungleichheit in Deutschland

Posted on August 4, 2019. Filed under: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Brandenburg, Bremen, Finanzielles, Hamburg, Hessen, Jugendhilfe, Meckl.-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rechtliches, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Stellungnahmen, Thüringen | Schlagwörter: , , , |

Eine wachsende soziale Kluft zwischen armen und reichen Familien belegt eine neue Studie der Forschungsstelle des Paritätischen Gesamtverbands, für die aktuelle amtliche Daten ausgewertet wurden. Der Paritätische Wohlfahrtsverband geht darin der Frage nach, wie viel Geld Familien mit Kindern zur Verfügung haben und was sie für die physischen und für soziale Grundbedarfe der Teilhabe der Kinder ausgeben.

Im Zehn-Jahres-Vergleich ging die ohnehin breite Schere zwischen den Haushaltseinkommen der ärmsten und der reichsten Familien weiter auseinander, so der Befund. Während der Konsum im Durchschnitt moderat und beim obersten Zehntel spürbar zugenommen hat, mussten sich die ärmeren Kinder über die Jahre weiter einschränken: Arme Familien hatten real weniger Geld als noch zehn Jahre zuvor zur Verfügung, um ihren Kindern mehr als das physisch Notwendige zu finanzieren. „Arme Kinder werden ärmer und immer weiter abgehängt. Das, was für die Mehrheit Gleichaltriger selbstverständlich ist, bleibt ihnen auf Grund der Einkommenssituation ihrer Eltern versagt. Arme Familien haben faktisch immer weniger im Portemonnaie und gespart wird notgedrungen an allem, was über das physisch Überlebensnotwendige hinausgeht“, so Ulrich Schneider, Hauptgeschäftsführer des Paritätischen Gesamtverbands. „Während die breite Mehrheit sich immer mehr leisten kann, sind arme Kinder zunehmend außen vor. Das Gefühl nicht dazu zu gehören, ausgegrenzt zu sein und abseits stehen zu müssen, ist das Lebensgefühl armer Kinder in Deutschland. Frust, Resignation, weniger Bildungserfolg und höhere Krankheitsanfälligkeit sind schließlich sehr häufig die Folgen der Einkommensarmut der Familien“, so Schneider.

Während die durchschnittlichen Ausgaben für ein Kind bei rund 600 Euro liegen, konnten sich die ärmsten zehn Prozent der Paarhaushalte mit einem Kind nur 364 Euro für ihr Kind leisten. Die reichsten zehn Prozent der Familien gaben im Schnitt 1.200 Euro im Monat für ihr Kind aus. Besonders eklatant sind die Differenzen bei den Ausgaben für die sozialen Grundbedarfe der Teilhabe. Ob Spielzeug, Zoo-Besuch, das gelegentliche Eis bei einem Ausflug oder auch eine Kindertheatervorstellung: Insgesamt konnten die ärmsten Paarhaushalte mit einem Kind gerade einmal 44 Euro pro Monat für Freizeit, Unterhaltung und Kultur sowie außerhäusliche Verpflegung ihres Kindes ausgeben und damit – preisbereinigt – fast 30 Prozent weniger als zehn Jahre zuvor. Der Durchschnitt gab für ein Kind fast drei Mal so viel (123 Euro) aus, die reichsten zehn Prozent dagegen sogar 257 Euro und damit fast sechs Mal so viel wie die ärmsten Familien und preisbereinigt sogar 14,7 Prozent mehr als zehn Jahre vorher. „Ein gleichberechtigtes Aufwachsen ist für die Kinder in den einkommensarmen Haushalten nicht möglich. Die wachsende Schere zwischen Arm und Reich manifestiert sich am Ende im sozialen Ausschluss der Kinder“, so Mit-Autor der Studie Andreas Aust von der Paritätischen Forschungsstelle.

Der Paritätische Wohlfahrtsverband fordert, das Bildungs- und Teilhabepaket zu ersetzen durch einen Rechtsanspruch auf Teilhabe im Kinder- und Jugendhilfegesetz. Darüber hinaus müsse der Familienlastenausgleich „vom Kopf auf die Füße gestellt“ werden: Der Verband plädiert für die Einführung einer einkommens- und bedarfsorientierten Kindergrundsicherung.

