Dr. Meysen kündigt Verbesserungen in der Pflegekinderhilfe in Deutschland an

Posted on Januar 21, 2010. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, PFAD Verband, Pflegefamilie, Politik, Publikationen, Rechtliches, Stellungnahmen | Schlagwörter: |

(pfad/schulz) Dr. Thomas Meysen, Fachlicher Leiter des Deutschen Instituts für Jugendhilfe und Familienrecht e.V. (DIJuF) in Heidelberg kündigt in seinem Leitartikel in DAS JUGENDAMT – Zeitschrift für Jugendhilfe und Familienrecht (Ausgabe 12/2009) für das Jahr 2010 optimistisch den Beginn des lange überfälligen quantitativen und qualitativen Ausbaus der Pflegekinderhilfe in Deutschland an.

Ausdrücklich lobt er das Engagement der Pflegeelternverbände, die „bisher meist auf sich allein gestellt waren“. Nun nach Abschluss des großen Forschungsprojekts zur Pflegekinderhilfe von DJI und DIJuF, dessen Handbuch mit den abschließenden Ergebnissen nun im Februar erscheinen soll, sei die Zeit endlich reif, dass konkrete Forderungen an Gesetzgeber und Praxis endlich Gehör finden.

Dr. Thomas Meysen: Editorial Pflegekinderhilfe 2010 (pdf)

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„Leuchtturmprojekt PflegeKinderDienst“ will einheitliche Standards für die Betreuung von Pflegekindern schaffen

Posted on Juli 17, 2009. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Netzwerke, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Politik | Schlagwörter: , , , , |

Landschaftsverband Rheinland (LVR), Uni Siegen und Jugendamt Düsseldorf möchten die Arbeit von Pflegekinderdiensten verbessern / Modellprojekt in Bornheim, Duisburg, Düsseldorf und Kamp-Lintfort gestartet / Einsatz für einheitliche Rahmenbedingungen im Pflegekinderwesen

Köln. 7. Juli 2009. Immer mehr Kinder haben nicht das Glück, von ihren biologischen Eltern umsorgt und erzogen zu werden. Gründe dafür können Krankheiten, Todesfälle oder ungünstige soziale Umstände im Elternhaus sein. Viele dieser Kinder werden in Pflegefamilien vermittelt. Eine Pflegefamilie ermöglicht es Kindern, Vertrauen zu fassen, Geborgenheit und die Zuneigung von Eltern zu erfahren. So lernen sie, was es heißt, verlässliche Bindungen einzugehen. Doch bei den Kriterien, nach denen Pflegefamilien vorbereitet, begleitet und unterstützt werden, bestehen je nach Kommune wesentliche Unterschiede. Dies führt mitunter sowohl für die Kinder und Pflegefamilien als auch für die Vermittlungsdienste zu schwierigen Situationen.

Deshalb haben der LVR (Landschaftsverband Rheinland), die Universität Siegen und das Jugendamt der Stadt Düsseldorf das „Leuchtturmprojekt PflegeKinderDienst“ aufgelegt. Ziel ist es, im ganzen Rheinland verbindliche Standards bei der Betreuung von Pflegefamilien einzuführen und die Professionalität im Pflegekinderwesen zu steigern.

„Nur durch verbindliche Standards und Rahmenbedingungen bei der Vermittlung von Pflegeverhältnissen sind überall im Rheinland gleichwertige Voraussetzungen für die Versorgung für Pflegekinder sicher zu stellen“, sagt Michael Mertens, LVR-Schul- und Jugenddezernent, zur Intention des Projektes. „Deshalb unterstützt der LVR als Träger des Landesjugendamtes dieses Projekt aktiv“, so Mertens weiter.

