LSVD-Positionspapier „Regenbogenfamilien im Recht“

Posted on April 4, 2017. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Jugendhilfe, Netzwerke, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , , , |

Auf dem 29. Verbandstag des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) am 01/02.04.2017 in Berlin wurde das LSVD-Positionspapier „Regenbogenfamilien im Recht“ verabschiedet, in dem eine moderne Familienpolitik gefordert wird, die die unterschiedlichsten Formen von Familien anerkennt und alle unterstützt, die Kindern in ihrem Leben einen Platz geben und ihnen helfen, zu wachsen und sich gut zu entwickeln. Keine Familie dürfe wegen der sexuellen Identität eines ihrer Mitglieder diskriminiert werden.

Eine Übersicht über die Forderungen:

  • Mütter, die in eingetragener Lebenspartnerschaft leben
    Entschließen sich zwei Frauen, die in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben, gemeinsam eine Familie zu gründen, so sollen die Gebärende und ihre Lebenspartnerin von Geburt an automatisch rechtliche Eltern des Kindes sein.
  • Zwei-Väter-Ursprungsfamilie
    Der LSVD tritt dafür ein, dass der Lebenspartner des leiblichen Vaters auch rechtlicher Vater von Geburt an wird, sofern in der ausländischen Geburtsurkunde keine Mutter eingetragen ist.
    Der LSVD spricht sich für die Zulassung der altruistischen Leihmutterschaft und für die Möglichkeit aus, die Rahmenbedingungen in einer Kinderwunschvereinbarung rechtsverbindlich zu regeln.
  • Mehrelternschaft
    Der LSVD fordert einen verlässlichen rechtlichen Rahmen für Mehreltern-Regenbogenfamilien, der es ermöglicht, dass den jeweiligen tatsächlichen Verhältnissen entsprechend bis zu vier Menschen einvernehmlich rechtliche Elternteile und/oder Sorgeberechtigte sein können.
  • Elternschaftsvereinbarung
    Der LSVD fordert deshalb, dass ein Rechtsrahmen geschaffen wird, der es den Beteiligten einer Regenbogenfamilie ermöglicht, rechtsverbindliche Vereinbarungen vor der Zeugung zu treffen.
  • Pflegefamilien
    Der LSVD wird sich deshalb dafür einsetzen, dass – entsprechend der Empfehlung der BAG Landesjugendämter – in § 44 SGB VIII „Erlaubnis zur Vollzeitpflege“ folgender Satz aufgenommen wird: „Als Pflegepersonen und Pflegefamilien kommen Erwachsene unabhängig von Familienstand und sexueller Orientierung bzw. Identität in Betracht.“
  • Trans*- und intersexuelle Elternschaft
    Der LSVD fordert deshalb, dass Deutschland die Antragslösung übernimmt, wie sie Argentinien (2012), Dänemark (2014), Malta (2015), Irland (2015), Bolivien (2016) und Norwegen (2016) bereits verwirklicht haben. Für die Änderung des Vornamens und des rechtlichen Geschlechts soll der bloße Antrag der Betroffenen beim Standesamt genügen. Das soll auch für ausländische Staatsangehörige gelten, die sich dauerhaft rechtmäßig in Deutschland aufhalten.
    Der LSVD fordert weiter, dass Eltern, deren Vorname oder deren Geschlecht geändert worden ist, sollen wählen können, ob sie mit ihren früheren Vornamen und ihrem früheren Geschlecht oder mit ihrem geänderten Vornamen und ihrem geänderten Geschlecht in das Geburtenregister eingetragen werden.
  • Reproduktionsmedizin
    Der LSVD fordert, dass durch Bundesgesetz klar gestellt wird, dass die assistierte Reproduktion allen Menschen unabhängig von Familienstand und sexueller Orientierung bzw. geschlechtlicher Identität offensteht.
  • Eizellspende
    Der LSVD fordert, dass die altruistische Eizellspende auch in Deutschland zugelassen wird. Das Verbot der Eizellspende ist eine Geschlechtsdiskriminierung der Frau. Das Recht, eine Eizelle zu spenden, unterliegt dem Selbstbestimmungsrecht der Frau und ist vergleichbar mit dem Recht einer Lebendspende eines Organs. Die Patientenaufklärung als Grundlage der autonomen Willensentscheidung kann auch auf die Eizellspende angewendet werden. Die Zulassung der Eizellspende wirkt zudem einem Reproduktionstourismus entgegen.
  • Embryospende/Embryoadoption
    Der LSVD fordert, dass die Embryospende/Embryoadoption allen Menschen unabhängig von Familienstand und sexueller Orientierung bzw. Identität unter der Voraussetzung offensteht, dass sie medizinisch und biologisch nicht in der Lage sind, Kinder zu zeugen.
  • Kosten der Kinderwunschbehandlung
    Der LSVD fordert die Kostenträgerschaft der Gesetzlichen Krankenversicherung und der Beihilfe. Darüber hält der LSVD es für erforderlich, dass die Privaten Krankenversicherungen in ihre Tarife einen entsprechend en klarstellenden Hinweis aufnehmen.
    Bei der Einkommensteuer stellt zudem nach Auffassung des LSVD die Kinderwunschbehandlung in den genannten Fällen eine außergewöhnliche Belastung dar.
  • Abstammungsregister
    Der LSVD fordert, dass es bei Einrichtung jeder Art von Register gewährleistet sein muss, dass das Kind sich im Rahmen seines Selbstbestimmungsrechts auch für die Nicht-Kenntnis seiner Abstammung entscheiden kann und nicht durch Dritte unaufgefordert davon Kenntnis erhält. Das Recht auf Auskunft soll daher nur dem Kind selber ab dem 16. Lebensjahr zustehen.
  • Ehe- und Lebenspartnerschaftsstatut
    Der LSVD wird sich dafür einsetzen, dass gleich- und verschieden geschlechtliche Ehen unterschiedslos in Deutschland wirksam geschlossen werden können, ohne dass es auf das jeweilige Heimatrecht ausländischer Verlobter ankommt.
  • Anerkennung ausländischer Entscheidungen
    Damit Kindern keine rechtlichen Nachteile entstehen, setzt sich der LSVD dafür ein, dass das deutsche Recht die familienrechtlichen Beziehungen der Wunscheltern zu ihrem Kind aus Leihmutterschaft anerkennt, wenn nach dem Recht des Landes, in dem die Leihmutter und ggf. ihr Mann leben, diese nicht Eltern des Kindes sind.

