Online-Hilfeportal für Betroffene von Kindesmissbrauch wird eingerichtet

Posted on März 7, 2012. Filed under: Jugendhilfe, Netzwerke, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Berlin: (hib/AW) Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, plant für dieses Jahr die Einrichtung eines Online-Hilfeportals für Betroffene und Helfer. Dies teilte Rörig am Mittwoch vor dem Familienausschuss mit. Das Online-Portal soll „eine Lotsenfunktion“ übernehmen, um Hilfesuchende zu unterstützen. An der Erstellung würden auch Fachleute zur Rechtsberatung und Therapie beteiligt.

Rörig, der das Amt des Unabhängigen Beauftragten am 1. Dezember vergangenen Jahres von seiner Vorgängerin Christine Bergmann übernommen hatte, informierte den Ausschuss über seine Arbeitsschwerpunkte bis zum Ende der Legislaturperiode und stellte sich den Fragen der Abgeordneten. Die Arbeit des Runden Tischs zum Kindermissbrauch könne nicht das Ende der Aufarbeitung sein, betonte Rörig. Zu seinen Aufgaben gehöre es unter anderem, die Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tischs zu begleiten und zu koordinieren. Rörig informierte den Ausschuss über die Einsetzung eines Fachbeirats im Februar dieses Jahres, dem neben Experten aus Wissenschaft, Gesellschaft, und Kirchen auch die ehemalige Beauftragte Bergmann und vier Betroffene angehören. Zudem habe er drei feste Treffen mit den elf Betroffenen-Initiativen für dieses Jahr anberaumt. Das erste Treffen habe am 27. Januar stattgefunden, bei dem die Initiativen ihren Forderungskatalog übergeben hätten zu den Themen Aufarbeitung, Wiedergutmachung und Verjährungsfristen. Dieser Forderungskatalog sei auch auf der Homepage des Beauftragten (http://beauftragter-missbrauch.de) einsehbar.

Zu den vorrangigen Aufgaben Rörigs gehört es laut eigener Aussage, die Empfehlungen des Runden Tischs zur Prävention und Intervention in allen Bereichen der Jugend- und Bildungsarbeit sowie des Gesundheitswesens umzusetzen. Er habe deshalb unter anderem Treffen mit den Vertretern der kommunalen Spitzenverbände, der Landesjugendverbände, der Kirchen, des Sportbundes, des Bundesjugendrings, der Deutschen Krankenhausgesellschaft anberaumt beziehungsweise schon abgehalten.

Alle Fraktionen im Ausschuss signalisierten Rörig ihre Unterstützung für seine Arbeit. Positiv bewerteten sie unter anderem seinen Plan, mit einer weiteren Öffentlichkeitskampagne für einen offeneren Umgang in der Gesellschaft beim Schutz vor Kindesmissbrauch zu werben.

Quelle: Heute im Bundestag vom 07.03.2012

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Fachtagung „Was hat das mit uns zu tun?“ am 15.-16.03. in Berlin

Posted on Januar 17, 2012. Filed under: Berlin, Fachkräfte, Fortbildung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , , , , , |

Mit der Fachtagung „Was hat das mit uns zu tun? Umsetzung der Schlussfolgerungen aus den Runden Tischen zu „Heimerziehung“ und „Sexueller Missbrauch“ in die Jugendhilfepraxis“ wendet sich die Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik am 15.-16.03.2012 in Berlin an leitende Fachkräfte der öffentlichen und freien Kinder- und Jugendhilfe.

Programm:

  • Zentrale Erkenntnisse aus dem Runden Tisch Heimerziehung
    Rainer Kröger
  • Zentrale Erkenntnisse aus dem Runden Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch“
    Prof. Dr. Mechthild Wolff
  • Und was hat das mit uns zu tun? Forderungen an die (Jugendhilfe)Praxis
    Prof. Dr. Christian Schrapper
  • Arbeitsgruppen
    „Und was hat das mit uns zu tun? Konsequenzen und Aufgaben für die Jugendhilfepraxis“

    • Schutzkonzepte in der Kinder- und Jugendhilfe – Schutzkonzepte: mehr als Papier? Nur eine Aufgabe freier Träger?
      Prof. Dr. Mechthild Wolff
    • Ombudschaft als eine Form des Beschwerdemanagements – Ombudschaften: Organisationsversagen oder Beitrag zur Rollenklarheit?
      Prof. Dr. Ulrike Urban-Stahl
    • Die insoweit erfahrene Fachkraft/Kinderschutzfachkraft – Unterstützung und Beratung auch über das eigene System hinaus?
      Dr. Sigrid A. Bathke
    • Partizipation von Kindern und Jugendlichen – Partizipation: Eine Leerstelle im HIlfeprozess?
      Jörg Freese
    • Mindeststandards in der Heimerziehung – Mindeststandards: Wer hat sinnvollerweise die Definitionsmacht?
      Hans Meyer
    • Verantwortung von Leitung und zur Kontrolle/Selbstkontrolle von Leitung in komplizierten Entscheidungsprozessen –
      Wie werden Vorwürfe gegen Mitarbeiter/innen professionell und transparent untersucht?
      Dr. Hans-Ullrich Krause
  • Und was hat das mit uns zu tun? Konsequenzen und Aufgaben für die Jugendhilfepraxis – Antworten auf die Leitfragen der Arbeitsgruppen
  • Macht und Ohnmacht der Abhängigkeitsbeziehungen – Wie viel Nähe verträgt eine professionelle Beziehung?
    Marie-Luise Conen
  • Präventionsbausteine: Konsequenzen und Aufgaben für die Jugendhilfepraxis – Diskussion und Erfahrungsaustausch in Foren
    • Klientenbeziehungen im ASD
      Benedikt Hörter
    • Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen
      Bernd Priebe
    • Nähe und Distanz in Erziehungssituationen in der Jugendhilfe
      Dr. Hans-Ullrich Krause
  • Podiumsdiskussion: Brauchen wir einen Ethik-Kodex? oder: Wie man die Praxis zukünftig gestalten sollte.
    Vorstellung der „National Care Standards“ in Schottland
    Norbert Struck, Benedikt Hörter, Dr. Hans-Ullrich Krause, Bernd Priebe

Anmeldeschluss ist der 05.03.

nähere Informationen

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Bund, Länder und Kirchen starten Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“

Posted on Januar 2, 2012. Filed under: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Finanzielles, Gesundheit, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Politik, Rechtliches, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein | Schlagwörter: , , |

Mit Wirkung vom 1. Januar 2012 an stehen Betroffenen Mittel aus dem Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ (Fonds „Heimerziehung West“) zur Verfügung. Der Fonds wurde durch den Bund, die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Bayern, Berlin, Bremen und Hamburg, die Evangelische Kirche in Deutschland, die (Erz-) Bistümer der katholischen Kirche im Bundesgebiet, den Deutschen Caritasverband, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Ordensobernkonferenz errichtet. Insgesamt stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung, die jeweils zu einem Drittel von Bund, Ländern und Kommunen sowie katholischer und evangelischer Kirche und deren Wohlfahrtsverbänden und den Orden erbracht werden. Damit ist der Startschuss zur Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren gegeben.

„Das Leid der Betroffenen hat mich zutiefst berührt, deshalb ist es mir wichtig gewesen, dass die Vorschläge des Runden Tisches Heimerziehung West schnell umgesetzt werden. Ab 1. Januar können endlich die Anträge auf Unterstützung gestellt werden. Das ist eine wichtige Nachricht für alle Betroffenen“, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder. „Mir ist bewusst, dass der Fonds nichts ungeschehen machen kann. Der Fonds kann aber Betroffenen helfen, heute noch nachweisbare Folgen aus der Zeit ihrer Heimunterbringung in den Jahren 1949 bis 1975 zu überwinden.“

Betroffenen, denen während ihrer Heimunterbringung in den Jahren 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland Unrecht und Leid zugefügt wurde, kann durch den Fonds eine Hilfe zur Bewältigung dieses Leids gewährt werden, soweit durch die Heimerziehung heute noch Traumatisierungen oder andere Beeinträchtigungen und Folgeschäden bestehen und dieser besondere Hilfebedarf nicht über die bestehenden Hilfe- und Versicherungssysteme abgedeckt wird. Darüber hinaus sollen Betroffene dabei unterstützt werden, ihre Zeit der Heimunterbringung zwischen 1949 und 1975 aufzuarbeiten. In Fällen, in denen es aufgrund seinerzeit nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einer Minderung von Rentenansprüchen gekommen ist, soll mit Hilfe des Fonds ein finanzieller Ausgleich gewährt werden.

Anträge können bis zum 31. Dezember 2014 gestellt werden. Anlauf- und Beratungsstellen in den westdeutschen Bundesländern und Berlin beraten Betroffene und ermitteln den konkreten Hilfebedarf. Für Betroffene aus Säuglings-, Kinder- und Jugendheimen sowie Jugendwerkhöfen der ehemaligen DDR ist geplant, bis zum Sommer 2012 entsprechende Regelungen und Grundlagen zu schaffen.

Auf der Website zum Fonds sind ausführliche Informationen zum Fonds, zur Antragstellung und zu den Zuständigkeiten der Beratungsstellen zu finden: www.fonds-heimerziehung.de.

Ein kostenloses Infotelefon gibt Auskunft über die zuständige Beratungseinrichtung: 0800 / 10 04 900 (montags: 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr, dienstags, mittwochs, freitags: 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr und sonntags: 14.00 Uhr bis 20.00 Uhr)

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.bmfsfj.de.

Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ vom 02.01.2012

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Neuer Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs ernannt

Posted on November 23, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Johannes-Wilhelm Rörig, Ministerialdirigent im Bundesfamilienministerium, tritt am 1. Dezember 2011 die Nachfolge von Dr. Christine Bergmann an.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt auch weiterhin eine Unabhängige Stelle für die Thematik des sexuellen Kindesmissbrauchs. Johannes-Wilhelm Rörig wird als Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs am 1. Dezember 2011 die Nachfolge der ehemaligen Beauftragten Dr. Christine Bergmann antreten. Damit wird eine der zentralen Forderungen des Runden Tisches und der ehemaligen Beauftragten aufgegriffen, die ihre Tätigkeit Ende Oktober 2011 beendet hatte.

„Es freut mich sehr, dass wir Herrn Ministerialdirigenten Rörig für diese wichtige gesellschaftliche Aufgabe gewinnen konnten“, sagt Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. „Durch seine vielseitigen Erfahrungen in der Kinder- und Jugendpolitik und des Kinderschutzes sowie als ehemaliger langjähriger Leiter der Zentralabteilung des Ministeriums bündelt Herr Rörig in seiner Person alle notwendigen Voraussetzungen für einen sensiblen Umgang mit der Thematik sowie eine verbindliche und effektive Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches.“

Die Tätigkeit des Unabhängigen Beauftragten ist auf die Zeit der Legislaturperiode, längstens bis 31. Dezember 2013, befristet. Rörig ist als Unabhängiger Beauftragter nicht weisungsgebunden und wird von seinen bisherigen Aufgaben im Bundesfamilienministerium vollständig freigestellt. Organisatorisch, personell und finanziell erfolgt die Anbindung beim Bundesfamilienministerium. Die bisherige Geschäftsstelle der Unabhängigen Beauftragten sowie die telefonische Anlaufstelle bleiben dem neuen Unabhängigen Beauftragten zugeordnet.

