Weniger Inobhutnahmen wegen unbegleiteter Einreise, mehr wegen Kindesmisshandlung

Posted on August 20, 2019. Filed under: Forschung, Hessen, Kinderschutz, Statistik | Schlagwörter: , , , |

Jugendämter leiten 2018 rund 52 600 Inobhutnahmen zum Schutz Minderjähriger ein

WIESBADEN – Im Jahr 2018 führten die Jugendämter in Deutschland rund 52 600 vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen (Inobhutnahmen) durch. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren das knapp 8 800 Fälle weniger als im Vorjahr (-14 %). Hauptgrund für diese Entwicklung ist der deutliche Rückgang an Inobhutnahmen von unbegleitet eingereisten Minderjährigen aus dem Ausland um rund 10 300 Fälle (-46 %). Gleichzeitig gab es mehr Schutzmaßnahmen aus anderen Gründen, insbesondere wegen körperlicher und/oder psychischer Kindesmisshandlung: 2018 wurden deswegen über 1 200 Inobhutnahmen mehr durchgeführt als im Vorjahr (+25 %).

Überforderung der Eltern häufigster Grund für Inobhutnahme

Am häufigsten hatten Jugendämter die vorläufigen Schutzmaßnahmen im Jahr 2018 jedoch wegen Überforderung eines oder beider Elternteile eingeleitet (24 %). Die unbegleitete Einreise aus dem Ausland – im Vorjahr noch der häufigste Anlass für eine Schutzmaßnahme – rückte 2018 an zweite Stelle (16 %). Anzeichen für körperliche und/oder psychische Kindesmisshandlung (8,3 %) waren die dritthäufigste Ursache für eine Inobhutnahme, Anzeichen für Vernachlässigung (8,1 %) die vierthäufigste. Damit standen Kindesmisshandlungen seit Einführung der Statistik 1995 erstmals auf Rang drei der häufigsten Gründe für eine vorläufige Schutzmaßnahme. Bei der Meldung einer Schutzmaßnahme konnten mehrere Anlässe ausschlaggebend sein.

In weit über der Hälfte aller Fälle wurden die vorläufigen Schutzmaßnahmen bei Kindern und Jugendlichen im Jahr 2018 von sozialen Diensten und Jugendämtern angeregt (57 %). In 18 % der Fälle hatten die Jungen oder Mädchen selbst Hilfe beim Jugendamt gesucht. Bei weiteren 12 % der Inobhutnahmen machten Polizei oder Ordnungsbehörden auf die Problemsituation aufmerksam, in 7 % die Eltern(teile) der Minderjährigen. Die übrigen Schutzmaßnahmen (5 %) erfolgten aufgrund von Hinweisen Anderer, etwa von Ärztinnen oder Ärzten, Lehrpersonal oder Verwandten.

In etwa jedem vierten Fall (24 %) waren die betroffenen Kinder oder Jugendlichen unmittelbar vor der Inobhutnahme von Zuhause (einschließlich Pflegefamilie oder Heim) ausgerissen. Dennoch endeten die meisten vorläufigen Schutzmaßnahmen mit der Rückkehr der Minderjährigen zu ihren Sorgeberechtigten, bisherigen Pflegefamilien oder Heimen (36 %). Erst dahinter folgten Neu-Unterbringungen der Betroffenen in Pflegefamilien, Heimen oder betreuten Wohnformen (30 %).

2 100 Inobhutnahmen nach behördlicher Altersfeststellung abgelehnt

Einer neuen Abfrage der Statistik zufolge war im Jahr 2018 in über 2 100 Fällen eine Schutzmaßnahme nach unbegleiteter Einreise aus dem Ausland aufgrund einer behördlichen Altersfeststellung (§ 42f SGB VIII) abgelehnt worden. Weil die betreffenden Personen als volljährig eingestuft wurden, fließen diese zusätzlichen Fälle nicht in das Gesamtergebnis der Statistik ein.

Die Jugendämter sind berechtigt und verpflichtet, vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen als sozialpädagogische Hilfe in akuten Krisen- oder Gefahrensituationen durchzuführen. Diese können auf Bitte der betroffenen Kinder, bei einer dringenden Gefahr für das Kindeswohl oder bei unbegleiteter Einreise aus dem Ausland eingeleitet werden. Bis eine Lösung für die Problemsituation gefunden ist, werden die Minderjährigen vorübergehend in Obhut genommen und gegebenenfalls fremduntergebracht, etwa in einem Heim oder einer Pflegefamilie.

Quelle: www.destatis.de

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Sachsen-Anhalt: Leichter Rückgang der Verdachtsfälle von Kindeswohlgefährdungen

Posted on August 8, 2019. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Sachsen-Anhalt, Statistik | Schlagwörter: , , |

Im Jahr 2018 haben die Jugendämter in Sachsen-Anhalt 3 235 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls durchgeführt. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes waren das 232 Verfahren (-6,7 %) weniger als im Vorjahr. Dennoch befanden sich die Verfahren im Vergleich zum Beginn der Erhebung im Jahr 2012 (2 315 Fälle) auf einem vergleichsweise hohen Niveau.

Von den eingeleiteten Verfahren waren 1 641 (50,7 %) Mädchen und 1 594 (49,3 %) Jungen betroffen. Fast jedes 2. Kind (47,3 %) hatte zu Beginn des Verfahrens der Gefährdungseinschätzung das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet, darunter waren 853 Kinder jünger als 3 Jahre.

Die Gefährdungen werden von Fachkräften während der zumeist mehreren Kontakte zu den Kindern und Jugendlichen und deren Familien eingeschätzt. Als Ergebnis der durchgeführten Verfahren wurde bei 14,7 % (475 Fälle) eine akute und bei 11,7 % (378 Fälle) eine latente Kindeswohlgefährdung festgestellt. Bei fast 3/4 der Verfahren lag keine Kindeswohlgefährdung vor, aber bei 36,0 % bestand Hilfebedarf.

Bei 60,8 % (594 Fälle) war die Vernachlässigung des Kindes/Jugendlichen der Hauptgrund für die Feststellung einer akuten oder latenten Gefährdungseinschätzung, gefolgt von körperlicher Misshandlung mit 19,7 % (192 Fälle), psychischer Misshandlung mit 14,8 % (145 Fälle) und 4,7 % (46 Fälle) aufgrund sexueller Gewalt. Dabei waren Mehrfachnennungen möglich.

Am häufigsten machten anonyme Melder das Jugendamt auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung aufmerksam, und zwar bei 20,9 % der Verfahren. Bei 12,5 % der Fälle kamen die Hinweise von Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft. Gut jeden 10. Hinweis (10,7 %) erhielten die Jugendämter von Bekannten oder Nachbarn.

Weitere Informationen zum Thema Kinder- und Jugendhilfe finden Sie im Internetangebot des Statistischen Landesamtes Sachsen-Anhalt.

Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls eines/einer Minderjährigen bereits eingetreten ist oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist und diese Situation von dem Sorgeberechtigten nicht abgewendet wird oder werden kann.

Zur Bewertung der Gefährdungslage macht sich das Jugendamt einen unmittelbaren Eindruck von dem Kind beziehungsweise Jugendlichen und seiner Lebenssituation. Das Jugendamt hat den Personensorgeberechtigten zur Abwendung der Gefährdung geeignete und notwendige Hilfen anzubieten.

Quelle: statistik-sachsen-anhalt.de

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Kindeswohl: 12 500 Gefährdungseinschätzungen in Hessen 2018 — Ein Drittel der Fälle mit akuter oder latenter Kindeswohlgefährdung

Posted on August 4, 2019. Filed under: Forschung, Hessen, Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie | Schlagwörter: , , |

In Hessen wurden im Jahr 2018 knapp 12 500 Gefährdungseinschätzungen nach § 8a des Achten Buches Sozialgesetzbuch (SGB VIII – Kinder- und Jugendhilfe) durchgeführt. Wie das Hessische Statistische Landesamt mitteilt, waren dies 16 Prozent mehr als im Jahr 2017. Mädchen waren geringfügig häufiger von Gefährdungseinschätzungen betroffen als Jungen.

Als Ergebnis der durchgeführten Gefährdungseinschätzungen wurde bei 19 Prozent (2373 Fälle) eine akute und bei 14 Prozent (1724 Fälle) eine latente Kindeswohlgefährdung festgestellt. In 67 Prozent der Fälle lag keine Kindeswohlgefährdung vor. Bei gut der Hälfte der Fälle ohne Kindeswohlgefährdung bestand ein Hilfebedarf. Die Hälfte aller Gefährdungseinschätzungen betraf Kinder unter 7 Jahren.

Von den 4097 Fällen, in denen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung festgestellt wurde, war mit 52 Prozent (2140 Fälle) die Vernachlässigung die am häufigsten genannte Gefährdungsart, gefolgt von psychischen Misshandlungen mit 40 Prozent (1626) und den körperlichen Misshandlungen mit 27 Prozent (1091). Anzeichen sexueller Gewalt wurden in 5 Prozent der Fälle (200) festgestellt. Mehrfachnennungen waren möglich. Bei den akuten Kindeswohlgefährdungen spielten körperliche Misshandlungen mit 31 Prozent eine größere Rolle als bei latenten Gefährdungen (20 Prozent). Hingegen spielten die psychischen Misshandlungen bei den latenten Gefährdungseinschätzungen mit 43 Prozent eine größere Rolle als bei den akuten Gefährdungseinschätzungen (37 Prozent).

Als Folge der akuten Kindeswohlgefährdung wurden junge Menschen in 39 Prozent der 2373 Fälle im Jahr 2018 in Obhut, d. h. aus der Familie, genommen. In knapp 16 Prozent wurde die bisherige Leistung fortgeführt, in 15 Prozent eine ambulante bzw. teilstationäre Hilfe zur Erziehung eingeleitet. In 6 Prozent erfolgte eine familienersetzende Hilfe zur Erziehung; hierzu zählen beispielsweise die Heimerziehung oder die Unterbringung in einer Pflegefamilie in Vollzeit. Weitere Hilfsmaßnahmen, wie z. B. die Erziehungsberatungen und Maßnahmen der Kinder- und Jugendpsychiatrie, erreichten einen Anteil von 32 Prozent. In 6 Prozent wurde keine Hilfe neu eingeleitet. Mehrfachnennungen waren möglich.

Die Konstellation der Familienverhältnisse spielte für die Gefährdungseinschätzungen eine große Rolle. In der Hälfte der Fälle lebte der junge Mensch bei einem alleinerziehenden Elternteil oder bei einem Elternteil mit neuer Partnerin oder neuem Partner.

Häufig erfolgte die Initiative zur Gefährdungseinschätzung durch die Polizei, das Gericht oder die Staatsanwaltschaft (24 Prozent) oder die Bekannte/Nachbarschaft (10 Prozent). Auch die Initiative von Ärztinnen und Ärzten und anonyme Anzeigen (9 bzw. 8 Prozent) sowie Anzeigen durch die Schule (11 Prozent) führten zu Gefährdungseinschätzungen. Eltern bzw. Personensorgeberechtigte wurden in knapp 8 Prozent tätig. In gut 6 Prozent der Fälle wurde der soziale Dienst/Jugendamt tätig. Andere Institutionen oder Personen, auf deren Initiative die Gefährdungseinschätzung erfolgte, spielten mit jeweils unter 6 Prozent eine untergeordnete Rolle.

Quelle: statistik-hessen.de
Graphik zur Pressemitteilung

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Neues Beratungsangebot „berta“ für Betroffene organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt startet am 03.05.2019

Posted on Mai 2, 2019. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

logoBerlin, 02.05.2019. Am 3. Mai 2019 startet beim „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ das neue telefonische Angebot „berta“ (Tel. 0800 3050750) – die erste bundesweite, kostenfreie und anonyme Anlaufstelle für Betroffene von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt. „berta“ bietet Menschen Entlastung, Beratung und Unterstützung beim Ausstieg aus organisierten sexualisierten und rituellen Gewaltstrukturen und unterstützt darüber hinaus alle, die sich um jemanden sorgen, einen Verdacht haben oder Informationen zum Thema suchen. „berta“ ist Teil des „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“, dem telefonischen Unterstützungsangebot des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM) unter der fachlichen Leitung von N.I.N.A. e. V. (Nationale Infoline, Netzwerk und Anlaufstelle zu sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen).

Die Fachkräfte von „berta“ sind psychologisch und pädagogisch ausgebildet und verfügen über langjährige persönliche Erfahrungen mit organisierter und ritueller Gewalt. Sie beraten beim Ausstieg und allen damit verbundenen Fragen. Sie geben Informationen und zeigen – wenn gewünscht – weitere Möglichkeiten der Hilfe und Unterstützung auf. Jedes Gespräch bei „berta“ bleibt vertraulich. Der Schutz der persönlichen Daten ist zu jedem Zeitpunkt garantiert.

Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs (UBSKM): Mit „berta“ wollen wir Betroffene beim schweren Ausstieg aus organisierten sexualisierten und rituellen Gewaltstrukturen unterstützen. Betroffene brauchen nicht nur unsere Ermutigung sich anzuvertrauen. Sie brauchen auch aktive Unterstützung beim Ausstieg, da diese Form der Gewalt häufig in sehr abgeschotteten Strukturen ausgeübt wird und das bestehende Hilfesystem meist nicht greift. Betroffene berichten, dass sie massiv unter Schweigegebote gesetzt, erpresst und verfolgt werden und dass ihnen meist nicht geglaubt wird, wenn sie sich anvertrauen. Hier ist noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, bei psychologischen und pädagogischen Fachkräften, aber auch bei Justiz und Politik. Wir brauchen spezifische Hilfen und Ausstiegsangebote für diese Betroffenengruppe und mehr Forschung zu dieser besonderen Gewaltform, die in Gesellschaft, Wissenschaft und in der Fachszene bisher noch wenig anerkannt ist und von vielen nicht für möglich gehalten wird.“

Silke Noack, Leiterin „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ und „berta“: „Für Menschen, die organisierte sexualisierte oder rituelle Gewalt erfahren haben, ist es besonders schwer, Schutz und Unterstützung zu erhalten. Die Existenz ritueller Gewalt wird noch immer – auch von Fachkräften – in Frage gestellt. Das liegt vor allem daran, dass die Berichte der Betroffenen über die erlebte Gewalt und die Bedrohung für viele Menschen das Aushaltbare weit übersteigen. Mit „berta“ bringen wir jetzt erstmals ein bundesweites Unterstützungsangebot auf den Weg, das die besonderen Herausforderungen des Themas aufgreift und betroffenen Menschen begleitend zur Seite steht. Das Besondere ist die unbürokratische professionelle Beratung bei akuten Fragen sowie die Möglichkeit, bei Bedarf auch über einen längeren Zeitraum hinweg von „berta“ telefonisch begleitet zu werden. Die Fachkräfte am Telefon wissen, wie wichtig es ist, den Weg selbst zu bestimmen. Sie sind da, hören zu und begleiten – auch wenn es schwierig wird.“

Definition organisierte sexualisierte und rituelle Gewalt:
In organisierten und rituellen Gewaltstrukturen wird die systematische Anwendung schwerer sexualisierter Gewalt in Verbindung mit körperlicher und psychischer Gewalt an Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen durch die Zusammenarbeit mehrerer Täter und Täterinnen bzw. Täternetzwerke ermöglicht. Häufig ist dies mit kommerzieller sexueller Ausbeutung verbunden. Dient eine Ideologie zur Begründung oder Rechtfertigung der Gewalt, wird dies als rituelle Gewalt bezeichnet. In manchen Gewaltstrukturen sind Familien generationenübergreifend eingebunden. Organisierte und rituelle Gewaltstrukturen können eine umfassende Kontrolle und Ausbeutung von Menschen durch Mind-Control-Methoden beinhalten. Die planmäßige wiederholte Anwendung schwerer Gewalt erzwingt spezifische Dissoziationen bzw. eine gezielte Aufspaltung der kindlichen Persönlichkeit und führt dazu, dass Betroffenen, die sich anvertrauen, vielfach nicht geglaubt wird.
Definition des „Fachkreis Sexualisierte Gewalt“ beim Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Kinder (BMFSFJ): https://www.bundeskoordinierung.de/de/topic/51.rituelle-und-organisierte-gewalt.html

Berichte und Studien:
Bei der vom UBSKM eingerichteten Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs haben sich von 2016 bis 2019 42 Betroffene von organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt gemeldet. In einer Studie unter der Leitung des Kommissionsmitglieds Prof. Peer Briken, UKE Hamburg, an der 165 Betroffene teilgenommen haben, konnten die aus der Praxiserfahrung bekannten Themen erhoben und differenziert werden. Es wurde eine hohe Inanspruchnahme des psychosozialen Versorgungs- und Gesundheitssystem deutlich – bei immer noch ausgeprägten Versorgungslücken. Prof. Peer Briken: „Erfahrungen von sexueller Gewalt und Ausbeutung in Verbindung mit organisierter ritueller Gewalt sind bisher gesellschaftlich, traumatherapeutisch und wissenschaftlich wenig anerkannt. Daher geraten auch Professionelle in der Begleitung dieser Klientinnen und Klienten häufig in rechtliche, fachliche und ethische Grauzonen und an Grenzen der kollegialen Unterstützung. Das Hilfetelefon „berta“ bietet jetzt ein wichtiges und dringend notwendiges Angebot zur Beratung und Unterstützung für Betroffene und Professionelle.“
s. auch Bilanzbericht der Kommission, S. 118 ff unter https://www.aufarbeitungskommission.de/bilanzbericht_2019/ sowie Zeitschrift Trauma und Gewalt https://www.traumaundgewalt.de/article/pdf/5b6c4732536f88fd588b4587/tg_2018_03_0244-0261_0244_01

berta – Beratung und telefonische Anlaufstelle für Betroffene organisierter sexualisierter und ritueller Gewalt
Tel. 0800 3050750 (bundesweit, anonym und kostenfrei)
Sprechzeiten: Dienstag: 16 bis 20 Uhr und Freitag: 9 bis 13 Uhr (außer an Feiertagen und am 24. und 31. Dezember).
ab 3. Mai 2019 unter www.berta-telefon.de

Weitere Informationen und Hilfeangebote:
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch – Beratung für Betroffene, Angehörige, Fachkräfte und weitere Interessierte
Tel. 0800 2255530 (bundesweit, anonym und kostenfrei)
Hilfeportal Sexueller Missbrauch – Datenbank mit Hilfe- und Beratungsangeboten vor Ort: www.hilfeportal-missbrauch.de
www.beauftragter-missbrauch.de
www.nina-info.de

Quelle: Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 02.05.2019

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Mannheim: Haftstrafe für Pflegeeltern wegen Misshandlung

Posted on März 3, 2019. Filed under: Baden-Württemberg, Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Publikationen, Rechtliches | Schlagwörter: |

logoZu Haftstrafen von drei Jahren und elf Monaten bzw. drei Jahren wegen gefährlicher Körperverletzung und Misshandlung eines Schutzempfohlenen wurde ein Pflegeelternpaar aus Brühl verurteilt. Die Pflegeeltern bestritten vor Gericht die Vorwürfe.

Ein Vertreter der Stadt Mannheim äußerte: „Wenn Pflegeeltern ihre Grenzen in der Versorgung eines Kindes nicht erkennen und gegenüber dem Jugendamt nicht benennen oder sogar verheimlichen oder plausible, nachvollziehbare Erklärungen wie etwa eine Mageninfektion für einen Gewichtsverlust liefern, ist es äußert schwierig – insbesondere für Nicht-Mediziner -, eine kindeswohlgefährdende Situation zu erkennen.“

Pressespiegel:

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Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik zeichnen ein trauriges Bild

Posted on Juni 5, 2018. Filed under: Forschung, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen | Schlagwörter: , , |

logoAm 05.06.2018 wurden die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik 2017 zu kindlichen Gewaltopfern vorgestellt:

Im vergangenen Jahr wurden 143 Kinder getötet. Fast 78 Prozent von ihnen waren zum Zeitpunkt des Todes jünger als sechs Jahre. In 77 Fällen blieb es bei einem Tötungsversuch. Die Zahlen zu Misshandlungen an Kindern stagnieren seit Jahren auf einem hohen Niveau. 4.208 Kinder waren hiervon betroffen, 43 Prozent von ihnen haben das 6. Lebensjahr noch nicht vollendet.

Im Bereich sexuelle Gewalt nach den §§ 176, 176a und 176b weist die Statistik einen Rückgang von 3,64 Prozent auf, doch wurden noch immer 13.539 Kinder als Opfer registriert. Die in der Polizeilichen Kriminalstatistik erfassten Fallzahlen des Besitzes und der Verbreitung kinderpornografischen Materials stiegen im Vergleich zum Vorjahr wieder um 15,06 Prozent an.

zur ausführlichen Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 05.06.2018

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Multimedia-Reportage „Gewalt gegen Kinder – Misshandlung und ihre Folgen“

Posted on Mai 26, 2018. Filed under: Fachkräfte, Hessen, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen | Schlagwörter: |

logoZum Thema Kindesmisshandlung erstellte der hr-iNFO eine umfassende Recherche. Die Multimedia-Reportage „Gewalt gegen Kinder – Misshandlung und ihre Folgen“ zeigt Schwachstellen beim Kinderschutz in Deutschland auf.

zum Dossier „Wie wir unsere Kinder vor Gewalt schützen Opfer ohne Stimme“

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Kindesmissbrauch in der Familie hat schwerwiegende Folgen – auch für Geschwister

Posted on April 25, 2018. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

logoWird ein Kind in der Familie misshandelt, missbraucht oder vernachlässigt, ist das Risiko für Geschwister, ebenfalls Opfer zu werden, vier Mal so groß wie in anderen Familien. Das zeigt eine Studie von DJI-Wissenschaftlerin Susanne Witte, die erstmals in Deutschland die Situation von Geschwistern bei Missbrauch, Misshandlung und Vernachlässigung in der Familie untersucht hat. Trotz der erhöhten Missbrauchsgefahr und psychischer Beeinträchtigungen bis ins Erwachsenenalter berücksichtigen Kinderschutzverfahren die Belange von Schwestern und Brüdern derzeit nur unzureichend.

„Die Ergebnisse zeigen, dass bei einem Verdacht auf Kindeswohlgefährdung in einer Familie auch die Situation der Geschwister abgeklärt werden muss“, sagt Susanne Witte. Dies sei zeitintensiv und passiere je nach personellen Ressourcen aktuell nur teilweise im Rahmen einer familienbasierten Fallbearbeitung im Jugendamt. Stattdessen wäre es sinnvoll, diese Prüfung in den Leitlinien und Handlungsanweisungen für Kinderschutzverfahren zu verankern. Geschwister seien auch dann einem erhöhten Risiko ausgesetzt, wenn sie nicht im selben Haushalt leben.

Vor allem sexueller Missbrauch sowie emotionale Vernachlässigung, beispielsweise durch Beschimpfungen und Herabwürdigungen, beeinträchtigen die psychische Gesundheit der betroffenen Kinder und deren Geschwister bis ins Erwachsenenalter. Hinzu kommt, dass die Heranwachsenden zusätzlich durch schlechtere Geschwisterbeziehungen belastet sind: In Familien, in denen Missbrauch, Misshandlung oder Vernachlässigung vorkommen, streiten Geschwister häufiger und haben ein weniger vertrauensvolles Verhältnis zueinander.

Für die Studie wurden mehr als 4.500 Erwachsene anhand des vielfach erprobten „Childhood Trauma Questionnaire“ online zu möglichen Misshandlungs- und Missbrauchserfahrungen befragt sowie zu ihrer Geschwisterbeziehung, zum Verhalten der Eltern und zur aktuellen psychischen Belastung. Bei 870 Teilnehmenden war es möglich, zusätzlich einen Bruder oder eine Schwester zu interviewen. Dadurch konnten erstmals verschiedene Erfahrungen in einer Familie berücksichtigt werden. Da mehr Frauen, mehr Personen jüngeren Alters und mit einem höheren Schulabschluss an der Studie teilgenommen haben, ist sie nicht repräsentativ.

Susanne Witte hat die Forschungsarbeit für ihre Dissertation an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München durchgeführt. Sie wurde betreut von Sabine Walper, Forschungsdirektorin des DJI und Professorin an der LMU, sowie von Jörg M. Fegert, Ärztlicher Direktor der Abteilung für Kinder- und Jugendpsychiatrie/ Psychotherapie am Universitätsklinikum Ulm.

Die Ergebnisse der Studie sind 2018 unter dem Titel „Geschwister im Kontext von Misshandlung, Missbrauch und Vernachlässigung“ im Verlag Beltz Juventa erschienen.

Quelle: DJI vom 24.04.2018

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„Besondere Kinder mit besonderen Lern- und Verhaltensschwierigkeiten brauchen auch besondere Pädagogik“ am 06.06. im Zollernalbkreis

Posted on April 6, 2018. Filed under: Adoptivfamilie, Baden-Württemberg, Fortbildung, Netzwerke, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , , , |

logoDie Pflegeelternschule Baden-Württemberg veranstaltet am 16.06.2018 ein Tagesseminar im Zollernalbkreis. Luise Hepp wird zum Thema „Besondere Kinder mit besonderen Lern- und Verhaltensschwierigkeiten brauchen auch besondere Pädagogik“ referieren.

Schwierigkeiten in der Handlungsplanung, der Aufmerksamkeit, sowie Denk- und Gedächtnisstörungen, Probleme in der Selbstregulation und Selbststeuerung, der Wahrnehmung, Orientierung und Motivation und weiter in der Selbstversorgung und Kommunikation – dies alles gehört zu Kindern, die frühe Verlust- und Trennungserlebnisse, Missbrauch und Misshandlungen durchlebt haben sowie frühe Traumatisierungen erfahren mussten oder deren Gehirnentwicklung bereits in der frühen Schwangerschaftszeit unter Alkohol und Drogen bleibend geprägt wurde.

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BVEB-Tagung „Kleinkinder in schwierigen Lebenssituationen“ vom 20.–22.04. in Hannover

Posted on Januar 1, 2018. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Fortbildung, Gesundheit, Jugendhilfe, Netzwerke, Niedersachsen, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , , , |

logoUm den interdisziplinären Austausch zu fördern, lädt der Berufsverband der Verfahrensbeistände, Ergänzungspfleger und Berufsvormünder für Kinder und Jugendliche -BVEB- e.V. Fachleute unterschiedlicher Professionen zu seiner Tagung vom 20.–22.04.2018 nach Hannover ein.

Der Schwerpunkt der Tagung „Kleinkinder in schwierigen Lebenssituationen“ ist auf die Altersgruppe der Kinder von 0 bis 6 Jahren ausgerichtet. Thema sind die Auswirkungen schädigenden Verhaltens der Eltern auf die Kinder:

  • seelische Gewalt und Vernachlässigung
  • Entwicklungsprobleme nach Trennung der Eltern
  • Missbrauch von Alkohol, Tabak und Drogen vor und nach der Schwangerschaft
  • Entwicklungsprobleme bei psychisch kranken Eltern
  • Körperliche Gewalt
  • Kindliche Entwicklung und sexueller Missbrauch

Anmeldeschluss ist der 01.03.2018.

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„Sexuelle Gewalt – Folgen und Umgang“ am 06.02. in Augsburg

Posted on Dezember 5, 2017. Filed under: Adoptivfamilie, Bayern, Fortbildung, PFAD Verband, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: , |

logoAm 06.02.2018 wird die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin Birgit Hildebrandt M.A. im Haus Tobias in Augsburg zum Thema „Sexuelle Gewalt – Folgen und Umgang“ referieren. Mitveranstalter ist der Verein PFAD FÜR KINDER Augsburg e.V.