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Dokumentarfilm „Future Baby“ startet

Posted on April 15, 2016. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Podcast / Online, Politik, Publikationen, Rechtliches, Verschiedenes | Schlagwörter: , , , |

Heute startet in Österreich der Dokumentarfilm „FUTURE BABY“ in den Kinos. Die österreichische Regisseurin Maria Arlamovsky ist selbst Adoptiv- und Pflegemutter.

FUTURE BABY beleuchtet das komplexe Feld medizinisch-technisierter Geburtenkontrolle aus unterschiedlichen Perspektiven. Rund um den Globus besucht Maria Arlamovsky MedizinerInnen, WissenschafterInnen und TechnikerInnen in Kliniken und sterilen Laboratorien, begleitet Paare mit Kinderwunsch, Eizellenspenderinnen und Leihmütter zu Untersuchungen und Eingriffen. Sie lässt BefürworterInnen und SkeptikerInnen zu Wort kommen und spricht mit der ersten Generation künstlich gezeugter Kinder.

Homepage zum Film

Interview mit der Filmemacherin

Trailer:

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Leihmutterschaft: Keine Eintragung genetisch fremder Kinder in der Schweiz

Posted on Oktober 8, 2015. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, International, Publikationen, Rechtliches, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Schweizmagazin.ch schildert am 07.10.2015 den Fall von Zwillingen, die durch eine Leihmutter in den USA für ein Schweizer Ehepaar ausgetragen wurden. Da sie genetisch nicht mit dem Paar verwandt sind, werden sie nicht als deren Kinder im schweizerischen Personenstandsregister eingetragen. Die kalifornische Geburtsurkunde, in der die Schweizer als Eltern der Zwillinge aufgeführt sind, wird nicht anerkannt, weil mit dem Vorgehen das verfassungsmässige Leihmutterschaftsverbot der Schweiz umgangen werden sollte. Eine Adoption sei jedoch nach Durchlaufen des üblichen Verfahrens möglich.

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DV verabschiedet Diskussionspapier zur Adoption

Posted on Juli 8, 2014. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Fachkräfte, Jugendhilfe, Netzwerke, Politik, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , |

Das Diskussionspapier wurde von der Arbeitsgruppe „Adoption“ erarbeitet und nach Beratungen im Ständigen Ausschuss „Internationaler Sozialdienst, Deutscher Zweig“ sowie im Fachausschuss „Jugend und Familie“ am 18.06.2014 vom Präsidium des Deutschen Vereins verabschiedet.

Die Adoption von Kindern ist ein privates und zugleich ein öffentliches Thema. Privat, weil es das Thema „Familiengründung“ betrifft; öffentlich, weil Adoptionsvermittlung Aufgabe der Jugendhilfe und damit eine staatliche Aufgabe ist. Auch die Politik befasst sich in regelmäßigen Abständen mit der Adoption.1

Zuletzt haben CDU, CSU und SPD in ihrem Koalitionsvertrag vom 27. November 2013 zu Adoption und Leihmutterschaft vereinbart: „Wir wollen das Adoptionsverfahren weiterentwickeln, das Adoptionsvermittlungsgesetz modernisieren und die Strukturen der Adoptionsvermittlung stärken. Das Kindeswohl muss dabei immer im Vordergrund stehen. Wir wollen die Möglichkeiten zur Adoption vereinfachen und die Begleitung und nachgehende Betreuung der Adoptiveltern verbessern. Wir werden uns dafür einsetzen, dass im Adoptionsrecht die höhere Lebenserwartung der Menschen und die Tendenz zur späteren Familiengründung berücksichtigt werden und wollen, dass bei Stiefkindadoptionen das Verwandtschaftsverhältnis zu den leiblichen Eltern im Einvernehmen erhalten bleiben kann. Die Leihmutterschaft lehnen wir ab, da sie mit der Würde des Menschen unvereinbar ist.“2