Quelle: Pressemeldung des Paritätischen Gesamtverbandes

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Herkunft entscheidet über Zukunft: Datenreport 2018 – Sozialbericht für Deutschland erschienen

Posted on Dezember 12, 2018. Filed under: Forschung, Netzwerke, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , |

logoIn Deutschland leben immer weniger Kinder. Ihre derzeitige und zukünftige Lebenssituation wird immer noch entscheidend durch ihre soziale Herkunft geprägt. So steigen die Chancen von Kindern auf hohe Bildungsabschlüsse, wenn die Eltern selbst einen hohen Bildungsstand haben. Kinder aus Elternhäusern mit niedrigerem sozioökonomischem Status haben zudem schlechtere Chancen, gesund aufzuwachsen. Das subjektive Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen in den Schulen variiert stark nach Schulform. Trotz guter Wirtschaftslage stagniert der Anteil der armutsgefährdeten Kinder. Kinder und Jugendliche in Haushalten mit alleinerziehenden Müttern oder Vätern sind dabei am stärksten von Armut gefährdet.

Dieses Bild zeichnet der »Datenreport 2018 – ein Sozialbericht für die Bundesrepublik Deutschland«. Fachleute aus amtlicher Statistik und Sozialforschung haben darin Zahlen und Fakten zu wichtigen Lebensbereichen zusammengestellt, unter anderem zu Kindern. Der Datenreport wird herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung/bpb in Kooperation mit dem Statistischen Bundesamt (Destatis), dem Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und dem Soziooekonomischen Panel (SOEP) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin).

Im Jahr 2017 waren 14,4% der Kinder unter sechs Jahren armutsgefährdet. Für Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren lag dieser Anteil bei 14,5 %. Kinder und Jugendliche von 12 bis 17 Jahren waren mit 16,7% überdurchschnittlich armutsgefährdet. Im Durchschnitt waren 15,2% aller Menschen unter 18 Jahren von Armut bedroht.

Mittlerweile haben 36 % aller Kinder in Deutschland einen Migrationshintergrund. Das bedeutet, dass das Kind selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Kinder mit Migrationshintergrund (33,3%) sind häufiger armutsgefährdet als Kinder ohne Migrationshintergrund (12,7%).

Kinderarmut ist nicht ausschließlich materielle Armut und somit auch nicht nur mithilfe materieller Leistungen zu lösen. Materieller Mangel kann zu sozialer Stigmatisierung führen. Ein wesentlicher Aspekt ist die Frage nach kultureller, sozialer, aber auch politischer Teilhabe, die für in Armut lebende und von Armut gefährdete Kinder und Jugendliche besonders erschwert wird. Armut wirkt in alle Bereiche des Lebens, sie beeinflusst Bildungs- und Lebenschancen stark.

Der Datenreport steht im Internetangebot des Statistischen Bundesamtes (www.destatis.de/datenreport), des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (www.wzb.eu/datenreport) und der Bundeszentrale für politische Bildung (www.bpb.de/datenreport2018) kostenfrei als Download zur Verfügung.

Quelle: Pressemeldung der Bundeszentrale für politische Bildung vom 14.11.2018

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Studie: Kinderarmut in Deutschland wächst weiter – mit Folgen fürs ganze Leben

Posted on September 12, 2016. Filed under: Forschung, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Die Bertelsmann Stiftung veröffentlicht heute ihre Studie zur Kinderarmut in Deutschland.