Auch die weiteren dem Runden Tisch vorsitzenden Bundesministerinnen für Justiz, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und für Bildung und Forschung, Prof. Dr. Annette Schavan, begrüßen die bereits im Aktionsplan 2011 von der Bundesregierung verankerte Entscheidung zur Weiterführung einer unabhängigen Stelle und die Entscheidung für Herrn Rörig als neuen Unabhängigen Beauftragten.

Johannes-Wilhelm Rörig ist seit 1998 im Bundesfamilienministerium. Seitdem war Rörig unter anderem Büroleiter von Bundesministerin a. D. Christine Bergmann, Leiter der Leitungsgruppe sowie Leiter der Abteilung Zentrale Verwaltung. Als  Unterabteilungsleiter in der Abteilung Kinder und Jugend des Bundesfamilienministeriums war Rörig eng in die Arbeit des Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch eingebunden. Der 52-jährige Volljurist ist verheiratet und hat zwei Kinder. Zu seinen wesentlichen Aufgaben als Unabhängiger Beauftragter gehören:

  • Fortführung der Telefonischen Anlaufstelle
  • Entwicklung eines bundesweit einheitlich erreichbaren Online-Hilfeportals
  • Monitoring und Unterstützung der Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Sexueller Kindesmissbrauch
  • Begleitung der Aufarbeitung von Fällen sexuellen Kindesmissbrauchs
  • Begleitung der Einrichtung eines ergänzenden Hilfesystems und eines Sachverständigengremiums sowie ständige Mitgliedschaft in diesem Gremium
  • Förderung von Vernetzung und Austausch
  • Vergabe von Forschungsaufträgen
  • Sensibilisierung der Gesellschaft zum Thema

Weitere Informationen zur Ernennung des Unabhängigen Beauftragten unter www.beauftragte-missbrauch.de.

Kontakt ab 01.12.2012:
Unabhängiger Beauftragter für
Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs
11018 Berlin
Fax: 030 / 18 555 4 15 51
E-Mail: kontakt@ubskm.bund.de
Internet: www.beauftragter-missbrauch.de

Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ vom 23.11.2011

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„So helfen Sie sexuell missbrauchten Kindern“ am 09.01. in Hamburg

Posted on November 20, 2011. Filed under: Fortbildung, Gesundheit, Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: |

Schatten aus der Vergangenheit: So helfen Sie sexuell missbrauchten Kindern“ lautet der Titel des Fortbildungsabends, den Diplom-Sozialpädagogin Simone Bauer vom Verein Dunkelziffer e.V. am Montag, den 09.01.2012 für die PFIFF gGmbH Hamburg vor Pflegeeltern halten wird:

Wenn Erwachsene von sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen erfahren, wissen sie häufig nicht, wie sie mit dieser schlimmen Nachricht richtig umgehen sollen. Eine eigene Auseinandersetzung mit dem Thema und die Sensibilisierung für mögliche Auffälligkeiten sind eine wichtige Grundlage, um sicher handeln zu können.

Zu Beginn des Abends geht es um den Begriff des sexuellen Missbrauchs an Kindern in Abgrenzung zu anderen Formen sexueller  Grenzüberschreitung, um aktuelle Zahlen, Symptome und Kenntnisse über Opfer-Täterdynamik.

Weiteres Thema: Welche Hilfe und Unterstützung benötigen Kinder, die sexuell missbraucht wurden, und welche Schritte sind bei einem Verdacht notwendig?

Abschließend werden präventive Erziehungshaltungen sowie eine Reihe von Präventionsmaterialien vorgestellt.

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Studie zeigt deutlichen Rückgang bei Fällen sexueller Gewalt

Posted on Oktober 27, 2011. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , |

Um Kinder und Jugendliche besser vor sexualisierter Gewalt zu schützen, bedarf es aktueller, wissenschaftlich gesicherter Erkenntnisse zum Thema Missbrauch. Dies ist eine wichtige Erkenntnis, zu der der Runde Tisch „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen sowie im familiären Bereich“ der Bundesregierung gelangt ist. Die bisher einzige deutsche repräsentative Befragung zu diesem Thema stammt jedoch aus dem Jahre 1992. Aus diesem Grund fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) seit letztem Herbst eine Aktualisierung und vor allem Erweiterung der Studie. Befragt wurden rund 11.500 Personen im Alter von 16 bis 40 Jahren. 1992 waren es 3.300 Teilnehmer. Die aktuelle Befragung schließt auch die größten Migrantengruppen mit ein.

„Die Erkenntnisse und Daten werden uns dabei helfen zu beurteilen, welche Strukturen den sexuellen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen begünstigen und wie wir Kinder besser schützen können“, betonte Bundesbildungsministerin Annette Schavan am 18. Oktober in Berlin. Hier stellte sie zusammen mit Christian Pfeiffer, Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN), erste Ergebnisse der Dunkelfeldstudie vor, die Ende 2013 komplett abgeschlossen sein wird. Das KFN realisierte die Befragung – wie schon die Untersuchung von 1992.

„Im Vergleich zu der Situation vor fast 20 Jahren ist ein deutlicher Rückgang bei Fällen sexueller Gewalt an Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen“, betonte Schavan. Der Rückgang betreffe vor allem den sexuellen Missbrauch innerhalb der Familie. Zur Erklärung verweist Christian Pfeiffer unter anderem darauf, dass die Anzeigebereitschaft der Opfer deutlich gestiegen sei. „Während in den 80er Jahren im Durchschnitt nur etwa jeder zwölfte Täter damit rechnen musste, dass er zur Verantwortung gezogen wird, trifft es heute jeden dritten.“ Ministerin Schavan: „Die öffentliche Debatte über dieses Thema, auch im Rahmen des Runden Tisches der Bundesregierung, wird Betroffene weiter darin bestärken, solche Taten anzuzeigen.“

„Wir schaffen eine größere Forschungslandschaft in diesem Bereich, deren Ergebnisse in die Praxis einfließen werden. Das trägt zu einer weiteren Enttabuisierung des Themas in allen gesellschaftlichen Bereichen bei. So machen wir wichtige Schritte auf dem Weg zu einer Kultur des Hinsehens“, sagte Schavan. Das BMBF hat 30 Millionen Euro für die Forschung zu Missbrauch und sexualisierter Gewalt zur Verfügung gestellt. In einem Forschungsnetz sollen die besten Wissenschaftler aus der medizinischen, psychologischen und sozialwissenschaftlichen Forschung zusammenarbeiten. „Ziel ist die Entwicklung von Maßnahmen für eine bessere Prävention von Gewalt an Kindern und für eine wirksame Therapie von Betroffenen“, bekräftigte die Ministerin.
Die Einrichtung von Juniorprofessuren und Forschungsprojekten soll das Themenfeld in der Wissenschaft etablieren. Nur wenn es gelingt, das Thema in den Hochschulen zu verankern, kann mit einer nachhaltigen wissenschaftlichen Auseinandersetzung gerechnet werden.
Ausschreibungen in der Gesundheits- und Bildungsforschung wurden bereits bekannt gegeben. Viele Skizzen, Ideen und Anträge haben das Bundesministerium daraufhin erreicht. Diese wurden von Experten begutachtet und werden in großem Umfang gefördert. So wird zum Beispiel die Erforschung von Therapiemöglichkeiten zur Stabilisierung der psychischen Gesundheit von Betroffenen von sexueller Gewalt finanziell vom BMBF unterstützt. Zudem entwickelt das BMBF Empfehlungen für die Aus- und Fortbildung zum Umgang mit Missbrauchsfällen.

Weitere Informationen

Quelle: Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom 18.10.2011

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Kabinett beschließt Aktionsplan 2011 zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung

Posted on September 28, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Das Bundeskabinett hat am 27.09. den von der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder, vorgelegten Aktionsplan 2011 zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung beschlossen.

„Die schrecklichen Missbrauchsfälle in Institutionen und in Familien zeigen: Wir müssen unsere Anstrengungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen auf allen gesellschaftlichen und politischen Ebenen noch weiter steigern“, sagte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. „Der Aktionsplan 2011 bringt uns ein wichtiges Stück näher an das Ziel, Kindern eine sichere, von Vertrauen und Schutz geprägte Umgebung zu schaffen, in der sie unbeschwert aufwachsen können.“

In diesem Sinne soll mit dem Aktionsplan 2011 der Bundesregierung zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt und Ausbeutung das Engagement nochmals intensiviert werden. Der Aktionsplan 2011 entwickelt wichtige Ansätze zum Schutz von Mädchen und Jungen weiter und führt bereits erprobte Ansätze in einem Gesamtkonzept zusammen. Dabei werden unter anderem Empfehlungen umgesetzt, die in den vergangenen Jahren auf internationaler wie auf nationaler Ebene erarbeitet wurden – insbesondere durch den „Runden Tisch Sexueller Kindesmissbrauch“ und die „Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs“, Bundesministerin a. D. Christine Bergmann.

Der Aktionsplan nimmt auf sieben Handlungsfelder Bezug:

  • Prävention
  • Intervention
  • Digitale Kommunikationsnetze
  • Handel mit Kindern zum Zweck sexueller Ausbeutung
  • Tourismus
  • Wissen und Forschung
  • Internationale Zusammenarbeit

Ein wichtiger Schwerpunkt sind die Vorhaben zur Vorbeugung und Verhinderung sexueller Gewalt. Hierbei sollen Fachkräfte durch eine bundesweite Fortbildungsoffensive umfassend informiert, Eltern noch weiter sensibilisiert sowie Kinder und Jugendliche gezielt gegen Gefahren gestärkt werden.

Darüber hinaus gilt ein besonderes Augenmerk der kontinuierlichen Qualitätsentwicklung in allen Bereichen der Kinder- und Jugendhilfe. Hier nimmt das im März vom Bundeskabinett beschlossene Bundeskinderschutzgesetz entscheidende Weichenstellungen vor, indem es Standards zur Sicherung der Rechte von Kindern und Jugendlichen in Einrichtungen setzt. Dazu gehört das erweiterte Führungszeugnis für hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der öffentlichen Jugendhilfe. Das Bundeskinderschutzgesetz soll im Januar 2012 in Kraft treten.

Die Inhalte und Maßnahmen des Aktionsplans 2011 wurden in enger Zusammenarbeit mit Verbänden, Nichtregierungsorganisationen und unter aktiver Einbindung von Kindern und Jugendlichen erarbeitet. Eine Bund-Länder-Arbeitsgruppe soll im Rahmen eines Monitoring-Verfahrens kontinuierlich prüfen, inwieweit die gesetzten Ziele realisiert werden. Für Bundesfamilienministerin Schröder betont deshalb: „Die praktische Umsetzung des Aktionsplans ist eine gesamtgesellschaftliche Verantwortung. Nur wenn alle Bevölkerungsgruppen – Eltern, Experten, Medien, Wirtschaft und Zivilgesellschaft – mithelfen, können Mädchen und Jungen vor sexueller Gewalt wirksam geschützt werden und Betroffene die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.“

Weitere Informationen finden Sie unter: www.bmfsfj.de.

Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ vom 27.09.2011

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Familienausschuss beschließt Antrag auf Entschädigung misshandelter Heimkinder

Posted on Juli 11, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Berlin: (hib/AW) Kinder und Jugendliche, die während einer kommunalen oder kirchlichen Heimerziehung zwischen 1949 und 1975 zu Opfern von Unrecht und Misshandlungen geworden sind, sollen entschädigt werden. Der Familienausschuss beschloss den entsprechenden überfraktionellen Antrag der CDU/CSU, SPD, FDP und von Bündnis 90/Die Grünen (17/6143) in seiner Sitzung am Mittwoch mit den Stimmen der antragstellenden Fraktionen gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke. Der Antrag der Linksfraktion (17/6093) wurde mit den Stimmen der anderen Fraktionen abgelehnt. Der Bundestag wird in seiner Sitzung am Donnerstag abschließend über beide Anträge beraten und gemäß der Beschlussempfehlung voraussichtlich den fraktionsübergreifenden Antrag annehmen.

Nach dem Willen von Union, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen soll die Bundesregierung in Abstimmung mit den Bundesländern und den Kirchen zeitnah Regelungen zur Entschädigung gemäß der Empfehlungen des Runden Tischs ”Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ ausarbeiten und dem Bundestag vorlegen. Neben der Entschädigung, die nicht auf Renten und andere Sozialleistungen angerechnet werden soll, fordern die vier Fraktionen eine bessere Prävention vor weiteren Misshandlungen und die Einrichtung regionaler Anlauf- und Beratungsstellen.
Die Entschädigung westdeutscher Heimkinder soll über einen bundesweiten Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro finanziert werden. Der Bund, die alten Länder und die Kirchen sollen dafür jeweils 40 Millionen Euro bereitstellen. Die Entschädigung von misshandelten Kindern und Jugendlichen aus Heimen der DDR soll nach dem gleichen Modell und nach den gleichen Maßstäben erfolgen.

Die antragstellenden Fraktionen wiesen in der Sitzung des Familienausschusses darauf hin, dass sich ihr Antrag eng an den Empfehlungen des Rundes Tischs zur Heimerziehung orientiere. Dieser habe sich zwar nur mit Misshandlungen und Unrecht in westdeutschen Heimen befasst, allerdings sei es auch in DDR-Heimen zu Misshandlungen gekommen. Deshalb habe die Entschädigung nach den gleichen Kriterien zu erfolgen.
Die Linksfraktion hingegen kritisierte, der überfraktionelle Antrag ignoriere wesentliche Empfehlungen des Runden Tischs und nenne keine konkreten Zahlen zur individuellen Entschädigung der Opfer. Sie fordert in ihrem Antrag vor allem, dass die Entschädigung über ein Gesetz zu regeln sei.

Für die Bundesregierung begrüßte Staatssekretär Josef Hecken aus dem Familienministerium den Antrag. Er kündigte an, dass die Gespräche zwischen der Regierung, den Ländern und den Kirchen vor dem Abschluss stünden. Bis Anfang nächsten Jahres werde man die Regelungen über die Entschädigung getroffen habe. Zeitgleich werde die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen, der die Nichtanrechnung der Entschädigung auf Sozialleistungen garantiere.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 284 vom 06.07.2011

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Minderjährigen Opfern sexueller Gewalt Mehrfachvernehmungen ersparen

Posted on Juni 28, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Rechtliches | Schlagwörter: , |

Berlin: (hib/BOB) Opfern von sexueller Gewalt sollen Mehrfachvernehmungen – etwa durch Polizei, Staatsanwaltsschaft, Gutachter sowie die eigentliche Hauptverhandlung – erspart bleiben. Wie aus einem Gesetzentwurf der Bundesregierung (17/6261) weiter hervorgeht, könnten gerade minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs es als ”äußerst belastend und qualvoll empfinden“, wenn sie auf diese Weise eine emotional und oft auch intellektuell anstrengende Aussage in der ungewohnten Umgebung des Strafverfahrens mehrmals und möglicherweise in größeren zeitlichen Abständen wiederholen müssten. Das geltende Recht sehe unter bestimmten Umständen die Ersparung von Mehrfachvernehmungen für Kinder und Jugendlichen bereits vor. Zukünftig sollten sie auch für erwachsene Zeugen gelten, sofern bestimmte Straftaten gemeint seien und er oder sie zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahren waren. Die Initiative sieht weiter vor, dass ein Opferanwalt auch für Erwachsene gestellt werden kann. Nötig sei dies, wenn der Missbrauch oder die Misshandlung schon längere Zeit zurückliege und das Opfer zum Zeitpunkt der Ermittlungs- oder Strafverfahrens bereits über 18 Jahre war.

Der Gesetzentwurf sieht weiterhin vor, die Verjährungsfrist für Schadenersatzansprüche, die auf einer vorsätzlichen Verletzung beispielsweise des Lebens und der sexuellen Selbstbestimmung beruhen, auf 30 Jahre zu erhöhen. Zur Begründung schreibt die Bundesregierung, die dreijährige Regelverjährung habe sich als zu kurz erwiesen, um Ansprüche wirksam durchzusetzen. Die Geschädigten oder die Hinterbliebenen seien oft nicht in der Lage, innerhalb der gesetzlichen Frist (drei Jahre) ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Entwurf greift nach Darstellung der Bundesregierung die an den Gesetzgeber gerichteten Empfehlungen des Runden Tisches ”Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtung und im familiären Bereich“ auf.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 265 vom 28.06.2011

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Tatsächliche Entschädigung für Heimkinder bleibt schwierig

Posted on Juni 27, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Berlin: (hib/SKE) Sachverständige haben das Bemühen des Bundestages um eine Entschädigung misshandelter Heimkinder in den 1940er bis 1970er Jahren gewürdigt. In der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Montag Nachmittag benannten sie aber wesentliche Punkte, die sie weiter für klärungsbedürftig halten. Grundlage waren ein Antrag der Fraktionen von Union, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen (17/6143) und ein Antrag der Fraktion Die Linke (17/6093). Beide Anträge greifen Ergebnisse des vom Bundestag eingerichteten Runden Tisches ”Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren auf“. Der Tisch hatte sich mit der Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in westdeutschen Heimen beschäftigt.

Christian Schrapper, Professor am Institut für Pädagogik der Universität Koblenz-Landau, sagte, es gelte ”Wissen zu erzeugen“, sowohl Betroffenen als auch Verantwortlichen ”eine Stimme zu geben“ und ”öffentliche Orte der Erinnerung“ zu schaffen. ”Ich halte nichts von einer bundesweiten Gedenkstätte“, sagte Schrapper. Die Handlungsweisen in den Kinder- und Jugendheimen seien regional unterschiedlich gewesen. Es sei daher sinnvoller, regionale Gedenkstätten zu schaffen.

Dr. Friederike Wapler, Rechtswissenschaftlerin der Universität Göttingen, benannte die Problematik der finanziellen Entschädigung. Der Runde Tisch hatte finanzielle Hilfen für die Betroffenen empfohlen. Eine pauschalisierte Entschädigung für alle Heimkinder, wie sie die Linksfraktion empfehle, werfe das Problem auf, dass alle Heime auf die gleiche Stufe gestellt würden. Bei einer individuellen Entschädigung, bei der jeder einzelne sein Leid nachweisen müsse, würden wiederum viele vor das Problem der Verjährung gestellt. Eine sogenannte Folgenlösung, wie sie der Runde Tisch nahelege, konzentriere sich auf Schäden der Opfer, die heute noch nachzuweisen seien. Dieses Vorgehen habe den Vorteil, dass Opfer ihr individuelles Leid nicht bis ins Detail nachweisen müssten. Wapler kritisierte aber eine aus ihrer Sicht mangelnde Abstimmung mit dem Runden Tisch ”Sexueller Missbrauch“. Die Gleichbehandlung beider Opfergruppen im Hinblick auf materielle Anerkennung müsse gewährleistet werden. Es sei außerdem empfehlenswert, die Zahl der Jahre, in denen Kinder misshandelt worden seien, nicht künstlich zu begrenzen. Zwar habe es in den 1970er Jahren einen Umbruch in der Erziehung der Heimkinder gegeben. Eine Misshandlung sei aber auch in den 1980er Jahren möglich gewesen und müsse ebenfalls entschädigt werden.

Dr. Hans-Siegfried Wiegand lobte insbesondere den Antrag der Linksfraktion, der eine pauschale Entschädigung der Opfer vorsieht. ”Ich möchte davon ausgehen, dass dies kein politisches Strohfeuer ist“, sagte er mahnend. ”Es wäre verantwortungslos, bei uns Hoffnungen zu wecken, die unerfüllbar sind.“

Ralf Weber, Vertreter des Opferbeirates des Geschlossenen Jugendwerkshofes Torgau in der ehemaligen DDR, lobte das Ansinnen des Bundestages, auch Heimkinder aus der DDR zu entschädigen. Er empfahl den Abgeordneten, den Kreis der Betroffenen bis 1990 auszudehnen. In der DDR sei das Unrecht nicht in den 70er Jahren zu Ende gewesen. Weber bezeichnete eine monatliche Rente von 150 Euro als Grundleistung für angemessen. In Torgau seien die Kinder und Jugendlichen noch schlimmer drangsaliert worden als in anderen Heimen. Nach seiner Ankunft habe er, wie alle anderen auch, stundenlang nackt auf dem Flur stehen müssen. Der Direktor habe ihn zu einem sechsstündigen Strafsport-Programm gezwungen, nach dessen Ende seine Kleidung komplett blutverschmiert gewesen sei. Mädchen, die ihre Periode hatten, seien gezwungen gewesen, sich vor den Augen der männlichen Erzieher Tampons einzuführen. ”Es hat mein Leben über 20 Jahre beeinflusst, ich kenne Leute, die haben sich bis heute nicht erholt“, so Weber.

Norbert Struck vom Paritätischen Gesamtverband sagte, der Verband arbeite daran, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen und Strukturen zu schaffen, die den Missbrauch künftig schwerer machen. ”Eine zentrale Erfahrung der Opfer ist die Ohnmachtserfahrung“, sagte Struck. Wichtig sei das ”Herstellen von Öffentlichkeit“ und Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche zu finden, die den Betroffenen zur Seite stünden. Auch gelte es, den Grundsatz, Kinder seien gewaltfrei zu erziehen, und seine Konsequenzen noch stärker zu beachten und dafür Umgangsformen zu entwickeln.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 262 vom 27.06.2011

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Überfraktionelle Forderung nach Entschädigung von misshandelten Heimkindern

Posted on Juni 9, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik | Schlagwörter: , |

Berlin: (hib/AW) Kinder und Jugendliche, die während einer kommunalen oder kirchlichen Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland und der DDR zwischen 1949 und 1975 zu Opfern von Unrecht und Misshandlungen geworden sind, sollen entschädigt werden. Dies fordern die Fraktionen der CDU/CSU, SPD, FDP und von Bündnis 90/Die Grünen in einem gemeinsamen Antrag (17/6143). Die Bundesregierung soll in Abstimmung mit den betroffenen Bundesländern und den Kirchen zeitnah entsprechende Regelungen entwickeln und dem Bundestag vorlegen. Diese sollen sich an den Lösungsvorschlägen orientieren, die der Runde Tisch ”Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“, dessen Einrichtung der Bundestag im November 2008 einstimmig beschlossen und der am 19. Januar dieses Jahres dem Bundestagspräsidenten seine Empfehlungen überreicht hatte, orientieren. Dazu gehöre die finanzielle Entschädigung einzelner Opfer ohne Anrechnung auf Renten und Transferleistungen, die Prävention vor weiteren Misshandlungen und die Einrichtung regionaler Anlauf- und Beratungsstellen.