Der Deutsche Verein möchte diese Pläne der Bundesregierung zum Anlass nehmen, das Thema Adoption mit diesem Papier differenziert und vor allem aus Perspektive des Kindeswohls zu betrachten. Wesentliche Grundsätze der Adoption sollen dargestellt und Handlungsbedarf in der Praxis jenseits der derzeit aktuellen Debatten um Altersabstand und die Erweiterung des Adoptionsrechtes auf gleichgeschlechtliche Paare aufgezeigt werden. In diesem Zusammenhang soll auch auf die Leihmutterschaft und deren Bezüge zur Adoption eingegangen werden, da diese nicht nur zunehmend Eingang in die öffentliche Diskussion als Alternative zur Adoption findet, sondern die Adoptionsvermittlung vermehrt beschäftigt. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit der Leihmutterschaft in rechtlicher, ethischer und medizinischer Hinsicht bleibt jedoch einem gesonderten Papier vorbehalten. Der Deutsche Verein richtet sich mit diesem Papier an die Verantwortlichen sowie die Fachkräfte auf Ebene des Bundes, der Länder und der Kommunen.

[1] http://suche.bundestag.de/search_bt.do.
[2]„Deutschlands Zukunft gestalten“ – Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD, S. 68.

zum Diskussionspapier zur Adoption (pdf)

Quelle: Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge vom 18.06.2014

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Urteil: Keine deutsche Staatsangehörigkeit für Kind einer indischen Leihmutter

Posted on März 2, 2013. Filed under: International, Publikationen, Rechtliches, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Urteil des Verwaltungsgerichtes Köln (Az.: 10 K 6710/11):

Das in Indien geborene Kind einer verheirateten indischen Leihmutter besitzt nicht die deutsche Staatsangehörigkeit. Dies entschied das Verwaltungsgericht Köln mit einem heute verkündeten Urteil und wies damit die Klage eines deutschen Staatsangehörigen ab, der der biologische Vater des Kindes ist.

Der Kläger und seine Ehefrau sind deutsche Staatsangehörige. Sie schlossen mit einer verheirateten indischen Staatsangehörigen einen Vertrag über eine Leihmutterschaft. Die Eizellen einer unbekannten Spenderin wurden mit den Samenzellen des Klägers befruchtet und der Leihmutter übertragen. Die Leihmutter brachte im September 2010 in Neu Delhi ein Kind zur Welt, das dem Kläger und seiner Ehefrau übergeben wurde. Der Kläger erkannte vor einem deutschen Notar die Vaterschaft an; zugleich erwirkte er das Urteil eines indischen Gerichts, in dem seine biologische Vaterschaft festgestellt wurde. Die deutsche Botschaft in Neu Delhi stellte dem Kind jedoch keinen deutschen Pass aus, da der Kläger rechtlich nicht als Vater des Kindes anzusehen sei. Das Kind konnte deshalb bisher nicht nach Deutschland einreisen. Ein Antrag bei dem in Köln ansässigen – für Staatsangehörigkeitsfragen mit Auslandsbezug zuständigen – Bundesverwaltungsamt, dem Kind einen Staatsangehörigkeitsausweis auszustellen, blieb ohne Erfolg. Mit der dagegen gerichteten Klage beim Verwaltungsgericht Köln machte der Kläger geltend, er sei nach den maßgeblichen indischen Bestimmungen auch rechtlich der Vater des Kindes, das deshalb die deutsche Staatsangehörigkeit besitze. Dem folgte das Gericht jedoch nicht: Sowohl nach deutschem als auch nach indischem Recht sei der Kläger zwar der biologische, nicht aber der rechtliche Vater des Kindes. Denn das von einer verheirateten Frau geborene Kind gelte rechtlich als Kind des Ehemannes, hier also des indischen Ehemannes der Leihmutter. Auch das von dem Kläger vorgelegte Urteil eines indischen Gerichts bestätige nur die biologische, nicht aber die rechtliche Vaterschaft des Klägers.

Ob die Kläger das Kind als Pflegekind annehmen und auf dieser Grundlage bei der deutschen Botschaft in Neu Delhi für das Kind ein Visum zur Einreise nach Deutschland beantragen können, war im vorliegenden – nur auf die Frage der Staatsangehörigkeit beschränkten – Verfahren nicht zu prüfen.

Gegen das Urteil kann innerhalb eines Monats nach dessen Zustellung Antrag auf Zulassung der Berufung beim Oberverwaltungsgericht in Münster gestellt werden.

Az.: 10 K 6710/11

Quelle: Pressemitteilung des Verwaltungsgerichtes Köln vom 20.02.2013

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Radio/Podcast-Tipp: „Wo komm ich her? Wenn Kinder ihre biologischen Eltern suchen“

Posted on Februar 11, 2013. Filed under: Kinder-/Jugendinfos, Podcast / Online, Politik, Publikationen, Rechtliches, Verschiedenes | Schlagwörter: , , , , |

In der Reihe SWR2 Forum wird am 14.02. zwischen 17.05 bis 17.50 Uhr der Beitrag „Wo komm ich her? Wenn Kinder ihre biologischen Eltern suchen“ gesendet.