Beengtes Wohnen, wenig Geld für gesundes Essen, Bildung, Hobbies oder Urlaub – für rund 2 Millionen Kinder und ihre Familien in Deutschland ist das Realität. Im Vergleich zu 2011 leben heute mehr Kinder in Familien, die auf staatliche Grundsicherung angewiesen sind. Die neuen Veröffentlichungen zeigen: Die existierenden staatlichen Maßnahmen reichen nicht aus, um Kinderarmut zu vermeiden, und Armutsfolgen werden bisher nur lückenhaft erforscht.

nähere Informationen

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Neue World Vision Kinderstudie zeigt, Kinder wollen eine gerechtere Welt für alle

Posted on November 15, 2013. Filed under: Forschung, Kinder-/Jugendinfos, Netzwerke, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Ein Fünftel der Kinder fühlt sich ausgegrenzt und in der Schule ungerecht behandelt
World Vision fordert von neuer Bundesregierung mehr „Politik für Kinder“

Berlin, 14.11.2013. Aus Anlass der Vorstellung der neuen World Vision Kinderstudie mit dem Titel „»Wie gerecht ist unsere Welt?« Kinder in Deutschland 2013“ fordert die internationale Kinderhilfsorganisation die neue Bundesregierung auf, mehr Politik für Kinder zu wagen, Kinder in Familie, Schule und in Bereichen, wo die Belange von Kindern betroffen sind, anzuhören und sie bei Entscheidungen zu befragen. Christoph Hilligen, Vorstand World Vision betont: „Der Abbau von finanziellen, sozialen und kulturellen Ungleichheiten sollte im Vordergrund einer neuen Politik stehen. Diese Forderung ergibt sich aus der Verfassung der Bundesrepublik und garantiert jedem Gesellschaftsmitglied ohne Ansehen ihres Alters, ihrer Herkunft oder ihres Geschlechts ein würdiges Leben.“

Im Auftrag der Kinderhilfsorganisation World Vision Deutschland haben die Kindheitsforscherin Prof. Dr. Sabine Andresen und der Sozialwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hurrelmann zusammen mit TNS Infratest Sozialforschung, München, zum dritten Mal 2500 Kinder in Deutschland über ihre Lebenssituation und ihr Wohlbefinden befragt. Ziel ist es, auch den sechs- bis elfjährigen Kindern eine Stimme zu geben, ihnen zuzuhören, ihre Sichtweisen kennen zu lernen und daraus Handlungsempfehlungen für Politik und Gesellschaft abzuleiten. Die letzten beiden World Vision Kinderstudien erschienen 2007 und 2010.

Die neue Studie zeigt, dass Kinder ein hohes Gerechtigkeitsempfinden haben, und zwar nicht nur auf sich selbst bezogen, sondern dass sie auch Gerechtigkeit für andere fordern. Allerdings soll dafür auch jeder etwas beitragen. In Bezug auf den Umgang mit armen Menschen empfindet eine überwiegende Mehrheit der Kinder, dass die Gesellschaft in Deutschland diese ungerecht behandelt. Andresen betont: „Es ist wieder einmal erstaunlich, mit welcher Klarheit Kinder ihre Umwelt und ihre Mitmenschen betrachten und bewerten. Selbst Kinder ab 3 Jahren haben bereits ein ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden und teilen beispielsweise Süßigkeiten relativ gerecht auf. Betrüblich ist, dass sich in Bezug auf benachteiligte Kinder wenig getan hat.“

32% der Kinder wachsen in Familien auf, in denen nur ein Elternteil arbeitet. 12% der Kinder wachsen bei einem alleinerziehenden Elternteil auf, der auch in Vollzeit arbeitet. Diese Kinder und Kinder von arbeitslosen Eltern beklagen sich am häufigsten, dass ihre Eltern zu wenig Zeit hätten. Kinder, bei denen Mutter und Vater arbeiten, beklagen sich am wenigsten über den Zeitmangel ihrer Eltern.

Seit der ersten Kinderstudie im Jahr 2007 ist der Anteil der Kinder, die eine Ganztagsschule oder –klasse besuchen, deutlich angewachsen. Bei den 8-11jährigen hat er sich in den letzten sechs Jahren fast verdoppelt. Insbesondere von Kindern aus sozial schwierigen Verhältnissen wird das Angebot verstärkt genutzt. Eine überwiegende Mehrheit der Ganztagsschülerinnen und -schüler sind mit dieser Form der Schule zufrieden, unzufrieden äußern sich dagegen Kinder aus sozial angespannten Verhältnissen. Diese Kinder sind sich jedoch der Bedeutung eines guten Schulabschlusses sehr bewusst, resignieren aber in zunehmendem Alter, weil sie aufgrund mangelnder Förderung diese Ziele oft nicht erreichen können. Vor dem Hintergrund fordern die Wissenschaftler mehr Investitionen in Bildungs- und Betreuungseinrichtungen.