Die Entschädigung westdeutscher Heimkinder soll gemäß der Empfehlungen des Runden Tisches über einen bundesweiten Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro finanziert werden. Der Bund, die alten Bundesländer und die Kirchen sollen dafür jeweils 40 Millionen Euro bereitstellen. Die Entschädigung von Kindern, die in den Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen der DDR Unrecht erlitten hatten, soll nach den gleichen Maßstäben erfolgen.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 245 vom 09.06.2011

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Bergmann spricht sich für Entschädigung und mehr Hilfe für sexuell Missbrauchte aus

Posted on Juni 8, 2011. Filed under: Forschung, Kinderschutz, Politik | Schlagwörter: |

Berlin: (hib/AW) Die Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern in Deutschland steht erst am Anfang. Dies erklärte die Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Christine Bergmann, am Mittwoch vor dem Familienausschuss. Die frühere Bundesfamilienministerin war im März 2010 in das neu geschaffene Amt berufen worden, nachdem zahlreiche Fälle von sexuellem Kindsmissbrauch vor allem in kirchlichen Einrichtungen und in Schulen bekannt geworden waren. Zuggleich hatte die Bundesregierung einen Runden Tisch ”Sexueller Missbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ eingerichtet, dem Bergmann ebenfalls angehört. Sie unterrichtete den Familienausschuss über die wesentliche Inhalte ihres Abschlussberichtes, den sie am 24. Mai dieses Jahres veröffentlicht hat.

Nach Angaben Bergmanns gingen zwischen April 2010 und März 2011 rund 2.000 Briefe und 11.000 Telefonanrufe bei ihrer Anlaufstelle ein. Davon seien rund 4.500 von einem wissenschaftlichen Team ausgewertet worden. 63 Prozent der Briefe und Anrufe seien von Frauen gekommen, 37 Prozent von Männern. Das Durchschnittsalter der Personen habe bei 46 Jahren gelegen. Die jüngste Person sei sechs Jahre, die älteste 89 Jahre alt gewesen. Viele Menschen, die unter sexuellem Missbrauch gelitten hätten, erklärte Bergmann, würden erst nach vielen Jahren die Kraft aufbringen, sich mit dem Erlebten bewusst auseiander zu setzen.

In 52 Prozent der Fälle handelte es sich nach Angaben Bergmanns um Missbrauchsfälle innerhalb der Familie, in 32 Prozent um Missbrauch in Institutionen, neun Prozent der Missbrauchsfälle hätten im weiteren sozialen Umfeld stattgefunden und sieben Prozent entfielen auf Fremdtäter. In 87 Prozent der Fälle seien Männer als Täter angegeben worden, in sieben Prozent der Fälle Frauen und in sechs Prozent der Fälle sowohl Männer wie Frauen. Bergmann führte aus, dass Jungen vor allem in Institutionen unter sexuellem Missbrauch zu leiden gehabt hätten, Mädchen hingegen vor allem im familiären Umfeld.

Christine Bergmann präsentierte den Abgeordneten auch ihre Empfehlungen für immaterielle und materielle Hilfen für die betroffenen Menschen und warb für deren Umsetzung. So müssten beispielsweise die Kosten für traumatherapeutische Verfahren, Kreativ- und Körpertherapien von den Kassen übernommen werden. Zudem müsse die Aus- und Weiterbildung von Psychotherapeuten und Ärzten zur Behandlung von Missbrauchten ausgeweitet werden. Sie setzte sich auch für einen elternunabhängigen Rechtsanspruch von Kindern auf eine Beratung ein. Insgesamt müssten die vorhanden Beratungsangebote bundesweit ausgebaut und vernetzt werden. Bergmann sprach sich dafür aus, dass die Institutionen, in denen es zu Missbrauchsfällen gekommen sei, zu Entschädigungszahlungen herangezogen werden, die sich am gerichtlich erzielbaren Schmerzensgeld orientieren sollen. In Fällen, in denen der Täter nicht mehr belangt werden könne, müsse der Staat einspringen.
Von den Abgeordneten aller Fraktionen bekam Bergmann viel Lob für die von ihr geleistete Arbeit ausgesprochen. Einhellig wurde die Fortsetzung der Aufarbeitung und eine materielle wie immaterielle Hilfe für Geschädigte gefordert.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 236 vom 08.06.2011

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Gesetzentwurf: Opfern sexueller Gewalt mehr Zeit geben – Verjährungsfristen erhöhen

Posted on Mai 19, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Rechtliches | Schlagwörter: |

Berlin: (hib/BOB) Opfer sexueller Gewalt sollen nach Ansicht der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen mehr Zeit haben, eine eventuelle Traumatisierung durch die Tat zu verarbeiten. Mit einem Gesetzentwurf (17/5774) wollen deshalb die Abgeordneten die zivilrechtlichen Verjährungsfristen auf 30 Jahre erhöhen, wenn die Tat vorsätzlich ausgeübt wurde. Bislang seien es nur drei Jahre. Opfer sexueller Gewalt würden mehr Zeit erhalten, um Ansprüche auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz für Therapie- und Rehabilitationsbehandlungen zu stellen. Nach dem Willen der Grünen soll die zivil- bzw. strafrechtliche Verjährung aus familiären Gründen oder bei Ansprüchen wegen Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung erst nach Vollendung des 25. Lebensjahres einsetzen.

Zur Begründung schreibt die Fraktion unter anderem, bei Kindern, bei denen der sexuellen Missbrauch schon im frühen Kindesalter stattgefunden hat, würde allein eine Verjährungsfrist von dreißig Jahren nicht ausreichen. In solchen Fällen sei es von besonderer Bedeutung, dass die Verjährungsfrist erst nach der Vollendung des 25. Lebensjahres beginnen würde bzw. spätestens mit dem Ende der häuslichen Gemeinschaft, wenn das Opfer mit dem Täter in einer solchen lebt. Die Grünen verweisen darauf, Anfang 2010 seien Fälle des sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen aus den 1970-er und 1980-er Jahren bekannt geworden – ”nach Jahren und Jahrzehnten des Schweigens“. Dass die Fälle erst so viele Jahre später bundesweit ans Tageslicht gekommen seien, zeuge von der Schwere der Taten und der über viele Jahre wirkenden Traumatisierung.

Quelle: heute im bundestag Nr. 201 vom 18.05.2011

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13.000 registrierte Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern und Jugendlichen im Jahr 2009

Posted on Februar 4, 2011. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik | Schlagwörter: , |

Berlin: (hib/AW/AH) Für das Jahr 2009 weist die polizeiliche Kriminalstatistik circa 13.000 Fälle sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen aus. Dies teilt die Bundesregierung in ihrem Zwischenbericht des Runden Tisches ”Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen und im familiären Bereich“ (17/4265) mit. Wie viele Mädchen und Jungen aber tatsächlich unter sexuellem Missbrauch leiden, sei nicht bekannt, da die Kriminalstatistik nur jene Fälle registriere, die zur Anzeige gebracht worden sind. Allerdings geht die Regierung trotz des gestiegenen Bewusstseins in der Bevölkerung für Kindesmissbrauch von einer ”hohen Dunkelziffer“ sexueller Missbrauchsfälle aus.

Über 50 Prozent der Missbrauchsfälle fanden nach Angaben der Regierung im familiären Umfeld statt. Zunehmend mehr Missbräuche würden aber auch aus medizinisch-therapeutischen Abhängigkeitsverhältnissen und in Erziehungs-, Betreuungs- und Ausbildungsverhältnissen bekannt. Insgesamt seien Mädchen deutlich häufiger Opfer sexuellen Missbrauchs. Im Gegensatz zu Jungen würden sie auch deutlich häufiger den Missbrauch innerhalb der Familie erleiden müssen. Im überwiegenden Teil aller Missbrauchsfälle seien Männer die Täter. Allerdings würde nach Schätzungen rund ein Drittel aller Missbrauchsfälle nicht von Erwachsenen begangen.

Die Bundesregierung teilt in ihrer Unterrichtung mit, dass der Runde Tisch – er setzt sich zusammen aus 60 Vertretern von Kinder- und Opferschutzverbänden, Familienverbänden, Schul- und Internatsträgern, der Freien Wohlfahrtspflege, der beiden großen christlichen Kirchen, der Wissenschaft und des Rechtswesens sowie aus Bund, Ländern und Kommunen –, der sich am 23. April 2010 konstituierte, bis Ende 2011 einen Abschlussbericht vorlegen wird.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 043 vom 03.02.2011

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Familienministerium NRW stellt Ratgeber „Kindesmissbrauch. Erkennen – helfen – vorbeugen“ zur Verfügung

Posted on Januar 9, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Ein einfühlsamer und zugleich sehr praktischer Ratgeber zum Umgang mit Kindesmissbrauch kann ab jetzt beim nordrhein-westfälischen Familienministerium bestellt werden. Darauf wies Familienministerin Ute Schäfer hin. Das Ministerium hat das Buch „Kindesmissbrauch. Erkennen – helfen – vorbeugen“ von Prof. Dr. Günther Deegener angekauft und stellt es Interessenten kostenlos zur Verfügung. „Wir stellen diesen wertvollen Ratgeber zur Verfügung, weil er sehr konkret über Vorbeugung informiert“, sagte Familienministerin Ute Schäfer. „Auch wenn Kindesmissbrauch heute in der öffentlichen Debatte nicht mehr verschwiegen wird, so ist doch der Bedarf an sachlichem und wirklich hilfreichem Informationsmaterial zu Prävention und Hilfe groß. Dass Eltern und alle, die mit Kindern arbeiten, jetzt das Buch von Professor Deegener bei uns bestellen können, ist ganz praktischer Kinderschutz.“

Der Autor gilt bundesweit als einer der bedeutendsten Experten zum Thema Gewalt in der Familie. Er war langjährig als Psychologe und psychologischer Psychotherapeut an der Universitätsklinik in Homburg/Saar tätig und ist Vorsitzender des Kinderschutzbundes im Saarland.

In der aktuellen Neuauflage seines Buches gebe der Autor wichtige Hinweise darauf, wie Kinder in der Familie, in Einrichtungen und in der Freizeit vor Missbrauch geschützt werden könnten. Dabei gehe er sachlich und sensibel auf die Situation des Kindes und der Familie sowie auf die Strategien der Täter ein und beantworte rechtliche Fragen wie Anzeige und Strafverfolgung, so die Ministerin.

Der vom Deutschen Kinderschutzbund empfohlene Ratgeber ist im Beltz-Verlag erschienen. Das Taschenbuch kann unter der Veröffentlichungsnummer 2003 auf den Internetseiten des Ministeriums unter www.mfkjks.nrw.de (Menüpunkt Service) bestellt werden. Pro Bestellerin und Besteller wird nur ein Exemplar abgegeben.

Die Broschüre kann auch online eingesehen werden bei Google Books. (die Red.)

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Bundesjustizministerin will Rechte von Missbrauchsopfern stärken

Posted on November 30, 2010. Filed under: Fachkräfte, Kinder-/Jugendinfos, Politik, Rechtliches | Schlagwörter: |

Die Rechte von minderjährigen Opfern sexualisierter Gewalt sollen künftig deutlich gestärkt werden. Das sieht der Referentenentwurf eines Gesetzes vor, den Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger am Mittwoch, den 01.12. dem Plenum des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ vorstellen wird. Damit münden die bisherigen sehr konstruktiven Gespräche am Runden Tisch in konkrete Gesetzgebungsarbeit.