Prof. Klaus Wolf von der Universität Siegen leitet die Forschungsgruppe: „Im Mittelpunkt steht das Anliegen, den Kindern, die einen schwierigen Start ins Leben hatten, eine gute Entwicklung zu ermöglichen und dazu auch die Pflege- und Herkunftsfamilien wirksam zu unterstützen. Umso wichtiger ist die Entwicklung von gut begründeten Qualitätskriterien, die als Orientierungshilfe für die Fachkräfte dienen können.“

Das zweijährige Projekt untersucht exemplarisch die Pflegekinderdienste der Städte Bornheim, Duisburg, Düsseldorf und Kamp-Lintfort. Zunächst werden biografische Interviews mit über 50 (ehemaligen) Pflegekindern aus diesen Regionen geführt. Dabei werden auch geschlechtsspezifische Besonderheiten berücksichtigt. Aus der Analyse und Aufbereitung der Interviews leitet die Forschungsgruppe gemeinsam mit den Mitarbeitern der Pflegekinderdienste der vier Städte fachliche Standards ab, um die Arbeit der Vermittlungsdienste zu professionalisieren. Die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den beteiligten Pflegekindern, der Universität Siegen und den Fachkräften in den Pflegekinderdiensten ist unabdingbare Voraussetzung für das Gelingen des Projektes.

Erste konzeptionelle Leitlinien für die Arbeit der Pflegekinderdienste hat der LVR in einer Rahmenkonzeption zur Verfügung gestellt. (wir berichteten)

Quelle: Meldung auf INFO SOZIAL vom 09.07.09

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LVR: Arbeitshilfe „Rahmenkonzeption Pflegekinderdienst“

Posted on Juni 29, 2009. Filed under: Fachkräfte, Jugendhilfe, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Das LVR-Landesjugendamt Rheinland hat die Arbeitshilfe „Rahmenkonzeption Pflegekinderdienst“ herausgegeben. Diese soll als Grundlage und Orientierung für die Arbeit vor Ort mit Pflegekindern, Pflegefamilien, Herkunftsfamilien dienen und richtet sich an die in diesem Arbeitsfeld tätigen Fachkräfte und Kooperationspartner.

In der Arbeitshilfe sind gesetzliche Vorgaben enthalten, weiterhin werden Begrifflichkeiten erläutert, das Leistungsangebot und die Organisation des Pflegekinderdienstes dargestellt. Außerdem werden Verfahrensabläufe sowie Qualitätssicherung und Qualitätskontrolle beschrieben.

Quelle: LVR-Newsletter „Rechtsfragen der Jugendhilfe“ vom 29.06.09

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PFAD diskutiert aktuelle Ergebnisse der Pflegekinderforschung

Posted on Juni 26, 2009. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, Netzwerke, PFAD Verband, Pflegefamilie, Publikationen, Stellungnahmen, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

Die Delegierten der Landesverbände des PFAD Bundesverbandes der Pflege- und Adoptivfamilien e.V. trafen sich am 20./21. Juni 2009 in Karlsruhe. Neben dem Austausch über aktuelle Entwicklungen und Tätigkeitsschwerpunkte auf Bundesebene und in den Ländern beschäftigte sich das Gremium mit den Ergebnissen der Studie „Pflegekinderhilfe in Deutschland“, die von 2005 bis 2009 vom Deutschen Jugendinstitut (DJI) und dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend durchgeführt wurde.

Fünf ausgewählte wissenschaftliche Expertisen wurden ausführlich vorgestellt und diskutiert. PFAD begrüßt ausdrücklich die notwendige Intensivierung der Forschung im Bereich Pflegekinderhilfe in Deutschland und unterstützt und verfolgt mit großem Interesse weiterführende Forschungsprojekte. Besonderen Verbesserungsbedarf sahen die Verbandsvertreter in den Bereichen:

  • Sicherung von Kontinuität in der Biographie von Pflegekindern
  • Beratung und Unterstützung von Herkunftsfamilien
  • Partizipation von Kindern und Jugendlichen
  • Rechte von Pflegeeltern
  • fachliche Begleitung von Pflegeverhältnissen
  • Wahrnehmung und Beachtung von Frühtraumatisierungen
  • Anerkennung und Qualifizierung von Verwandtenpflege

Während Bestrebungen zur Verkürzung der gerichtlichen Verfahrensdauer im Sinne der Kinder begrüßt wurden, wurde auch Kritik geäußert gegenüber der ausschließlichen Betrachtung von Umgangskontakten im Kontext von Rückführung.