Es diskutieren:

  • Sibylle Steidl, Verein „Spenderkinder“, Tübingen
  • Dr. Petra Thorn, Psychologin, Mörfelden
  • Dr. Oliver Tolmein, Rechtsanwalt, Hamburg
  • Gesprächsleitung: Susanne Kaufmann

Von wem stammen die braunen Augen? Von wem die spitze Nase? Seit den 1970er Jahren wurden in Deutschland schon mehr als 100 000 Kinder mit dem Samen anonymer Spender gezeugt. Und in der globalen Welt wird längst noch mehr praktiziert: In Spanien pflanzen die sogenannten „Babymacher“ Frauen fremde Eizellen ein, in Indien oder der Ukraine bieten Leihmütter ihre Dienste an. Paare, die solche Angebote annehmen, geben ihren Kindern schon vor der Geburt eine schwere Bürde mit auf den Weg. Die Suche nach der genetischen Herkunft kann für sie zum Lebensthema werden. Richter haben nun entschieden, dass jedes sogenannte „Spenderkind“ das Recht hat, den Namen seines biologischen Vaters zu erfahren. Warum ist das Wissen um die eigenen Wurzeln so bedeutsam? Welche Folgen hat die gerichtlich erzwungene Transparenz für die Spender?

Buch zur Sendung:
Petra Thorn: Die Geschichte unserer Familie. Ein Buch für Familien, die sich mit Hilfe der Spendersamenbehandlung gebildet haben. FamART Verlag, 2006, 22 Euro

Nach Ausstrahlung kann die Sendung auf noch online nachgehört oder als mp3-Datei heruntergeladen werden.

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Bericht von der Fachtagung der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz am 08./09.11. in Frankfurt

Posted on Dezember 12, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Forschung, Fortbildung, Jugendhilfe, Rechtliches, Rheinland-Pfalz, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

Veränderungen im Adoptionsbereich durch rechtliche und gesellschaftliche Entwicklungen

Im neuen Ambiente des renovierten Kolpinghauses tauschten sich die über 70 Fachkräfte der örtlichen Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter und der rheinland-pfälzischen und hessischen anerkannten Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft engagiert zu aktuellen Themen und Einzelfällen aus.

Schnell wurde der Bedarf an fachlichem Austausch mit den zuständigen Richterinnen und Richtern zum rechtlichen Verfahrensablauf in Adoptionssachen nach dem FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit) deutlich. Die Nachfragen zum Vortrag von Christian Braun, Richter am Amtsgericht in Frankfurt am Main, zeigten das große Interesse an weiterführenden Informationen zu den Neuerungen das Inkrafttreten des FamFG und der praktischen Umsetzung. Richter Christian Braun gab einen Überblick über das gerichtliche Verfahren bei Annahme eines minderjährigen Kindes, die Ersetzung der Einwilligung eines Elternteils, das Aufhebungsverfahren einer Adoption und das Verfahren auf Anerkennung und Umwandlung einer ausländischen Adoption.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde schwerpunktmäßig das Thema Leihmutterschaft behandelt. Der Einsatz von Leihmüttern ist in Deutschland verboten, nimmt weltweit zahlenmäßig jedoch zu. Prof. Dr. Rudolf Seufert, Leiter der gynäkologischen Endokrinologie an der Universitätsfrauenklinik in Mainz, erläuterte die medizinischen Gesichtspunkte der heterologen reproduktionsmedizinischen Therapie. Die Sterilität Deutschland nimmt seit 2008 stetig zu. Heute bleiben ca. 12 bis 15 % der Paare ungewollt kinderlos. Iris Egger-Otholt, Leiterin der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen, erläuterte die Problematik der Leihmutterschaft aus rechtlicher Sicht. Ein ausdrückliches Verbot von Leihmutterschaft wurde erst 1989, durch die Änderung des Adoptionsvermittlungsgesetzes und mit Inkrafttreten des Embryonenschutzgesetzes zum 01.01.1991 geschaffen. Zu mehr Information über dieses Thema verweisen wir auf den Artikel Leihmutterschaft/Ersatzmutterschaft, der im LJA Info im Februar 2011 erschienen ist.

Etliche Jugendämter in Deutschland sind mit Adoptionsverfahren aufgrund von im Ausland durchgeführten Leihmutterschaften konfrontiert. In Arbeitsgruppen wurden die möglichen Konsequenzen, die sich für die Beratungstätigkeit in Bezug auf Verfahren der Leihmutterschaft ergeben können, erarbeitet. Es zeigte sich, dass einwertfreie, aufklärende Beratung für das Aufzeigen der zukunftsperspektivischen Konsequenzen angezeigt ist. Der Schutz des Kindeswohls bleibt oberstes Ziel. Der Film „Google-Baby“, der zum Abschluss des ersten Tages gezeigt wurde, schildert eindrücklich die Situation indischer Leihmütter und macht auf die rasanten Entwicklungen im Bereich der Leihmutteschaft aufmerksam.