Der Referentenentwurf sieht zuvorderst eine deutliche Verlängerung der zivilrechtlichen Verjährungsfristen vor. „Betroffene sollen Ansprüche auf Schadenersatz und Schmerzensgeld künftig nicht mehr wie bislang nur drei, sondern 30 Jahre lang geltend machen können“, sagte die Bundesjustizministerin der „Passauer Neuen Presse“. Auch sollen Missbrauchsopfer künftig mehr Schutz und juristische Unterstützung in Ermittlungs- und Strafverfahren bekommen. Durch einen verstärkten Einsatz von Videotechnik sollen etwa Mehrfachvernehmungen der Betroffenen möglichst vermieden werden.

Gestärkt werden soll auch der juristische Beistand auf Staatskosten: Wer als Minderjähriger einem Sexualtäter zum Opfer gefallen ist, soll künftig auch dann einen Anwalt bezahlt bekommen können, wenn der Übergriff erst Jahre später ans Tageslicht kommt und der Betroffene inzwischen volljährig ist. Außerdem soll das Anrecht des Opfers auf richterliches Gehör gestärkt und die Qualifikationsanforderung an Jugendrichter und -staatsanwälte verbindlicher gefasst werden. Schließlich sollen Betroffene auf Wunsch besser informiert werden, wenn Täter aus der Haft entlassen werden oder Vollzugslockerungen bekommen.

Quelle: Mitteilung des Bundesministeriums der Justiz vom 29.11.2010

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Halbjahresbilanz: Über 8.000 Anrufe und Briefe bei der Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs

Posted on November 27, 2010. Filed under: Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen | Schlagwörter: |

Die Kampagne „Sprechen hilft“, die im September 2010 mit TV-Spots, Plakaten, Anzeigen und Infomaterialien in ganz Deutschland gestartet ist, zeigt ihre Wirkung. Die Zahl der Betroffenen, die sich bei der Anlaufstelle der Unabhängigen Beauftragten gemeldet haben, hat sich seitdem verdoppelt. Vor Kampagnenstart (April bis September 2010) erreichten die Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Dr. Christine Bergmann, Bundesministerin a. D., insgesamt 1.700 Anrufe und 800 Briefe. Seit September sind weitere 5.000 Anrufe und 700 Briefe hinzugekommen. Insgesamt haben sich im ersten Halbjahr seit Einrichtung der Anlaufstelle über 8.000 Betroffene an die Unabhängige Beauftragte gewendet.

„Wir freuen uns, dass wir mit unserer Kampagne so viele Menschen dazu bewegen konnten, auch nach vielen Jahren oder Jahrzehnten ihr Schweigen zu brechen“, sagte die Unabhängige Beauftragte bei der Vorstellung ihres zweiten Zwischenberichts in Berlin. „Die große Resonanz zeigt uns, dass der Bedarf an Anlauf- und Beratungsstellen für Betroffene von sexuellem Missbrauch weitaus größer ist als bisher angenommen.“

Während nach Start der Anlaufstelle vor allem von Missbrauchsfällen in Institutionen berichtet worden sei, würden jetzt immer mehr Fälle von Missbrauch im familiären Kontext berichtet. „Wir haben dabei mittlerweile signifikante Unterschiede in der Geschlechterverteilung“, so Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Universitätsklinikum Ulm, und verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitforschung der telefonischen Anlaufstelle. Seit Kampagnenstart hätten mehr Frauen als Männer angerufen, so Fegert bei der heutigen Vorstellung seiner Ergebnisse, waren bis zum Start der Kampagne beide Geschlechter etwa gleich stark vertreten, seien nun rund 60 Prozent der Anrufenden weiblich. Fortgeführt habe sich die Tendenz, dass Frauen vor allem von
Missbrauch im familiären Umfeld berichteten, Männer proportional häufiger von Missbrauch in Institutionen. Knapp die Hälfte der berichteten Missbrauchsfälle in Institutionen sei in katholischen Einrichtungen begangen worden.

Mehr als 90 Prozent der Betroffenen berichten von Taten, die nicht aktuell, sondern vor Jahren oder Jahrzehnten begangen wurden. Ebenso hoch ist der Prozentsatz derjenigen, die von mehrfachem oder wiederkehrendem Missbrauch erzählen. Seit Kampagnenstart rufen mehr junge Menschen an, auch Minderjährige. Das Durchschnittsalter ist von über 50 Jahren auf Mitte 40 gesunken. Der jüngste Anrufer war acht Jahre, die Älteste 81 Jahre alt. Außerdem melden sich seit Kampagnenstart nun auch mehr Betroffene aus den neuen Bundesländern. Ein weiteres Ergebnis der Kommentare von Anrufenden: Auf Wunsch hat die Unabhängige Beauftragte ein Gespräch zwischen Betroffenen und Mitgliedern des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch“ am 10. November 2010 initiiert und moderiert. An dem Gespräch nahmen auch die Bundesministerinnen Dr. Schröder, Leutheusser-Schnarrenberger und Prof. Dr. Schavan teil. Gehört wurden sechs Betroffene und zwei Angehörige in Vertretung ihrer Kinder. Die Betroffenen werteten das Gespräch als einen „ersten wichtigen Schritt“, dem weitere folgen müssten. Zwei von ihnen nahmen auch bei der heutigen Pressekonferenz der Unabhängigen Beauftragten teil:

„So unterschiedlich die Orte des Missbrauchs auch sind, das Gespräch am Runden Tisch hat gezeigt, dass die Mechanismen der Macht, mit denen der Missbrauch ausgeübt wird, überall gleich sind und die Schicksale der Betroffenen miteinander verbindet“, so Dr. Henning Stein, der in Vertretung für seinen behinderten Sohn am Gespräch mit dem Runden Tisch teilgenommen hatte. Es gehe hier nicht um wenige tragische Einzelfälle, so Dr. Stein weiter, es sei ein allgegenwärtiges soziales Phänomen, eine Epidemie, deren Ausmaß wir erst noch erfassen müssten. Gabriele Gawlich, die als Betroffene ebenfalls an dem Gespräch mit dem Runden Tisch teilgenommen hatte, betonte abschließend, „auch wenn ich mein ganz persönliches Schicksal erzählt habe, bin ich doch ein Beispiel von vielen Millionen in unserem Land. „Ich erwarte und fordere, dass der Dialog mit uns Betroffenen weitergeführt wird, dass wir weiter in die Gespräche und Entscheidungen am Runden Tisch einbezogen werden.“

Der Abschlussbericht der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs soll im April 2011 vorgelegt werden. Die nächste Sitzung des Runden Tisches findet am 1.12.2010 statt.

Quelle: Pressemitteilung der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 25.11.2010

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Broschüre für Mütter und Väter über den Schutz vor sexuellem Missbrauch

Posted on November 18, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Kinderschutz, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat in der Broschüre „Mutig fragen – besonnen handeln“ Informationen für Mütter und Väter zum sexuellen Missbrauch an Mädchen und Jungen heraus gegeben.

In 9 Kapiteln wird dargestellt, was sexueller Missbrauch ist, wer die Täter sind. Außerdem wird zwischen sexualisierter Gewalt an Mädchen und an Jungen unterschieden, geht es um Verhaltensweisen und Unterstützung im Fall des sexuellen Missbrauchs sowie darum, wie Mädchen und Jugend vor sexueller Gewalt geschützt werden können.

Sie finden die Broschüre zum Download unter http://www.bmfsfj.de.

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SPD fordert längere Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch von Kindern

Posted on November 11, 2010. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Anlässlich der ersten Beratung des SPD-Gesetzesentwurfs zur Verlängerung der straf- und zivilrechtlichen Verjährungsvorschriften bei sexuellem Missbrauch von Kindern und minderjährigen Schutzbefohlenen erklärt die rechtspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion Christine Lambrecht:

Die SPD-Bundestagsfraktion will mit dem Entwurf längere Verjährungsfristen bei sexuellem Missbrauch von Kindern einführen.

Wir helfen den Opfern, indem wir die Verjährungsfristen verlängern. Damit lösen wir ein auch von den Opferverbänden thematisiertes Hauptproblem.

Die strafrechtliche Verjährungsfrist beim sexuellen Missbrauch von Kindern und minderjährigen Schutzbefohlenen wollen wir auf 20 Jahre erhöhen. Dadurch werden sexuelle Missbrauchstaten einheitlich erst mit vollendetem achtunddreissigsten Lebensjahr des Opfers verjähren.

Die zivilrechtliche Verjährungsfrist wollen wir auf 30 Jahre erhöhen. Damit haben Opfer sexuellen Missbrauchs Gelegenheit, noch bis zur Vollendung ihres einundfünfzigsten Lebensjahres zivilrechtliche Ansprüche geltend zu machen.

Die bisherigen Verjährungsfristen machen es vielen Opfern unmöglich, die Täter juristisch zur Rechenschaft zu ziehen. Denn in Kinderjahren missbrauchte Opfer können so massiv traumatisiert sein, dass sie als Erwachsene erst nach Jahrzehnten in der Lage sind, ihr Schweigen zu brechen. Trauriger Beleg hierfür ist die mittlerweile grosse Zahl aktuell bekannt gewordener Missbrauchsfälle vor allem der sechziger, siebziger und achtziger Jahre in kirchlichen, aber auch in nicht konfessionell gebundenen Einrichtungen.

Viele Betroffene sind erst Jahrzehnte nach dem Missbrauch in der Lage, ihr Leiden und ihr Martyrium zur Sprache zu bringen. Dann aber sind die strafrechtlichen wie zivilrechtlichen Verjährungsfristen oftmals schon längst abgelaufen. Die Straftaten können dann nicht mehr verfolgt werden und die Opfer ihre Zivilrechtsansprüche nicht mehr geltend machen.

Quelle: Pressemitteilung der SPD Bundestagsfraktion vom 11.11.2010

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Bundesweite Fortbildungsoffensive des DGfPI 2010 – 2014 zur Stärkung der Handlungsfähigkeit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Kinder- und Jugendhilfe zur Verhinderung sexualisierter Gewalt

Posted on Oktober 6, 2010. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Fortbildung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke | Schlagwörter: , |

Das vom Bundesfamilienministerium mit 3 Mio. Euro geförderte Modellprojekt richtet sich sowohl an Fachkräfte (z.B. ErzieherInnen und PädagogInnen) und ehrenamtliche MitarbeiterInnen, die in (teil-)stationären Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe tätig sind als auch an die Leitungskräfte dieser Institutionen. Selbstverständlich berücksichtigt werden Einrichtungen für geistig und/oder körperlich behinderte Kinder und Jugendliche mit ihren spezifischen Bedürfnissen und einem besonders hohen Gefährdungspotential, Opfer sexualisierter Gewalt zu werden.

Die MitarbeiterInnen und die Einrichtungsleitungen werden umfassend zum Themenschwerpunkt sexualisierte Gewalt fortgebildet.

Ziele der Fortbildungsoffensive:

  • Nachhaltiger Schutz von Mädchen und Jungen vor sexualisierter Gewalt,
  • Umfassende Qualifizierung von Fachkräften der Kinder- und Jugendhilfe im gesamten Bundesgebiet,
  • Sicherstellung von institutionellen Bedingungen, die das Auftreten sexualisierter Gewalt erschweren,
  • Etablierung eines Beschwerdemanagements unter Einbindung von externen Fachberatungsstellen (für Kinder/Jugendliche und MitarbeiterInnen/Leitungsebene),
  • Institutionalisierung eines Kooperationsbündnisses zwischen Fachberatungsstellen und Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe,
  • Unterstützung bereits etablierter Fachberatungsstellen und Förderung der Vernetzung untereinander.