Im Seminar werden die Folgen und Auswirkungen durch sexuelle Gewalt für die betroffenen Kinder und deren (Pflege-/Adoptiv)Familien dargestellt.
Was ist eigentlich sexuelle Gewalt? Wie gehe ich mit betroffenen Kindern um?
Wie wirkt sich das Erlebte auf den Alltag, die Familie, Schule, eigene Sexualität, … aus?
Was ist im Umgang mit Betroffenen zu beachten?

Schriftliche Anmeldung und Vorauszahlung erforderlich.

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2016: Anstieg der Verfahren zur Kindeswohlgefährdung um 5,7 %

Posted on Oktober 6, 2017. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

logoWIESBADEN – Die Jugendämter in Deutschland führten im Jahr 2016 rund 136 900 Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls durch. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, bedeutet dies einen Anstieg um 5,7 % gegenüber dem Vorjahr.

Von allen Verfahren bewerteten die Jugendämter 21 600 eindeutig als Kindeswohl­gefährdungen („akute Kindeswohlgefährdung“). Hier gab es gegenüber 2015 einen Anstieg um 3,7 %. Bei 24 200 Verfahren (+ 0,1 %) konnte eine Gefährdung des Kindes nicht ausgeschlossen werden („latente Kindeswohlgefährdung“). In rund 46 600 Fällen (+ 8,0 %) kamen die Fachkräfte des Jugendamtes zu dem Ergebnis, dass zwar keine Kindeswohlgefährdung, aber ein weiterer Hilfe- oder Unterstützungsbedarf vorlag. In fast ebenso vielen Fällen (44 500) wurde weder eine Kindeswohlgefährdung noch weiterer Hilfebedarf festgestellt (+ 7,8 %).

Die meisten der rund 45 800 Kinder, bei denen eine akute oder latente Kindeswohlgefährdung vorlag, wiesen Anzeichen von Vernachlässigung auf (61,1 %). In 28,4 % der Fälle wurden Anzeichen für psychische Misshandlung festgestellt. Etwas seltener (25,7 %) wiesen die Kinder Anzeichen für körperliche Misshandlung auf. Anzeichen für sexuelle Gewalt wurden in 4,4 % der Fälle von Kindeswohlgefährdung festgestellt. Mehrfachnennungen waren möglich.

Die Gefährdungseinschätzungen wurden in etwa gleich häufig für Jungen und Mädchen durchgeführt. Kleinkinder waren bei den Verfahren zur Einschätzung der Gefährdung des Kindeswohls besonders betroffen. Beinahe jedes vierte Kind (23,2 %), für das ein Verfahren durchgeführt wurde, hatte das dritte Lebensjahr noch nicht vollendet. Drei- bis fünfjährige Kinder waren wie im Vorjahr von einem Fünftel (19,4 %) der Verfahren betroffen. Kinder im Grundschulalter (6 bis 9 Jahre) waren mit 22,7 % beteiligt. Mit zunehmendem Alter nehmen die Gefährdungseinschätzungen ab: Kinder im Alter von 10 bis 13 Jahren hatten einen Anteil von 18,7 % an den Verfahren, Jugendliche (14 bis 17 Jahre) nur noch von 16,0 %.

Am häufigsten machten Polizei, Gericht oder Staatsanwaltschaft das Jugendamt auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung aufmerksam, und zwar bei 22,1 % der Verfahren. Bei 12,9 % kamen die Hinweise von Schulen oder Kindertageseinrichtungen, bei 11,6 % waren es Bekannte oder Nachbarn. Gut jeden zehnten Hinweis (10,4 %) erhielten die Jugendämter anonym.

Hinweise
Eine Kindeswohlgefährdung liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes droht oder bereits vorliegt. Erhält das Jugendamt Kenntnis davon, so hat es im Rahmen seines Schutzauftrags Gefährdungsrisiko und Hilfebedarf unter Beteiligung verschiedener Fachkräfte abzuschätzen (§ 8a SGB VIII).

Weitere Informationen zur Kinder- und Jugendhilfe sind unter Publikationen Soziales abrufbar.

Quelle: Pressemitteilung von Destatis vom 04.10.2017

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Zahl der Gefährdungseinschätzungen in Niedersachsen 2016 um 15% angestiegen

Posted on August 24, 2017. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Niedersachsen, Publikationen | Schlagwörter: , |

logoHANNOVER. Im Jahr 2016 wurden in Niedersachsen insgesamt 10.220 Gefährdungseinschätzungen durch die Jugendämter vorgenommen. Wie das Landesamt für Statistik Niedersachsen (LSN) mitteilt, entspricht dies einem prozentualen Anstieg um 15,3% im Vergleich zum Vorjahr (8.862 Verfahren).

Das zuständige Jugendamt hat eine Gefährdungseinschätzung gemäß § 8a Achtes Buch Sozialgesetzbuch (SGB VIII) durchzuführen, wenn Anhaltspunkte für eine Gefährdung des Wohls des Kindes oder Jugendlichen vorliegen. In Zusammenarbeit mehrerer Fachkräfte wird das Gefährdungsrisiko eingeschätzt. Eine Gefährdung des Kindeswohls liegt vor, wenn eine erhebliche Schädigung des körperlichen, geistigen oder seelischen Wohls des Kindes oder Jugendlichen gegeben oder mit ziemlicher Sicherheit zu erwarten ist. Die Sorgeberechtigten – in der Regel die Eltern bzw. ein Elternteil – sind in diesen Fällen nicht in der Lage oder nicht Willens, die Gefährdungssituation für das Kind oder den Jugendlichen abzuwenden.

Bei 1.283 Kindern oder Jugendlichen (12,6%) wurde eine akute Kindeswohlgefährdung festgestellt. Anzeichen gab es unter anderem für eine Vernachlässigung (757 Fälle) oder eine körperliche Misshandlung (440 Fälle). Die Jugendämter sind gehalten, alle zutreffenden Arten der Kindeswohlgefährdung anzugeben, so dass hier Mehrfachnennungen möglich sind. Im Jahr 2015 wurde in 1.035 Fällen (11,7%) eine akute Kindeswohlgefährdung angegeben.

Eine latente Kindeswohlgefährdung betraf 1.375 Kinder bzw. Jugendliche (13,5%) 2016. Dabei wurden in 824 Fällen Anzeichen von Vernachlässigung erkannt. Eine psychische Misshandlung des Kindes wurde in 382 Verfahren festgestellt. Im Jahr 2015 lag eine latente Kindeswohlgefährdung in 1.295 Fällen vor (14,6%).

Insgesamt stellten die Jugendämter bei 2.658 Kindern eine Kindeswohlgefährdung bzw. latente Kindeswohlgefährdung fest. Dies entspricht 26,0% aller Gefährdungseinschätzungen 2016. Bei den übrigen 7.562 Kindern (74,0%) konnte keine Kindeswohlgefährdung festgestellt werden. Jedoch wurde in 3.680 Verfahren ein Hilfe- oder Unterstützungsbedarf sichtbar.

Quelle: Landesamt für Statistik Niedersachsen vom 24.08.2017

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Missbrauchsbeauftragter Rörig: „Depression ist eine der häufigsten Folgeerkrankungen von sexueller Gewalt in der Kindheit!“

Posted on April 6, 2017. Filed under: Forschung, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , , |

Anlässlich des Weltgesundheitstages 2017 zum Thema „Depression – Let´s talk!“ wurden dem Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, bisher unveröffentlichte Ergebnisse einer Repräsentativbefragung der deutschen Bevölkerung des Zentrums für Traumaforschung (ZTF)  der Universität Ulm* mit dem Childhood Trauma Questionnaire (CTQ) und dem Depressionsmodul des Gesundheitsfragebogens für Patienten (PHQ-9) zur Verfügung gestellt. Die Ergebnisse zeigen signifikante Zusammenhänge zwischen belastenden Kindheitsereignissen und Depressionen. Bei Betroffenen von sexueller Gewalt in der Kindheit fanden sich  viermal häufiger deutlich erhöhte Depressionswerte. Bereits am 16.03.2017 wurden erste Ergebnisse dieser Studie in Berlin vorgestellt (wir berichteten), die deutlich machten, dass die Fallzahlen bei sexueller Gewalt nicht rückläufig sind und sexueller Kindesmissbrauch zahlreiche Spätfolgen nach sich zieht.

Rörig: „Kommunikation ist ein wichtiger Teil der Prävention! Ich hoffe sehr, dass der Weltgesundheitstag unter dem Motto „Depression – Let´s talk“ dazu beitragen kann, den Umgang mit von Depression Betroffenen in unserer Gesellschaft offener zu gestalten und hierbei auch den Kontext sexueller Gewalt mitzudenken. Das Ausmaß der sexuellen Gewalt und der gesundheitlichen Folgen für Betroffene und die Gesellschaft ist enorm. Die Ergebnisse aus Ulm zeigen, dass sich hinter der sogenannten Volkskrankheit Depression, die jährlich mehrere Millionen Menschen trifft, auch tausende Einzelschicksale von Betroffenen verbergen, die sexuelle Gewalt als Kinder oder Jugendliche erlitten haben.“

Rörig begrüßt die erfolgte Überarbeitung der Psychotherapie-Richtlinie, das dürfe aber nicht darüber hinweg täuschen, dass es bei der Versorgung von Betroffenen nach wie vor viele Defizite gebe. Der großen Zahl Betroffener stünden nur wenige auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnittene Therapieangebote zur Verfügung.  Therapeutische Angebote für Betroffene von sexueller Gewalt müssten dringend weiter ausgebaut und auf die spezifischen Bedürfnisse von Betroffenen ausgerichtet werden. Rörig fordert mehr Kassensitze für Psychologische Psychotherapeut_innen und Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutinnen und -therapeuten, eine flexible Gestaltung der Therapien, alternative Therapieformen wie Tanz- oder Kunsttherapien sowie spezifische Angebote für komplex traumatisierte Betroffene, wie es auch von Betroffenen immer wieder gefordert werde.

Rörig verweist dabei auch auf das Opferentschädigungsgesetz (OEG). Höhere Therapiekontingente und alternative Therapieformen sollten Betroffenen endlich auch im Rahmen des OEG gewährt werden, dessen Reform seit Jahren gefordert wird. Ein neuer Gesetzentwurf müsse jetzt unmittelbar nach Beginn der neuen Legislaturperiode eingebracht werden. Bis zum Inkrafttreten eines reformierten OEG müsse das sog. Ergänzende Hilfesystem (EHS) für Betroffene im institutionellen Bereich und auch der Fonds Sexueller Missbrauch (FSM) für im familiären Bereich Betroffene weitergeführt werden. Sollte die Reform hinter den Erwartungen bei den Verbesserungen für Betroffene zurückbleiben, so sei über eine Fortführung des EHS und des FSM auch nach einer Reform des OEG nachzudenken.

Rörig: „Die Haltung der Politik der 19. Legislaturperiode wird ein deutlicher Seismograph dafür sein, ob der Kampf gegen sexuelle Gewalt ernst genommen wird und es uns endlich gelingt, Missbrauch einzudämmen und Betroffenen zeitnah und passgenau zu helfen.“

Hilfe und Informationen für Betroffene, Angehörige, Ärzte- und Therapeutenschaft und weitere Interessierte zum Thema sexueller Kindesmissbrauch:
Hilfetelefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530 (kostenfrei und anonym)
Hilfeportal Sexueller Missbrauch: www.hilfeportal-missbrauch.de

* Zentrum für Traumaforschung (ZTF) Ulm  www.uni-ulm.de/med/zentrum-fuer-traumaforschung-ulm/ , Sprecher für den Bereich Psychotrauma Prof. Dr. Jörg M. Fegert

Quelle:Pressemitteilung des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs vom 06.04.2017

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Studie zu Misshandlung, Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch und den Folgen – Keine Entwarnung bei sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen

Posted on April 6, 2017. Filed under: Forschung, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Anlässlich des Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Ulm fand am 13.03.2017 eine Pressekonferenz zum Thema „Kindesmissbrauch und die Spätfolgen“ statt bei der eine Studie zu Misshandlung, Vernachlässigung, sexuellem Missbrauch und den Folgen vorgestellt wurde.

Das Kompetenzzentrum Kinderschutz in der Medizin an der Klinik für Kinder- und Jungendpsychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Ulm hat für die Deutsche Traumastiftung eine repräsentative Studie zur Häufigkeit von Kindesmisshandlung, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch durchgeführt.

Die erstmals in der Pressekonferenz vorgestellten Daten, die mit einem standardisierten, weltweit eingesetzten Fragebogen erhoben wurden, zeigen, dass es keinen Grund zur Entwarnung bei sexueller Gewalt an Mädchen und Jungen gibt. Eine vergleichbare Studie hatte es zuletzt 2011, kurz nach dem sogenannten „Missbrauchsskandal“, durch das Kriminologische Forschungsinstitut Niedersachsen gegeben.

Informationsmaterial zur Pressekonferenz „Kindesmissbrauch und Spätfolgen“

Quelle: Zentrum für Traumaforschung Ulm

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Hamburg: Jugendhilfeinspektion übt Kritik im Fall Deljo

Posted on Januar 20, 2017. Filed under: Fachkräfte, Gesundheit, Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Die Jugendhilfeinspektion Hamburg hat in ihrem Prüfbericht zum Fall des Ende 2015 durch Schütteln lebensgefährlich verletzten Babys Kritik am Betreuungskonzept des Jugendamtes geäußert: „Das Bemühen um eine gelingende Zusammenarbeit mit der Familie wird als nicht ausreichend eingeschätzt.“ Das damals neuneinhalb Monate alte Kind war nach einem Aufenthalt in Bereitschaftspflege wieder zu seinen Eltern gegeben worden.

Die Welt berichtet im Artikel „Misshandeltes Baby – Harsche Kritik an Betreuern“ vom 18.01.2017, dass als Reaktion auf den Bericht nun alle Kinder unter sechs Jahren, die im Zusammenhang mit Gewaltanwendung in Obhut genommen wurden, vor ihrer Rückkehr in ihre Familie in der Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) untersucht werden sollen.