Neben den auf den Internetseiten des DJI im Volltext veröffentlichten wissenschaftlichen Gutachten beschäftigten sich die TeilnehmerInnen des PFAD-Ländergremiums auch intensiv mit dem Konzept „Permanency Planning“ („Kontinuitätssichernde Hilfeplanung“), das vorwiegend im anglo-amerikanischen Raum Fremdplatzierungen zu Grunde liegt. Die Charakteristika dieser Vorgehensweise – fachliche Qualifizierung von Rückführung in einer gesetzlich festgelegten Zeitspanne und rechtliche Absicherung von Dauerpflegeverhältnissen – stießen auf reges Interesse, da hierin originäre Forderungen des PFAD-Verbandes verwirklicht sind.

In den aktuellen Appellen der Fachwelt für mehr Kontinuität für Pflegekinder – wie z.B. in der „Siegener Erklärung“ von 2008 formuliert – und für verbindliche Standards in der – momentan in jeder Kommune unterschiedlich ausgestalteten und verstandenen – Pflegekinderhilfe, sieht der PFAD-Bundesverband den richtigen Weg, um die gegenwärtig noch unbefriedigend geregelte Situation von Pflegekindern und ihren Familien in Deutschland zu verbessern.

Bis zum Herbst ist geplant, die Ergebnisse der Studie „Pflegekinderhilfe“ und das demnächst erscheinende „Handbuch Pflegekinderhilfe“ des DJI in den einzelnen PFAD-Landesverbänden zu diskutieren. Darin legen die Wissenschaftler Schlussfolgerungen ihrer Forschung für das Handeln aller im Hilfesystem Beteiligten vor.

Beim zweiten Ländergremium des Verbandes am 21./22. November 2009 in Berlin werden sich die Delegierten mit konkreten Umsetzungsmöglichkeiten ausgewählter Aspekte aus der Studie in die Praxis beschäftigen. Für den Frühsommer 2010 plant PFAD in Kooperation mit dem BMFSFJ in Berlin einen Fachtag zur Erörterung der rechtlichen Möglichkeiten einer Kontinuitätssicherung für Pflegekinder.

Einen ausführlicheren Bericht über das PFAD-Ländergremium in Karlsruhe finden Sie in unserer Fachzeitschrift PFAD, die am 15. August erscheinen wird. (us/mh)

Pressemitteilung des PFAD-Bundesverbandes vom 26.06.09

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Buchtipp: „Kindheit in Pflegefamilien“

Posted on Juni 16, 2009. Filed under: Erziehungsstellen, Fachkräfte, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

In der Schriftenreihe der Gilde Soziale Arbeit e.V. ist im Verlag Barbara Budrich der Band „Kindheit in Pflegefamilien“ von Braches-Chyrek, Rita & Macke, Kathrin & Wölfel, Ingrid (Hrsg.) erschienen.

Die Wahrnehmung des Schutzauftrages für Kinder in Form von „Ersatzerziehung“ in Pflegefamilien wird von der Jugendarbeit immer dann eingesetzt, wenn die Eltern selbst nicht in der Lage sind, ihre Kinder vor Gefährdungen zu schützen. Da zur Situation von Kindern in Pflegefamilien bislang erstaunlich wenig geforscht wurde, nimmt sich dieser Band die vielfältigen Problemlagen und Konfliktbereiche von Kindern an und arbeitet sie sowohl theoretisch wie praxisnah auf. Ein Buch für die Soziale Arbeit, das Pflegekinderwesen, Pflegeeltern, Lehrende und Studierende der einschlägigen Studiengänge.

Kinderschutz wird erneut zum hoch ideologisierten Feld in der Sozialen Arbeit. Die moderne Jugendhilfe bedient sich in der Wahrnehmung ihres Schutzauftrages für Kinder der Pflegefamilien als ein bewährtes, staatlich kontrolliertes Modell privat organisierter „Ersatzerziehung“ immer dann, wenn Eltern nicht in der Lage sind, ihre Kinder vor Gefährdungen zu schützen. Eine kritische Betrachtung und Begleitung der Pflegeverhältnisse wird häufig nicht realisiert. Dies führt dazu, dass der Alltag von Kindern in Pflegefamilien weitgehend unerforscht ist, ebenso wie der Verlauf und der „Erfolg“ von Pflegeverhältnissen. Die Situation von Pflegekindern und ihren Familien ist von Inkonsistenzen in der Qualität von Hilfen gekennzeichnet, die nach einer kritischen Überprüfung verlangen und gleichzeitig auch nach einer professionstheoretischen Diskussion über fachliche und inhaltliche Konzeptionen.