Durchgeführt wird dieses Modellprojekt von der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V.

Quelle: Pressemitteilung der der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung e.V. vom 01.10.2010

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„Umgang mit missbrauchten Pflegekindern“ am 30.10. in Oranienburg

Posted on Oktober 5, 2010. Filed under: Brandenburg, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Fortbildung, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: |

Zum „Umgang mit missbrauchten Pflegekindern“ informiert eine Fortbildung von Kinderleben in Kooperation mit dem Landkreis Oberhavel am 30.10. in der Zeit von 9 bis 16.30 Uhr.

Veranstaltungsort ist in der Alfred-Dechert-Str.1 in Oranienburg.

Nähere Auskünfte erteilt Frau Menzfeld, Telefon: (0 33 01) 6 01 – 4 48, E-Mail: Petra.Menzfeld@oberhavel.de

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Die Bundesministerinnen Dr. Kristina Schröder, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Prof. Dr. Annette Schavan planen Gespräche mit Betroffenen sexueller Gewalt

Posted on September 22, 2010. Filed under: Jugendhilfe, Politik, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Terminplanung des Runden Tisches bis zum Jahresende steht

Die Bundesministerinnen Dr. Kristina Schröder, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Prof. Dr. Annette Schavan suchen das Gespräch mit Betroffenen sexueller Gewalt. Im Rahmen der Arbeit des Runden Tisches „Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtungen im familiären Bereich“ werden sie gemeinsam mit den Teilnehmenden des Runden Tisches am 10. November 2010 mit Betroffenen sprechen. Das Gespräch wird gemeinsam mit der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs, Dr. Christine Bergmann, vorbereitet und durchgeführt. Ebenfalls noch im November werden die Bundesfamilienministerin Dr. Kristina Schröder und Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gemeinsam die „Gedenkstätte Geschlossener Jugendwerkhof Torgau“ besuchen. Dort informieren sich die beiden Ministerinnen über Missbrauchsfälle in Jugendwerkhöfen in der DDR.

„Die vielen Briefe und Mails, die ich von Betroffenen bekommen habe, geben mir eine kleine Vorstellung davon, wie unvorstellbar das Leid ist, das sie erfahren haben. Sie wurden als junge Menschen im Innersten gebrochen, an den Folgen tragen sie ihr ganzes Leben“, erklärt Dr. Kristina Schröder. „Ich möchte mit ihnen vertieft ins Gespräch kommen und gemeinsam mit ihnen darüber diskutieren, welche Forderungen und Anregungen sie in die Arbeit des Runden Tisches einbringen können“, so die Bundesfamilienministern.

„Vieles von diesem Leid wäre vermieden worden, wenn die Verantwortlichen in den betroffenen Institutionen rechtzeitig Polizei und Staatsanwaltschaft eingeschaltet hätten“, stellt  die Bundesministerin der Justiz Sabine Leutheusser-Schnarrenberger fest. „Mein erstes Ziel sind klare Leitlinien, damit Fälle sexueller Gewalt nicht mehr vertuscht und verharmlost werden. Außerdem dürfen die Ermittlungs- und Strafverfahren die mutmaßlichen Opfer nicht  unnötig belasten. Wir müssen daher darauf achten, sie in diesen Verfahren zu schonen und ihre Stellung zu stärken. Ich habe mir zum Ziel gesetzt, die Überlegungen dazu bis zum Jahresende abzuschließen.“

Die Bundesministerin für Bildung und Forschung, Annette Schavan, erklärte: „Ich bin zutiefst erschüttert über die sexuelle Gewalt gegen Kinder und Jugendlich und darüber, welchen Vertrauensbruch sie in jungen Jahren erlitten haben. Die Bundesregierung ist sich ihrer Verantwortung bewusst. Wir suchen den Kontakt zu den Betroffenen, weil wir erfahren möchten, welche Strukturen verändert werden müssen.“

Bereits am 30. September 2010 trifft sich der Runde Tisch zu seiner nächsten Sitzung. Er wird sich mit Ergebnissen der Arbeitsgruppe sowie dem Zwischenbericht der Unabhängigen Beauftragten befassen. Außerdem werden Betroffene von dem Kongress „Aus unserer Sicht“, der am 25. und 26. September 2010 in Berlin stattfindet, berichten. Organisatoren sind die Berliner Fachberatungsstellen Wildwasser e.V. und Tauwetter e.V. Die Teilnahme an dem Kongress ist auf Menschen beschränkt, die sexuelle Gewalt in Kindheit oder Jugend erleben mussten. Am 1. Dezember 2010 trifft sich der Runde Tisch dann erneut, um über den Zwischenbericht an die Bundesregierung zu beraten.

Am 24. März 2010 hatte die Bundesregierung die Einrichtung des Runden Tisches beschlossen. Ziel ist es, der gemeinsamen Verantwortung für einen verbesserten Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt gerecht zu werden. Seit der ersten Sitzung des Runden Tisches im April haben Arbeitsgruppen unter dem Vorsitz der Bundesministerinnen Dr. Kristina Schröder, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger und Prof. Dr. Annette Schavan getagt.

Weitere Informationen finden Sie unter www.rundertisch-missbrauch.de.

Quelle:  Pressemitteilung des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend vom 21.09.2010

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Fachtag „Zwischen Neugier und Grenzverletzung – Sexuell übergriffiges Verhalten unter Kindern“ am 23.09. in Hannover

Posted on August 14, 2010. Filed under: Fachkräfte, Fortbildung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Niedersachsen, Veranstaltungen | Schlagwörter: |

Am 23.09. findet in Hannover die Fachtagung „Zwischen Neugier und Grenzverletzung – Sexuell übergriffiges Verhalten unter Kindern – Ursachen und Folgen“ statt.

Sexuelle Übergriffe unter Kindern rücken mehr und mehr in den Blick psychologischer und pädagogischer Fachkräfte. Das gestiegene Problembewusstsein nicht nur in diesen Fachkreisen spiegelt sich in Fachartikeln und zunehmenden Anfragen in den Beratungsstellen wieder.

Dies hat Violetta, die Fachberatungsstelle gegen sexuellen Missbrauch an Mädchen und jungen Frauen aus Hannover zum Anlass genommen, zusammen mit der Deutsche Gesellschaft für Prävention und Intervention bei Kindesmisshandlung und -vernachlässigung (DGfPI), insbesondere die Altersgruppe der unter 14 jährigen (strafunmündigen) Mädchen und Jungen zu beleuchten.

Die Fachveranstaltung möchte professionelle Fachkräfte sensibilisieren und unterstützen, sexuell übergriffiges Verhalten frühzeitig wahrzunehmen und diesem wirksam Einhalt zu gebieten.

Die Vorträge und Arbeitsgruppen beleuchten Ursachen, Risikofaktoren und Folgen einerseits für die betroffenen andererseits für die sexuell grenzverletzenden Kinder. Unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede wird das Augenmerk auf eine fachlich angemessene Intervention gerichtet. Diese rückt die Arbeit mit den betroffenen und den übergriffigen Kindern und deren Eltern in den Mittelpunkt.

Es werden desweiteren ambulante und stationäre therapeutische Angebote, sowohl für betroffene als auch für sexuell grenzverletzende Mädchen und Jungen vorgestellt.

Die unterschiedlichen Schwerpunkte, die in den Referaten und Arbeitsgruppen behandelt werden, geben Anregungen für die praktische Arbeit, bieten Zeit und Raum zum fachlichen Austausch und geben einen guten Einblick in die Arbeitsbereiche anderer Professionen.

Anmeldung sind bis zum 13.09. erwünscht.

Veranstaltungsflyer

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NAKOS informiert zum Thema „Missbrauch“

Posted on Juli 28, 2010. Filed under: Jugendhilfe, Netzwerke, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Das Selbsthilfeportal der Nationalen Kontakt- und Informationsstelle zur Anregung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen www.nakos.de wird unter der Überschrift „Im Fokus“ in unregelmäßigen Abständen künftig aktuelle Themen aufgreifen und Hinweise, Informationen sowie Links aus dem Feld der Selbsthilfe anbieten.

Der erste Beitrag ist dem Thema Missbrauch gewidmet. Es wurden weiterführende Informationen zum Thema sexueller Missbrauch und Adressen von Ansprechpartnern und regionalen Selbsthilfeangeboten für Betroffene zusammen getragen:

http://www.nakos.de/site/grundlagen-und-erfahrungen/im-fokus/

Quelle: Nakos

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Rheinland-Pfalz: Jugendämter nehmen unverändert viele Kinder und Jugendliche in Obhut

Posted on Juli 26, 2010. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Rheinland-Pfalz | Schlagwörter: , , , , |

Im Jahr 2009 nahmen die rheinland-pfälzischen Jugendämter 877 Kinder und Jugendliche in Obhut. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, waren dies 353 (67,4 Prozent) mehr als noch im Jahr 2005. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Anzahl annähernd konstant.

Kinder und Jugendliche werden von den Jugendämtern kurzfristig in Obhut genommen, wenn sie sich in einer akuten – sie gefährdenden – Krisensituation befinden und raschen Schutz benötigen. Mehr als ein Viertel der Inobhutnahmen erfolgte auf eigenen Wunsch der Kinder und Jugendlichen. Bei den übrigen veranlassten andere Personen oder Stellen (zum Beispiel Polizei, Lehrer, Nachbarn, soziale Dienste) eine stunden- oder tageweise Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung.

Mehr als die Hälfte der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen war älter als 14 Jahre, 56 Prozent waren Mädchen. Neun Prozent der Inobhutnahmen erfolgten an jugendgefährdenden Orten. Im Jahr 2005 lag dieser Anteil noch bei rund 13 Prozent.

Überforderung der Eltern bzw. eines Elternteils war in etwa der Hälfte der Fälle Anlass für die Inobhutnahme. Vernachlässigung beziehungsweise Anzeichen für Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs waren in rund einem Drittel der Fälle ausschlaggebend. Weitere Auslöser stellten unter anderem Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten in der Schule, Straftaten oder Integrationsprobleme im Heim bzw. in der Pflegefamilie dar.

Im Vergleich zum Jahr 2005 nahmen die Interventionen der Jugendämter aus Anlass der Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen um 40 Prozent zu. Im Fokus des öffentlichen Interesses standen auch die Misshandlung oder der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Die Eingriffe der Jugendämter haben sich bei diesem Verdacht gegenüber dem Jahr 2005 um über 38 Prozent erhöht. Die unbegleitete Einreise aus dem Ausland spielte in der Vergangenheit kaum eine Rolle. Im Jahr 2009 wurden dagegen 45 Inobhutnahmen mit diesem Hintergrund gezählt.

Quelle: Pressemeldung des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz vom 22.07.2010

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Bereits über 1000 Anrufe und Briefe bei der Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung

Posted on Juni 18, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Stellungnahmen, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Seit April 2010 können sich Betroffene sexuellen Missbrauchs schriftlich und seit 28. Mai auch telefonisch unter der kostenfreien Rufnummer 0800-22 55 530 bei der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs melden.