Auch in Bezug auf das Freizeitverhalten zeigen sich gravierende Unterschiede zwischen Kindern mit verschiedenen Herkunftshintergründen. Dies zeigt sich sowohl u.a. im Medienkonsum als auch in der Mitgliedschaft in einem Verein.

Die World Vision Kinderstudie zeigt auch, dass Kinder aus benachteiligten sozialen Schichten die geringsten Selbstbestimmungsmöglichkeiten im Alltag haben. Deutlich weniger als der Durchschnitt dürfen sie entscheiden, mit welchen Freunden sie sich treffen oder was sie in der Freizeit unternehmen möchten. Hurrelmann betont: „Kinder brauchen ein kindgerechtes Umfeld und eine kinderfreundliche Gesellschaft. Wir hoffen, dass wir mit dieser Studie der neuen Bundesregierung Erkenntnisse an die Hand gegeben haben, die ihnen ermöglicht an einer Gesellschaft zu arbeiten, die Kindern eine gute Zukunft ermöglicht.“

Deshalb wird die Kinderstudie 2013 an die Kinder- und Familienexpertin von Bündnis 90/ Die Grünen Katja Dörner überreicht, die erklärt: „Ich freue mich, die 3. World Vision Kinderstudie stellvertretend für die Bundespolitik entgegen nehmen zu dürfen. Ich werde mich dafür einsetzen, dass die Erkenntnisse im Familienausschuss und in der Kinderkommission des Deutschen Bundestages angemessen behandelt werden. Es ist Besorgnis erregend, dass in einem Land wie Deutschland trotz jahrelanger Diskussion über Kinderarmut ein Fünftel der Kinder als abgehängt bezeichnet werden kann. Das Wohlergehen gerade dieser Kinder liegt mir besonders am Herzen. Ich kann es Union und SPD nur dringend ans Herz legen, die Erkenntnisse der Kinderstudie in den laufenden Koalitionsverhandlungen zu berücksichtigen. Wir brauchen schnellstmöglich eine ganzheitliche Strategie mit messbaren Zielen zur Bekämpfung der Kinderarmut.“

Die Wissenschaftler sind sich einig, dass die Studie wieder erstaunliche Einblicke in die Lebens- und Gedankenwelt der Kinder gibt. So fragt der 11jährige Ole: „Warum sind die Guten gut? Warum sind die Bösen böse? Und warum nennt man die Guten gut?“

Den Kindern, die für die Studie befragt wurden, wurden in den persönlichen Gesprächen Fragebögen mit 60 Fragen vorgelegt, die sie in etwa 30 Minuten beantworteten. In 12 Tiefeninterviews wurden Kinder mit kindgerechten Methoden zu ihren Lebenswelten befragt. Daraus entstanden 12 Kinderporträts.

Quelle: Pressemitteilung von World Vision Deutschland e.V. vom 14.11.2013

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„Auf die Kinder kommt es an! – Kinderrechte in Deutschland stärken“ am 15.06. in Berlin

Posted on April 27, 2012. Filed under: Berlin, Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

Auf die Kinder kommt es an! – Kinderrechte in Deutschland stärken“ heißt die Fachveranstaltung anlässlich des 40-jährigen Bestehens des Deutschen Kinderhilfswerkes e.V. am 15.06.in Berlin.

Die Fachveranstaltung wird die drei zentralen Themenbereiche des Deutschen Kinderhilfswerkes ansprechen: Kinderrechte, Beteiligung, Kinderarmut. Anhand von Referaten prominenter kinder- und jugendpolitischer Akteure wird die Fachtagung die Entwicklung dieser Themen in den letzten 40 Jahren vermitteln und mittels einer Podiumsdiskussion kinderrechtliche Perspektiven aufzeigen.

Anmeldeschluss ist der 08.06.

