Nicht erkannt – nicht gefördert – kein Schulabschluss!

Posted on September 26, 2017. Filed under: Adoptivfamilie, Kinder-/Jugendinfos, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen, Schule | Schlagwörter: , |

logoDie Deutsche Kinderhilfe weist gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) auf einen Missstand in unserem Schulsystem hin, der Kinder mit einer Legasthenie und Dyskalkulie in ihren Bildungschancen deutlich einschränkt und gesellschaftspolitisch untragbar ist.

Berlin, 26.09.2017

Zum zweiten Mal wird am 30.09.2017 der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie ausgerufen, um deutlich zu machen, dass für die betroffenen Kinder in der Bildung noch viel getan werden muss. Die gemeinsame Kampagne der Deutschen Kinderhilfe und des BVL „Bessere Bildungschancen für Kinder mit Legasthenie und/oder Dyskalkulie!“ soll helfen, die Chancen in unserem Bildungssystem zu verbessern, damit Kinder schulisch unterstützt und nicht „aussortiert“ werden.

Nach der aktuellen Caritas-Studie haben 5,9 % der Schulabgänger keinen Schulabschluss. Viele Kinder mit einer Legasthenie oder Dyskalkulie erreichen zwar einen Abschluss, aber in den meisten Fällen liegt dieser deutlich unter ihrem Begabungsniveau. „In der neuen Legislaturperiode müssen dringend mehr Anstrengungen in der Bildungs- und Schulpolitik unternommen werden, insbesondere im Hinblick auf individuelle Förderung und Inklusion. Hier bedarf es auch mehr Investitionen vom Bund. Das Kooperationsverbot muss für den Schulbereich gelockert werden, damit der Bund mehr Unterstützungs- und Finanzierungsmöglichkeiten für die Schulen anbieten kann“, fordert Rainer Becker, Vorstand der Deutschen Kinderhilfe.

Bis heute gelingt es den Schulen nicht ausreichend, die von einer Legasthenie oder Dyskalkulie betroffenen Kinder zu erkennen und zu fördern. Der Lehrermangel und die fehlende Förderqualifikation der Lehrkräfte macht es vielen Schulen schwer, individuelle Förderkonzepte auszuarbeiten und umzusetzen. In der OECD-Studie von 2017 zeigt sich deutlich, dass sich Lesekompetenz und alltagsmathematische Kompetenz durch Bildung steigern lassen. Hohe Kompetenzen in diesen Fertigkeiten spielen eine wichtige Rolle bei der Erreichung besserer gesamtgesellschaftlicher Ergebnisse. Die gesellschaftlichen und volkswirtschaftlichen Folgen der aktuell fehlenden Unterstützung sind immens, denn ca. 10 % aller Schülerinnen und Schüler sind von einer Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen. Wertvolle Potenziale werden verschenkt, wenn man die Stärken der Kinder nicht erkennt, nicht fördert und sie seelisch krank macht.

„Es ist nicht nachvollziehbar, warum es in Deutschland immer noch möglich ist, die Schule ohne Schulabschluss oder als Analphabet zu verlassen. Das Armutsrisiko von Kindern mit keinem oder niedrigem Bildungsabschluss ist immer noch deutlich erhöht“, sagt Christine Sczygiel, Vorsitzende des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie. „Insbesondere sozial schwache Familien werden allein gelassen, weil sie außerschulische Therapien nicht finanzieren können. Der boomende Nachhilfemarkt ist ein Zeichen für das Versagen unseres Schulsystems. Pädagogen müssen schnellstmöglich besser qualifiziert werden, um Kinder bei Lernproblemen zu unterstützen. Es müssen neue Schulkonzepte her, die gut qualifizierte Lerntherapeuten in den Schulbetrieb einbinden. Kinder und Familien mit ihren Problemen allein zu lassen, ist nicht mehr länger hinnehmbar“, beklagt Sczygiel.

Der Bildungsmonitor 2017 zeigt, dass es bundesweit kaum Fortschritte in den Bildungssystemen gibt und bei wichtigen Indikatoren sogar Rückschritte zu verzeichnen sind. Der Anteil leseschwacher Schüler hat sogar zugenommen. Die Bildungsarmut unter jungen Erwachsenen dürfte in den kommenden Jahren steigen. Dies gibt Anlass zur Sorge, besonders in Bezug auf die Chancen- und Teilhabegerechtigkeit. Deutschland investiert 4,2 % seines Bruttoinlandsproduktes in Bildungsinstitutionen, das liegt deutlich unter dem OECD Mittel von 4,8 %. „Uns fehlen heute schon Fachkräfte und wir schöpfen das Potenzial von Kindern mit einer Legasthenie und Dyskalkulie nicht aus. Der Staat muss in die Zukunft investieren und betroffene Kinder bereits in der Schule frühzeitig und qualifiziert fördern“, sagt Rainer Becker von der Deutschen Kinderhilfe.