„Sexueller Missbrauch ist kein Kavaliersdelikt“, so Dr. Bergmann, „das Ausmaß und die Massivität, mit der Kinder sexuelle Gewalt erleben, sind erschütternd. Dies muss gesellschaftlich geächtet werden. Tätertoleranz darf nicht länger vor Opferschutz stehen. Wir haben die Pflicht hinzusehen. Die telefonische Anlaufstelle stellt sich dem Anspruch, jedes einzelne Schicksal aufzunehmen, unabhängig davon, wo und in welcher Art der Missbrauch stattgefunden hat. Nur dadurch können wir die Strukturen und Strategien offen legen, die sexuellen Missbrauch möglich machen.“

Das Alter der bisherigen Anrufenden reicht von 17 bis 79 Jahre, das Durchschnittsalter liegt bei 50 Jahren. Bislang melden sich ebenso viele Frauen wie Männer. Unter ihnen auch Angehörige von Opfern, vor allem Mütter, deren Kinder sexuell missbraucht wurden, aber auch Täter, die in ihrer Kindheit zum Teil selbst Opfer sexuellen Missbrauchs geworden waren.

In zwei Drittel der bis jetzt berichteten Fälle hat der Missbrauch in Institutionen stattgefunden, davon rund die Hälfte in kirchlichen, vor allem katholischen Einrichtungen. Während Jungen häufiger in kirchlichen Einrichtungen missbraucht wurden, waren in therapeutischen Einrichtungen häufiger Mädchen von sexuellen Übergriffen betroffen. Etwa ein Drittel der Betroffenen berichten von sexuellem Missbrauch im familiären Umfeld oder im sozialen Nahbereich, wobei Frauen in ihrer Kindheit doppelt so häufig von Missbrauch in Familien betroffen waren wie Männer.

„Als Betroffener hat man lebenslänglich“
Fast 90 Prozent der Betroffenen geben außerdem an, dass sie Missbrauch wiederholt und/oder mehrfach erlebt haben. Betroffene haben „jahrelang gegen Wände geschrien“ oder wollten „diesen Klumpen“ loswerden, sind aber nicht gehört worden. Über 60 Prozent der Anrufenden haben sich noch nie jemandem anvertraut. Männer sprechen häufig von Ausbildungs- und Beziehungsabbrüchen, weil es ihnen nicht gelungen sei, Vertrauensbeziehungen aufzubauen. Frauen berichten, dass sie, solange sie familiäre Verpflichtungen hatten, gut funktioniert hätten, danach das Verdrängte aber plötzlich wieder an die Oberfläche gekommen sei.

Die Betroffenen fordern eine schonungslose Benennung der Täter und der Tat und eine Anerkennung des Unrechts. Jeder Hilfeschrei von Betroffenen, jede Erfahrung von Angehörigen helfe heute und in der Zukunft ein Kind vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Das Recht der Kinder auf Schutz vor sexuellem Missbrauch sei bereits gesetzlich festgeschrieben, so Dr. Bergmann, und müsse endlich auch im öffentlichen Bewusstsein verankert werden.

Betroffene finden deshalb bei der telefonischen Anlaufstelle nicht nur Gehör und bei Bedarf Unterstützung durch kompetente Fachkräfte, sondern nehmen darüber hinaus durch ihre Beiträge zentral an der öffentlichen Diskussion zum Thema sexueller Missbrauch teil. Sind die Betroffenen damit einverstanden, werden ihre Anliegen und Botschaften anonymisiert dokumentiert und fließen in die Empfehlungen und Vorschläge der Unabhängigen Beauftragten für materielle und immaterielle Hilfen an die Bundesregierung und den Runden Tisch ein.

Die Botschaften von Betroffenen sind als Zitate auf der Homepage veröffentlicht. Die Internetseite www.beauftragte-missbrauch.de bietet die Möglichkeit, sich ein Bild über den Fortgang der Diskussion zum sexuellen Missbrauch aus Sicht der Betroffenen und der Gesellschaft zu machen.

Wissenschaftlich begleitet wird die Dokumentation der Anrufe und ihre Auswertung von Prof. Dr. Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Klink für Kinder- und Jugendpsychiatrie/Psychotherapie des Universitätsklinikums Ulm, unterstützt wird sie durch einen wissenschaftlichen Beirat. Auch die schriftlichen Eingänge fließen in die Aufarbeitung des Themas durch die Unabhängige Beauftragte ein.

Quelle: Geschäftstelle der Unabhängigen Beauftragten zur Aufarbeitung des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 15.06.2010.

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Thüringen: Runder Tisch Kindesmisshandlung/ Kindesmissbrauch

Posted on Juni 15, 2010. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Thüringen | Schlagwörter: , , |

Die Thüringer Ministerin für Soziales, Familie und Gesundheit, Heike Taubert (SPD), hat am 08.06. in Erfurt die konstituierende Sitzung des „Arbeitskreises Kindesmisshandlung/Kindesmissbrauch in ehemaligen DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen“ geleitet.

Dazu waren Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, des Opfervereines „Weißer Ring“, des Thüringischen Landkreistages, des Gemeinde- und Städtebundes Thüringen, der LIGA der Freien Wohlfahrtspflege, des Innen-, Bildungs- und Justizministeriums sowie die Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen Hildigund Neubert, die Ärztin für Psychiatrie und Psychotherapie Dr. Ruth Ebbinghaus und die Jenaer Sozialwissenschaftlerin Prof. Birgit Bütow eingeladen.

Die Thüringer Sozialministerin sagte nach der zweistündigen Sitzung: „Das war ein guter Auftakt. Ein Ziel der Expertenrunde ist es, sich sachlich, differenziert und offen mit Kindesmisshandlung und Kindesmissbrauch in ehemaligen DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen auseinanderzusetzen. Dazu werden wir eine Arbeitsgruppe zum Themenfeld der Aufarbeitung bilden. Dort sollen zum einen Betroffene gehört werden und so die Möglichkeit bekommen, ihre persönliche Geschichte aufzuarbeiten. Daneben soll aber auch über eine mögliche historische Aufarbeitung beraten werden.

Eine weitere Arbeitsgruppe wird sich gezielt mit Möglichkeiten von Intervention und Prävention beschäftigen. Damit sollen in Zukunft schwerwiegende Fälle von Missbrauch und Misshandlung in Heimen, aber auch in Familien möglichst vermieden werden. Hierzu gab es seitens der beteiligten Institutionen bereits Vorschläge und auch Erfahrungen, die diskutiert, gebündelt und transportiert werden müssen.“

Taubert ermutigte die Opfer, ihre Geschichte zu erzählen. „Viele haben lange schweigen müssen, meist aus Scham und Angst. Ich hoffe, dass die Opfer von Missbrauch und Misshandlung jetzt ihre Stimme wiederfinden und sich vertrauensvoll an das Landesjugendamt im Thüringer Sozialministerium wenden. Wer über die schlimmen Erlebnisse in Kindheit und Jugend reden will, findet hier ein offenes Ohr. Zudem werden wir versuchen, konkrete Hilfe zu vermitteln – etwa erfahrene Psychologen bzw. Psychotherapeuten.“

Im November soll der „Arbeitskreises Kindesmisshandlung/Kindesmissbrauch in ehemaligen DDR-Kinderheimen und Jugendwerkhöfen“ wieder tagen. In der Zwischenzeit sollen direkt nach der Sommerpause die zwei Arbeitsgruppen tätig werden.

Als Anhang noch die derzeitigen Erkenntnisse des Landesjugendamtes zur Situation in der ehemaligen DDR:

1990 gab es nach unserer Kenntnis auf dem Territorium des jetzigen Freistaats Thüringen
– 79 Kinderheime
– 6 Spezialkinderheime
– 8 Jugendwerkhöfe und
– 3 Durchgangsheime.

Insgesamt gab es also zu diesem Zeitpunkt 96 Einrichtungen der Jugendhilfe. Davon sind 5 Einrichtungen in Trägerschaft der katholischen Kirche bekannt.

Die Daten (Stichtag 8. Juni 2010) beruhen auf der Zusammenstellung der Rückmeldungen der Thüringer Jugendämter und haben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es gibt zu diesen Daten keine (bekannten) statistischen Erhebungen.

Eine Aussage zu den belegten Plätzen in 1990 kann nicht getroffen werden, da es auch hier keine nachvollziehbaren statistischen Erhebungen gibt.

2010 existieren im Freistaat Thüringen 140 (Haupt)Einrichtungen (mit ca. 457 Nebeneinrichtungen) der betriebserlaubnispflichtigen Einrichtungen der Erziehungshilfe. Diese Einrichtungen werden von 112 verschiedenen Trägern der Jugendhilfe betrieben.

In diesen betriebserlaubnispflichtigen Einrichtungen der Erziehungshilfe werden insgesamt ca. 3659 Plätze vorgehalten. Mit Stichtag 1. Dezember 2009 waren in den betriebserlaubnispflichtigen Einrichtungen der Erziehungshilfe ca. 3011 Kinder und Jugendliche untergebracht.

Quelle: Meldung des Landesjugendamtes Thüringen vom 09.06.2010

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DJI-Thema im Mai: Kindesvernachlässigung – ein unterschätztes Risiko?

Posted on Mai 13, 2010. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

Die medialen Schlaglichter richten sich bei Fragen der Kindeswohlgefährdung in erster Linie auf spektakuläre Fälle von körperlicher Mangelversorgung, Kindesmisshandlung oder sexueller Gewalt. Stark unterschätzt wird hingegen, welche auch langfristig bedeutsamen Folgen eine kontinuierliche kognitive, emotionale und erzieherische Vernachlässigung von Kindern haben kann. Das DJI nimmt diesen Problemkomplex in seinem Onlineschwerpunkt des Monats Mai werden in den Blick.

Diese Formen von Vernachlässigung sind nicht lebensbedrohlich, können Kinder jedoch langfristig erheblich schädigen. In erster Linie sind die betroffenen Kinder die Leidtragenden. Darüber hinaus entstehen aus volkswirtschaftlicher Sicht aufgrund des Unvermögens, der Vernachlässigung entschieden entgegen zu wirken, substanzielle Folgekosten. Finanziert werden müssen etwa notwendige Fördermaßnahmen wegen drohender oder vorliegender Entwicklungsverzögerungen, Schulschwierigkeiten und Integrationsproblemen am Arbeitsmarkt oder Behandlungen psychischer Störungen, die sich durch Vernachlässigung langfristig gehäuft entwickeln. In ihrem neuen Buch, das im Mai 2010 unter dem Titel „Kindesvernachlässigung“ erscheint, erläutern Dr. Heinz Kindler und Beate Galm (beide DJI) Formen, Folgen, Ursachen und Interventionsmöglichkeiten.

Aktuell kann nur geschätzt werden, ob Vernachlässigung im Hinblick auf Anzahl, Dynamik und Schweregrad bundesweit zu bzw. abnimmt. Denn Deutschland verzichtet bislang noch auf fundierte Erhebungen im Rahmen der Sozialberichterstattung. In der Kinder- und Jugendhilfestatistik werden Gefährdungslagen von Kindern, die der Jugendhilfe bekannt werden, bislang nicht differenziert erfasst, obwohl die Weltgesundheitsorganisation ein entsprechendes Monitoring mehrfach vorgeschlagen hat. Auf der Basis internationaler Erhebungen liegen die Schätzungen für Deutschland bei 20.000 bis 100.000 Fällen.