Tagungsflyer und Anmeldeformular

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Neue Veröffentlichungen des AFET zu Kinderarmut und Migrationshintergrund in den Hilfen zur Erziehung

Posted on Juni 22, 2010. Filed under: Fachkräfte, Fortbildung, Jugendhilfe, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Der Bundesverband für Erziehungsfragen e.V. (AFET) hat zwei neue Arbeitshilfen herausgebracht:

Arbeitshilfe 1/2010: Kinderarmut – Interventionsmöglichkeiten der Erziehungshilfe
Die Arbeitshilfe ist im Fachausschuss Jugendhilferecht und Jugendhilfepraxis erarbeitet worden. Sie richtet den Fokus auf die Frage, wie die Fachkräfte der Erziehungshilfe mit dem Problem „Kinderarmut“ im Alltag umgehen können.

Arbeitshilfe 2/2010: Familien mit Migrationshintergrund in der Erziehungshilfe – Arbeitshilfe für die interkulturelle Praxis
Die Arbeitshilfe, die vom Fachausschuss Theorie und Praxis der Erziehungshilfe erstellt wurde, richtet sich sowohl an die operative als auch an die Leitungsebene der öffentlichen und freien Erziehungshilfeträger und versteht sich als ein Handlungsleitfaden im Umgang mit Familien mit  Migrationshintergrund.

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Kinderarmut in Deutschland muss wirksam reduziert werden – Bundesjugendkuratorium fordert die Politik zu raschem und wirksamem Handeln auf

Posted on August 24, 2009. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Trotz politischer Absichtserklärungen und vielfältiger Maßnahmen konnte die Kinderarmut in Deutschland bislang nicht nachhaltig reduziert werden. Die Armutsbetroffenheit von Kindern ist nach wie vor hoch und im letzten Jahrzehnt sogar leicht angestiegen. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Analyse des Bundesjugendkuratoriums (BJK), die zugleich unter anderem steuer- und arbeitsmarktpolitische Maßnahmen empfiehlt, um Kinderarmut zu verringern.

„Armut in einem reichen Land wie der Bundesrepublik Deutschland verletzt nicht nur die Rechte der betroffenen Kinder auf einen ihrer Entwicklung angemessenen Lebensstandard. Auch ihre Chancen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen und ihre Möglichkeiten sich zu entfalten, sind nachhaltig eingeschränkt. Daher muss die Armutsbekämpfung oberste politische Priorität erhalten“, erklärte die BJK-Vorsitzende Dr. Claudia Lücking-Michel. Die bisherigen Maßnahmen zur Armutsbekämpfung, so Frau Lücking-Michel weiter, sind noch nicht weitgreifend genug.

Die Integration von Müttern und Vätern in den Arbeitsmarkt ist ein wichtiger Schritt zur Vermeidung von Kinderarmut. Teilzeit- und Niedriglohnbeschäftigungsverhältnisse, von denen insbesondere Mütter betroffen sind, sind gemäß der BJK-Analyse jedoch oft nicht ausreichend, um die wirtschaftliche Situation der Familie zu verbessern. Hier bedarf es weiterer Maßnahmen.

Das steuerpolitische Instrument des Ehegattensplittings ist der Integration insbesondere von Müttern in den Arbeitsmarkt eher hinderlich, da die Steuervorteile am größten sind, wenn einer der Partner – meist die Ehefrau – über kein Einkommen verfügt. Das BJK fordert deshalb eine Individualbesteuerung, die gleiche steuerliche Arbeitsanreize für beide Ehegatten setzt. Weiterhin rät das BJK dringend, das System der materiellen Transfers wie zum Beispiel des Kinderzuschlags für Familien und Kinder weiterzuentwickeln zu einer eigenständigen, vom Erwerbsstatus der Eltern stärker entkoppelten und zugleich am Bedarf der Kinder orientierten Kindergrundsicherung. Daneben, so die BJK-Forderung, müssen die in einigen Kommunen und Bundesländern entwickelten Infrastruktur- und Bildungsangebote zur Förderung benachteiligter Kinder und Familien noch besser koordiniert und flächendeckend ausgebaut werden.