Gesellschaftliche Entwicklungen, sinkende Geburtenzahlen, demographischer Wandel und das Entstehen von neuen Familienmodellen haben unmittelbare Auswirkungen auf alle am Adoptionsprozess beteiligten Personen und Institutionen. Diese Fakten trug Dr. Sonja Weber-Menges, Soziologin an der Universität Siegen, in ihrem Beitrag „Neue Familienmodelle in der pluralen Gesellschaft“ vor. Ihre Definition für das neue Modell von Familien lautet: „Familie ist, wo Kinder sind.“

Auch nach dem gerichtlichen Abschluss einer Adoption haben die Adoptivfamilien Anspruch auf Unterstützung und nachgehende Begleitung. Mit der von Hildegard Rausch vorgestellten Methode Marte Meo können Fachkräfte der Vermittlungsstellen ihren Adoptivfamilien im Alltag zur Seite stehen. Die Methode Marte Meo (lateinisch: aus eigener Kraft) wurde von der Niederländerin Maria Aarts entwickelt. Anhand von Vidos erläuterte Hildegard Rausch alltägliche Situationen zwischen Kindern und ihren Eltern und zeigte auf, wie ein Problembewusstsein für Schieflagen auf der Beziehungsebene durch die Methode Marte Meo entwickelt werden kann. Der Schwerpunkt dieser Technik liegt auf der Hervorhebung der Stärken der Handelnden und der Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit zwischen den Handelnden.

Quelle: Landesjugendamts Info (Das Informationsmagazin des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz) Ausgabe Dezember 2011

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Jahrestagung der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen (GZA): „Veränderungen im Adoptionsbereich durch rechtliche und gesellschaftliche Entwicklungen“

Posted on November 16, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Fortbildung, Hessen, Jugendhilfe, Rheinland-Pfalz, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , , |

Exakt nach einem Jahr Pause, in welchem das Hotel Kolpinghaus Frankfurt am Main umgebaut und renoviert wurde, begrüßte Herr Keggenhoff am traditionellen Tagungsort der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen (GZA) wieder fast 80 Adoptionsfachkräfte aus beiden Bundesländern. Er betonte, dass die Fachtagungen seit Gründung der GZA 2003 das Interesse der Adoptionsvermittler/Innen treffen, was die seit Jahren gleichbleibende Zahl von Teilnehmenden bestätige. An beiden Tagen sollte diesen wieder die Gelegenheit geboten werden, miteinander und mit den Mitarbeiterinnen der GZA in einen intensiven fachlichen Austausch einzutreten.

Die Vielfältigkeit der Beiträge aus mehreren Berufsfeldern war Abbild dafür, dass, um ein Gelingen des Adoptionsprozesses sicher zu stellen, eine Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Institutionen, Diensten und Fachleuten notwendig war und ist.

Christian Braun, Richter am Familiengericht Frankfurt, beleuchtete die Neuerungen des FamFG sowie die ersten Erfahrungen der Umsetzung des Gesetzes in der Praxis, im Zusammenwirken von Adoptionsvermittlungsstellen und Familiengerichten. Wolfgang Weitzel, Leiter der BZAA (Bundeszentralstelle für Auslandsadoption), und Iris Egger-Otholt, Leiterin der GZA, vermittelten Informationen, um zur konstruktiven Zusammenarbeit zwischen örtlichen Vermittlungsstellen/Auslandsvermittlungsstellen, Gerichten und Adoptionsbewerbern/Adoptiveltern beizutragen. Leihmutterschaft wurde von Prof. Dr. Rudolf Seufert von der Universitätsfrauenklinik Mainz aus medizinischer Sicht und von Iris Egger-Otholt aus juristischer Sicht betrachtet, um die Aufgaben zu erkennen, die im Adoptionsbereich auf die Vermittlungsstellen, Gerichte, Beratungsstellen etc. zukommen. Gesellschaftliche Entwicklungen, sinkende Geburtenzahlen, demographischer Wandel und das Entstehen von neuen Familienmodellen haben unmittelbare Auswirkungen auf alle am Adoptionsprozess beteiligten Personen und Institutionen. Diese Fakten trug Dr. Sonja Weber-Menges, Soziologin an der Universität Siegen, in ihrem Beitrag „Neue Familienmodelle in der Pluralen Gesellschaft“ vor. Ihre Definition für das neue Modell von Familie lautete: „Familie ist, wo Kinder sind.“ Auch nach dem gerichtlichen Abschluss einer Adoption haben die Adoptivfamilien Anspruch auf Unterstützung und nachgehende Begleitung. Mit der von Frau Hildegard Rausch vorgestellten Methode Marte-Meo können Vermittlungsstellen ihren Adoptivfamilien im Alltag zur Seite stehen.

Alle Beiträge dienten dazu, den Fachkräften in den sich verändernden gesellschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen Orientierung und Sicherheit bei ihren komplexen Aufgaben zu vermitteln. Die unterschiedlichen Erkenntnisse und Positionen der Referenten und die Diskussionen und Kleingruppenarbeit verdeutlichten, dass es notwendig ist, sich regelmäßig mit den gesellschaftlichen und rechtlichen Entwicklungen in Deutschland, aber auch den Ländern zu beschäftigen, aus denen Adoptivkinder zu uns kommen. Adoption als „eine Möglichkeit Familie zu werden“ orientiert sich am Wohl des Kindes und dem zu prognostizierenden Entstehen einer Eltern-Kind-Beziehung. Von daher kommt der Abwägung der Interessen der Bewerber und der Entscheidung für die Unterbringung eines Kindes bei Paaren oder Einzelpersonen besondere Bedeutung zu. Die Haltung und Einstellung der Fachkräfte zu ethischen und gesellschaftlichen Fragen spielt dabei eine wesentliche Rolle, genauso wie die rechtlichen Kenntnisse. Haltung und Einstellung sollten fachlich immer wieder reflektiert und angemessen mit den am Adoptionsprozess Beteiligten kommuniziert werden.