Ziel diese Bandes ist es, die Problematiken in dem Spannungsverhältnis Pflegefamilie – Jugendhilfe – Kindeswohl zu benennen und zu diskutieren. Die Perspektive der Kinder steht dabei im Mittelpunkt.

Aus dem Inhalt:

  • Kathrin Macke: Biographiearbeit mit Pflegekindern. Anforderungen, Chancen und Grenzen
  • Ingrid Wölfel: Zur Omnipräsenz des Jugendamtes in der Lebenswelt von Pflegekindern
  • Gaby Lenz: Zur Komplexität des Beziehungsgefüges öffentlicher Erziehungshilfe in privaten Pflegefamilien
  • Karl-Michael Froning: Dimensionen von Kindeswohl
  • Rita Braches-Chyrek: Ambivalente Mutterschaft
  • Annegret Freiburger: Geschwisterbeziehungen bei Pflegekindern
  • Gerd Günther: Historischer Exkurs: Das Pflegekinderwesen in Hamburg
  • Marie-Luise Caspar, Eckart Peter Günther: „Fremdversorgung“ eine frühe Form der Tagespflege
  • Rita Braches-Chyrek, Heinz Sünker: Kindheitsforschung und Analyse kindlicher Lebenslagen
  • Annegret Freiburger, Kathrin Macke: Gleiche Chancen für fremduntergebrachte Kinder?
  • Ingrid Wölfel: Qualifizierung von Pflegefamilien – ein kurzes Statement
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DJI Online Thema 2009/05: Pflegekinder und ihre Familien – Chancen, Risiken, Nebenwirkungen

Posted on Mai 12, 2009. Filed under: Fachkräfte, Forschung, Jugendhilfe, PFAD Verband, Pflegefamilie, Publikationen, Stellungnahmen | Schlagwörter: , |

Eklatante Fälle von Kindesvernachlässigung führen häufig zu einer befristeten oder auch dauerhaften Unterbringung der Kinder in Pflegefamilien. DJI Online liefert mit dem aktuellen Monatsthema „Pflegekinder und ihre Familien: Chancen, Risiken, Nebenwirkungen“ ein differenziertes Bild zur Pflegekinderlandschaft in Deutschland. Grundlage sind Ergebnisse aus einer mehrjährigen vom Bund geförderten Studie, die das DJI gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) durchgeführt hat. Die Erkenntnisse aus diesem Forschungsprojekt fließen auch ein in das Mitte 2009 erscheinende „Handbuch Pflegekinderhilfe“.

Eine gewandelte Landschaft der Pflegekinderdienste sowie eine geänderte Rechtslage waren Anlass, das vom DJI 1987 veröffentlichte Handbuch „Beratung im Pflegekinderbereich“, das zum Standardwerk der Pflegekinderhilfe avancierte, neu zu verfassen.

Leitmotiv des dazu von August 2005 bis April 2009 laufenden DJIProjekts war es herauszuarbeiten, wie das Wohl der Kinder in der Pflegekinderhilfe gefördert werden kann. Die Bindungen und Beziehungen der Kinder sowohl an die Herkunftsfamilie als auch die Pflegefamilie wurden dafür ebenso untersucht wie die unterschiedlichen Interessen der leiblichen und pflegenden Eltern sowie die der professionellen HelferInnen in den Jugendämtern und den Pflegekinderdiensten.

Das Mitte 2009 erscheinende Handbuch zur Pflegekinderhilfe wird auch in einer Internetfassung online verfügbar sein. Der Aufbau dieses Manuals orientiert sich – ähnlich wie schon beim DJIHandbuch zur Kindeswohlgefährdung – ganz klar an der Handlungsperspektive der Praxis und bietet konkrete Hilfen für die Entscheidungsfindung im Einzelfall.

Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Land mit einem hohen Anteil von Kindern in Fremdunterbringung: Bei einer Fremdunterbringung kommen jüngere Kinder eher in eine Pflegefamilie, ältere Kinder eher in eine stationäre Maßnahme. Laut Jugendhilfestatistik befanden sich 2005 in Deutschland rund 50.000 Kinder in Pflegeverhältnissen. Da nicht alle Pflegeverhältnisse statistisch erfasst sind, schätzen ExpertInnen die Gesamtzahl auf ca. 135.000. Das sind 0,9% aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland. Aufgrund der sinkenden Kinderzahlen ist der relative Anteil leicht gestiegen, obwohl die absolute Anzahl der Kinder in Pflege seit 1991 recht stabil ist.

Die DJI-Studie liefert u.a. quantitative Daten zu 632 Pflegekinderverhältnissen, die in vier Gebietskörperschafen erhoben wurden. Demnach stammen die Kinder in Vollzeitpflege zu einem großen Teil aus Herkunftsfamilien, die durch länger andauernde Unterversorgungslagen und biografische Deprivationsgeschichten gekennzeichnet sind. In fast 70% der Unterbringungen in Fremdpflegefamilien und bei etwas mehr als der Hälfte der Verwandtenpflegen gingen bereits andere Hilfen wie sozialpädagogische Familienhilfe oder Hilfen zur Erziehung voraus. In 60% der Herkunftsfamilien sind die Mütter alleinerziehend.

Unter den Gründen für die Fremdplatzierung in einer Pflegefamilie wurden von den befragten Fachkräften bei rund 50% der Inpflegegaben Be- und Erziehungsprobleme genannt. Von großer Bedeutung war in diesem Kontext auch die Situation des Alleinerziehens, die in 40% der Fälle als Grund angegeben wurde. Mit 35% standen an dritter Stelle wirtschaftliche Probleme, die weitgehend auf den sehr niedrigen Bildungsstand in den Herkunftsfamilien zurückzuführen sind. Insgesamt hatten 80% der Mütter und 66% der Väter in den Herkunftsfamilien keinen oder nur einen sehr niedrigen Ausbildungsabschluss.

Nach Einschätzung der sozialen Arbeit hat die Mehrzahl der Kinder in Vollzeitpflege in der Herkunftsfamilie eine Kindeswohlgefährdung erfahren. Mehr als die Hälfte der Kinder in Vollzeitpflegeverhältnissen wiesen in der Folge nach Angaben der Pflegeeltern bedeutsame Beeinträchtigungen in den Bereichen psychische Gesundheit, Bildung und soziale Teilhabe auf. 43% der Kinder litten an behandlungsbedürftigen Einschränkungen der psychischen Gesundheit und Störungen in der Verhaltensanpassung. Bei einer Untergruppe der Pflegekinder lag eine posttraumatische Belastungsstörung vor. Von den Indikatoren für Bildungsrisiken (Sonderschule, Klassenwiederholung, Lernschwierigkeiten) sind 67% der Pflegekinder mit mindestens einem Problemindikator und 35% mit mindestens zwei Indikatoren belastet. Für 81% der Pflegekinder gilt eine eingeschränkte, und für 13% sogar eine stark eingeschränkte Teilhabe am sozialen Leben.

Pflegeeltern, die sich dieser Kinder meist mit viel Enthusiasmus und gutem Willen annehmen möchten, stehen vor einer großen Herausforderung, die häufig unterschätzt wird. Die im DJI-Gastbeitrag zu Wort kommende Pflegemutter, die anonym bleiben möchte, wünscht sich daher von den zuständigen vermittelnden Stellen mehr Aufklärung und Transparenz sowie eine verstärkte und dauerhafte Unterstützung bei der Bewältigung des schwierigen Alltags mit den Pflegekindern.

Mehr Ressourcen müssten – so ein Ergebnis der DJI-Studie – auch bereitgestellt werden, um die Herkunftsfamilien stärker zu unterstützen. Denn sie brauchen entweder Hilfe, um die Trennung von den Kindern zu verarbeiten und im Interesse der Kinder die Kontakte zu halten, wenn diese langfristig in der Pflegefamilie leben. Oder aber dabei, ihre Erziehungsfähigkeit (wieder) herzustellen, die eine wichtige Voraussetzung für die Rückführung der in Pflege gegebenen Kinder zu den leiblichen Eltern ist. Dies ist derzeit in Deutschland nur bei 5% der Kinder in
Vollzeitpflegeverhältnissen der Fall.