Stellungnahme des Bundesjugendkuratoriums zu „Kinderarmut in Deutschland: Eine drängende Handlungsaufforderung an die Politik“

Bundesjugendkuratorium
Das Bundesjugendkuratorium (BJK) ist ein von der Bundesregierung eingesetztes Gremium. Es berät die Bundesregierung in grundsätzlichen Fragen der Kinder- und Jugendhilfe und in Querschnittsfragen der Kinder- und Jugendpolitik. Dem BJK gehören bis zu 15 Sachverständige aus
Politik, Verwaltung, Verbänden und Wissenschaft an. Die Mitglieder werden durch die Bundesministerin/den Bundesminister für Familien, Senioren, Frauen und Jugend für die Dauer der laufenden Legislaturperiode berufen.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesjugendkuratorium  vom 20.08.09

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NRW: Sozialverbände legen Memorandum zur Kinderarmut vor

Posted on August 23, 2009. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, Politik, Publikationen | Schlagwörter: |

Ein NRW-Bündnis aus AWO, Deutschem Gewerkschaftsbund, der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, dem Kinderschutzbund und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband appelliert an die Politiker aller Ebenen endlich gemeinsam, abgestimmt und wirksam gegen die anhaltend hohe Armutsquote bei Kindern und Jugendlichen vorzugehen. Nordrhein-Westfalen könne es sich nicht leisten, fast 800.000 junge Menschen dauerhaft ins gesellschaftliche Abseits zu stellen. Ein von den Bündnispartnern vorgestelltes Memorandum zur Bekämpfung der Kinderarmut, das an Politiker aller Ebenen und Parteien verteilt werden soll, weist den Weg aus dem Teufelskreis Armut. Den Schlüssel zur Problemlösung sieht das Bündnis in einer präventiven Ausrichtung der Kinder- und Jugendhilfe und des Bildungssystems sowie in der Begleitung der Risikofamilien mit einer Präventionskette von der Geburt der Kinder bis zu ihrem Eintritt in das Berufsleben. Ebenso fordern die Bündnispartner eine existenzsichernde Grundsicherung für alle Kinder in Deutschland.

„Dieses Ausmaß an Armut in unserem reichen Land ist ein gesellschaftspolitischer Skandal sondergleichen und beschädigt das Ansehen Nordrhein-Westfalens! Arme Kinder leiden unter materiellen Entbehrungen sind häufiger krank und sozial isoliert und scheitern überdurchschnittlich häufig an unserem selektiv ausgerichteten Bildungssystem“, sagte Gunder Heimlich, Vorsitzender der Arbeiterwohlfahrt in NRW, in der Landespressekonferenz und fügte hinzu: „Ein Land mit sinkenden Einwohnerzahlen, das darüber hinaus bei Zuwanderern an Attraktivität verliert, gefährdet seine eigene Zukunft, wenn es das Potential so vieler junger Menschen brach liegen lässt, weil ihnen die notwendige Förderung versagt wird, die den Weg in Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe ebnet.“

Der Sozialbericht 2007 der Landesregierung NRW habe die Warnungen vieler sozialer Organisationen bestätigt und jegliche Zweifel am wahren Ausmaß dieser gesellschaftlichen Problematik beseitigt. Trotz der Veröffentlichung dieser regierungsamtlichen Zahlen sei bisher aber so gut wie nichts geschehen. „Lediglich Betroffenheit zu zeigen, hilft nicht weiter. Wir brauchen dringend Investitionen in die Zukunft, die allen unseren Kindern Chancen auf eine gesellschaftliche Teilhabe eröffnen! Und diese Investitionen finanzieren sich zumindest teilweise fast wie von selbst, weil sie einen hohen Anteil der Kosten für Krisenintervention der Kinder- und Jugendhilfe von derzeitig 1,2 Milliarden Euro jährlich überflüssig machen“, erläuterte Heimlich.