Zur Information durch die Staatsanwaltschaften Hamburg siehe auch Artikel „Prüfbericht zu Deljo offenbart Behördenfehler“ vom 18.01.2017 auf Focus.de

Der Pflegeelternrat Hamburg hatte im Januar 2016 zu diesem und ähnlichen Fällen Stellung genommen (wir berichteten).

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Daten und Fakten zu Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern in Deutschland

Posted on Juli 26, 2016. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

Die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendhilfestatistik im Forschungsverbund DJI/TU Dortmund hat die Inhalte und Zahlen zu Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern in Deutschland auf www.fruehehilfen.de aktualisiert.

Eine systematische, umfassende empirische Dauerbeobachtung zum Ausmaß von Vernachlässigungen und Misshandlungen von Kindern gibt es in Deutschland bislang nicht. Einige Anhaltspunkte hierzu liefern jedoch verschiedene Studien und amtliche Statistiken, die Fälle von Kindstötungen, Misshandlungen und Vernachlässigungen sowie Eingriffe in die elterliche Sorge dokumentieren, aber auch das Agieren der Kinder- und Jugendhilfe bei Erziehungsschwierigkeiten, familiären Krisen sowie konkreten Kindeswohlgefährdungen in den Blick nehmen.

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Roman „Stärke und Mut“ von Frank Bergmann

Posted on Mai 4, 2016. Filed under: Kinderschutz, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Die Kölnische Rundschau berichtet am 03.05.2016 im Artikel „Schicksal als misshandeltes Pflegekind im Roman verarbeitet“ vom neuen Roman „Stärke und Mut“ von Frank Bergmann.

Verlagsinfo:
Als Baby einer ledigen Mutter Anfang der sechziger Jahre ins Kinderheim gegeben, weiß Michael nicht, was Eltern sind. Er hat eine alles andere als behütete Kindheit. Im Alter von fünf Jahren wird er von Inge und Joachim als Pflegekind aufgenommen. Glücklich endlich eine Familie zu haben, ahnt Michael nicht, dass er vor einem Martyrium steht. Überfordert mit dem Heimkind und wütend auf ihr eigenes Versagen als Mutter, richtet Inge all ihre Wut gegen Michael. Sie misshandelt ihn körperlich und psychisch. Während ihre Übergriffe immer heftiger werden, entwickelt Michael eigene Strategien, um seine Würde zu schützen, zu überleben und zu leben. Erst spät beginnt er, die Beweggründe seiner leiblichen Eltern zu hinterfragen, zu verstehen und die schicksalhafte Verbindung zu ihnen zu erkennen.

Vor dem Hintergrund der düsteren und emotional kalten Zeit des späten Nachkriegsdeutschland der sechziger Jahre, ist dieses Buch das spannend und lebendig erzählte Psychogramm eines jungen Mannes, seiner Eltern und der Suche nach Geborgenheit und Selbstbestimmung.

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Misshandlungs-Prozess gegen Schwelmer Pflegeltern eingestellt

Posted on April 14, 2016. Filed under: Jugendhilfe, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen, Rechtliches | Schlagwörter: |

Von der Einstellung eines stark polarisierenden Verfahrens vor dem Hagener Landgericht berichtet der Artikel „Misshandlungs-Prozess gegen Pflegeltern eingestellt“ aus der WAZ vom 14.04.2016. Über ein halbes Jahr wurden an den 50 Zeugen und diverse Sachverständige angehört, die deutlich in zwei Lager gespalten waren.

Der Vorsitzende Richter erklärte: „Es war aus Sicht der Kammer ein ausgesprochen komplexes Verfahren, das die Juristen hier an den Rand ihrer Fähigkeiten gebracht hat.“

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Rörig: „Rund 1 Million Kinder sind in Deutschland von sexueller Gewalt betroffen.“

Posted on Februar 22, 2016. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , |

Der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs, Johannes-Wilhelm Rörig, hat heute in Berlin die Expertise „Häufigkeitsangaben zum sexuellen Missbrauch – Internationale Einordnung, Bewertung der Kenntnislage in Deutschland, Beschreibung des Entwicklungsbedarfs“ sowie den Forderungskatalog „Forschung zu sexuellem Missbrauch – Vom Tabu zur gesamtgesellschaftlichen Aufgabe“ vorgestellt, in dem mehr Investment in Forschung, Vernetzung mit der Praxis, Partizipation von Betroffenen sowie Nutzen von Forschungswissen für Aus-, Fort- und Weiterbildung gefordert wird.

Bisher fehlt es in Deutschland an validen Zahlen zur Häufigkeit von sexuellem Missbrauch oder zur Differenzierung nach Geschlecht. Ein Vergleich der vorliegenden Hell- und Dunkelfeldstudien ist aufgrund unterschiedlicher Definitionen und Studiendesigns kaum möglich, Entwicklungen und Tendenzen, ob Missbrauch zu- oder abnimmt und welche Faktoren hier möglicherweise eine Rolle spielen, sind so kaum zu benennen.

Wichtige Ergebnisse: Mädchen sind weitaus häufiger betroffenen als Jungen. Die meisten Kinder erleiden neben sexueller Gewalt auch weitere Gewaltformen.

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Pflegeelternrat Hamburg fordert weiter reichende Maßnahmen für einen besseren Schutz der Kinder

Posted on Januar 14, 2016. Filed under: Fachkräfte, Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Der Pflegeelternrat Hamburg richtet sich am 14.01.2016 mit einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit. Nach einem neuen aktuellen Fall eines Schütteltraumas / Schädelbruchs bei einem Baby, das unter Aufsicht des Jugendamtes stand (siehe Artikel „Misshandeltes Baby Deljo: Vier Geschwister aus der Familie genommen“ in der Schleswig-Holsteinischen Zeitung vom 14.01.2016) fordert das Gremium weiter reichende Maßnahmen für einen besseren Schutz der Kinder.

Der Pflegeelternrat Hamburg wurde 2013 als Interessenvertretung für Pflegefamilien unter dem Dach von Freunde der Kinder e.V. gegründet und erweitert damit das umfangreiche Angebot des Vereins zur Beratung und Information von Pflege- und Adoptivfamilien. Er vertritt die Interessen der Pflegefamilien in Hamburg und im Umland, die Hamburger Pflegekinder aufgenommen haben, gegenüber Politik, Fachbehörden, Allgemeinem Sozialen Dienst (ASD), Pflegekinderdienst (PKD) und Vormündern. Weitere Informationen, aktuelle Berichte und Kontakte finden sich unter: www.pflegeelternrat.de

zur Presseerklärung des Pflegeelternrats Hamburg vom 14.01.2016

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Hamburger Pflegeelternrat zum Tode von Taylor

Posted on Januar 5, 2016. Filed under: Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , |

Zum Tode des einjährigen Taylor, der im Dezember an schweren Hirnschäden – mutmaßlich aufgrund eines Schütteltraumas – verstarb, äußert sich Karen Dabels vom Pflegeelternrat Hamburg in einem Beitrag des Senders Hamburg 1 im Beitrag „Taylor- zu Tode misshandeltes Kind“ vom 05.01.

Der kleine Junge war vom Jugendamt des Bezirks Altona in seinem ersten Lebensjahr wegen Kindeswohlgefährdung für einige Zeit bei einer Pflegefamilie untergebracht und wurde im Oktober wieder zurück zu seiner Mutter und deren Lebensgefährten gegeben.

Der Hamburger Pflegeelternrat äußerte sich auch in seiner Pressemitteilung vom 21.12. zu diesem erneuten Tod eines Kleinkindes unter der Obhut eines Hamburger Jugendamtes.

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Kino-Tipp: „FREISTATT“ – …wenn Du nicht artig bist kommst Du ins Heim

Posted on November 20, 2015. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz | Schlagwörter: , , |

Die Heimerziehung der 50er und 60er Jahre thematisiert der preisgekrönte Film „FREISTATT“  von Marc Brummund, der ab 24. November in die Kinos kommt.

Kurzinhalt: Sommer 1968. Der Wind der Veränderung ist in den norddeutschen Kleinstädten allerhöchstens als Brise zu spüren. Mit selbstverständlicher Aufmüpfigkeit begegnet der 14-jährige Wolfgang seinem Alltag, seiner Mutter und vor allem seinem Stiefvater. Als er von seiner Familie in die abgelegene kirchliche Fürsorgenanstalt FREISTATT abgeschoben wird, findet er sich in einer Welt wieder, der er nur mit noch unbändigerem Freiheitsdrang begegnen kann: Verschlossene Türen, vergitterte Fenster, militärischer Drill während der als Erziehung verbrämten täglichen Arbeitseinsätze in den Mooren der Umgebung. Doch für Wolfgang ist eins klar: Seine Sehnsucht nach Freiheit wird er so schnell nicht im Moor begraben.

Spezielle Aufführungen:

  • Samstag, 21.11.2015, 18.05h: Filmpalette in Jever in Anwesenheit von Marc Brummond
  • Sonntag, 22.11.2015, 15.00h: Filmpalast in Sulingen. Vorführung mit anschließender Autogrammstunde mit Marc Brummond und Wolfgang Rosenkötter zum DVD-Start
  • Dienstag, 01.12.2015, von 9 Uhr: Hochschulöffentliche Veranstaltung im Audimax der Alice-Salomon-Hochschule in Berlin. Nach der Aufführung des Spielfilms findet eine Podiumsdiskussion mit dem Zeitzeugen Wolfgang Rosenkötter, dem Spiegel-Redakteur Peter Wensierski (Autor des Buches „Schläge im Namen des Herrn“), dem Leiter der Jugendhilfe „Bethel im Norden“ Herrn Rüdiger Scholz, dem Schauspieler Langston Uibel (im Film Anton) und dem 1. Vorsitzenden der IGFH, Dr. Hans-Ullrich Krause statt. Moderation: Prof. Dr. Regina Rätz

zur Film-Homepage

Trailer:

 

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Gegen Gewalt an Kindern und Jugendlichen – Techniker Krankenkasse und Ministerium stellen neuen Leitfaden für Ärzte und Zahnärzte vor

Posted on März 2, 2015. Filed under: Fachkräfte, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen, Sachsen-Anhalt | Schlagwörter: , |

Mit dem Titel „Stoppt Gewalt gegen Kinder und Jugendliche“ haben die Techniker Krankenkasse und das Ministerium für Arbeit und Soziales am Mittwoch in Magdeburg einen neuen Leitfaden zur Früherkennung von Vernachlässigung und Misshandlung vorgestellt. Die dritte Auflage des erstmals im Jahr 1999 erschienenen und jetzt komplett überarbeiteten Ratgebers wendet sich nicht nur an Ärztinnen und Ärzte, sondern zusätzlich jetzt auch an Zahnärztinnen und Zahnärzte.

Der in Zusammenarbeit mit der Allianz für Kinder des Landes Sachsen-Anhalt und mit Unterstützung des Ministeriums für Inneres und Sport, der Ärztekammer, der Kassenzahnärztlichen Vereinigung sowie des Gesundheitsamtes Magdeburg erstellte Leitfaden soll Medizinerinnen und Mediziner dabei unterstützen, Symptome von Gewalt und Vernachlässigung schnell zweifelsfrei zu identifizieren. Zugleich enthält die Broschüre rechtliche Hinweise und Tipps, was und vor allem mit welchen Kooperationspartnern zu tun ist, wenn es einen begründeten Verdacht der Kindesmisshandlung gibt.

Sozialminister Norbert Bischoff dankte der Techniker Krankenkasse für die Kooperation beim Thema Kinderschutz. Zugleich hob er das Landesengagement in diesem Themenfeld hervor. So hat das Land seit 2005 gut 1.500 Kinderschutzfachkräfte qualifiziert, die in den Jugendämtern sowie bei Trägern der Jugendhilfe wie etwa in Kindertagesstätten tätig werden. Zugleich hat das Sozialministerium den Aufbau Lokaler Netzwerke für Kinderschutz forciert und fachlich unterstützt. Bischoff erinnerte zugleich daran, dass Sachsen-Anhalt mit dem Aufbau eines Netzes von Familienhebammen 2006 bundesweit zu den Vorreitern gehört habe. Mit dem Bundeskinderschutzgesetz 2012 war die Steuerung in kommunale Hände zu geben. Aktuell sind 41 Fachkräfte tätig. Bischoff sagte: „Der Staat und die gesamte Gesellschaft – also jeder Bürger und jede Bürgerin von Sachsen-Anhalt  – sind gefordert, Kinder und Jugendliche vor Gewalt, Vernachlässigung und Misshandlung zu schützen. Niemand darf wegsehen oder weghören, wenn Kindern und Jugendlichen Unrecht geschieht.“

Wie Jens Hennicke, Leiter der TK-Landesvertretung Sachsen-Anhalt anlässlich der Vorstellung des Leitfadens unterstrich, ist dieser ein wesentlicher Bestandteil des Engagements der Kasse zum Thema Kinder- und Jugendgesundheit in Sachsen-Anhalt. „Rund jeder siebente TK-Versicherte im Bundesland ist noch keine 15 Jahre alt. Daher liegt uns die Gesundheit von Heranwachsenden besonders am Herzen. Aus diesem Grund haben wir beispielsweise in Kooperation mit dem Kultusministerium im Schuljahr 2011/2012 die Initiative ‚Mobbingfreie Schule-Gemeinsam Klasse sein!‘ auf den Weg gebracht und unterstützen bereits seit mehreren Jahren gesundheitsfördernde Projekte an Kindergärten und Schulen. Der jetzt aktualisierte Leitfaden soll dazu beitragen, die auch bei Fachleuten bestehenden Informationsdefizite abzubauen, um dann im Bedarfsfall sachgerecht reagieren zu können“, so Hennicke der eine „große Diskrepanz“ zwischen Gesetzeslage, die ein gewaltfreies Aufwachsen von Kindern garantiert, und der Lebenswirklichkeit sieht. Beispiele aus den letzten Tagen und Wochen belegen erneut, dass Ohrfeigen und Schläge nur eine Form der Gewalt sind. Nicht selten müssen Jungen und Mädchen auch seelische Verletzungen in Form von beleidigenden Beschimpfungen, Demütigungen, Missachtung und Vernachlässigung erdulden.

Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Landes Sachsen-Anhalt weist für das Jahr 2014 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg der Fallzahlen bei Misshandlungen sowie dem sexuellen Missbrauch von Kindern und bei der Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht auf. Demnach wurden 533 Fälle von sexuellem Missbrauch sowie 171 Misshandlungsdelikte registriert. Im Jahr 2013 waren es 450 Fälle von sexuellem Missbrauch sowie 155 Fälle von Misshandlung. Die Aufklärungsquote ist in beiden Kriminalitätsbereichen hoch. Sie liegt bei knapp 90 Prozent im Bereich sexueller Missbrauch sowie gut 97 Prozent bei Kindesmisshandlung. Wegen verletzter Fürsorge- und Erziehungspflicht wurde 2014 in 103 Fällen ermittelt, lediglich zwei Vorwürfe konnten letztlich nicht zweifelsfrei aufgeklärt werden.

Mit den Folgen von körperlicher und sexueller Misshandlung sowie psychischer Gewalt und Vernachlässigung sieht sich Professor Doktor Rüdiger Lessig, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Halle, in seiner täglichen Arbeit konfrontiert. Der Mediziner, der die Erstellung des Leitfadens fachlich unterstützt hat, verwies darauf, dass rechtsmedizinische Untersuchungen in Fällen von Kindeswohlgefährdung dazu beitragen können, dass erforderliche Dokumentationen für anschließende Strafverfahren zur Verfügung stehen. Lessig: „Dies kann im Einzelfall nicht nur zur Überführung eines Tatverdächtigen, sondern auch zur Entlastung von Beschuldigten beitragen, die diesem Vorwurf ausgesetzt sind. Die Informationen über die zulässigen und notwendigen Abläufe sind für die klinisch tätigen Ärztinnen und Ärzten, aber auch Zahnärztinnen und Zahnärzte, sehr wichtig und hilfreich. Daher begrüße ich die Aktualisierung des Leitfadens ausdrücklich!“

Der Leitfaden wird mit einer Startauflage von zunächst 4.500  Exemplaren erscheinen. Er ist zugleich im Internet auf den Seiten der TK unter www.tk.de/lv-sachsenanhalt sowie auf der Startseite des Sozialministeriums unter www.ms.sachsen-anhalt.de zu finden.

Quelle: Ministerium für Arbeit und Soziales Sachsen-Anhalt vom 25.02.2015

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Hamburg: Yagmurs Eltern verurteilt

Posted on November 25, 2014. Filed under: Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Publikationen, Rechtliches | Schlagwörter: |

Der Prozess gegen die Eltern der im August 2013 in Hamburg verstorbenen dreijährigen Yagmur ist beendet. Nach der Rückführung des Pflegekindes in seine Herkunftsfamilie verstarb es an den Folgen zahlreicher Misshandlungen.

Zeit Online berichtet in einem Artikel vom 25.11.2014, dass die Mutter wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt wurde und der Vater eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und sechs Monaten wegen Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen bekam.

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss der Hamburgischen Bürgerschaft will seinen Abschlussbericht zum Fall Yagmur am 18.12. vorlegen.

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8.500 Inobhutnahmen aufgrund von Vernachlässigung oder Misshandlung in 2013

Posted on November 22, 2014. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Publikationen | Schlagwörter: , , , |

WIESBADEN – Im Jahr 2013 haben die Jugendämter bundesweit in 8 510 Fällen Kinder und Jugendliche aufgrund von Vernachlässigung oder Anzeichen für Misshandlung in Obhut genommen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) anlässlich des Tages der Kinderrechte am 20. November 2014 weiter mitteilt, waren die unter 6-Jährigen mit 40 % (2 600 Fälle) und die 6- bis 11-Jährigen mit 39 % oder 2 060 Fällen aller Inobhutnahmen der jeweiligen Altersgruppe besonders stark betroffen. Dabei konnten für jeden jungen Menschen bis zu zwei Anlässe der Inobhutnahme angegeben werden.

Nach Artikel 19 der Konvention über die Rechte der Kinder sind die Vertragsstaaten verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, um Kinder vor jeglicher Form von Gewaltanwendung, Misshandlung oder Verwahrlosung zu schützen.

Quelle: Pressemitteilung von Destatis vom 18.11.2014

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Fall Yagmur: Behörde übernimmt Verantwortung

Posted on September 17, 2014. Filed under: Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Publikationen | Schlagwörter: |

NDR.de berichtet am 15.09.2014 im Artikel „Fall Yagmur: Behörde übernimmt Verantwortung“, dass Sozialstaatsrat Jan Pörksen (SPD) am Montag im Parlamentarischen Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft stellvertretend für die Hamburger Sozialbehörde die politische Verantwortung für den gewaltsamen Tod der dreijährigen Yagmur Ende letzten Jahres übernommen hat (wir berichteten).

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Fall Yagmur: Familienrichterin: „Hinterher ist man immer schlauer“

Posted on Mai 10, 2014. Filed under: Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Publikationen | Schlagwörter: |

Die SHZ berichtet im Artikel „Familienrichterin: „Hinterher ist man immer schlauer“ vom 06.05.2014 von der dritte Zeugenanhörung im Untersuchungsausschuss zum tragischen Tod der kleinen Yagmur in Hamburg.

Die zuständige Familienrichterin bedauerte in ihrer Befragung, dass sie nicht ausreichend nachgehakt habe bei Staatsanwaltschaft, Jugendamt und Rechtsmedizin.

 

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„Auswirkung von Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch“ am 29.03. in Köln

Posted on Februar 8, 2014. Filed under: Fachkräfte, Fortbildung, Netzwerke, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

In Zusammenarbeit mit Pflege- und Adoptivfamilien NRW e.V. veranstaltet die Stiftung zum Wohl des Pflegekindes am 29.03. in Köln das Seminar „Auswirkung von Vernachlässigung, Gewalt und Missbrauch“ mit Dr. Adelheidis von Studnitz.

Entstehung einer Traumatisierung sowie Auswirkungen eines Traumas in der Entwicklung eines Kindes erläutert die Referentin ebenso, wie die notwendigen Bindungen im sozialen Umfeld, wie z.B. die Vermeidung von Triggern. Entwicklungschancen von Pflegekindern und Hilfen für das traumatisierte Pflegekind in der Schule und in der Pflegefamilie werden anhand praxisnaher Erkenntnisse geschildert und diskutiert.

nähere Informationen

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Buch-Tipp: „Deutschland misshandelt seine Kinder“

Posted on Februar 3, 2014. Filed under: Fachkräfte, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Stellungnahmen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Hinter dem provokanten Titel „Deutschland misshandelt seine Kinder“ verbirgt sich das Buch zweier Rechtsmediziner, die „keine Kinderleichen mehr ertragen wollen“ und deshalb auf die anhaltend hohe Zahl von Kindern aufmerksam machen, die in Deutschland durch Misshandlungen sterben.

„Laut offizieller Polizeistatistik sterben in Deutschland jede Woche drei Kinder an den Folgen ihrer Misshandlung. Rund siebzig Kinder werden so massiv malträtiert, dass sie ärztlich behandelt werden müssen. Die Dunkelziffer ist hoch.“ (Bei diesen Zahlen wurden Fälle sexuellen Missbrauchs noch gar nicht mit eingerechnet.)

Die Streitschrift des Direktors des Instituts für Rechtsmedizin an der Charité in Berlin Michael Tsokos und seiner Kollegin Saskia Guddat klagt ein „kollektives Verleugnen“ und das „Versagen des Systems“ an.

Das Buch beschreibt viele reale Fallgeschichten und will Handlungsanleitung und Leitfaden für Menschen sein, die einem misshandelten Kind begegnen und helfen wollen.

nähere Informationen:

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Hamburger Pflegeelternrat: „Stellungnahme zum Tod der kleinen Yagmur“

Posted on Januar 17, 2014. Filed under: Hamburg, Jugendhilfe, Kinderschutz, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Der Pflegeelternrat bei Freunde der Kinder, dem PFAD Landesverband Hamburg, äußert sich zum Tod der 3-jährigen Yagmur.

Das Mädchen lebte seit seiner Geburt bei einer Pflegemutter und war im August 2013 zu seinen leiblichen Eltern zurückgeführt worden. Dort war sie am 18. Dezember an einem Leberriss innerlich verblutet. Es besteht dringender Tatverdacht wegen Misshandlung gegen den Vater. Beide Eltern befinden sich in Haft.

zur Stellungnahme des Hamburger Pflegeelternrates „Zum Tod der kleinen Yagmur“ vom 16.01.2014

 

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Artikel über Studien zu den Auswirkungen früher Stress- und Gewalterfahrungen

Posted on Juni 30, 2013. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Forschung, Gesundheit, International, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Der Artikel „Adoption – Schwere Geburt“ auf Zeit-online vom 30.06.2013 fasst einige internationale Studien über die vielfältigen Spuren, die Stress im frühen Kindesalter hinterlassen kann, zusammen.

Ungewollt auf die Welt zu kommen ist eine extreme Belastung für das Kind. Bereits der Stress in der Schwangerschaft kann den Fötus schädigen. Mit den vielfältigen Folgen haben Adoptiveltern oft lange zu kämpfen. In den vergangenen Jahren haben Forscher herausgefunden, welche psychischen und biologischen Auswirkungen Gewalt im frühen Kindesalter hat.

zum Artikel

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Artikel „Todesfall Anna – zwei Jahre danach: Von Tätern und Bauernopfern“

Posted on Juli 23, 2012. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Politik, Publikationen | Schlagwörter: |

Der WDR-Artikel „Todesfall Anna – zwei Jahre danach: Von Tätern und Bauernopfern“ vom 22.07.2012 fasst die Ereignisse nach dem Tod des neunjährigen Pflegekindes Anna im Juli 2010 zusammen und berichtet vom aktuellen Stand des Begutachtungsprozesses der Jugendhilfe. Das Gutachten soll  im September dem Jugendhilfeausschuss in Bad Honnef vorgestellt werden.

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Forschungsprojekt „Von Generation zu Generation – Den Teufelskreis der Traumatisierung verstehen und durchbrechen“

Posted on Juli 18, 2012. Filed under: Forschung, Kinderschutz | Schlagwörter: , , , |

Die Charité – Universitätsmedizin Berlin hat am 05.07.2012 mit dem Universitätsklinikum Heidelberg, dem Universitätsklinikum der Rheinisch-Westfaelische Technische Hochschule (RWTH) Aachen und der Otto-Guericke-Universität Magdeburg das gemeinsame Projekt „Von Generation zu Generation: Den Teufelskreis der Traumatisierung verstehen und durchbrechen“ vorgestellt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMFB) fördert dieses Forschungsvorhaben als Teil des Forschungsnetzes „Missbrauch, Vernachlässigung und Gewalt im Kindes- und Jugendalter“.

Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Bildung und Forschung, sagte: „Ziel des BMBF-Forschungsnetzes ist es, die besten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zusammenzubringen, um die Ursachen von Gewalt gegen Kinder zu erforschen und ihr wirksam begegnen zu können. Das Projekt ‚Von Generation zu Generation‘ hilft, die Ursachen für Gewaltanwendung innerhalb von Familien besser zu verstehen und zu einem Therapieansatz zu kommen. Es trägt damit zum Schutz der Kinder und zu einer Kultur des Hinschauens bei.“

Mütter, die in ihrer Kindheit oder Jugend selbst Opfer von Missbrauch und Vernachlässigung durch enge Bezugspersonen wurden, leiden ein Leben lang unter den Folgen. Häufig geben sie diese Missbrauchserfahrungen an ihre eigenen Kinder weiter. „Die Übertragung von Gewalt in die nächste Generation beobachten wir leider häufig in der Klinik“, sagte Prof. Felix Bermpohl von der Psychiatrischen Universitätsklinik der Charité im St. Hedwigs Krankenhaus. Auch andere Berufsgruppen im Gesundheitswesen bestätigen diese Beobachtung. In vielen Fällen ist die elterliche Fürsorgefähigkeit beeinträchtigt. Den betroffenen Müttern gelingt es nicht, die Gefühle ihrer Kinder einzuordnen und angemessen zu reagieren.

Im Rahmen des gemeinsamen Forschungsprojekts wird nun versucht, die Ursachen dieses Kreislaufs von Misshandlung und Traumatisierung besser zu verstehen. Um erfolgreich Prävention zu betreiben, ist ein besseres Verständnis der Mutter-Kind-Beziehung nötig. Die beteiligten Forschungszentren konzentrieren sich auf verschiedene Risikogruppen von Müttern. Dazu gehören Mütter mit schwer belasteten Lebenserfahrungen, depressiven Störungen oder jugendliche Mütter. Darüber hinaus wird die Wirksamkeit von Programmen mit einem besonderen Schwerpunkt auf Mutter-Kind-Interaktionen mit Ansätzen verglichen, die sich vorrangig nur auf die Mutter oder das Kind konzentrieren. In einem weiteren Forschungszentrum wird mithilfe eines Tiermodells unter kontrollierbaren Bedingungen überprüft, welche epigenetischen und hirnfunktionellen Mechanismen bei der familiären Übertragung einer dysfunktionalen Mutter-Kind-Bindung eine Rolle spielen.

„Wir erhoffen uns Antworten auf die Frage, wie wir das Leben noch ungeborener Kinder oder junger Säuglinge von traumatisierten Eltern besser vor den oft lebenslangen Folgen schützen können“, sagte Prof. Annette Grüters-Kieslich, Dekanin der Charité – Universitätsmedizin Berlin. „Aktivitäten zum Kinderschutz sind der Charité ein besonderes Anliegen, deshalb freuen wir uns, Teil des heute vorgestellten Verbundprojekts zu sein“, ergänzte sie. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Berlin, Heidelberg, Aachen und Magdeburg erhoffen sich Erkenntnisse, die eine Datengrundlage schaffen, den Teufelskreis der Traumatisierung besser zu verstehen, um so letztendlich Kindesmissbrauch zu verhindern und den Betroffenen wirkungsvoll zu helfen.