In der Praxis besteht die große Herausforderung für Fachkräfte nicht nur darin, stark belastete Familien frühzeitig zu erkennen, sondern vor allem über niedrigschwellige Zugänge einen vertrauensvollen, nachhaltigen Kontakt zu ihnen aufzubauen.
Dr. Susanne Nothhafft, Juristin am Informationszentrum Kindesmisshandlung/Kindesvernachlässigung (IzKK), das am Deutschen Jugendinstitut (DJI) vor zehn Jahren eingerichtet wurde, weist darauf hin, dass nicht jede Nachlässigkeit der Eltern den Staat automatisch berechtige, diese von der Pflege und Erziehung ihrer Kinder zu entheben. „Nur wenn die Eltern in einer das Kindeswohl gefährdenden Weise ihrer Verantwortung nicht gerecht werden oder werden können, greift das Wächteramt des Staates“, so Nothhafft weiter. Dessen Aufgabe sei es nicht, für eine den Fähigkeiten des Kindes bestmögliche Förderung oder Erziehung zu sorgen. Vielmehr gehörten aus juristischer Sicht „Eltern und deren sozioökonomische Verhältnisse zum ‚Lebensrisiko’ eines Kindes, zitiert Nothhafft die Rechtsprechung.

Umso wichtiger ist es, bundesweit einheitliche Qualitätsstandards im Kinderschutz weiter zu entwickeln und umzusetzen. Um aus problematischen Fällen zu lernen und Defizite im Kinderschutz zu identifizieren, wurde das Nationale Zentrum Frühe Hilfen (NZFH) beauftragt, ein Qualitätsentwicklungsprojekt unter dem Motto „Aus Fehlern lernen“ durchzuführen und eine Plattform für einen regelhaften Erfahrungsaustausch einzurichten. Das DJI und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind Träger des NZFH, das im März 2007 im Rahmen des Aktionsprogramms des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Frühe Hilfen für Eltern und Kinder und soziale Frühwarnsysteme“ gegründet wurde. Christine Gerber (DJI) plädiert im Gespräch mit DJI Online für die Entwicklung einer echten Fehlerkultur und für ein Umdenken bezüglich der Fehleranalyse: Es gehe nicht darum, Schuldige zu identifizieren, sondern die systemischen Gründe für das Entstehen des Fehlers zu finden – wie die Missachtung des Vier-Augen-Prinzips oder der Inaugenscheinnahme des Kindes sowie mangelhafte Dokumentation und Brüche in der Kommunikationskette.

Weitere Informationen:

http://www.dji.de/thema/1005
http://www.dji.de/gespraeche/1005

Quelle: Deutsches Jugendinstitut vom 07.05.2010

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Buch-Tipp: „Hände weg von Han Schu“

Posted on April 9, 2010. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Kinder-/Jugendinfos, Pflegefamilie, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Der Bundesverein zur Prävention von sexuellem Missbrauch an Mädchen und Jungen e.V. hat mit dem Hörbuch „Hände weg von Han Schu“ von Britta Vollmer eine gute Information für Mädchen und Jungen ab sechs Jahre zum Thema Thema „Grenzverletzungen, Übergriffe und sexueller Missbrauch – Risiken und Prävention“ herausgebracht. Ergänzt wird das Hörbuch durch ein Bilderbuch und didaktische Begleitmaterialien.

Zielgruppen dieser kombinierten Medien sind Schulen, Familien, Kinder- und Jugendarbeit, Anlauf- und Beratungsstellen und Therapieeinrichtungen.

nähere Informationen

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Skepsis gegenüber der Pflicht zum Hausbesuch

Posted on Mai 26, 2009. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: , , , |

Den Plan der Bundesregierung, in einem neuen Kinderschutzgesetz (16/12429) Haubesuche des Jugendamtes bei gefährdeten Familien gesetzlich vorzuschreiben, stößt bei Experten auf Kritik. In einer öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Montagnachmittag überwog bei den Sachverständigen außerdem Skepsis gegenüber dem Plan einer verpflichtenden Informationsweitergabe durch Berufsgeheimnisträger wie Ärzte, aber auch Lehrer, Erzieher oder Bademeister.

Henriette Katzenstein vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) sagte, das Gesetz schaffe bei den Informationspflichten eher Verwirrung als Klarheit. Schon die Reihenfolge von eigener fachlicher Einschätzung, Erörterung der Situation mit den Betroffenen, Hilfsangeboten und Informationsübermittlung erscheine vollkommen unklar. „Vor allem aber sind die erforderlichen Aufgabenstellungen und Ressourcen bei den einzelnen Berufsgruppen nicht vorhanden“, begründete Katzenstein ihre ablehnende Haltung. Sie fügte hinzu, dass „die breite Gruppe von Personen, die hier adressiert wird, vielfach gar nicht dafür qualifiziert ist, Anhaltspunkte für Kindeswohlgefährdung zu erkennen und fachlich einzuschätzen“. Die Pflicht, Eltern über „Erkenntnisse“ von Kindeswohlgefährdung zu informieren, würde in vielen Fällen „wertvolles Porzellan“ zerschlagen, warnte Katzenstein. Jörg Fegert, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universitätsklinik in Ulm, wies darauf hin, dass grundsätzlich Vertrauensverhältnisse nicht konterkariert werden dürften: „Kindern und Jugendlichen muss es möglich bleiben, mit Vertrauenspersonen ihre Probleme zu besprechen ohne dass, quasi in einem Automatismus, Eltern informiert und Behörden einbezogen werden.“

Zum Thema Hausbesuche merkte Christine Keil, Bezirksstadträtin des Bezirksamtes Berlin-Pankow an: „In bestimmten Gefährdungssituationen sind Hausbesuche unbedingt nötig.“ Jedoch sei eine bundesweite Regelverpflichtung zum Hausbesuch unverhältnismäßig überregulierend und mit der Methodik der Kinder- und Jugendhilfe unvereinbar. Dies werde der komplexen Vielfalt möglicher Gefährdungssituationen nicht gerecht, fügte Keil an. „Denn insbesondere bei sexuellem Missbrauch oder psychischer Misshandlung sind Hausbesuche zur Gefährdungseinschätzung nicht geeignet.“ Sinnvoll seien aus ihrer Sicht vielmehr untergesetzliche fachliche Standards und Leitlinien. Christian Lüders vom Deutschen Jugendinstitut betonte, es gebe kein „Schema F“ für den Kinderschutz, denn es komme dabei sehr auf fachliche Details und den richtigen Zeitpunkt an. Insofern sei die zentrale Frage, was gesetzlich geregelt und was der fachlichen Praxis überlassen werden soll. Allerdings existierten in vielen Bereichen kaum belastbare Daten darüber, wo Änderungsbedarf bestehe. Hinsichtlich der Hausbesuche bemerkte Lüders: „Selbstverständlich kann ein Hausbesuch im Einzelfall wesentliche Erkenntnisse über den Schutz oder die Gefahr des Kindes bringen. Dabei gilt es allerdings, zunächst das Instrument des Hausbesuches auf seine Ergiebigkeit und seine kontraproduktiven Elemente andererseits sensibel zu reflektieren.“

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 153 vom 25.05.09

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Neue Website fördert Kooperation von öffentlicher Jugendhilfe und Strafjustiz bei Sexualdelikten gegen Kinder

Posted on Dezember 21, 2008. Filed under: Fachkräfte, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen, Rechtliches | Schlagwörter: |

Die Kriminologische Zentralstelle, eine Einrichtung des Bundes und der Länder im Bereich der Strafrechtspflege, hat im Kontext des Forschungsprojektes „Kooperation von öffentlicher Jugendhilfe und Strafjustiz bei Sexualdelikten gegen Kinder“ die Homepage www.netzwerk-kooperation.eu eröffnet.

Deren Ziel ist u.a. eine konzentrierte und systematische Zusammenstellung von Fachinformationen zu diversen Fragestellungen des Themenspektrums. So ist die Literaturdatenbank der Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ) mit der neuen Homepage verlinkt.

Quelle: Kriminologische Zentralstelle e.V.

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Ergebnisse der nationalen Fachkonferenz zur sexuellen Gewalt in Berlin

Posted on November 12, 2008. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Vom 16. bis 17. Oktober veranstalteten die Kinderschutz-Zentren im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in Berlin die nationale Fachkonferenz „Strategien zum Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexueller Gewalt – Eine Bestandsaufnahme der Situation in Deutschland“.

Im Rahmen dieser Veranstaltung erarbeiteten Teilnehmer(innen), Referent(inn)en und Moderator(inn)en im fachlichen Austausch Thesen und Forderungen. Diese werden von der deutschen Delegation beim 3. Weltkongress gegen kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Heranwachsenden in Brasilien eingebracht werden.


Es gab bei der Fachkonferenz eine Übereinstimmung, dass Hilfen im Bereich der sexuellen Gewalt mit mehr Finanzmitteln ausgestattet werden sollten: sowohl Hilfen für Betroffene sexueller Gewalt als auch präventive Maßnahmen für potentiell sexuell Übergriffige. Zudem ist eine Qualifizierung von Mitarbeiter(inne)n in den spezialisierten Hilfeinstitutionen und von Multiplikatoren in anderen Einrichtungen der Jugendhilfe dringend notwendig.

Zusammenfassung der Thesen und Forderungen der nationalen Fachkonferenz

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Zypries: Prävention gegen Kindesmissbrauch bundesweit anpacken!

Posted on Oktober 2, 2008. Filed under: Adoptivfamilie, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Gesundheit, Kinderschutz, Pflegefamilie, Rechtliches | Schlagwörter: , |

Mit der Förderung des im Jahr 2004 an der Charité in Berlin initiierten „Präventionsprojekt Dunkelfeld“ setzt Bundesjustizministerin Brigitte Zypries auf erfolgreiche Präventionsarbeit als besten Opferschutz.

Ziel dieses seit 2008 vom Bundesministerium der Justiz finanziell geförderten Projekts ist es, Männern mit pädophiler Neigung präventive therapeutische Maßnahmen anzubieten, um einen sexuellen Missbrauch von Kindern zu verhindern.

„Es ist vor allem das Schicksal betroffener Kinder, das ganz entschieden für ein solches Projekt spricht. Aus der kriminologischen Forschung und Praxis wissen wir, welch traumatisierende und lang anhaltende Auswirkungen sexueller Kindesmissbrauch auf die Betroffenen hat. Wir müssen deshalb alles tun, um solche Taten zu verhindern“, sagte Zypries.

Eine Fortführung des Projekts in den Jahren 2008 bis 2010 ist nur möglich, weil sich das Bundesjustizministerium mit Unterstützung des Deutschen Bundestages als zusätzlicher Geldgeber zur Verfügung gestellt hat.

Gesamte Pressemeldung des BJM vom 01.10.08

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Hamburg: Erste Studie zu Misshandlung, Vernachlässigung und Missbrauch von Kindern in Hamburg vorgestellt

Posted on Mai 22, 2008. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Gesundheit, Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Ziel der in großen Teilen vom Verein „Hamburg macht Kinder gesund“ geförderten Studie am Kinder-Kompetenzzentrum war es, alle Verdachtsmeldungen im Zeitraum von einem Jahr zu überprüfen und wissenschaftlich auszuwerten. Erkenntnisse aus dieser Studie sollen etwa dabei helfen, mögliche Risikofaktoren auszumachen, um Kinder künftig frühzeitiger und besser vor Gewalt und Misshandlung schützen zu können. Insgesamt wurden von März 2007 bis Februar 2008 172 Kinder im Alter von fünf Monaten bis 14 Jahren mit Verdacht auf körperlichen oder seelischen Missbrauch untersucht; bei mehr bei als der Hälfte bestätigte sich der Verdacht.

Pressemitteilung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf vom 22. Mai 2008

Ergebnisse der Studie zum Download als pdf-Datei (29,7 KB)

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