In den Schlussworten dankte Frau Cornelia Lange, Abteilungsleiterin im Hessischen Sozialministerium, allen Referenten/Innen und den Teilnehmenden für die engagierte und interessierte Mitarbeit. Sie lud zu den bereits geplanten Fortbildungen im kommenden Jahr und der Jahrestagung der GZA – natürlich im November 2012 – ein.

Quelle: Aktuelle Meldung des Landesamtes für Soziales, Jugend und Versorgung Rheinland-Pfalz vom 14.11.2011

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TV-Tipp: Themenabend „Fremde Kinder“ am 27.04.

Posted on April 24, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Gesundheit, International, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Einen Abend lang widmet sich PHOENIX in seinem Osterprogramm dem Thema „Fremde Kinder„. Ob Eizellenhandel, Leihmutterschaft oder Samenspende – die Filmemacher gehen den Hintergründen auf die Spur und beleuchten die Methoden kritisch. Ist alles, was gynäkologisch möglich ist, um bisher unerfüllte Kinderwünsche zu erfüllen, moralisch vertretbar? Die Filme des Abends beleuchten engagiert die sozialen, finanziellen und ethischen Aspekte von künstlicher Befruchtung.

22:15 Uhr: Ware Mensch beschlagnahmt – Skandal um rumänischen Eizellenhandel: Im vergangenen Jahr wurde in der PHOENIX-Reportage „Ware Mensch – Illegaler Eizellenhandel in Rumänien“ nachgewiesen, dass in mehreren rumänischen Kliniken armen jungen Frauen für einen geringen Lohn illegal Eizellen entnommen werden, ohne sie über die hohen Risiken einer solchen Behandlung aufzuklären. Die rumänische Regierung handelte und schloss eine der gezeigten Kliniken. Aber damit ist die Geschichte über die „Ware Mensch“ nicht vorbei – sie hat vielmehr erst begonnen. Standen bisher die Frauen im Mittelpunkt, die sich gefährlichen Hormonbehandlungen unterziehen, geht es jetzt um eine Kundin, die sich mit Hilfe der fremden Eizellen ihren Kinderwunsch erfüllen will. (Reportage von Susanne Glass, PHOENIX 2010)

23:00 Uhr: Babys made in India – Das Geschäft mit der Leihmutterschaft: Immer mehr kinderlose Paare aus dem Westen reisen nach Indien, in die sogenannte „Babymacher-Stadt“ Anand, um sich dort ihren Traum zu erfüllen: den Wunsch nach einem eigenen Kind. In speziellen Reproduktionskliniken werden Ei- und Samenzellen der biologischen Eltern miteinander im Reagenzglas verschmolzen und wenige Tage danach einer indischen Leihmutter eingesetzt. Wenn die Schwangerschaft erfolgreich verläuft, können die Eltern neun Monate später wieder kommen und ihr Neugeborenes abholen. Ein Geschäft, das beiden Seiten nur Vorteile bringt? (Dokumentation von Stephanie Lebrun und Philippe Levasseur, ORF 2010; lange Version: 55 Minuten)

23:55 Uhr: Die Kinder von der Samenbank – Ein Tabu und seine Folgen: Mindestens 1.000 Schwangerschaften entstehen in der Schweiz jährlich durch eine Samenspende. Nur fünf Prozent der Kinder wissen, dass sie auf diese Weise gezeugt wurden. Die Dokumentation geht der Frage nach, weshalb das Thema „Samenspende“ in der Schweiz noch immer ein so großes Tabu ist. Filmemacherin Andrea Pfalzgraf macht sich auf die Suche nach einem Paar, das dank einer Samenspende zu Nachwuchs gekommen ist, befragt Samenspender zu ihrer Motivation und will von Spenderkindern wissen, weshalb die Suche nach dem biologischen Vater zur Obsession werden kann. (Dokumentation von Andrea Pfalzgraf, SF 2010)

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Auslandsadoptionen auf eigene Faust kommen oft vor den Richter

Posted on August 22, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Baden-Württemberg, Bewerber, Jugendhilfe, Politik, Rechtliches | Schlagwörter: , |

Stuttgart. Auf jedes zur Adoption vorgemerkte Kind kommen in Baden-Württemberg 15 Bewerberpaare. Da heißt es warten und hoffen. Manche Paare verlieren die Zuversicht. Sie begeben sich in rechtliche Grauzonen, um im Ausland einen Sohn oder eine Tochter zu adoptieren. Leidtragende sind die Adoptivkinder.

„Auslandsadoptionen im Grenzbereich der Legalität bergen ein großes Risiko, dass das Kind nicht zeitnah einreisen kann“, weiß Reinhold Grüner, Leiter der Zentralen Adoptionsstelle (ZAS) beim KVJS. Der KVJS fordert mit den Zentralen Adoptionsstellen in anderen Bundesländern Gegenmaßnahmen. „Bußgelder für Kinderkäufe im Ausland und ein grundsätzliches gesetzliches Einreiseverbot für Kinder, die außerhalb des gesetzlich vorgesehenen Verfahrens adoptiert wurden, könnten einen Beitrag zu mehr Rechtsstaatlichkeit leisten“, sagt Grüner.