Beteiligte Verbundpartner und ihre Projekte
Sprecher: R. Brunner
Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
Zentrum für Psychosoziale Medizin
Universitätsklinikum Heidelberg

  •  Depressive Reaktion auf traumatische Erfahrungen und ihre Auswirkungen auf die Mutter-Kind-Interaktion
    A. Heinz, F. Bermpohl, K. Bödeker, U. Lehmkuhl
    Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus
    Berlin School of Mind and Brain
    Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters der Charité ‐ Universitätsmedizin Berlin
  • Behaviorale und neuronale Auswirkungen mütterlicher Misshandlungserfahrungen in der eigenen Kindheit auf die Mutter-Kind-Interaktion
    Teilprojekt A: E. Möhler, C. Reck, F. Resch
    Teilprojekt B: S. Herpertz, C. Reck, K. Bertsch, E. Möhler
    Klinik für Allgemeine Psychiatrie
    Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie
    Zentrum für Psychosoziale Medizin
    Universitätsklinikum Heidelberg
  • Behandlungseffekte und neurobiologische Mechanismen eines standardisierten Mutter-Kind-Interventionsprogramms bei adoleszenten Müttern
    B. Herpertz-Dahlmann, K. Konrad
    Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes‐ und Jugendalters
    Universitätsklinikum der RWTH Aachen
  • Epigenetische Mechanismen von trans-generationalen neuronalen und synaptischen Veränderungen in präfronto-limbisch-hypothalamischen Schaltkreisen nach perinatalen Stresserfahrungen
    J. Bock, K. Braun
    Institut für Biologie, Fakultät für Naturwissenschaften, Otto-Guericke-Universität Magdeburg
    Center for Behavioral Brain Sciences

Kontakt:
Prof. Felix Bermpohl
Felix.Bermpohl@charite.de
Psychiatrische Universitätsklinik der Charité im St. Hedwig-Krankenhaus
Berlin School of Mind and Brain
t: +49 30 2311 2949

Quelle: Pressemitteilung der Charité vom 12.07.2012

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Tagungsdokumentation zu den Runden Tischen „Heimerziehung“ und „Sexueller Kindesmissbrauch“ erschienen

Posted on Juli 17, 2012. Filed under: Fachkräfte, Fortbildung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , |

In der Schriftenreihe „Aktuelle Beiträge zur Kinder- und Jugendhilfe“ der Arbeitsgruppe Fachtagungen Jugendhilfe im Deutschen Institut für Urbanistik ist als Band 84 die Dokumentation der Fachtagung „‚Was hat das mit uns zu tun?‘ Umsetzung der Schlussfolgerungen aus den Runden Tischen „Heimerziehung“ und ‚Sexueller Kindesmissbrauch‘ in die Jugendhilfepraxis„, die am 15./16. April 2012 in Berlin stattgefunden hat, erschienen.

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Bericht zur Heimerziehung in der DDR vorgestellt

Posted on März 26, 2012. Filed under: Brandenburg, Finanzielles, Gesundheit, Jugendhilfe, Meckl.-Vorpommern, Politik, Rechtliches, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen | Schlagwörter: , , |

Zwang und Gewalt gehörten für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche in den Heimen der DDR zum Alltag. Dies ist das Ergebnis des Berichts „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“, den der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesfamilienministerium, Dr. Hermann Kues, gemeinsam mit dem Parlamentarischen Staatssekretär im Bundesministerium des Inneren, Dr. Christoph Bergner, und den zuständigen Ministerinnen und Ministern aus den ostdeutschen Ländern heute in Berlin vorgestellt hat.

„Das Leid der Betroffenen der Heimerziehung, ob in Ost oder West, berührt alle“, erklärte der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Hermann Kues. „Nachdem wir den Fonds Heimerziehung West eingerichtet haben (wir berichteten), ist es mir auch ein persönliches Anliegen, dass wir nun denjenigen helfen, die unter der Heimerziehung in der DDR gelitten haben. Der heute vorgestellte Bericht ist ein erster Schritt zur Aufarbeitung dieses Kapitels in der Geschichte der DDR. Der nächste wichtige Schritt ist die Einrichtung des Fonds ‚Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949 bis 1990‘ zum 1. Juli dieses Jahres. Damit können wir das Unrecht nicht ungeschehen machen. Aber beide Fonds können den Betroffenen helfen, die Folgen dessen, was sie in den Heimen erlebt und durchlitten haben, zu mildern oder zu überwinden“, so der Dr. Hermann Kues.

Expertisen als Grundlage des Berichtes

Grundlage des Berichts sind die Ergebnisse von drei Expertisen zur Heimerziehung in der DDR, die sich mit den Themenfeldern Rechtsfragen, Erziehungsvorstellungen und Bewältigung von Traumatisierungen beschäftigten. In die Erstellung des Berichtes haben Bund und Länder Betroffene der DDR-Heimerziehung einbezogen. Diese haben ihre Erfahrungen und Forderungen in einem eigenen Berichtsteil dargelegt.
Auf der Grundlage des Berichts „Aufarbeitung der Heimerziehung in der DDR“ kommen die Bundesregierung und die ostdeutschen Länder zu folgenden Einschätzungen:

  • Zwang und Gewalt waren für viele Säuglinge, Kinder und Jugendliche in DDR-Heimen eine alltägliche Erfahrung
  • In Spezialheimen der Jugendhilfe wurde den Betroffenen Bildung verweigert, wurden sie zur Arbeit gezwungen und es wurden allgemein die Menschenrechte verletzt
  • Die Erlebnisse in den Heimen haben zu massiven Beeinträchtigungen der Lebenschancen und Entwicklungspotentialen der Betroffenen geführt, die über den Heimaufenthalt hinaus bis heute nachwirken
  • Viele Betroffene leiden an den Spätfolgen, an schlechten beruflichen Chancen, an Stigmatisierungen und psychischen Traumatisierungen

Fonds „Heimerziehung in der DDR in den Jahren von 1949 bis 1990“

Bund und ostdeutsche Länder wollen daher den Betroffenen Hilfen bei der Bewältigung von Folgen der Heimerziehung in der DDR und deren Aufarbeitung anbieten. Dazu soll ein Hilfesystem nach dem Vorbild des Fonds Heimerziehung West geschaffen werden.
Der Bund und die ostdeutschen Länder werden für den geplanten Fonds insgesamt 40 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Damit sollen unter anderem Anlauf- und Beratungsstellen in den ostdeutschen Ländern eingerichtet werden, die den Betroffenen bei der Aufarbeitung ihrer Lebensgeschichte, bei der Suche nach ihren Akten und beim Zugang zu Hilfeleistungen und Rentenersatzleistungen aus dem Fonds helfen. Ein kostenloses Infotelefon gibt den Betroffenen zudem Auskunft über die zuständigen Informationsstellen in den Ländern (Tel. 0800 / 100 49 00).
Den Bericht und die Expertisen sowie allgemeine Informationen zum Fonds Heimerziehung West und Kontaktdaten der Informationsstellen in den ostdeutschen Ländern und Berlin werden auf der Internetseite des Fonds zur Verfügung gestellt.

Quelle: BMFSFJ vom 26.03.2012

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forsa-Umfrageergebnisse zur Gewalt in der Erziehung

Posted on März 19, 2012. Filed under: Forschung, Kinderschutz, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , |

Obwohl sich alle Fachleute einig sind, dass Schläge ein Kind demütigen, es klein halten und gleichzeitig die Autorität der Eltern untergraben, gibt es nach wie vor Gewalt in der Erziehung – allerdings weniger als noch vor fünf Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle forsa-Umfrage unter 1.003 Eltern im Vergleich zu einer Vorstudie aus dem Jahre 2006/07. Vier von zehn Eltern bestrafen ihr Kind mit einem „Klaps auf den Po“, zehn Prozent geben eine „Ohrfeige“ und lediglich vier Prozent versohlen den Hintern. Vor fünf Jahren gaben 46 Prozent den „Klaps auf dem Po“ an, elf Prozent die Ohrfeige und sechs Prozent das „Hinternversohlen“. Aktuell bekommen Jungen die Hand eher zu spüren als Mädchen: 39 Prozent der Eltern von Mädchen geben einen Klaps auf den Po im Vergleich zu 45 Prozent der Eltern von Jungs. Jungen bekommen doppelt so häufig den Hintern versohlt wie Mädchen (Jungseltern sechs Prozent, Mädcheneltern nur drei Prozent). Sind ausschließlich Töchter in der Familie, geben nur 31 Prozent einen Klaps, und lediglich ein Prozent gibt an, den Hintern zu versohlen.

Je mehr Kinder die Befragten haben, desto häufiger rutscht die Hand aus: Eltern von mindestens drei Kindern ohrfeigen mehr als doppelt so häufig wie Eltern von Einzelkindern. Spitzenreiter ist auch hier der Klaps auf den Po: Rund die Hälfte aller Eltern mit mindestens drei Kindern gibt einen Klaps auf den Po, während dies nur 34 Prozent der Einzelkind-Eltern angeben.

Im Westen gibt es häufiger den Klaps, im Osten tendenziell häufiger eine Ohrfeige: 42 Prozent der westdeutschen Eltern geben einen Klaps, aber nur neun Prozent eine Ohrfeige, im Osten 32 bzw. 14 Prozent.

Nach Klaps oder Ohrfeige haben 75 Prozent der Mütter und Väter ein schlechtes Gewissen, vor fünf Jahren waren es 71 Prozent. Westdeutsche Mütter und Väter plagen sich häufiger damit (77 Prozent) als ostdeutsche (64 Prozent).

Als Anlässe für die Bestrafung gibt über die Hälfte der Befragten an, dass die Kinder „unverschämt“ waren. Mit jeweils 40 Prozent werden das „Nicht-Gehorchen“ und aggressives Verhalten den Eltern gegenüber genannt. Vor fünf Jahren war „Ungehorsam“ noch am häufigsten als Auslöser genannt worden (56 Prozent).

17 Prozent der strafenden Befragten glauben, dass Strafen „eigentlich gar keine Wirkung“ haben. Und 37 Prozent sagen: Die Wirkung hat nur „ein paar Stunden“ oder „ein paar Tage“ angehalten. Lediglich ein Drittel ist der Meinung ihre körperlichen Strafen hätten „ein paar Wochen“ oder „ein paar Monate“ angehalten. Im Osten wird die Wirksamkeit ein wenig höher eingeschätzt als im Westen.

Laut werden (93 Prozent) und Verbote aussprechen (85 Prozent) sind die häufigsten körperlosen Bestrafungen bei unerwünschtem Verhalten. Mit großem Abstand folgen „eine Auszeit verordnen“ (47 Prozent), „auf den Tisch hauen“ (43 Prozent), „das Kind kräftig anfassen/ festhalten“ (38 Prozent) sowie „ignorieren“ (26 Prozent) und „niederbrüllen“ (19 Prozent). Frauen werden häufiger laut und verordnen eine Auszeit, während Männer häufiger handgreiflich werden. Eltern, die mit dem Alltag unzufrieden sind, neigen deutlich häufiger zu Handgreiflichkeiten, Ignorieren und Niederbrüllen.

komplette Studienergebnisse

Zur Studie:
Repräsentative Befragung von 1.003 deutschsprachigen Personen ab 18 Jahren mit mindestens einem eigenen Kind bis 14 Jahren im Haushalt. Befragungszeitraum: 10. bis 24. November 2011, Institut: forsa

Quelle: ots-Originaltext: Gruner+Jahr, ELTERN vom 13.03.2012

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UNICEF: „Pflegeeltern leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Kinder und die Gesellschaft“

Posted on Februar 4, 2012. Filed under: Kinderschutz, Netzwerke, Pflegefamilie, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

Statement von Christian Schneider, Geschäftsführer von UNICEF Deutschland zu Kindesmisshandlungen:

„Den meisten Eltern in Deutschland wollen heute ihre Kinder ohne Gewalt erziehen. Dennoch sind Vernachlässigung und Gewalt in vielen Familien ein Problem. Die Zahl der Inobhutnahmen durch Jugendämter steigt seit Jahren deutlich. Im Jahr 2010 waren es über 36.000 Kinder.

Todesfälle aufgrund von Misshandlungen sind glücklicherweise selten. Trotzdem geht der Bund Deutscher Kriminalbeamter auf der Basis der Kriminalstatistik von 152 Fällen in 2009 aus. Das wären nahezu drei Todesfälle durch Vernachlässigung und Gewalt pro Woche. Das bestätigt frühere UNICEF-Untersuchungen.

Es gibt viele erfolgreiche Initiativen in Deutschland, um bedrohte Kinder rechtzeitig zu identifizieren und die Situation in den Familien zu stabilisieren. Das neue Kinderschutzgesetz schreibt auch eine stärkere Vernetzung zwischen Ärzten, Hebammen, Kindergärten und Schulen mit den Jugendämtern fest. Das ist sehr zu begrüßen, ebenso wie der Schwerpunkt auf Prävention.

Tatsächlich scheitert wirksame Prävention aber oftmals an Überlastung, Fehleinschätzungen und fehlenden Informationen bei den Behörden. Wissen, Erfahrung und Zeit sind notwendig, um Gefahrenzeichen rechtzeitig zu erkennen. Die Standards sind aber von Ort zu Ort unterschiedlich.