Der Tag der Legasthenie und Dyskalkulie am 30.09.2017 soll dabei helfen, mehr Bewusstsein für die Belange der betroffenen Kinder und Familien zu schaffen. Die Öffentlichkeit muss sich diesem Thema verstärkt annehmen, denn es hat eine hohe gesellschaftspolitische Bedeutung. Deutschland darf im Vergleich zu anderen OECD-Staaten nicht weiter abrutschen und darf sich kein Armutszeugnis ausstellen, indem es dabei zusieht, wie unser Schulsystem Analphabeten produziert und Kinder ohne Schulabschluss entlässt.

Die Deutsche Kinderhilfe plant gemeinsam mit dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) am 26.04.2018 eine Expertenrunde, um Lösungsstrategien zu erarbeiten, wie den betroffenen Kindern schnellstmöglich geholfen werden kann, damit der Missstand in unserem Bildungssystem nicht weiter aufgeschoben wird.

Weitere Informationen zum Thema Legasthenie und Dyskalkulie sind im Internet unter http://www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

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Legasthenie: Praxisnahe Hilfe für Eltern

Posted on November 30, 2012. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Fortbildung, Gesundheit, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

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BVL Ratgeber 1: Legasthenie erkennen und verstehen

https://i2.wp.com/www.pfad-bv.de/dokumente/Logo.gifDer Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) unterstützt Eltern mit Handreichungen, die helfen sollen, Kinder mit einer Legasthenie besser zu unterstützen.

Viele Eltern sind oftmals überfordert, wenn sich herausstellt, dass ihr Kind eine Legasthenie hat. Sie möchten ihrem Kind bestmöglich helfen, sind aber unsicher, was zu tun ist. Ca. 5 % aller Kinder sind von einer Legasthenie betroffen und die Beeinträchtigungen, die mit einer Lese-/Rechtschreibstörung einhergehen, können bis ins Erwachsenenalter reichen. Je früher die Probleme erkannt und entsprechende Unterstützungsmaßnahmen eingeleitet werden, umso besser kann den betroffenen Kindern nachhaltig geholfen werden.

Der BVL hat daher eine Handreichung „Legasthenie“ für Eltern erarbeitet, die dabei unterstützt, mit den täglichen Herausforderungen in der Schule und zu Hause umzugehen. Es werden wichtige Fragen zur Diagnostik, Förderung, Schule und zur Unterstützung durch das Elternhaus geklärt. Praxisnahe Hilfe geben Checklisten zu Schwerpunktthemen.

„Die Anrufe von Eltern zeigen uns, dass viel Aufklärungsbedarf bei Eltern besteht. Wenn sich der Verdacht auf eine Legasthenie anzeigt, müssen Eltern gemeinsam mit der Schule an einem Strang ziehen, damit das Kind gut aufgefangen wird. Leider geht in vielen Fällen zu viel Zeit verloren, bis den betroffenen Kindern geholfen wird“, weiß Inge Palme, Referentin für Beratung und Fortbildung im BVL.

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BVL Ratgeber 2: Dyskalkulie erkennen und verstehen

Es ist wichtig, von einer Legasthenie betroffene Kinder nicht zusätzlich durch unnötigen Druck zu belasten, weniger ist manchmal mehr. Wichtig ist, dass die Maßnahmen in den verschiedenen Bereichen, die es zu unterstützen gilt, zielführend erfolgen. Sie sollten wohl überlegt und strukturiert sein, um Eltern und Kinder nicht hoffnungslos zu überfordern. Für Lehrkräfte stehen im Dezember ebenfalls Handreichungen zur Verfügung, um auch vonseiten der Schule die richtigen Interventionsmaßnahmen einzuleiten.

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neu: BVL Ratgeber 8: Handreichungen für Eltern von Kindern/Jugendlichen mit einer Legasthenie

„Schulische, häusliche und außerschulische Förderung müssen miteinander vernetzt werden. Wir sehen hier hohen Handlungsbedarf, da oftmals nicht die Bedürfnisse des Kindes beachtet werden. Die Verwirrung des Kindes, wenn Maßnahmen nicht richtig aufeinander abgestimmt sind, sorgt zusätzlich für unnötige Probleme. Die Handreichungen für Eltern sollen helfen, den richtigen Weg für das Kind zu finden und das Kind, aber auch die Familie, so bestmöglich zu entlasten“, sagt Inge Palme.