Reinhold Grüner stellt solche Forderungen nicht von ungefähr. Er kennt etliche tragische Fälle. Schwierigkeiten treten etwa bei Staaten auf, die keine Adoption kennen. Beispiel: In Staaten mit muslimisch geprägter Rechtsordnung wie Marokko oder Algerien wird kinderlosen Paaren das Sorgerecht nach der „Kafala“ übertragen. Die Kafala (arab. = Bürgschaft) ist grob mit der Pflegschaft eines Kindes vergleichbar. Die Eltern können mit dem Segen der ausländischen Behörden zum Vormund werden, das Kind bleibt aber Mitglied seiner ursprünglichen Familie.

Keine Adoption aus Mahgreb-Staaten
Damit das Kind in Deutschland den gemeinsamen Familiennamen führen kann und die rechtliche Stellung eines leiblichen Kindes erhält, müssen die Eltern ein Adoptionsverfahren hinterherschieben. Doch etliche deutsche Behörden legen sich quer. Wenn das Herkunftsland keine Adoption kenne, dürfe ein Kind nicht einreisen, um in Deutschland adoptiert zu werden, argumentieren die Beamten. Zudem würden adoptierte „Kafala-Kinder“ in paradoxe Rechtsverhältnisse geraten. Das Kind besäße in Deutschland den Rechtstatus eines leiblichen Kindes von Adoptiveltern, der im Herkunftsland nicht anerkannt würde.

Die Folge: etliche „Kafala-Söhne“ und „-Töchter“ warten seit Jahren auf ihre Einreise nach Deutschland. Auch für verhinderte Adoptiveltern sind die Folgen fatal, wie Grüner erklärt: „Die Leute müssen nach der Kafala im Ausland für ein Pflegekind sorgen, leben aber selbst in Deutschland.“ Die ersehnte Aufnahme in die eigene Familie bleibe ungewiss.

Auch beim Verdacht auf Kinderhandel dürfen „adoptierte“ Jungen und Mädchen nicht einreisen. So hatte vor zwei Jahren eine gut situierte deutsche Familie im staatlichen Adoptionsverfahren die Geduld verloren. Sie ließ ihre Kontakte zu einflussreichen Persönlichkeiten spielen, die bis nach Afrika reichten. Auf dem schwarzen Kontinent geriet bald ein elternloses Baby in den Blickpunkt der Suchenden. Es lebte bei Verwandten. Nach einigen Gesprächen war die bettelarme Familie bereit, das Kind herauszugeben. Die Deutschen wollten einem Familienmitglied eine Berufsausbildung finanzieren. Zudem flossen größere Geldbeträge in humanitäre Projekte vor Ort. Die afrikanischen Behörden genehmigten die Adoption. Doch die Beamten der deutschen Botschaft verweigerten die Einreisepapiere nach Deutschland. Der Fall beschäftigt inzwischen die Richter. Das Verfahren läuft über mehrere Instanzen. Der Ausgang ist ungewiss.
Adoption im Schlepptau von Leihmutterschaft

Zu rechtlichen Komplikationen führen auch Adoptionsanfragen im Schlepptau einer Leihmutterschaft. Zuweilen engagieren verzweifelte Paare eine Leihmutter, um ein Kind in ihre Arme schließen zu können. In Deutschland ist dies verboten. Doch Geschäftemacher aus dem Ausland bieten längst „Economy“-Pakete für 3.000 Euro oder „Komplex“-Pakete für 15.000 Euro. Wahlweise kann der „Tragemutter“ die befruchtete Eizelle der bestellenden Eltern eingepflanzt werden, oder sie wird mit dem Sperma des Auftrag gebenden Vaters künstlich befruchtet. Will im letzten Fall die Ehefrau des leiblichen Vaters das Neugeborene als Kind annehmen, kann sie eine Adoption beantragen. Problem: trotz der leiblichen Vaterschaft genehmigen die deutschen Auslandsvertretungen oft nicht die Einreise des Kindes nach Deutschland. Denn unter Juristen ist umstritten, ob der Mann auch im rechtlichen Sinn als Vater anerkannt werden sollte. Es sind Fälle bekannt, wo die Adoptiveltern ein, zwei Jahre im Ausland festsaßen, weil sie keine Einreisegenehmigung für den Adoptivsohn oder die -tochter erhielten.

Reinhold Grüner appelliert eindringlich an alle Frauen und Männer mit Kinderwunsch, Grauzonen-Adoptionen zu vermeiden: „Je weniger Kinder über problematische oder gar kriminelle Kanäle vermittelt werden, desto mehr kann das Wohl von Adoptivkindern und ihren aufnehmenden Familien gewahrt werden.“

Denn deutsche Behörden arbeiten nach den Bestimmungen des Haager Übereinkommens gegen Kinderhandel. Ein geregeltes Verfahren soll kriminelle Machenschaften verhindern und die Menschenrechte des Kindes schützen. Jeder Mensch hat das Recht, in seinem Geburtsland aufzuwachsen, sind sich die 81 Unterzeichnerstaaten einig. Nur wenn im Herkunftsland weder Betreuung noch Adoptivfamilien gefunden werden, darf ein Kind außer Landes gegeben werden.

