Bericht von der Fachtagung der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz am 08./09.11. in Frankfurt

Posted on Dezember 12, 2011. Filed under: Adoptivfamilie, Fachkräfte, Forschung, Fortbildung, Jugendhilfe, Rechtliches, Rheinland-Pfalz, Veranstaltungen | Schlagwörter: , , |

Veränderungen im Adoptionsbereich durch rechtliche und gesellschaftliche Entwicklungen

Im neuen Ambiente des renovierten Kolpinghauses tauschten sich die über 70 Fachkräfte der örtlichen Adoptionsvermittlungsstellen der Jugendämter und der rheinland-pfälzischen und hessischen anerkannten Auslandsvermittlungsstellen in freier Trägerschaft engagiert zu aktuellen Themen und Einzelfällen aus.

Schnell wurde der Bedarf an fachlichem Austausch mit den zuständigen Richterinnen und Richtern zum rechtlichen Verfahrensablauf in Adoptionssachen nach dem FamFG (Gesetz über das Verfahren in Familiensachen und in den Angelegenheiten der freiwilligen Gerichtsbarkeit) deutlich. Die Nachfragen zum Vortrag von Christian Braun, Richter am Amtsgericht in Frankfurt am Main, zeigten das große Interesse an weiterführenden Informationen zu den Neuerungen das Inkrafttreten des FamFG und der praktischen Umsetzung. Richter Christian Braun gab einen Überblick über das gerichtliche Verfahren bei Annahme eines minderjährigen Kindes, die Ersetzung der Einwilligung eines Elternteils, das Aufhebungsverfahren einer Adoption und das Verfahren auf Anerkennung und Umwandlung einer ausländischen Adoption.

Im weiteren Verlauf der Tagung wurde schwerpunktmäßig das Thema Leihmutterschaft behandelt. Der Einsatz von Leihmüttern ist in Deutschland verboten, nimmt weltweit zahlenmäßig jedoch zu. Prof. Dr. Rudolf Seufert, Leiter der gynäkologischen Endokrinologie an der Universitätsfrauenklinik in Mainz, erläuterte die medizinischen Gesichtspunkte der heterologen reproduktionsmedizinischen Therapie. Die Sterilität Deutschland nimmt seit 2008 stetig zu. Heute bleiben ca. 12 bis 15 % der Paare ungewollt kinderlos. Iris Egger-Otholt, Leiterin der Gemeinsamen Zentralen Adoptionsstelle Rheinland-Pfalz und Hessen, erläuterte die Problematik der Leihmutterschaft aus rechtlicher Sicht. Ein ausdrückliches Verbot von Leihmutterschaft wurde erst 1989, durch die Änderung des Adoptionsvermittlungsgesetzes und mit Inkrafttreten des Embryonenschutzgesetzes zum 01.01.1991 geschaffen. Zu mehr Information über dieses Thema verweisen wir auf den Artikel Leihmutterschaft/Ersatzmutterschaft, der im LJA Info im Februar 2011 erschienen ist.

Etliche Jugendämter in Deutschland sind mit Adoptionsverfahren aufgrund von im Ausland durchgeführten Leihmutterschaften konfrontiert. In Arbeitsgruppen wurden die möglichen Konsequenzen, die sich für die Beratungstätigkeit in Bezug auf Verfahren der Leihmutterschaft ergeben können, erarbeitet. Es zeigte sich, dass einwertfreie, aufklärende Beratung für das Aufzeigen der zukunftsperspektivischen Konsequenzen angezeigt ist. Der Schutz des Kindeswohls bleibt oberstes Ziel. Der Film „Google-Baby“, der zum Abschluss des ersten Tages gezeigt wurde, schildert eindrücklich die Situation indischer Leihmütter und macht auf die rasanten Entwicklungen im Bereich der Leihmutteschaft aufmerksam.

Gesellschaftliche Entwicklungen, sinkende Geburtenzahlen, demographischer Wandel und das Entstehen von neuen Familienmodellen haben unmittelbare Auswirkungen auf alle am Adoptionsprozess beteiligten Personen und Institutionen. Diese Fakten trug Dr. Sonja Weber-Menges, Soziologin an der Universität Siegen, in ihrem Beitrag „Neue Familienmodelle in der pluralen Gesellschaft“ vor. Ihre Definition für das neue Modell von Familien lautet: „Familie ist, wo Kinder sind.“

Auch nach dem gerichtlichen Abschluss einer Adoption haben die Adoptivfamilien Anspruch auf Unterstützung und nachgehende Begleitung. Mit der von Hildegard Rausch vorgestellten Methode Marte Meo können Fachkräfte der Vermittlungsstellen ihren Adoptivfamilien im Alltag zur Seite stehen. Die Methode Marte Meo (lateinisch: aus eigener Kraft) wurde von der Niederländerin Maria Aarts entwickelt. Anhand von Vidos erläuterte Hildegard Rausch alltägliche Situationen zwischen Kindern und ihren Eltern und zeigte auf, wie ein Problembewusstsein für Schieflagen auf der Beziehungsebene durch die Methode Marte Meo entwickelt werden kann. Der Schwerpunkt dieser Technik liegt auf der Hervorhebung der Stärken der Handelnden und der Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit zwischen den Handelnden.

Quelle: Landesjugendamts Info (Das Informationsmagazin des Landesjugendamtes Rheinland-Pfalz) Ausgabe Dezember 2011

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