Die Handreichungen, die dank der finanziellen Unterstützung des BKK Bundesverbandes erstellt wurden, stehen zum Download unter www.bvl-infothek.de bereit oder können im Webshop des BVL bestellt werden.

Weitere Informationen zum Thema Legasthenie und zum Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V. sind im Internet unter www.bvl-legasthenie.de abrufbar.

Quelle: Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie vom 28.11.2012

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Legasthenie: Langsam – richtig – sicher

Posted on Mai 8, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Berlin, Pflegefamilie, Publikationen, Schule | Schlagwörter: |

Ärzteblatt.de berichtet in einem Artikel über Kinder mit einer Lese- und Rechtschreibstörung.  Am Beispiel des Ambulanzzentrum für Lese-Rechtschreib-Schwierigkeiten in Berlin-Pankow wird ein erfolgreiches Modell schulischer Förderung beschrieben.

Legasthenie gehört zu den häufigsten Entwicklungsstörungen, fünf Prozent der Schulkinder sind nach Auskunft vom Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie (BVL) von einer Lese-Rechtschreib-Störung (LRS), wie sie in der ICD-10 der Weltgesundsheitsorganisation beschrieben wird, betroffen.

Eine Legasthenie beeinflusst die schulische, psychische und soziale Entwicklung der betroffenen Kinder nachhaltig, zumal der Verlauf dieser Entwicklungsstörung oft chronisch ist. In jedem Bundesland ist der Anspruch hinsichtlich Diagnostik und Förderung von Kindern mit Legasthenie anders geregelt. Detaillierte Auskünfte darüber und über den gegebenenfalls geltenden Notenschutz für das legasthenische Kind geben die Kultusministerien.

Artikel von Ulrike Hempel in Ärzteblatt 2009; 106(14): A-650

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Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie: 2009 ist Jahr der Jugend

Posted on Februar 26, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Gesundheit, Kinder-/Jugendinfos, Pflegefamilie, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

In diesem Jahr wird der BVL, Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., 35 Jahre alt und widmet das Jahr 2009 der Jugend. „Wir möchten in diesem Jahr die Kids und Teens in den Mittelpunkt stellen, damit sie ihre Stärken zeigen können. In der Schule und Gesellschaft werden Legastheniker und Dyskalkuliker oftmals als minderbegabt oder faul gesehen und wir wollen helfen, mit diesen Vorurteilen aufzuräumen“, so Christine Sczygiel, Bundesvorsitzende des BVL.

Der BVL will Jugendlichen die Chance geben, ihre Geschicke selbst in die Hand zu nehmen, in dem sie einen Jugendvorstand bilden und Projekte initiieren, wo sie ihre Stärken einbringen können. „Ich finde es zwar gut, wie sich unsere Eltern für uns engagieren, aber wir jungen Leute haben einen anderen Blickwinkel. Wir haben schon viele Ideen, wie wir noch besser auf uns aufmerksam machen können, um einfach mehr Akzeptanz zu bekommen“, berichtet Markus (20). „Es gibt bereits eine Gruppe von Jugendlichen, die sich riesig darauf freut, mal zu zeigen, was in ihnen steckt!“

Die Schulen bieten bis heute keine ausreichenden Möglichkeiten, um die betroffenen Jugendlichen zu stärken. Der Rechtschreib- oder Rechenkompetenz wird zu viel Gewicht beigemessen und die Schülerinnen und Schüler scheitern deshalb oftmals an einem begabungsgerechten Schulabschluss. Ca. 10 % aller Schülerinnen und Schüler sind von einer Legasthenie oder Dyskalkulie betroffen und so besteht hoher Handlungsbedarf, diese Kinder fürs Leben zu stärken. „Wenn man täglich mit seinen Schwächen konfrontiert wird und diese Schwächen auch noch dazu führen, dass man keinen guten Schulabschluss erhält, dann geht man auch nicht gestärkt ins Berufsleben. Nur wer selber an sich glaubt und seine Stärken kennt, der wird auch beruflich erfolgreich sein. Wir wollen starke Kids und Teens – deshalb haben wir Vertrauen in die Jugend und übertragen ihnen anspruchsvolle Aufgaben im Verbandsmanagement“, sagt die Bundesvorsitzende.

Auf der Homepage des BVL gibt es einen Wunschzettel für Jugendliche, über den alle Jugendlichen aufgerufen sind, ihre Ideen oder Mitarbeit einzubringen.

Quelle: Pressemitteilung des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie vom 25.02.2009

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