Legal zur Adoption freigegebene Kinder werden nach dem Haager Übereinkommen von offiziell ermächtigten Behörden vermittelt. In Deutschland ist diese Stelle die ZAS. Sie oder von ihr anerkannte freie Adoptionsstellen suchen passende Eltern für die Kinder. Dazu sehen das Übereinkommen und das deutsche Gesetz eine Beratung und Eignungsüberprüfung von Adoptionswilligen vor.

Auch die Eltern in spe profitieren von der behördlichen Begleitung einer Adoption. Bei der Beratung werden sie zum Beispiel über mögliche Traumatisierungen informiert, die Adoptivkinder mit hoher Wahrscheinlichkeit mitbringen. „Ein elternloses Kind leidet stets unter seelischen Verletzungen, viele müssen Kriegserlebnisse oder andere Katastrophen bewältigen“, weiß die Beraterin Monika Miller-Lika von der ZAS. „Nach unserer Erfahrung können Adoptiveltern damit überfordert sein.“

Zudem bieten die deutschen Behörden Adoptiv-Familien Nachbegleitung, Berichte zur Gesundheit des Kindes und bestmöglichen Auskünfte über die Abstammung. Denn die meisten Adoptivkinder suchen irgendwann nach ihren leiblichen Eltern. Gut, wenn sie dann auf Akten zurückgreifen können, die in Deutschland 60 Jahre aufbewahrt werden.

Information

Auslandsadoptionen beim KVJS
Bei der ZAS lagen 2009 die Bewerbungen von 109 Paaren vor. Die Mitarbeiterinnen erbaten für sie einen Kindervorschlag aus dem anvisierten Staat. Sie holten sämtliche verfügbaren Informationen über die leiblichen Eltern ein und begleiteten das Verfahren von Deutschland aus.

20 glückliche Paare konnten 2009 ein Kind in die Arme schließen. Andere Anträge auf Vermittlung laufen noch oder wurden zurückgezogen. Die potenziellen Adoptiveltern hatten es sich anders überlegt oder erwarteten eigenen Nachwuchs. Oft gab es auch kein Kind aus dem Wunschland.

Von den 615 Kindern, die im Jahr 2009 in Baden-Württemberg adoptiert wurden, besaßen laut dem Statistischen Landesamt 240 eine ausländische Staatsangehörigkeit.

Quelle: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Württemberg vom 05.08.2010

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TV-Tipp: „Wer bin ich? – Identität in der Gegenwart“ am 22.07.

Posted on Juli 19, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Bewerber, Fachkräfte, Podcast / Online, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , , , , |

In der Reihe Scobel zeigt der Sender 3sat am 22.07. um 21 Uhr die Wiederholung des Beitrags „Wer bin ich? – Identität in der Gegenwart„.

Senderinformation:
„Erkenne Dich selbst“ stand am Tempel des Apoll in Delphi geschrieben. Doch scheint genau das die schwerste Aufgabe von allen zu sein: Sich selbst zu erkennen. Adoptionen, Babyklappen und anonyme Geburten machen es immer mehr Menschen unmöglich, etwas über ihre genetischen Wurzeln zu erfahren. In diser Sendung wird daher danach gefragt, was in der heutigen Zeit Identität ausmacht?

Zu Gast im Studio sind Sibylle Steidl, gezeugt durch eine Samenspende und Mitglied der Gruppe „Spenderkinder“, Volker Gerhardt, Professor für praktische Philosophie und Mitglied des deutschen Ethikrates, der Genetiker Markus Hengstschläger, Leiter der Abteilung für Medizinische Genetik an der Universität Wien und der genetischen Abteilung des Wunschbaby Zentrums, und Ernst Pöppel, Neuropsychologe und Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München.

nähere Informationen

In der Mediathek steht die Sendung (57.40 min) als podcast zur Verfügung: http://www.3sat.de/webtv/?091001_identitaet_scobel.rm

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Studie: Familien, deren Kinder keine genetische oder leibliche Verbindung zu ihren Eltern haben, funktionieren gut

Posted on Oktober 7, 2008. Filed under: Adoptivfamilie, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Forschung, PFAD Verband, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , , , , |

Einen bei www.alphagalileo.org veröffentlichten Bericht über die Ergebnisse einer interessanten englischen Studie übersetzte für uns die PFAD-Fachreferentin Margit Huber:

Das emotionale Wohlbefinden von Familien, deren Kinder keine genetische oder leibliche Verbindung zu einem oder beiden Elternteilen haben – wo die Kinder beispielsweise durch Fremdschwangerschaften (Leihmütter), Ei- oder Samenspenden entstanden sind – war lange Zeit ein strittiges Thema. Nun konnten britische Wissenschaftler in der ersten weltweiten Studie zu diesem Thema zeigen, dass die Beziehungen in solchen Familien offenbar gut funktionieren, und dass nur geringe Unterschiede zu Familien, in denen die Kinder auf natürliche Weise geboren werden, bestehen.

vollständige Übersetzung des Artikels (pdf)

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