Aus der Sicht von Dieter Greese, Vorsitzender des Kinderschutzbundes NRW, stellt sich das Land NRW mit seiner Tatenlosigkeit ein Armutszeugnis aus, das noch dadurch an Brisanz gewinnt, dass die UN-Konvention über die Rechte des Kindes bereits vor 20 Jahren verabschiedet worden ist. „Welch geringe Bedeutung wir in unserem angeblich so zivilisierten Land den Kindern beimessen, ist absolut unerträglich! Das Recht auf Bildung, Gesundheit, Gewaltfreiheit, ausreichende materielle Versorgung und Partizipation wird bei uns vielhunderttausendfach mit den Füßen getreten! Dabei müssten wir dem Vorrang des Kindeswohls – in unser aller eigenem Interesse – allerhöchste Priorität beimessen!“, empörte sich Greese. Statt bundesweit 5,5 Mrd. Euro jährlich für den Reparaturbetrieb Heimunterbringung von Kindern und Jugendlichen auszugeben, müsse in bedarfsgerechte frühe Prävention investiert werden.

Das dramatische Anwachsen des Niedriglohnbereichs und die hohe Arbeitslosigkeit sind für DGB-NRW Vorsitzenden Guntram Schneider die Hauptursachen für Familien in Armut. „Working Poor ist längst kein Fremdwort mehr in Nordrhein-Westfalen! Auf der Basis von prekärer Beschäftigung, auf Mini-Jobs, Leiharbeit und Niedriglöhnen lassen sich schlecht Familien gründen!“, stellte Schneider fest und bemängelte die „politische Prosa“, mit der immer wieder die Bedeutung der Kinder für die Zukunft herausgehoben werde, ohne aber ausreichend in Betreuung, Bildung und gesundes Aufwachsen in einem intakten familiären und sozialen Umfeld zu investieren. Für den DGB-Vorsitzenden ist die weit verbreitete Kinderarmut in Nordrhein-Westfalen eindeutig das Ergebnis falscher politischer Weichenstellungen und gesellschaftlicher Entwicklungen. Schneider: „Zur Bekämpfung der Armut brauchen wir dringend eine abgestimmte Politik zwischen Bund, Ländern und Kommunen. Was die eine Ebene an Verbesserungen beschließt, darf die andere Ebene nicht gleich wieder einkassieren oder als Vorwand nehmen, bei den eigenen Anstrengungen nachzulassen.“

zum Memorandum

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Jugendforscher Rauschenbach über Armut als Belastungsfaktor in Familien

Posted on April 21, 2009. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

Für den Direktor des Deutschen Jugendinstituts (DJI), Thomas Rauschenbach, ist der vom DJI festgestellte enge Zusammenhang zwischen ökonomischer Armut und gravierenden Erziehungsproblemen in Familien „frappierend“. Eine eindeutige Erklärung hat er dafür allerdings nicht. Um Eltern vor Überforderung zu schützen, fordert er ein „ausgebautes öffentliches Betreuungssystem«.

Interview von Jeannette Goddar mit Prof. Dr. Thomas Rauschenbach aus epd Sozial Nr. 16 vom 17. April 2009

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Familie ist wichtiger als Besitz – Studie zeigt Wünsche von armen Kindern

Posted on März 26, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Fachkräfte, Forschung, Kinder-/Jugendinfos, Netzwerke, Pflegefamilie, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Von ihren Eltern geliebt werden – dies ist am wichtigsten für Kinder, die in Deutschland in Armut aufwachsen. Familie und Freunde finden sie zudem wertvoller als persönlichen Besitz. Zu diesen Schlüssen kommt die nicht repräsentative „Bepanthen-Kinderarmutsstudie“, deren erste Ergebnisse am Montag in Berlin vorgestellt wurden. 200 Kinder im Alter von sechs bis 13 Jahren wurden dafür von Forschern der Universität Bielefeld während einer Ferienfreizeit des Kinderhilfswerks „Arche“ befragt.

Artikel in Welt vom 23.03.09

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Mehrere Experten plädieren für Kindergrundsicherung

Posted on November 7, 2008. Filed under: Finanzielles, Jugendhilfe, Politik, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

In einer öffentlichen Anhörung der Kinderkommission am 05.11.08 sprachen sich mehrere Experten für ein grundlegendes Umsteuern bei der Bekämpfung von Kinderarmut aus.

Meldung aus heute im bundestag vom 05.11.08

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