Aus juristischer Sicht, wie sie Dr. Thomas Meysen (DIJuF) in seinem Beitrag darlegt, verdient die vertragliche Gestaltung des Pflegeverhältnisses durch die Eltern der Herkunfts- und der Pflegefamilie verstärkte Aufmerksamkeit. Er sieht es als lohnende Investition, wenn schon vor oder zumindest zu Beginn des Pflegeverhältnisses ein intensiver und moderierter Aushandlungsprozess zwischen Herkunfts- und Pflegeeltern stattfindet. So könne nicht nur der Grundstein für tragfähige Regelungen zur Gestaltung des Familienpflegeverhältnisses gelegt, sondern auch die Bewältigung später auftretender Konflikte verbessert werden.

Quelle: Medieninformation des DJI vom 04.05.09

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Düren: Die Zahl der Pflegefamilien steigt

Posted on April 23, 2009. Filed under: Bewerber, Jugendhilfe, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: |

Die Aachener Nachrichten online.de berichten von steigenden Zahlen der Vermittlung von Kindern in Pflegefamilien:

„…Insgesamt sind zur Zeit in Kreis und Stadt Düren 310 Kinder in 212 Pflegefamilien untergebracht. Das Kreisjugendamt stellt hierfür 152 Pflegefamilien mit 195 Kindern zur Verfügung, das Jugendamt der Stadt Düren in Zusammenarbeit mit der Diakonie 60 Pflegefamilien, in denen 120 Pflegekinder leben. Im Stadtgebiet ist diese Zahl im Vergleich zum vergangenen Jahr leicht gestiegen: 2008 gab es 56 Pflegefamilien mit 116 Kindern. «Die Anfragen nach einer familienbezogenen Unterbringung steigen in der Tat», weiß Rita Müller vom Dürener Pflegekinderdienst….“

Artikel von Andreas Bongartz vom 17.04.09

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PFAD-Themenabend „Mein Pflegekind wird volljährig! Wie geht es weiter?“ am 07.05. in Freiburg

Posted on April 7, 2009. Filed under: Baden-Württemberg, Fortbildung, Jugendhilfe, Netzwerke, PFAD Verband, Pflegefamilie, Veranstaltungen | Schlagwörter: , |

Der PFAD Ortsverein Freiburger Pflege- und Adoptivelternkreis Nestwärme e.V. veranstaltet am Mittwoch, den 07.05. um 20 Uhr den Themenabend  “Mein Pflegekind wird volljährig! Wie geht es weiter?” im Heilpädagogischen Hort in der Leisnerstr. 2 in Freiburg.

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Forschungsprojekt konstatiert Defizite in der Hilfe für Pflegekinder

Posted on Februar 24, 2009. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Im Rahmen des Forschungsprojektes „Pflegekinderhilfe“, das das Deutsche Jugendinstitut (DJI) gemeinsam mit dem Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF) durchgeführt hat, wurden rund 630 Pflegekinderverhältnisse in vier Kommunen untersucht und Pflegeeltern von mehr als 400 Kindern befragt. Damit liegt die bislang größte empirische Forschungsarbeit zu diesem Thema in Deutschland vor.

Etwa 50.000 Kinder in Deutschland leben bei Pflegeeltern, Kinder, die befristet oder auf Dauer aus ihrer Herkunftsfamilie herausgenommen werden, weil sie dort Misshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch erfahren haben. Die Expertinnen und Experten des DJI und des DIJuF schätzen, dass knapp ein Drittel dieser Pflegeverhältnisse scheitert.

Als zentrale Ursache wird zum einen das Fehlen einheitlicher kommunaler Standards für die Arbeit mit Pflegekindern genannt. Demnach variieren die Bezahlung von Ort zu Ort sehr stark und auch die Vorbereitung der Pflegeeltern auf ihre Aufgaben gestaltet sich sehr unterschiedlich. Zum anderen werde die ohnehin schon schwierige Kommunikation zwischen Pflegekindern, leiblichen Eltern und Pflegeeltern häufig kaum von Fachkräften vorbereitet oder begleitet. Ein Grund dafür liege auch in den teilweise miserablen Betreuungsschlüsseln in den Jugendämtern und Pflegekinderdiensten.

