Drogenbeauftragte fordert: „Kinder aus sucht-belasteten Familien noch besser unterstützen“

Posted on November 19, 2011. Filed under: Forschung, Gesundheit, Jugendhilfe, Kinderschutz, Netzwerke, Politik, Publikationen | Schlagwörter: |

Am 15.11.2011 stellte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, die Jahresberichte der deutschen und europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht vor. Eine ihrer Forderungen betraf die bessere Unterstützung von Kindern aus sucht-belasteten Familien.

Auszug aus der Pressemitteilung:

Ein besonderes Thema des deutschen Jahresberichts (Reitox-Berichts) ist die Situation der Kinder von suchtkranken Eltern. Schätzungen zufolge leben in Deutschland 30.000 bis 60.000 Kinder von drogenabhängigen Eltern. Diese Kinder sind besonders häufig von Armut und sozialer Benachteiligung betroffen. Einige dieser Kinder sind bereits im Mutterleib durch den Drogenkonsum ihrer Mütter gesundheitlich geschädigt worden. Häufig leiden sie unter Entwicklungsverzögerungen oder Missbildungen.

„Kinder aus suchtbelasteten Familien und deren Eltern erhalten in unserem Land häufig noch nicht die Unterstützung, die sie benötigen,“ so die Drogenbeauftragte. „Es ist unsere Aufgabe, den betroffenen Personen Hilfen zur Seite zu stellen. Ich setze mich daher für eine Verbesserung ihrer Situation ein. Ein erster erfolgreicher Schritt ist uns durch das neue Bundeskinderschutzgesetz gelungen. Die öffentliche Jugendhilfe wird nun durch das Gesetz verpflichtet, bei einer von Sucht betroffenen Familie mit den örtlichen Suchtberatungsstellen zusammenzuarbeiten.“

Quelle: Pressemitteilung der Drogenbeauftragten vom 15.11.2011

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Kommentar aus der Selbsthilfegruppe „Lebenslänglich Moritz“ für Fetales Alkohol-Syndrom (FAS)

Die Bundessuchtbeauftragte Sabine Bätzing hat bereits am 9.9.2008, dem FAS-Tag, veröffentlicht, dass in
Deutschland jährlich 4000-10.000 Kinder mit unterschiedlich stark ausgeprägtem Fetalem-Alkohol-
Syndrom (FAS) geboren werden. Ursache dafür ist der Alkoholkonsum der werdenden Mutter während der
Schwangerschaft.
FAS ist ein Fehlbildungssyndrom, das körperliche, geistig-intellektuelle und Verhaltensstörungen mit
unterschiedlicher Ausprägung zur Folge hat. Es ist nicht heilbar und seine Auswirkungen sind nur in geringem
Umfang therapierbar. FAS-Geschädigten werden aufgrund ihrer Auffälligkeiten im Sozialverhalten meist als
psychisch gestört wahrgenommen. Tatsächlich ist ihr Verhalten aber auf eine Hirnschädigung
zurckzufhren.
Pflege- und Adoptiveltern, die mit FAS-geschädigten Kindern oder Erwachsenen leben und sich in
Selbsthilfegruppen austauschen, berichten, dass Ihre Kinder aufgrund von Teildiagnosen (wie ADHS,
Autismus, Epilepsie, Depressionen, Lernprobleme, Wahrnehmungsstörungen, Probleme im Sehen, Hören
oder in der Sprachentwicklung) Therapien unterzogen werden, die der wirklichen, umfangreichen
Problematik ihrer FAS-Schädigung nicht gerecht wurden und durch die sie aufgrund ihrer geistigen
Behinderung berfordert waren.
Durch die unzureichende Wahrnehmung, Akzeptanz und Anerkennung des Fetalen-Alkohol-Syndroms
(FAS), seiner Ursachen und Folgen, durch Ärzte, Therapeuten, Jugendämter, Strafverfolgungsbehörden
usw. werden FAS-Geschädigte selten auf ihre wirkliche Problematik hin untersucht und diagnostiziert.
Somit verläuft das Schicksal der FAS-Betroffenen meistens ungnstig. Sie gelangen immer weiter ins
soziale Abseits, oftmals kommen sie mit dem Gesetz in Konflikt. Trotz fürsorglicher Betreuung in Ersatzfamilien kommen viele FAS-Geschädigte schon als Jugendliche mit dem Gesetz in Konflikt. Häufig landen sie in Psychiatrien, in Gefängnissen oder auf der Strasse/in der Prostitution.
FAS-Geschädigte können ihr tägliches Leben nicht selbstst䮤ig organisieren. Sie benötigen Hilfestellung
und Betreuung rund um die Uhr. Deshalb muss diese spezielle Gruppe der Behinderten in das soziale Netz
integriert und weitere Elemente des Netzes müssen geschaffen werden. Dies scheitert allerdings häufig
schon an der ersten Hrde, der Diagnose. Die meisten Ärzte und Therapeuten sind nicht auf die FAS-
Problematik vorbereitet. Entweder kennen sie das spezielle FAS-Krankheitsbild nicht, oder sie haben
Berührungsängste damit. Wer möchte schon einer Mutter die Nachricht überbringen, dass sie ihrem Kind
geschadet hat, weil sie in der Schwangerschaft nicht auf Alkohol verzichtet hat?
Aus diesen vielfältigen Gründen wird für die meisten FAS-Geschädigten keine eindeutige Diagnose erstellt.
In diesem Zusammenhang ist auch die psychotherapeutische Behandlung zahlreicher verhaltensauffälliger
Kinder von suchtbelasteten Mttern zu hinterfragen. Wird bei diesen vor Behandlungsbeginn geprüft, ob
die psychischen Auffälligkeiten auf einer vorgeburtlichen Alkoholschädigung FAS beruhen oder wurden sie aufgrund
der sozialen Belastung in der Suchtfamilie erworben wurden? Wenn eine FAS-Schädigung vorliegt, sind
die Kinder kaum in der Lage ihre Chancen durch Therapien wahrzunehmen und umzusetzen. Ihre
Zukunftsperspektive liegt aufgrund der ständigen Überforderung und der unzureichenden Betreuung in der
Regel außerhalb der Gesellschaft.
Nur wenige FAS-Geschädigte, in der Regel nur Pflege- und Adoptivkinder, haben das Glück auf folgendem
Weg in das soziale Netz der Gesellschaft aufgenommen zu werden:
Diagnose
Behindertenausweis
Betreuung
Pflegestufe
Förderschule / Integrative Berufsausbildung
Betreute Wohngelegenheit
Der entscheidende Schritt, die Anerkennung und Gewährung einer Opferrente, steht noch aus.
Hier sind auch die Ärzte und Therapeuten gefordert. Sie können die Integration der FAS-Geschädigten in
die sozialen Errungenschaften unserer Gesellschaft erheblich erleichtern, wenn sie im Interesse der
geschädigten Kinder die FAS-Diagnose zukünftig nicht mehr tabuisieren, sondern offensiv anstreben.


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