Pflegefamilien bedeuten für die betroffenen Kinder menschliche Nähe und Verlässlichkeit. Deshalb ist dieser Weg meist besser als eine Heimunterbringung. Das ist UNICEF-Erfahrung aus vielen Ländern. Diese Familien müssen aber sehr gut ausgewählt, begleitet und unterstützt werden. Sie leisten einen unschätzbaren Beitrag für die Kinder und die Gesellschaft.“

Quelle: Pressemitteilung von UNICEF Deutschland vom 03.02.2012

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Bund, Länder und Kirchen starten Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“

Posted on Januar 2, 2012. Filed under: Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Finanzielles, Gesundheit, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Politik, Rechtliches, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein | Schlagwörter: , , |

Mit Wirkung vom 1. Januar 2012 an stehen Betroffenen Mittel aus dem Fonds „Heimerziehung in der Bundesrepublik Deutschland in den Jahren 1949 bis 1975“ (Fonds „Heimerziehung West“) zur Verfügung. Der Fonds wurde durch den Bund, die Länder Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein, Bayern, Berlin, Bremen und Hamburg, die Evangelische Kirche in Deutschland, die (Erz-) Bistümer der katholischen Kirche im Bundesgebiet, den Deutschen Caritasverband, das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland und die Deutsche Ordensobernkonferenz errichtet. Insgesamt stehen 120 Millionen Euro zur Verfügung, die jeweils zu einem Drittel von Bund, Ländern und Kommunen sowie katholischer und evangelischer Kirche und deren Wohlfahrtsverbänden und den Orden erbracht werden. Damit ist der Startschuss zur Umsetzung der Empfehlungen des Runden Tisches Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren gegeben.

„Das Leid der Betroffenen hat mich zutiefst berührt, deshalb ist es mir wichtig gewesen, dass die Vorschläge des Runden Tisches Heimerziehung West schnell umgesetzt werden. Ab 1. Januar können endlich die Anträge auf Unterstützung gestellt werden. Das ist eine wichtige Nachricht für alle Betroffenen“, sagt die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Kristina Schröder. „Mir ist bewusst, dass der Fonds nichts ungeschehen machen kann. Der Fonds kann aber Betroffenen helfen, heute noch nachweisbare Folgen aus der Zeit ihrer Heimunterbringung in den Jahren 1949 bis 1975 zu überwinden.“

Betroffenen, denen während ihrer Heimunterbringung in den Jahren 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik Deutschland Unrecht und Leid zugefügt wurde, kann durch den Fonds eine Hilfe zur Bewältigung dieses Leids gewährt werden, soweit durch die Heimerziehung heute noch Traumatisierungen oder andere Beeinträchtigungen und Folgeschäden bestehen und dieser besondere Hilfebedarf nicht über die bestehenden Hilfe- und Versicherungssysteme abgedeckt wird. Darüber hinaus sollen Betroffene dabei unterstützt werden, ihre Zeit der Heimunterbringung zwischen 1949 und 1975 aufzuarbeiten. In Fällen, in denen es aufgrund seinerzeit nicht gezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einer Minderung von Rentenansprüchen gekommen ist, soll mit Hilfe des Fonds ein finanzieller Ausgleich gewährt werden.

Anträge können bis zum 31. Dezember 2014 gestellt werden. Anlauf- und Beratungsstellen in den westdeutschen Bundesländern und Berlin beraten Betroffene und ermitteln den konkreten Hilfebedarf. Für Betroffene aus Säuglings-, Kinder- und Jugendheimen sowie Jugendwerkhöfen der ehemaligen DDR ist geplant, bis zum Sommer 2012 entsprechende Regelungen und Grundlagen zu schaffen.

Auf der Website zum Fonds sind ausführliche Informationen zum Fonds, zur Antragstellung und zu den Zuständigkeiten der Beratungsstellen zu finden: www.fonds-heimerziehung.de.

Ein kostenloses Infotelefon gibt Auskunft über die zuständige Beratungseinrichtung: 0800 / 10 04 900 (montags: 8.00 Uhr bis 14.00 Uhr, dienstags, mittwochs, freitags: 16.00 Uhr bis 22.00 Uhr und sonntags: 14.00 Uhr bis 20.00 Uhr)

Weitere Informationen finden Sie auch unter www.bmfsfj.de.

Quelle: Pressemitteilung des BMFSFJ vom 02.01.2012

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Studie zu Auswirkungen von Misshandlungen und Gewalt auf das Gehirn eines Kindes

Posted on Dezember 8, 2011. Filed under: Forschung, International, Publikationen | Schlagwörter: , , |

London/Wien (pte031/06.12.2011/13:55) – Misshandlungen und Gewalt in der Familie programmieren das Gehirn eines Kindes dafür, mögliche Gefahrenquellen besser wahrzunehmen. Das berichten Forscher vom University College London in der Zeitschrift „Current Biology“. In der laut den Wissenschaftlern ersten Untersuchung der beteiligten Gehirnregionen durch funktionelle Bildgebung zeigte sich, dass die Verdrahtung der Neuronen nach Gewalterfahrung ähnlich verändert ist wie bei Soldaten, die in eine Kampfhandlung geraten sind.

Stärkere Reaktion auf Zorn
Schon bisher zählten frühe Gewalt und Misshandlungen zu den stärksten Risikofaktoren aus der Umwelt für spätere Angststörungen und Depression. Über welche Mechanismen diese oft langfristige Prägung geschieht, war jedoch wenig bekannt. Die britischen Forscher beobachteten die Gehirne betroffener Kinder, während sie ihnen Bilder von zornigen und traurigen Gesichtern zeigten. Auffallend aktiv waren der vordere Teil der Inselrinde sowie die Amygdala, zwei für die Wahrnehmung von Gefahren und die Vorwegnahme von Schmerzen zuständige Regionen.

Anpassung mit hohen Kosten
„Die verbesserte Reaktion kann für die betroffenen Kinder eine Strategie sein, die kurzfristig durchaus erfolgreich ist und vor Gefahren schützen kann“, erklärt Studienleiter Eamon McCrory. Statt einer Schädigung wurde somit eine Anpassung an eine gefährliche Umgebung sichtbar. Diese kommt freilich zum Preis der erhöhten Verletzbarkeit gegenüber Stressfaktoren, die auch viel später noch die psychische Gesundheit beeinträchtigen kann. Selbst wenn ein Kind keine direkte Zeichen von Gewalt oder Depression zeigen, können sich somit derartige Erfahrungen auf Neuronenebene auswirken.

Alter entscheidet mit
Der Wiener Kinderpsychiater Max Friedrich sieht bisherige Vermutungen bestätigt. Entscheidend für die Wahrnehmung und Verarbeitung sei allerdings das Alter des Kindes. „In der magisch-animistischen Phase ab drei Jahren werden Gewalterfahrungen verdrängt, etwa in die Märchenwelt. Beim logischen Denken ab sechs Jahren werden in der Amygdala gespeicherte Erlebnisse von früher erstmals real erlebt. Ab dem Jugendalter gelingt das abstrakte Denken“, so der Experte gegenüber pressetext. Der Vergleich mit Soldaten hinke aus diesem Grund etwas.

Ich-Stärkung als Therapie
Vergessen und aus dem Gedächtnis löschen kann man Gewalterfahrungen nicht mehr. Wehrlos sind Menschen, die unter dieser Bürde leiden, allerdings nicht. „Die Psychotherapie kann Mechanismen aktivieren, die einen Gegenpol dazu liefern: Die Stärkung der Persönlichkeit im Denken, Fühlen, Wollen und Handeln, die Identifikation, Vorbildhaltung sowie das intime Einüben neuer Möglichkeiten von Nähe und Distanz“, betont Friedrich.

zur Originalstudie

Quelle: www.pressetext.com vom 08.12.2011

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Jugendamt Königswinter möchte Konsequenzen aus eventuellen Fehlern im „Fall Anna“ ziehen

Posted on November 26, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Pflegefamilie, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: |

(pfad/schulz) Der Artikel „Der Fall Anna – Aufarbeitung und Neuausrichtung“ aus Rundschau-online vom 26.11.2011 schildert die Sitzung des Königswinterer Jugendhilfeausschusses vom Abend der Urteilsverkündung (wir berichteten).

Das Gremium beriet sich mit dem bestellten Sachverständigen Professor Christian Schrapper, der die methodische Arbeit des Jugendamtes untersuchen soll, das für Anna und ihre Pflegeeltern verantwortlich war. Vor einer Diskussion der Untersuchung von Professor Schrapper müsse jedoch erst die strafrechtliche Seite für das Jugendamt geklärt werden.

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Bonn: Urteil im Fall Anna gesprochen

Posted on November 24, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Heute sprach das Landgericht Bonn sein Urteil im „Fall Anna“. Das neunjährige Mädchen wurde in ihrer Pflegefamilie misshandelt und kam im Juli 2010 zu Tode.

Die Richter sprachen die Pflegemutter wegen Mordes, Misshandlung von Schutzbefohlenen und Freiheitsberaubung mit Todesfolge schuldig und verurteilten sie zu einer lebenslangen Haftstrafe. Der Pflegevater wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge sowie Misshandlung und Freiheitsberaubung mit Todesfolge schuldig gesprochen und muss sechseinhalb Jahre in Haft. Die Anwälte der Pflegemutter wollen in Revision gehen.

Pressespiegel:

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Familienausschuss beschließt Antrag auf Entschädigung misshandelter Heimkinder

Posted on Juli 11, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Politik, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: , , |

Berlin: (hib/AW) Kinder und Jugendliche, die während einer kommunalen oder kirchlichen Heimerziehung zwischen 1949 und 1975 zu Opfern von Unrecht und Misshandlungen geworden sind, sollen entschädigt werden. Der Familienausschuss beschloss den entsprechenden überfraktionellen Antrag der CDU/CSU, SPD, FDP und von Bündnis 90/Die Grünen (17/6143) in seiner Sitzung am Mittwoch mit den Stimmen der antragstellenden Fraktionen gegen die Stimmen der Fraktion Die Linke. Der Antrag der Linksfraktion (17/6093) wurde mit den Stimmen der anderen Fraktionen abgelehnt. Der Bundestag wird in seiner Sitzung am Donnerstag abschließend über beide Anträge beraten und gemäß der Beschlussempfehlung voraussichtlich den fraktionsübergreifenden Antrag annehmen.

Nach dem Willen von Union, Sozialdemokraten, Liberalen und Grünen soll die Bundesregierung in Abstimmung mit den Bundesländern und den Kirchen zeitnah Regelungen zur Entschädigung gemäß der Empfehlungen des Runden Tischs ”Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren“ ausarbeiten und dem Bundestag vorlegen. Neben der Entschädigung, die nicht auf Renten und andere Sozialleistungen angerechnet werden soll, fordern die vier Fraktionen eine bessere Prävention vor weiteren Misshandlungen und die Einrichtung regionaler Anlauf- und Beratungsstellen.
Die Entschädigung westdeutscher Heimkinder soll über einen bundesweiten Fonds in Höhe von 120 Millionen Euro finanziert werden. Der Bund, die alten Länder und die Kirchen sollen dafür jeweils 40 Millionen Euro bereitstellen. Die Entschädigung von misshandelten Kindern und Jugendlichen aus Heimen der DDR soll nach dem gleichen Modell und nach den gleichen Maßstäben erfolgen.

Die antragstellenden Fraktionen wiesen in der Sitzung des Familienausschusses darauf hin, dass sich ihr Antrag eng an den Empfehlungen des Rundes Tischs zur Heimerziehung orientiere. Dieser habe sich zwar nur mit Misshandlungen und Unrecht in westdeutschen Heimen befasst, allerdings sei es auch in DDR-Heimen zu Misshandlungen gekommen. Deshalb habe die Entschädigung nach den gleichen Kriterien zu erfolgen.
Die Linksfraktion hingegen kritisierte, der überfraktionelle Antrag ignoriere wesentliche Empfehlungen des Runden Tischs und nenne keine konkreten Zahlen zur individuellen Entschädigung der Opfer. Sie fordert in ihrem Antrag vor allem, dass die Entschädigung über ein Gesetz zu regeln sei.

Für die Bundesregierung begrüßte Staatssekretär Josef Hecken aus dem Familienministerium den Antrag. Er kündigte an, dass die Gespräche zwischen der Regierung, den Ländern und den Kirchen vor dem Abschluss stünden. Bis Anfang nächsten Jahres werde man die Regelungen über die Entschädigung getroffen habe. Zeitgleich werde die Regierung einen Gesetzentwurf einbringen, der die Nichtanrechnung der Entschädigung auf Sozialleistungen garantiere.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 284 vom 06.07.2011

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Minderjährigen Opfern sexueller Gewalt Mehrfachvernehmungen ersparen

Posted on Juni 28, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Kinderschutz, Politik, Rechtliches | Schlagwörter: , |

Berlin: (hib/BOB) Opfern von sexueller Gewalt sollen Mehrfachvernehmungen – etwa durch Polizei, Staatsanwaltsschaft, Gutachter sowie die eigentliche Hauptverhandlung – erspart bleiben. Wie aus einem Gesetzentwurf der Bundesregierung (17/6261) weiter hervorgeht, könnten gerade minderjährige Opfer sexuellen Missbrauchs es als ”äußerst belastend und qualvoll empfinden“, wenn sie auf diese Weise eine emotional und oft auch intellektuell anstrengende Aussage in der ungewohnten Umgebung des Strafverfahrens mehrmals und möglicherweise in größeren zeitlichen Abständen wiederholen müssten. Das geltende Recht sehe unter bestimmten Umständen die Ersparung von Mehrfachvernehmungen für Kinder und Jugendlichen bereits vor. Zukünftig sollten sie auch für erwachsene Zeugen gelten, sofern bestimmte Straftaten gemeint seien und er oder sie zum Tatzeitpunkt unter 18 Jahren waren. Die Initiative sieht weiter vor, dass ein Opferanwalt auch für Erwachsene gestellt werden kann. Nötig sei dies, wenn der Missbrauch oder die Misshandlung schon längere Zeit zurückliege und das Opfer zum Zeitpunkt der Ermittlungs- oder Strafverfahrens bereits über 18 Jahre war.