Elisabeth Helming vom Deutschen Jugendinstitut nennt drei Faktoren, die die Beziehung zwischen Pflegeeltern und Kind stabilisieren: eine persönliche Bindung aufzubauen und dem Kind bei Schulproblemen und im Kontakt zu seiner Herkunftsfamilie zu helfen. Aber auch die sozialpädagogische Fachkraft, der Sozialarbeiter vom Jugendamt müsse sich mehr Zeit nehmen.

Im Gespräch mit epd sozial fordert Thomas Meysen, Fachlicher Leiter vom Deutschen Institut für Jugendhilfe und Familienrecht  ein neues Verständnis in der Pflegekinderhilfe. Es müsse mehr in den Anfang von Pflegekinderverhältnissen und in die Beziehung zwischen den Herkunftseltern und den Pflegeeltern investiert werden. Derzeit macht sich das DIJuF auch für eine Stärkung der Dauerpflegeverhältnisse stark.

Mitte des Jahres 2009 wird das DJI ein neues Handbuch zur Pflegekinderhilfe vorlegen. Einzelne Exposés der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stehen im Internet zur Verfügung auf der Projektseite des DJI.

Quelle: epd sozial vom 30. Januar 2009

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Radio-Tipp: „Nestwärme auf Zeit – Pflegefamilien und ihre Probleme“ am 25.02.

Posted on Februar 23, 2009. Filed under: Bewerber, Fachkräfte, Jugendhilfe, Pflegefamilie, Publikationen, Verschiedenes | Schlagwörter: |

SWR2 Wissen sendet am Mittwoch, den 25. Februar um 8.30 Uhr  den Beitrag Nestwärme auf Zeit – Pflegefamilien und ihre Probleme von Silvia Plahl.

„Eltern werden“ – „Kinder suchen Eltern – nicht umgekehrt!“ ?- „Pflegeeltern gesucht“. So waren große Werbekampagnen überschrieben, die Städte in Deutschland jüngst gestartet haben. Die Jugendämter nehmen immer mehr Kinder und Jugendliche in ihre Obhut, der Bedarf an Pflegefamilien steigt. Doch viele Pflegeeltern fühlen sich mit den Kindern und ihren oft heftigen Problemen im Stich gelassen. Sie fordern mehr Hilfe und Kontrolle vom Amt und eine gute Vorbereitung auf die schwierige Aufgabe. Sozialwissenschaftler, Juristen und Psychologen sind auf der Suche nach allgemeinen Standards für sehr unterschiedliche Lebensläufe.

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Radio-Beitrag: „Pflegefamilien auf dem Prüfstand – Studie über den schwierigen Alltag der Pflegekinderhilfe“

Posted on Februar 23, 2009. Filed under: Bewerber, Forschung, Jugendhilfe, Pflegefamilie | Schlagwörter: , |

Deutschlandradio beschäftigte sich in seinem Beitrag „Pflegefamilien auf dem Prüfstand – Studie über den schwierigen Alltag der Pflegekinderhilfe“ mit den Ergebnissen der kürzlich abgeschlossenen DJI-Studie „Pflegekinderhilfe“. Interviewt wurden u.a. Elisabeth Helming vom Deutschen Jugendinstitut und Peter Heinßen, Geschäftsführer von „Familien für Kinder“ Berlin.

Beitrag aus dradio.de vom 19.02.

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Umfrage zum Pflegekinderwesen im Rheinland 2007

Posted on Februar 1, 2009. Filed under: Forschung, Jugendhilfe, Nordrhein-Westfalen, Pflegefamilie, Publikationen | Schlagwörter: , |

Das LVR-Landesjugendamt Rheinland hat unter dem Titel

Was Sie schon immer wissen wollten –
Basisdaten zum Pflegekinderwesen im Rheinland 2007

(pdf 939 KB)

die Auswertung einer Umfrage zum Pflegekinderwesen herausgegeben, die zum Stichtag 31. Dezember 2007 bei den rheinischen Jugendämtern erfolgte.

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