Der Gesetzentwurf sieht weiterhin vor, die Verjährungsfrist für Schadenersatzansprüche, die auf einer vorsätzlichen Verletzung beispielsweise des Lebens und der sexuellen Selbstbestimmung beruhen, auf 30 Jahre zu erhöhen. Zur Begründung schreibt die Bundesregierung, die dreijährige Regelverjährung habe sich als zu kurz erwiesen, um Ansprüche wirksam durchzusetzen. Die Geschädigten oder die Hinterbliebenen seien oft nicht in der Lage, innerhalb der gesetzlichen Frist (drei Jahre) ihre Ansprüche geltend zu machen. Der Entwurf greift nach Darstellung der Bundesregierung die an den Gesetzgeber gerichteten Empfehlungen des Runden Tisches ”Sexueller Kindesmissbrauch in Abhängigkeits- und Machtverhältnissen in privaten und öffentlichen Einrichtung und im familiären Bereich“ auf.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 265 vom 28.06.2011

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Tatsächliche Entschädigung für Heimkinder bleibt schwierig

Posted on Juni 27, 2011. Filed under: Jugendhilfe, Politik, Publikationen | Schlagwörter: , , |

Berlin: (hib/SKE) Sachverständige haben das Bemühen des Bundestages um eine Entschädigung misshandelter Heimkinder in den 1940er bis 1970er Jahren gewürdigt. In der öffentlichen Anhörung des Ausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am Montag Nachmittag benannten sie aber wesentliche Punkte, die sie weiter für klärungsbedürftig halten. Grundlage waren ein Antrag der Fraktionen von Union, SPD, FDP und Bündnis 90/Die Grünen (17/6143) und ein Antrag der Fraktion Die Linke (17/6093). Beide Anträge greifen Ergebnisse des vom Bundestag eingerichteten Runden Tisches ”Heimerziehung in den 50er und 60er Jahren auf“. Der Tisch hatte sich mit der Misshandlung von Kindern und Jugendlichen in westdeutschen Heimen beschäftigt.

Christian Schrapper, Professor am Institut für Pädagogik der Universität Koblenz-Landau, sagte, es gelte ”Wissen zu erzeugen“, sowohl Betroffenen als auch Verantwortlichen ”eine Stimme zu geben“ und ”öffentliche Orte der Erinnerung“ zu schaffen. ”Ich halte nichts von einer bundesweiten Gedenkstätte“, sagte Schrapper. Die Handlungsweisen in den Kinder- und Jugendheimen seien regional unterschiedlich gewesen. Es sei daher sinnvoller, regionale Gedenkstätten zu schaffen.

Dr. Friederike Wapler, Rechtswissenschaftlerin der Universität Göttingen, benannte die Problematik der finanziellen Entschädigung. Der Runde Tisch hatte finanzielle Hilfen für die Betroffenen empfohlen. Eine pauschalisierte Entschädigung für alle Heimkinder, wie sie die Linksfraktion empfehle, werfe das Problem auf, dass alle Heime auf die gleiche Stufe gestellt würden. Bei einer individuellen Entschädigung, bei der jeder einzelne sein Leid nachweisen müsse, würden wiederum viele vor das Problem der Verjährung gestellt. Eine sogenannte Folgenlösung, wie sie der Runde Tisch nahelege, konzentriere sich auf Schäden der Opfer, die heute noch nachzuweisen seien. Dieses Vorgehen habe den Vorteil, dass Opfer ihr individuelles Leid nicht bis ins Detail nachweisen müssten. Wapler kritisierte aber eine aus ihrer Sicht mangelnde Abstimmung mit dem Runden Tisch ”Sexueller Missbrauch“. Die Gleichbehandlung beider Opfergruppen im Hinblick auf materielle Anerkennung müsse gewährleistet werden. Es sei außerdem empfehlenswert, die Zahl der Jahre, in denen Kinder misshandelt worden seien, nicht künstlich zu begrenzen. Zwar habe es in den 1970er Jahren einen Umbruch in der Erziehung der Heimkinder gegeben. Eine Misshandlung sei aber auch in den 1980er Jahren möglich gewesen und müsse ebenfalls entschädigt werden.

Dr. Hans-Siegfried Wiegand lobte insbesondere den Antrag der Linksfraktion, der eine pauschale Entschädigung der Opfer vorsieht. ”Ich möchte davon ausgehen, dass dies kein politisches Strohfeuer ist“, sagte er mahnend. ”Es wäre verantwortungslos, bei uns Hoffnungen zu wecken, die unerfüllbar sind.“

Ralf Weber, Vertreter des Opferbeirates des Geschlossenen Jugendwerkshofes Torgau in der ehemaligen DDR, lobte das Ansinnen des Bundestages, auch Heimkinder aus der DDR zu entschädigen. Er empfahl den Abgeordneten, den Kreis der Betroffenen bis 1990 auszudehnen. In der DDR sei das Unrecht nicht in den 70er Jahren zu Ende gewesen. Weber bezeichnete eine monatliche Rente von 150 Euro als Grundleistung für angemessen. In Torgau seien die Kinder und Jugendlichen noch schlimmer drangsaliert worden als in anderen Heimen. Nach seiner Ankunft habe er, wie alle anderen auch, stundenlang nackt auf dem Flur stehen müssen. Der Direktor habe ihn zu einem sechsstündigen Strafsport-Programm gezwungen, nach dessen Ende seine Kleidung komplett blutverschmiert gewesen sei. Mädchen, die ihre Periode hatten, seien gezwungen gewesen, sich vor den Augen der männlichen Erzieher Tampons einzuführen. ”Es hat mein Leben über 20 Jahre beeinflusst, ich kenne Leute, die haben sich bis heute nicht erholt“, so Weber.

Norbert Struck vom Paritätischen Gesamtverband sagte, der Verband arbeite daran, aus den Erfahrungen der Vergangenheit zu lernen und Strukturen zu schaffen, die den Missbrauch künftig schwerer machen. ”Eine zentrale Erfahrung der Opfer ist die Ohnmachtserfahrung“, sagte Struck. Wichtig sei das ”Herstellen von Öffentlichkeit“ und Ansprechpartner für Kinder und Jugendliche zu finden, die den Betroffenen zur Seite stünden. Auch gelte es, den Grundsatz, Kinder seien gewaltfrei zu erziehen, und seine Konsequenzen noch stärker zu beachten und dafür Umgangsformen zu entwickeln.

Quelle: Heute im Bundestag Nr. 262 vom 27.06.2011

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Artikel „Misshandelte Neunjährige verklagt Jugendamt“

Posted on März 18, 2011. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Kinderschutz, Meckl.-Vorpommern, Pflegefamilie, Publikationen, Rechtliches | Schlagwörter: , |

Im Artikel „Misshandelte Neunjährige verklagt Jugendamt“ in Der Westen vom 17.03.2011 wird von einem neunjähriges Mädchen berichtet, das das Jugendamt Güstrow auf Schadenersatz verklagt.

Über Jahre wurde das Kind von seiner Mutter schwer misshandelt. Der Vorwurf gegen das Jugendamt besagt, dass eine Mitarbeiterin ärztliche Hinweise nicht weitergeleitet habe.

Fast 30 Mal wurde das Mädchen wegen Verätzungen und Verbrühung von Notärzten und in Krankenhäusern behandelt, bevor die Misshandlung entdeckt wurde. Seit einigen Jahren lebt das Mädchen in einer Pflegefamilie.

Das Landgericht Rostock verhandelt den Fall seit dem 17.03., ein Urteil wird zum 29.04. erwartet.

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Buch-Tipp „Ursachen und Unterstützungsangebote für gewaltbereite Kinder und Jugendliche“

Posted on Januar 13, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Erziehungsstellen, Fachkräfte, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Viele Kinder und Jugendliche erleben körperliche und seelische Gewalt; sie machen Erfahrungen mit Schmerz, Missachtung, Demütigung und Ohnmacht. Nicht selten werden Kinder und Jugendliche selbst gewalttätig, richten Gewalt gegen sich und andere. Es braucht Fachkompetenz und einen differenzierten Blick auf die Situation von Jugendlichen in unserer Gesellschaft.

Das Fachbuch „Was steckt hinter der Jugendgewalt? Ursachen und Unterstützungsangebote für gewaltbereite Kinder und Jugendliche“ thematisiert diese Aspekte. Es umfasst Analysen über die Hintergründe der Gewalt und Hilfe- und Unterstützungskonzepte. Das Buch (212 Seiten) kostet 12,95 € und kann bei der Bundesgeschäftsstelle der Kinderschutz-Zentren (per Mail oder Fax) bestellt werden.

Weitere Informationen

Quelle: Newsletter der Kinderschutz-Zentren Nr. 1 vom Januar 2011

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Datenbank RISKID (Risiko Kinder Informationssystem Deutschland) startet bundesweit – Schutz vor Kindesmisshandlung verbessern

Posted on Dezember 17, 2010. Filed under: Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: |

Ärzte verfügen oft über Anhaltspunkte, die auf Kindesmisshandlung schließen lassen könnten. Hierzu gehört z. Bsp. die Feststellung von Hämatomen/Verletzungen und speziellen Knochenbrüchen unterschiedlichen Entstehungsalters, ohne dass die Entstehung (Kind ist vom Tisch gefallen?) von den Eltern plausibel geschildert wird.

Die lediglich nicht plausible Erklärung einer Kindesverletzung ist noch nicht geeignet, dieses bei einer Jugend- und Familienbehörde oder der Polizei anzuzeigen.

„Ein innerärztlicher Austausch solcher Informationen verbessert die Diagnosemöglichkeit der behandelnden Ärzte, stellt das sogenannte „Ärztehopping“ fest und kann eine mögliche weitere Kindesmisshandlung verhindern“, unterstützt der BDK-Bundesvorsitzende Klaus Jansen die Einrichtung der bundesweiten Datenbank RISKID.

Nach § 203 StGB ( Schweigepflichtparagraph ) ist es Ärzten, die Kinder behandeln, grundsätzlich nicht gestattet, sich ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten (und möglicherweise Täter) über Verdachtsfälle von Kindesmisshandlung gegenseitig zu informieren, d.h. Befunde und Diagnosen auszutauschen. Beim RISKID-Konzept verbleiben die gewonnenen zusätzlichen Informationen innerhalb der nach § 203 StGB der Verschwiegenheit unterliegenden Berufsgruppe der Ärzte.

„Gegenseitige Information zwischen den Ärzten, die ein Kind behandeln, muss bei Verdacht auf Kindesmisshandlung aber auch ohne Einverständnis der Erziehungsberechtigten möglich sein, damit die Diagnose Kindesmisshandlung möglichst schnell gesichert oder auch ausgeschlossen werden kann“, ist die noch weitergehende Forderung des BDK-Bundesvorsitzenden Klaus Jansen, der diese Möglichkeit im neuen Kinderschutzgesetz geregelt haben möchte.

Quelle: Pressemitteilung des Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK) vom 16.12.2010

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„Frühe Warnzeichen von Vernachlässigung und Misshandlung von Säuglingen und Kleinkindern – Entgleisungen in der frühen Eltern-Kind-Beziehung“ vom 01.-03.12. in Berlin

Posted on Oktober 6, 2010. Filed under: Berlin, Fachkräfte, Fortbildung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

Das Paritätische Bildungswerk bietet MitarbeiterInnen von Einrichtungen der Familienbildung und –beratung, von Kindertagesstätten, Fachberatungen von Tagespflegepersonen und Fachkräfte, die Eltern und Kinder in den ersten Jahren begleiten vom 01.-03.12. in Berlin die Fortbildung „Frühe Warnzeichen von Vernachlässigung und Misshandlung von Säuglingen und Kleinkindern – Entgleisungen in der frühen Eltern-Kind-Beziehung“ an. Dozentin wird die Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin Bärbel Derksen sein.

Ziel des Kurses ist es die Interaktionen zwischen Mutter/Vater und Säugling bzw. Kleinkind beobachten und interpretieren zu können, Risikofaktoren zu erkennen und einschätzen zu können.

Anmeldeschluss ist der 25.10.

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Rheinland-Pfalz: Jugendämter nehmen unverändert viele Kinder und Jugendliche in Obhut

Posted on Juli 26, 2010. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Kinderschutz, Rheinland-Pfalz | Schlagwörter: , , , , |

Im Jahr 2009 nahmen die rheinland-pfälzischen Jugendämter 877 Kinder und Jugendliche in Obhut. Wie das Statistische Landesamt in Bad Ems mitteilt, waren dies 353 (67,4 Prozent) mehr als noch im Jahr 2005. Im Vergleich zum Vorjahr blieb die Anzahl annähernd konstant.

Kinder und Jugendliche werden von den Jugendämtern kurzfristig in Obhut genommen, wenn sie sich in einer akuten – sie gefährdenden – Krisensituation befinden und raschen Schutz benötigen. Mehr als ein Viertel der Inobhutnahmen erfolgte auf eigenen Wunsch der Kinder und Jugendlichen. Bei den übrigen veranlassten andere Personen oder Stellen (zum Beispiel Polizei, Lehrer, Nachbarn, soziale Dienste) eine stunden- oder tageweise Unterbringung in einer geeigneten Einrichtung.

Mehr als die Hälfte der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen war älter als 14 Jahre, 56 Prozent waren Mädchen. Neun Prozent der Inobhutnahmen erfolgten an jugendgefährdenden Orten. Im Jahr 2005 lag dieser Anteil noch bei rund 13 Prozent.

Überforderung der Eltern bzw. eines Elternteils war in etwa der Hälfte der Fälle Anlass für die Inobhutnahme. Vernachlässigung beziehungsweise Anzeichen für Misshandlung oder sexuellen Missbrauchs waren in rund einem Drittel der Fälle ausschlaggebend. Weitere Auslöser stellten unter anderem Beziehungsprobleme, Schwierigkeiten in der Schule, Straftaten oder Integrationsprobleme im Heim bzw. in der Pflegefamilie dar.

Im Vergleich zum Jahr 2005 nahmen die Interventionen der Jugendämter aus Anlass der Vernachlässigung von Kindern und Jugendlichen um 40 Prozent zu. Im Fokus des öffentlichen Interesses standen auch die Misshandlung oder der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Die Eingriffe der Jugendämter haben sich bei diesem Verdacht gegenüber dem Jahr 2005 um über 38 Prozent erhöht. Die unbegleitete Einreise aus dem Ausland spielte in der Vergangenheit kaum eine Rolle. Im Jahr 2009 wurden dagegen 45 Inobhutnahmen mit diesem Hintergrund gezählt.

Quelle: Pressemeldung des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz vom 22.07.2010

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